Chronik 1770

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CHRONIK 1770


Erzherzogin Maria Antonia von Österreichs Brautzug nach Frankreich

König Carlos III. verbietet die Verwendung indigener Sprachen im spanischen Weltreich

Komet nähert sich der Erde bis auf 2,18 Millionen Kilometer

Quartal II

König Carlos III. von Spanien verbietet die Verwendung indigener Sprachen in seinem Weltreich

Quartal III

Komet nähert sich der Erde bis auf 2,18 Millionen Kilometer
=

Die russische Flotte besiegt die Osmanische Streitmacht in der Ägäis

Quartal IV

Nach 12 Jahren wechselt der König von Frankreich seinen Ersten Minister aus

Die erste Rentenkasse der Welt wird im Harz gegründet

In Moskau bricht die Pest aus


Hier geht es zu den Ereignissen der Jahre... style="color:blue;background-color:#f6f890;" | 1760 / 1761 / 1762 / 1763 / 1764 / 1765 / 1766 / 1767 / 1768 / 1769 / 1770 / 1771 / 1772 / 1773 / 1774 / 1775 / 1776 / 1777 / 1778 / 1779 / 1780
Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres 1770 style="color:blue;background-color:#f6f890;" | Januar / Februar / März / April / Mai / Juni / Juli / August / September / Oktober / November / Dezember

Die HMS ENDEAVOUR, Schiff der ersten Weltumseglung
Die wichtigsten Persönlichkeiten des Jahres
(nach Geburtsjahr geordnet)
Die wichtigsten Herrscher und Regierenden im Jahre 1770
(nach Beginn der Herrschaft geordnet, Regierungschef fett gedruckt)
Nation Name Regierungszeit Dauer Jahresende
Königreich Frankreich
(987–1792)
König Louis XV. le Bien-Aime
Premierminister Étienne Francois, duc de Choiseul-Amboise
Triumvir René Nicolas de Maupeou
Triumvir Joseph Marie Terray
Triumvir Armand du Plessis, duc d’Aiguillon
01.09.1715–10.05.1774
03.12.1758-24.12.1770
1768–02.06.1774
1769–02.06.1774
24.12.1770–02.06.1774
55y04m00d
12y21d
ca. 2,5 Jahre
ca. 1,5 Jahre
wenige Tage
Königreich Preußen
(1701–1918)
König Friedrich II.
Leitender Minister Karl Wilhelm Graf Finck von Finckenstein
Außenminister Karl Wilhelm Graf Finckenstein
Zweiter Außenminister Ewald Friedrich von Hertzberg
31.05.1740–17.08.1786
06.1749–03.01.1800
06.1749–03.01.1800
05.04.1763–08.1791
29y07m00d
21y06m00d
21y06m00d
07y08m27d
Republik der Sieben Vereinigten Provinzen
(1581–1795)
Erbstadthalter Wilhelm V. Batavus
Ratspensionär Pieter Steyn
22.10.1751-16.05.1795
12.06.1749-05.11.1772
19y02m10d
21y06m20d
Osmanisches Reich
(1299–1922)
Sultan Mustafa III.
Großwesir Muhsinzade Mehmed Pascha
30.10.1757–21.01.1774
18.10.1765–21.04.1774
13y02m00d
05y02m00d
Königreich Spanien
(1516–1873)
König Carlos III.
Chefminister Jerónimo Grimaldi
10.08.1759–14.12.1788
09.10.1763–09.02.1776
10y04m21d
06y02m22d
Russisches Kaiserreich
(1721–1917)
Zarin Katharina II.
Vizekanzler und Außenminister Alexander Michailowitsch Golizyn
Außenminister Nikita Panin
09.07.1762–17.11.1796
1762-1775
1763–1781
07y05m22d
ca. 8y
ca. 7y
Heiliges Römisches Reich
(962–1806)
Kaiser Joseph II.
Reichsvizekanzler Johann Friedrich von Seilern
Außenbeziehungen: Wenzel Anton von Kaunitz
19.08.1765–20.02.1790
1763–1785
17.01.1753–02.03.1792
04y04m12d
ca. 7y
17y11m14d
Königreich Großbritannien
(1707–1801)
König George III.
Premierminister Augustus Henry FitzRoy, 3rd Duke of Grafton
Premierminister Frederick Lord North, 2. Earl of Guilford
Außenminister (Nord) William Nassau de Zuylestein, 4th Earl of Rochford
Außenminister (Nord) John Montagu, 4th Earl of Sandwich
Außenminister (Süd) Thomas Thynne, 3rd Viscount Weymouth
Außenminister (Süd) William de Zuylestein, 4th Earl of Rochford
25.10.1760–29.01.1820
14.10.1768-28.01.1770
28.01.1770–22.03.1782
21.10.1768-19.12.1770
19.12.1770-12.01.1771
21.10.1768-12.12.1770
19.12.1770-09.11.1775
09y02m06d
01y03m15d
00y11m03d
02y01m28d
12d
02y01m22d
13d
Kirchenstaat
(754–1870)
Papst Clemens XIV.
Kardinalstaatssekretär Luigi Maria Torrigiani
19.05.1769–22.09.1774
1758–22.09.1774
01y07m12d
12y00m00d
Königreich Dänemark–Norwegen
(1536–1814)
König Christian VII.
(Faktischer Regierungschef) Johann Friedrich Struensee
14.01.1766–13.03.1808
15.09.1770–17.01.1772
04y11m00d
ca. 03m10d


Ereignis
01.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich auf den Weg zum Kloster Obermarchtal, wo der östliche Pavillon des Klosters als Logis für die Erzherzogin errichtet wurde. Die Straße zwischen Ulm und Riedlingen wurde in diesem Jahr anlässlich der Brautreise zur Chaussee ausgebaut. Bei Riedlingen wurde eine als Dauphinestraße bezeichnete Umgehungsstraße gebaut. In Oberdischingen ließ Franz Ludwig Graf Schenk von Castell anlässlich des Brautzuges eine 600 Meter lange Kastanienallee anlegen.

02.05.1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich

Der General der russischen Flotte, Alexej Orlow, sendet ein Manifest, in dem er die Griechen auffordert, das Joch der Osmanen abzuschütteln. Jetzt muss er durch den zweiten Teil des russischen Marinegeschwaders evakuiert werden, das zu seiner Rettung kommt. Die osmanische Flotte dreht ab, weil sie eine Konfrontation mit der russischen Flotte vermeiden will. Sie fahren zunächst nach Nafplion. Anschließend beginnt die russische Flotte mit der Belagerung von Koroni und Methoni.

Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich auf den Weg über Mengen und Zoznegg zur Übernachtung nach Stockach. In Krauchenwies wird ein Imbiss eingenommen.

Mai 1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

In der britischen Kolonie Nova Scotia findet die Wahl zur 5. Generalversammlung statt.

Frühjahr 1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich

Die Belagerung von Koroni und Methoni durch die russische Flotte bleibt erfolglos. Patras wird in diesem Monat von der osmanisch-albanischen Streitmacht zurückerobert und niedergebrannt, ebenso Mystras, sodass die Erhebung der Peloponnes nach wenigen Monaten zusammenbrechen wird. Ein gleiches Schicksal erleidet der Aufstand auf Kreta unter Daskalogiannis und die Aufstände in den anderen Landesteilen.

03.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich auf den Weg nach Schloss Donaueschingen über Nenzingen, Eigeltingen, Aach, Engen, Geislingen und Unadingen.

04.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich auf den Weg nach Hinterzarten, um dort im "Weißen Rössle" einzukehren. Die Straße durch das Höllental (heute: Teil der Bundesstraße 31) soll nach mehreren Quellen eigens für die Durchfahrt des Wagenzuges ausgebaut worden sein. Jedoch handelt es sich bei diesem Ausbau lediglich um Verbesserungen an der Felsschlucht beim Hirschsprung sowie um einige Schönheitsreparaturen, die zwischen 1769 und 1770 stattfanden. Der Teil zwischen der Gemarkungsgrenze von Hinterzarten und Hüfingen wurde beispielsweise bereits ab 1751 modernisiert. Die Landständische Ehrenpforte wurde aus Anlass des Brautzugs in Freiburg aufgebaut. Sie war eine von drei Ehrenpforten in der „Großen Gass“ (heute Kaiser-Joseph-Straße), ungefähr auf Höhe des Bertoldbrunnens. Der Brautzug geht durch das Breisacher Tor in die Stadt ein und übernachtet im Kageneck’schen Haus in Freiburg, wo er am Nachmittag eintrifft.

05.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich zu einem Festgottesdienst in das Freiburger Münster. Während des Besuches der Marie Antoinette wird die Salzstraße kurzfristig in Dauphinegasse umbenannt. Extra für den Brautzug wurden in Freiburg neue Straßen errichtet, da die Salzstraße, die durch die Stadt führt, zu schmal ist. Freiburg wurde umfangreich renoviert. Die Hauptgassen wurden neu gepflastert, die Häuser wurden geweißelt, anstelle der Drachenköpfen an den Dachrinnen wurden Rohre bis zur Erde angebracht. Hinzu kam die durchgehende Nummerierung anstelle der Häusernamen. Freiburg im Breisgau, das in der Vergangenheit besonders unter den Auseinandersetzungen zwischen Österreich und Frankreich gelitten hat, feiert die Verbindung der beiden Herrscherhäuser ausgiebig. Hier wird während des Aufenthaltes der Braut sogar die Spitze des Freiburger Münsters mit einem „chimischem Feuer“ illuminiert. Dazu wurden auf dem Turm Tausende von Tonschälchen, in die eine Brennpaste gefüllt wurde, aufgestellt. In Freiburg werden die Osterferien der Freiburger Universität verlängert und das Patronatsfest der Theologen verlegt.

06.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich auf die Reise nach Emmendingen, wo er das Gasthaus "Krone-Post" besucht. Nach der Weiterreise über Kenzingen und der Durchfahrt durch Herbolzheim übernachtet der Zug im Kloster Schuttern. Die Marie-Antoinette-Brücke zwischen Schutterzell und Schuttern wurde anlässlich des Brautzuges benötigt und daher gebaut.

Königreich Großbritannien

Acht Tage nach der Landung in Botany Bay in New Holland (heute Australien) segelt die HMS ENDEAVOUR unter ihrem englischen Kommandanten James Cook entlang der Küstenlinie und sammelt kartografische Informationen vom Osten des Kontinents.

07.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia erreicht eine unbewohnte Rheininsel vor Straßburg, die als neutrales Gebiet gilt. Hier erfolgt die "Übergabe" des 14 Jahre alten Mädchens an Frankreich. Marie-Antoinette wird von Fürst Georg Adam von Starhemberg, der bisher die Reise geleitet hatte, in die Hände von Philippe de Noailles, duc de Mouchy, den Bevollmächtigten des französischen Königs und Ehemann der neuen Hofdame, gegeben. Die Erzherzogin wird in einem extra errichteten Pavillon mit mehreren Räumen untergebracht. Diese sind prächtig ausgestattet und mit Wandteppichen geschmückt. Eine dieser Tapisserien zeigt die Vermählung des mythischen Paares Jason und Medea. Als der junge Johann Wolfgang von Goethe den Ort besichtigt, zürnte er: „Ist es erlaubt, einer jungen Königin das Beispiel der grässlichsten Hochzeit, die vielleicht jemals vollzogen worden, bei dem ersten Schritt in ihr Land so unbesonnen vors Auge zu bringen?“ In Straßburg verfolgt Goethe den Brautzug: "Eine merkwürdige Staatsbegebenheit setzte alles in Bewegung und verschaffte uns eine ziemliche Reihe Feiertage. Marie Antoinette, Erzherzogin von Österreich, Königin von Frankreich, sollte auf ihrem Weg nach Paris über Straßburg gehen... Der schönen und vornehmen, so heitren als imposanten Miene dieser jungen Dame erinnere ich mich noch recht wohl. Sie schien, in ihrem Glaswagen uns allen vollkommen sichtbar, mit ihren Begleiterinnen in vertraulicher Unterhaltung über die Menge, die ihrem Zug entgegenströmte, zu scherzen. Abends zogen wir durch die Straßen, um die verschiedenen illuminierten Gebäude, besonders aber den brennenden Gipfel des Münsters zu sehen, an dem wir sowohl in der Nähe als in der Ferne unsere Augen nicht genugsam weiden konnten.“ Marie Antoinette verabschiedet ihr Wiener Gefolge und legt ihre Kleider im österreichischen Ostteil des Pavillons ab, bevor ihre neue Hofdame Anne-Claude-Louise d’Arpajon, Gräfin von Noailles, sie nackt in den französischen Westteil geleitet und dort neu einkleidet. So wird aus der Erzherzogin Maria Antonia auch äußerlich die Dauphine Marie Antoinette. Dem Niemandsland zwischen den zwei Reichen kommt als Ort des symbolischen Grenzübertritts und dem damit verbundenen Übergang der Braut von einer Familie in die andere im damaligen Verständnis eine große Bedeutung zu. Nach der Einkleidung wurden Marie-Antoinette ihr Ehrenkavalier, der Comte de Saulx-Tavannes, und weitere Mitglieder des angereisten französischen Hofstaates vorgestellt. Die komplette Trennung von ihren bisherigen Bediensteten dient ebenso wie die Neueinkeidung dem radikalen Bruch mit der früheren Heimat, so dass von der Dauphine in Folge wohl so gut wie kein kultureller Einfluss auf die neue Umgebung wird ausgehen können. Nach der Neueinkleidung macht sich der Tross auf zu einem Empfang am Straßburger Münster durch Bischof Louis de Rohan. Anschließend finden eine Theateraufführung sowie ein Ball statt.

08.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette nimmt an einer Messe im Straßburger Münster teil. Anschließend begibt sich die Dauphine mit ihrem Gefolge in ein Konzert im bischöflichen Palais Rohan. Die Übernachtung des Brautzuges ist in Saverne.

09.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette führt über Lunéville nach Nancy und übernachtet dort im Hotel der Regierung.

10.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette führt über Commercy nach Bar-le-Duc. Die Übernachtung findet in Bar statt.

11.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette zieht von Bar nach Châlons-sur-Marne. Dort wird anlässlich des Einzuges in die Stadt der porte Sainte-Croix errichtet werden, ein Triumphbogen des Architekten Nicolas Durand.

12.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette zieht über Reims nach Soissons. Hier wird wieder ein Ruhetag eingelegt werden.

13.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Die österreichische Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette nimmt an einer Abendmahlsfeier in der bischöflichen Kapelle teil und erlebt anschließend ein Te Deum (Lobpreisgottesdienst) in der Kathedrale von Soissons.

14.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette zieht von Soissons zum Schloss Compiègne, wo zum ersten Mal ein Treffen mit der königlichen Familie stattfindet.

Mitte Mai 1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich

Der russische General Graf Alexej Orlow, der seit einigen Monaten in der wichtigsten Stadt des griechischen Widerstandes gegen die Osmanen lebt, muss durch den zweiten Teil des russischen Marinegeschwaders evakuiert werden, das zu seiner Rettung kommt. Die osmanische Flotte dreht ab, weil sie eine Konfrontation mit der russischen Flotte vermeiden will. Sie fahren zunächst nach Nafplion.

15.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette zieht nach Saint-Denis zu einem Treffen mit Louise-Marie de Bourbon, einer Tante des Bräutigams, im Karmelitinnenkloster. Am Abend erreicht der Zug das Schloss La Muette.

16.05.1770
Königreich Dänemark / Osmanisches Reich / Eyalet Algier

Eine Strafexpedition mit vier Linienschiffen mit zwei Fregatten und zwei Bombengalioten unter dem Kommando von Frederik Christian Kaas segelte von Kopenhagen aus in Richtung Mittelmeer. Ihre Absicht ist es, die algerische Hauptstadt zu bombardieren, wenn die Algerier einem neuen Friedensabkommen zu dänischen Bedingungen nicht zustimmen sollten. Algier lässt sich nicht einschüchtern, und das dänisch-norwegische Bombardement scheitert, da ein großer Teil der Besatzung aufgrund eines Typhus- Ausbruchs schwer erkrankt ist und 500 Seeleute, die meisten an der Krankheit, sterben. Die Schiffe können schweren Mörser-Gegenschlägen der Algerier nicht standhalten, die ihre Rümpfe beschädigen. Das dänisch-norwegische Kontingent wirft ungefähr 75 Bomben gegen die Stadt Algier, bevor der Angriff abgebrochen werden muss. Der Kapitän befiehlt der Flotte das Kreuzen vor der Küste Algiers, um damit eine Blockade der Stadt von Seeseite her zu errichten. Der dänisch-norwegische Handel im Mittelmeerraum nnimmt seit etwa 20 Jahren zu. Um ihr lukratives Geschäft vor Piraterie zu schützen, schloss Dänemark-Norwegen ein Friedensabkommen mit den Staaten der Berberküste, das die Zahlung eines jährlichen Tributs an die einzelnen Herrscher dieser Staaten und zusätzlich an die Staaten beinhaltete. 1766 wurde Baba Mohammed ben-Osman Dey (falsche Aussprache, eigentlich: Bey) von Algier. Er forderte, die jährliche Zahlung von Dänemark-Norwegen zu erhöhen und neue Geschenke zu erhalten. Dänemark-Norwegen lehnte die Forderungen ab. Kurz darauf entführten algerische Piraten drei dänisch-norwegische Schiffe und verkauften die Besatzung in die Sklaverei.

Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

In Saint-Cloud findet ein Treffen zwischen der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette und den jüngeren Schwestern des Bräutigams, Marie Clothilde und Élisabeth, statt. Anschließend beginnen in Versailles die Hochzeitsfeierlichkeiten von Erzherzogin Maria Antonia von Österreich mit dem französischen Thronfolger (Dauphin) Louis Auguste. Die Feiern sollen zwei Wochen andauern.

27.05.1770
Königreich Frankreich

Anlässlich der Hochzeit des Dauphins veranstaltet der österreichische Gesandte in Paris Florimond-Claude Graf von Mercy-Argenteau ein dreitägiges Festmahl und einen Maskenball auf dem Gelände des Petit Luxembourg, dem gewöhnlichen Sitz des Botschafters.

28.05.1770
Königreich Frankreich

Ein Appelationsgericht revidiert das Urteil im Fall Monnérat und ordnet eine Untersuchung der unmenschlichen Verhältnisse an, unter denen Monnérat inhaftiert war. Dem Angeklagten war unter falschen Beschuldigungen wegen Schmuggels für 20 Monate die Freiheit entzogen worden, wo er unter unwürdigen Bedingungen im Gefängnis von Bicêtre leben musste. Da man herausfand, ihn mit einer anderen Person verwechselt zu haben, die ihm ähnlich sah, wurde er schließlich wirder freigelassen. Er hatte sich an das Aid Court gewandt, das seine Beschwerde anhörte und die Landwirte, die Monnérat fälschlich beschuldigt hatten, zu einem Schadenersatz von 50.000 Livres verurteilten. Diese Rechtsprechung wird nun durch ein höheres Gericht untersucht.

30.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Als Abschluss der Hochzeitsfeierlichkeiten von Erzherzogin Maria Antonia von Österreich mit dem französischen Thronfolger (Dauphin) Louis Auguste wird auf der Place Louis XV (später Place de la Concorde) in Paris ein Fest für die Bevölkerung veranstaltet. Dabei lösen Feuerwerkskörper in den Straßen Royale, Saint-Florentin und de la Bonne-Morue eine Panik aus, die zum Tod von 132 Menschen führt.

Juni 1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich

Die osmanische Flotte, die eine Zeitlang vor Nafplion ankerte, zieht weiter in das Gebiet zwischen Chios und der kleinasiatischen Küste gegenüber von Chesme.

Sommer 1770
Kaiserreich China / Königreich Konbaung

Zur Verteidigung ihres Reiches führt die Dynastie der Konbaung (im heutigen Birma) den vierten Krieg gegen die Qing-Dynastie Chinas, in denen die Ausweitung der birmanischen Macht im Osten erfolgt. Trotz seines Sieges über die chinesischen Armeen setzt sich König Hsinbyushin für den Frieden mit China ein und schließt einen Vertrag zur Aufrechterhaltung des für die Dynastie sehr wichtigen bilateralen Handels mit dem Reich der Mitte. Die Qing-Dynastie wird daraufhin ihre Märkte für den Handel mit Birma wieder her und strebt eine freundschaftliche Beziehung zwischen China und Birma an.

03.06.1770
Königreich Frankreich / Gouvernement Générale Saint-Domingue

Zum dritten Mal in diesem Jahr seit 20. Januar und 12. April wird die Insel Hispañiola von einem Erdbeben erschüttert. Das Beben mit der Stärke 7,5 auf der Mercalli-Skala beginnt um 0715 Uhr mit zwei Erschütterungen von etwa vier Minuten in Port-au-Prince und den südlichen Regionen. Die Städte werden zerstört, mindestens 250 Menschen sterben. Der Historiker Moreau de Saint-Méry berichtet, dass "die ganze Stadt Port-au-Prince" in sich zusammengestürzt ist

04.06.1770
Königreich Spanien / Königreich Großbritannien

Spanische Marineverbände erreichen unter General Juan ignacio de Madariaga mit vier Fregatten und zwei Briggs und insgesamt 1400 Mann Westfalkland. Die spanischen Angreifeer und die englischen Verteidiger liefern sich einen kurzen symbolischen Schusswechsel.

08.06.1770
Datei:Preußen 1739-1818.png
Königreich Preußen

Der Naturwissenschaftler Johann Heinrich Lambert wird zum Oberbaurat von Berlin ernannt.

10.06.1770
Königreich Spanien / Königreich Großbritannien / Königreich Frankreich

Überlegene spanische Kräfte von 1600 Marinesoldaten landen beauftragt vom spanischen Gouverneur in Buenos Aires mit vier Fregatten und zwei Briggs in Port Egmont, der Hauptstadt der Falkland-Inseln (Islas Malwinas) und nehmen die weit unterlegenen Briten kampflos gefangen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt abschieben zu können. General de Madariaga zerstört die beiden britischen Befestigungen und demontiert das Ruder der HMS FAVOURITE, damit die Nachricht von der Eroberung der Falkland-Inseln nicht so schnell den Weg nach England findet, da infolgedessen England den Spaniern mit Krieg drohen wird, in den sich Frankreich auf spanischer Seite einschalten würde. Frankreich beginnt damit, diplomatische Verhandlungen zwischen Spanien, England und Frankreich zu planen.

11.06.1770
Königreich Großbritannien

Die britische HMS ENDEAVOUR unter ihrem englischen Kommandanten James Cook hat in fünf Wochen 3200 Kilometer von Süden nach Norden zurückgelegt und dabei kartografische Informationen der Ostküste Austaliens gesammelt. Heute läuft die HMS ENDEAVOUR am Cape Tribulation auf das später so genannte Endeavour Reef auf, das im Great Barrier Reef liegt, und geht dabei beinahe verloren. Die Schiffszimmerleute an Bord schätzen, dass die Reparatur des Schiffes etwa sechs Wochen beanspruchen wird. Cook und der Botaniker Banks halten sich die meiste Zeit der Raparatur auf dem Festland auf. Banks beobachtet, wie er schreibt, "riesige Hasen, die von den Eingeborenen Kängurus genannt werden".

14.06.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der französische Astronom Charles Messier, der gerade Beobachtungen des Planeten Jupiter durchführt, entdeckt im Sternbild des Schützen einen ihm nicht vertrauten Nebel mit der Helligkeit von ungefähr 5mag.

20.06.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der französische Astronom Charles Messier, der vor einer Woche im Sternbild des Schützen einen bislang unbekannten Nebel entdeckte, stellt fest, dass es sich hierbei um einen Kometen handelt, der sich der Sonne und der Erde nähert. Erstmals kann der Komet mit dem bloßen Auge gesehen werden. Der Komet zeigt keinen Schweif, aber seine Koma hat einen Durchmesser eines halben Grad.

25.06.1770
Königreich Frankreich

Das Urteil des Gerichtes, das den Monnérat-Prozess durchführte, wird vom Staatsrat aufgehoben und Monnérat, der unschuldig verurteilt und unter unwürdigen Bedingungen 20 Monate lang eingekerkert gewesen ist, wird endgültig freigesprochen.

28.06.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Der russische Feldmarschall Pjotr Rumjanzew-Saduznaiski schlägt an der Donaufront unweit der Rabnia Mogila 20.000 Osmanen in die Flucht.

Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Der Quäker-Abolitionist Anthony Benezet eröffnet in Philadelphia in Pennsylvania eine Schule für schwarzafrikanische Sklaven.

Ende Juni 1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der von dem französischen Astronomen Charles Messier am 14. Juni entdeckte Komet bewegt sich mit großer Geschwindigkeit über den Himmel.

30.06.1770
Königreich Spanien / Königreich Großbritannien

General Juan Ignacio de Madariaga, der Eroberer der Falklandinseln, bricht mit zur Berichterstattung nach Spanien auf.

Ereignis
Fortlaufende Ereignisse
  • 1768 - 1774 Sechster Russisch-Osmanischer Krieg
  • 1768 - 1771 Polnischer Befreiungskrieg gegen Russland, Frankreich und Österreich
  • 1769 - 1773 Vietnamesisch-Siamesischer Krieg
Anfang Juli 1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich

Die russische Flotte segelt weiter in die Ägäis und bereitet sich auf die Begegnung mit der osmanischen Flotte vor.

01.07.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich
Charles Messier, der Entdecker des Kometen
Der von dem französischen Astronomen Charles Messier am 14. Juni entdeckte Komet passiert die Erde in etwa 2.184.129 Kilometer Abstand, dem geringsten Abstand der Passage an unserem Planeten in der Geschichte. Seine Koma erscheint fast 2,5 Grad groß und ist damit fünfmal so groß wie der Vollmond. Später wird ermittelt werden, dass der Komet sich zwischen 0,674 und 5,63 AE (Astronomische Einheiten) innerhalb von 5,6 Jahren um die Sonne bewegt; seine Spitzengeschwindigkeit beträgt 174.600 km/h.
02.07.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der von dem französischen Astronomen Charles Messier entdeckte Komet, der später die Bezeichnung D/1770 L1 (Lexell) erhält, bewegte sich innerhalb von 24 Stunden 42 Grad über den Himmel und erreicht heute seine größte nördliche Deklination. Er wird nur noch einige Tage beobachtet werden können, da er sich der Sonne immer mehr nähert und in der hellen Dämmerung verschwinden wird.

05.07.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich

In der Nähe der ägäischen Insel Chios gegenüber von Westanatolien beginnt die Seeschlacht von Cesme. Die russische Flotte unter dem Befehl von Graf Alexej Orlow, Grigori Spridow und John Elphinston findet die osmanische Flotte vor Anker nördlich der Cesme-Bucht im westlichen Kleinasien. Die osmanische Flotte wird von Hosameddin Pascha, Hassan Pascha und Dschaffer Bey befehligt. Auch wenn nicht alle Details über die türkische Flotte bekannt sind, beinhaltet sie in etwa 14 bis 16 Schlachtschiffe, darunter REAL MUSTAFA mit 84 Kanonen, DIE RHODOS mit 60 Kanonen, sowie ein 100-Kanonen-Flaggschiff. Zusätzlich besteht sie aus etwa 6 Fregatten, 6 Schebecken, 13 Galeeren und 32 kleineren Schiffen, mit einer Gesamtfeuerkraft von 1300 Kanonen. Zehn der Schlachtschiffe mit je 70 bis 100 Kanonen bilden die türkische Hauptreihe, sechs andere bildeten die zweite Reihe, wobei die Reihen so organisiert sind, dass die hinteren Schiffe durch die Räume zwischen den Schiffen vorderer Reihe feuern konnten. Dahinter befinden sich die Fregatten, die Schebecken und die weiteren Schiffe. Die Flotte wird von Kapudan Hosameddin Pascha befehligt. Nachdem ein Angriffsplan zusammengestellt wurde, segelt die russische Kampfreihe Richtung südlicher Seite der türkischen Hauptreihe, dreht nach Norden und eröffnet im Vorbeifahren direkt vor den Türken die Schlacht. Anfangs haben die Russen Probleme, die Formation zu halten, doch mit zunehmender Schlachtdauer gelingt es ihnen besser. Die beiden Schiffe St. EUSTAPHIUS und REAL MUSTAFA, werden in einen direkten Kampf miteinander verwickelt, bis das osmanische Schiff Feuer fängt. Sein brennender Mast stürzt auf die St. EUSTAPHIUS, die ebenfalls Feuer fängt. Kurz darauf explodiert die REAL MUSTAFA. Georgi Spiridow und der Bruder des anderen Kommandierenden, Graf Fjodor Orlow, können St. EUSTAPHIUS rechtzeitig verlassen.

Datei:Preußen 1739-1818.png
Königreich Preußen

Pfarrer Jean Pierre Erman eröffnet das »Séminaire de Théologie« (Prediger-Seminar) in den Schulräumen des Konsistorialgebäudes in der Niederlagstrasse im heutigen Bezirk Berlin-Mitte. Das Seminar, dessen erster Direktor Erman wurde, bildet Priester der Französisch-Reformierten Kirche aus.

06.07.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich

Die gestern begonnene Seeschlacht von Cesme zwischen dem Russischen Reich unter Graf Alexei Orlow und dem Osmanischen Reich unter Hosameddin Pascha wird fortgesetzt. Die Russen beschießen den ganzen Tag türkische Schiffe und Ziele an Land.

07.07.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich

Die vor zwei Tagen begonnene Seeschlacht von Cesme zwischen dem Russischen Reich unter Graf Alexei Orlow und dem Osmanischen Reich unter Hosameddin Pascha wird fortgesetzt. Graf Orlow sendet Samuel Greigh mit sieben Schiffen in einer Linienformation gegen die Türken. Bald darauf brennen drei türkische Schiffe, deren Feuer sich schnell auf die gesamte türkische Flotte ausbreitet, bis sie vollständig abbrennt und bis auf ein Schiff versenkt wird. Der Kampf endet in der Nacht zum 8. Juli. Die russischen Verluste sind, abgesehen von der Besatzung des untergegangenen St. Eustaphius, mit etwa 600 Toten geringer als die der Osmanen, die etwa 11.000 Tote zu beklagen haben. Die osmanischen Befehlshaber Hosameddin Pascha, Hassan Pascha and Dschaffer Bey überleben. Der Erste wird später als Konsequenz der Niederlage von seinem Posten enthoben. Die Seeschlacht von Çeşme wurde zeitgleich mit der Schlacht von Larga ausgetragen. Sie wird zur größten osmanischen Niederlage auf See seit der Schlacht von Lepanto im Jahr 1571. Die russische Flotte zieht vor konstantinopel zur Parade und belagert danach Lemnos. Der russische Sieg fördert in der Heimat das Vertrauen in die noch nicht allzu erfahrene Flotte und sichert Russland die Kontrolle in der Ägäis. Im Osmanischen Reich wird die Vernichtung der Flotte viele Minderheiten zu Aufständen inspirieren. Zarin Katharina die Große befiehlt den Bau von vier Monumenten, um an den Sieg zu erinnern: Den Chesme-Palast und die Chesme-Kathedrale in Sankt-Petersburg, der Obelisk in Gattschina und die Chesme-Kolonne in Zarskoje Selo. Der 6. russisch-oamanische Krieg begann am 25. September 1768 mit der Kriegserklärung des osmanischen Sultans Mustafa III. an Russland.

13.07.1770
Königreich Frankreich

Der Staatsrat ordnet an, dass der Gerichtshof die Inhaftierung der Menschen verfügen soll, die die falsche Anklage in der Affäre Monnérat vorbrachten.

14.07.1770
Königreich Frankreich

Ein Beschluss des Staatsrates setzt den Export von Getreide vorübergehend aus. Finanzminister Pater Joseph Marie Terray reguliert die Getreidetransporte und schafft einen königlichen Weizenvorrat, um die "Früchtekrise" zu bewältigen. Diese unpopulären Vorschriften schüren das Gerücht eines "Hungerpaktes", der von Le Prévôt de Beaumont ins Leben gerufen wird und der den König und die Aristokraten und die Armen gegeneinander ausspielt.

18.07.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Russische Verbände unter der Führung von Marschall Pjotr Alexandrowitsch Rumjanzew-Sadunaiski schlagen die Osmanen und 80.000 Krimtataren auf der Larga in Moldawien.

24.07.1770
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Königreich Preußen

Der berühmte Hochschullehrer und Chirurg am Berliner Collegium medico-chirurgicum und erster Wundarzt an der Charité Dr. med. Simon Pallas (* 1694 in Berlin) stirbt in seiner Heimatstadt. Er ist der Vater des Zoologen und Botanikers Peter Simon Pallas und des Physikers August Friedrich Pallas. Simon Pallas wird nachgesagt, dass er ein kühner Operateur und hervorragender Lehrer gewesen sei. Wenige Zeit vor seinem Tod, 1769, baute Pallas seine Zusammenarbeit mit dem Anatom Johann Friedrich Meckel aus. Zu seinen Schülern zählte unter anderen der Chirurg und Geburtshelfer Johann Philipp Hagen.

26.07.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich

Russische Verbände unter der Führung von Marschall Pjotr Alexandrowitsch Rumjanzew erobern die heute in der Ukraine im Donaudelta liegende Stadt Ismail (türkisch Hacidar).

Ende Juli 1770
Königreich Großbritannien

Nach der erfolgreichen Reparatur der HMS ENDEAVOUR am Cape Tribulation am später so genannten Endeavour Reef, das im Great Barrier Reef liegt, lässt Captain James Cook die Segel setzen, um weiter nach Norden zu fahren.

01.08.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Am 21. Juli nach dem Julianischen Kalender findet zwischen dem Russischen Reich auf der einen und dem Osmanischen Reich und dem Khanat der Krim auf der Gegenseite die Schlacht von Kagul (moldawisch: Cahul) in der Nähe des Dorfes Frumoasa unweit des Schwarzen Meeres statt. Die osmanischen Truppen belaufen sich auf 150.000 Mann, angeführt vom Großwesir Mehmed Emin Pascha. Trotz der Niederlage bei Larga zwei Wochen zuvor ist die Moral hoch und es gibt Anzeichen dafür, dass die Armeen von Marschall Pjotr Alexandrowitsch Rumjanzew-Sadunaiski schlecht versorgt sind. Der russische Befehlshaber kommandiert eine Armee von 17.000 Soldaten und geht in die Offensive gegen die alliierten Streitkräfte des Krim-Khanats und des Osmanischen Reiches, die aus 30.000 Infanteristen und 45.000 osmanischen Reitern bestehen, von denen ein Drittel der osmanischen Truppen in den Fluten der Donau umkommen oder gefangen genommen werden. Ungefähr 80.000 tatarische Kavalleristen werden innerhalb von 20 Kilometern vom Schlachtfeld eingesetzt, nehmen jedoch nicht an den Kämpfen teil. Die russischen Truppen ermöglichen vielen Osmanen und Tataren die Flucht; während diese dennoch 20.000 Tote, Verwundete oder verletzte zu beklagen haben, sterben bei den Russen über 1000 auf dem Schlachtfeld. Mit ihrem Sieg erobern die Russen unter dem Fürsten Nikolai Repnin 130 osmanische Kanonen und alle wichtigen Festungen in der Region: Ismail, Kilya, Akkerman (heute Bilhorod-Dnistrovskyi), Ibrail (jetzt Brăila), Isakça (jetzt Isaccea) und Bender.

03.08.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der Komet mit der späteren Bezeichnung D/1770 L1 (Lexell) in der Morgendämmerung zu finden, gelingt die erste Sichtung des Kometen, nachdem dieser hinter der Sonne wieder aufgetaucht ist.

Datei:Preußen 1739-1818.png
Königreich Preußen

72 Kanonenschüsse verkünden den Potsdamern die Geburt eines Prinzen. Einer der Geburtshelfer bei der schwierigen Entbindung des Thronfolgers Friedrich Wilhelm (III.) in Potsdam ist der Hofrat Joachim Friedrich Henckel, Direktor der Berliner Charité. Friedrich Wilhelm ist der erste Sohn des derzeitigen Thronfolgers Friedrich Wilhelm (II.) und seiner Gemahlin Friederike von Hessen-Darmstadt. Friedrich II., die zentrale Person der preußischen Geschichte, ist sein Großonkel, den er noch persönlich kennenlernen wird.

13.08.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Bei einem Kampf auf Perekop, der nördlichsten Ansiedlung auf der Krim, werden russische Truppen von osmanischen und der Krim-Tataren besiegt.

14.08.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der Komet mit der späteren Bezeichnung D/1770 L1 (Lexell) erreicht sein Perihel (sonnennächster Punkt) in einem Abstand von etwa 100,9 Millionen Kilometern und damit im Bereich der Umlaufbahn der Venus.

Mitte August 1770
Königreich Großbritannien

Der englische Kommandant James Cook passiert auf seiner HMS ENDEAVOUR das von ihm benannte Land New South Wales, bevor er durch die Endeavour-Straße, den südlichsten Teil der Torres-Straße, westwärts segelt und so feststellen kann, dass Neuholland und Neuguinea voneinander getrennt sind, woraufhin Cook die Ostküste Neuhollands für England in Besitz nimmt.

20.08.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der französische Astronom Charles Messier stellt fest, dass sich bei dem seit sechs Wochen von der Sonne entfernenden Kometen mit der späteren Bezeichnung D/1770 L1 (Lexell) ein schwacher Schweif gebildet hat. In wenigen Tagen wird eine Augenbeobachtung des Objekts nicht mehr möglich sein. Messier plant, den Kometen so lange wie möglich mit seinen Fernrohren zu verfolgen.

Königreich Spanien / Königreich Großbritannien

Der spanische Botschafter in London, Ferrero Fieschi, unterrichtet den zuständigen "Secretary of State for the southern Department" Lord Weymouth von der Entsendung General de Madariaga nach Falkland. Die Spanier wollen wünschen einen Konflikt mit Großbritannien zu vermeiden und bezeichnen die Expedition als eine Eigenmächtigkeit des Gouverneurs von Buenos Aires. Lord Weymouth entschließt sich, diese Gelegenheit für seine eigene Karriere zu nutzen. Da Lord North und der andere Secretary of State Lord Rochford nicht in London sind, ergreift er die Initiative und verlangt die Räumung der Falklandinseln durch die Spanier. Der Botschafter verabschiedet sich und reist nach Madrid.

21.08.1770
Königreich Großbritannien / Australien

Die HMS ENDEAVOUR, das Schiff des Entdeckers und englischen Captains James Cook, das im April auf ein Korallenriff vor der Küste Australiens aufgelaufen war und monatelang repariert werden musste, kann seine Fahrt an der Ostküste Australiens wieder aufnehmen. Cook, der die letzten Monate damit verbrachte, das australische Hinterland zu erkunden, nimmt die gesamte Ostküste des Kontinents für die britische Krone in Besitz und gibt ihr wegen ihrer Berge, Wälder und grünen Wiesen den Namen "New South Wales".

22.08.1770
Königreich Großbritannien / Australien

Der englische Entdecker und Captain James Cook stellt fest, dass New Holland (heute Australien) nicht an Neuguinea angrenzt.

27.08.1770
Königreich Frankreich / Seychellen

Nachdem die Inselgruppe der Sychellen bereits am 21. Mai 1742 von den Franzosen in Besitz genommen und am 1. November 1756 als Îles de Seychelles von Frankreich annektiert wurde, beginnt nun mit der Ankunft der ersten französischen Siedler auf der 150 Quadratkilometer großen späteren Hauptinsel Mahé die erste Ansiedlung. Die Siedler beginnen auf dem fruchtbaren Boden mit dem Anbau von Gemüse, Obst, Süßkartoffeln und Zuckerrohr für den Export. Für die Arbeit auf den Feldern sollen schwarze Sklaven aus Afrika „importiert“ werden. Wenig später sollen sich französische Kolonisten mit ihren schwarzen Sklaven auch auf Praslin, Silhouette, Félicité und La Digue sowie auf den südwestlich gelegenen Inselgruppen Amirante, Aldabra und Farquar niederlassen. Erster Kommandant wird Jean Charles Delaunay, der auch Kommandant der Insel Mauritius ist.

28.08.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Russische Truppen nehmen die bisher von den Osmanen besetzte Stadt Akkerman an der Mündung des Dnjestr ein. Auf rumänisch heißt die Stadt Cetatea Alba und später auf ukrainisch Bilhorod-Dnistrovskyi.

Herbst 1770
Königreich Großbritannien / Ostindien-Kompanie

Nach einer mehr als halbjährigen Pockenepidemie und einer aufgrund ergiebiger Regenfälle guten Ernte, lässt die Hungersnot in Bengalen und in Bihar nach. Mehr als eine Million Menschen sind hier bereits in kurzer Zeit gestorben und die ersten Landstriche sind entvölkert worden.

September 1770
Königreich Spanien / Königreich Großbritannien / Königreich Frankreich

Ferrero Fieschi, der spanische Botschafter in London, gibt in Madrid einen Bericht über seine Begegnung mit dem britischen "Secretary of State for the southern Department", Lord Weymouth und dessen Forderung der Räumung der Falklandinseln durch die Spanier. Diese wollen zunächst nachgeben, doch als General Juan Ignacio de Madariaga selbst in Madrid eintrifft und von seinem Erfolg bei der Einnahme der bisher britischen Inselgruppe berichtet, beschließt die Regierung, diesen Erfolg zu verteidigen. Zwei Wochen später trifft Commander Farmer mit der HMS FAVOURITE in Großbritannien ein. Die öffentliche Meinung und die Opposition unter Earl Chatham verlangen Wiedergutmachung oder die Rückeroberung der Falklandinseln. Als Lord Weymouth hiervon erfährt, mobilisiert er ohne Rücksprache mit den anderen Mitgliedern der Regierung große Teile der Royal Navy und nimmt gegenüber der Regierung in Madrid eine kriegerische Haltung ein. Es werden mehrere diplomatische Noten zwischen beiden Ländern ausgetauscht, um den immer wahrscheinlicher werdenden Krieg zwischen ihnen abzuwenden. Man wartet auf beiden Seiten auf eine Äußerung Frankreichs, von der man annimmt, dass das Land Spanien unterstützen würde.

Königreich Thonburi / Kaiserreich Dai-Viêt

Vietnam sorgt zunächst für die Absetzung des von den Siamesen eingesetzten kambodschanischen Königs Ang Non und setzen wenig später dessen Bruder auf den Thron. Dieser widersetzte sich unter vietnamesischem Einfluss der Zahlung von Tributen an Siam. Der zum König gewählte Phya Taksin führt daraufhin eine Armee nach Siem Reap und Battambang, um Kambodscha wiederzugewinnen. Die Vietnamesen starten einen Gegenangriff auf Trat und Chanthaburi. Doch schnell kehrt Taksin mit Land- und Seestreitkräften zurück, um Banteay Meas, Phnom Penh und andere, kleinere Ziele zu erobern. Auch die seinerzeitige kambodschanische Hauptstadt Banteay Pech wird angegriffen und der vietnamesische Marionettenkönig muss fliehen. König Ang Non wird von den Siamesen erneut auf den Thron gesetzt, die Vasallenherrschaft Siams wird bestätigt. Der chinesischstämmige General Taksin, der vor drei Jahren aus der belagerten Stadt Ayutthaya fliehen und sich in den Osten des zerstückelten Reiches, (das später Thailand werden soll), absetzen. Dort gelingt es ihm, neue Truppen zu formieren und den Widerstand gegen die Burmesen zu organisieren. Es kommt ihm zugute, dass Burma zur gleichen Zeit von einer Invasion Chinas bedroht wird und sie deshalb nur wenige Besatzungstruppen in Ayutthaya beließen. Bereits im Oktober 1767 gelang es ihm, die Hauptstadt zurückzuerobern. Ayuttaya wird allerdings nicht wieder zu einem Zentrum des Reiches werden, sondern das strategisch günstiger gelegene Thonburi. Nach der einjährigen Belagerung war die Versorgungslage der Bevölkerung katastrophal. Er führte zahlreiche Maßnahmen ein, um die Notlage zu mindern, wobei er auch die Hilfe von einflussreichen chinesischen Familien in Anspruch nahm. So mussten alle Staatsangestellten ungeachtet ihres Ranges auf den Feldern arbeiten; Disziplinmangel, Korruption, Feigheit oder Schmuggel wurden auf das Härteste bestraft. Um ein effizienteres Durchgreifen des Staates auf die Arbeitsleistungen der Untertanen zu ermöglichen, ließ er alle Unfreien tätowieren. Er brach mit der Tradition der gottgleichen Könige von Ayutthaya und ist ein Herrscher, der sich um viele Details persönlich kümmert. In diesem Jahr gelingt es ihm, das Reich, das nach dem Fall der Hauptstadt in mehrere Staaten zerfallen war, wieder unter sich zu vereinigen.

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Mali

Ende des Vasallentums der Maura von Mali durch die Könige von Segu.

Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Am Eingang zum Hafen von Saint-Jean in Neufundland beginnen die Briten mit dem Bau von Fort Amherst.

01.09.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der im Sommer Erde und Sonne passierte Komet mit der späteren Bezeichnung D/1770 L1 (Lexell), der an der Erde in einem Abstand von 2,26 Millionen Kilometer Abstand vorbeiflog, passiert den Mars in einem Abstand von 105,4 Millionen Kilometern.

03.09.1770
Königreich Spanien

König Carlos III. von Spanien erklärt den Grenadiermarsch zu einem Ehrenmarsch. Die Melodie wird noch im 21. Jahrhundert die Nationalhymne Spaniens sein.

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Heiliges Römisches Reich / Königreich Preußen

In Neustadt (Mähren), heute Unicov, findet ein Treffen zwischen dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Joseph II. und König Friedrich II. von Preußen ("den Großen") statt. Thema der fünftägigen Konferenz ist die Besorgnis über den Aufstieg Russlands als Ordnungsmacht in Osteuropa.

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Heiliges Römisches Reich / Fürstbischoftum Osnabrück

Das stärkste bislang in Norddeutschland nachgewiesene Erdbeben erschüttert mit der Stärke VII auf der Medwedew-Sponheuer-Kárník-Skala den Ort Alfhausen im Fürstbischoftum Osnabrück.

04.09.1770
Königreich Dänemark-Norwegen

Der deutsche Arzt und Gesundheitsminister Dänemark-Norwegens, Johann Friedrich Struensee, genießt das Vertrauen des königlichen Paares und wird zum Kabinettssekretär und Konferenzrat befördert. In dieser Stellung ist es von Struensee möglich, seine Reformideen leicht durchzusetzen. König Christian VII. unterschreibt heute die ersten Struensee'schen Gesetzesvorlagen: Damit wird die Anhäufung von Titeln und orden ohne entsprechende Verdienste untersagt, sowie die Meinungs- und Pressefreiheit ("Preßfreiheit") eingeführt. Ausgerechnet durch diese erste Reform wird der Minister seine Unbeliebtheit in der Bevölkerung fördern, denn die freie Presse wird imstande sein, ein großes Publikum innerhalb kürzester Zeit zu beeinflussen und gegen den Mann aus Halle einzunehmen. Durch die "freie Presse" wird auch die junge Königin, die um der besseren Beweglichkeit willen in Hosen einen Herrensattel nutzt, wird zum Ziel zahlreicher Spottschriften werden.

05.09.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Ein russisches Armeekorps unter dem Befehl von General Prinz Nikolai Wassiljewitsch Repnine nimmt Kilia am Südufer des Armes des gleichnamigen Flusses ein. Kilia war bereits 1315 ein Handelsposten und später eine Festung der Republik Genua, später gehörte die Stadt zum Despotat von Dobrugea, dann den Tataren, dem Fürstentum Walachai und der Rapublik Moldau. Seit 1422 war die Stadt osmanisch.

09.09.1770
Erzherzogtum Österreich / Königreich Ungarn / Königreich Polen

Ein Dekret des Wiener Kabinetts erklärt die Eingliederung der Starosties von Zips und von Sandek, was zu den Verhandlungen über die Teilung Polens führen wird.

10.09.1770
Erzherzogtum Österreich / Schweizerische Eidgenossenschaft

Dank seiner bilateral guten Beziehungen nach Innsbruck, Wien, Bern und Basel und einem gewissen Desinteresse der Beteiligten gelang es Martin Gerbert, in nur drei Monaten die Zustimmung zur Überführung der sterblichen Überreste von prominenten Angehörigen des Hauses Habsburg nach St. Blasien zu erhalten. Erzherzogin Maria Theresia unterstützte das Projekt in einem Schreiben an die Berner und Basler Regierungen. Heute werden in der Klosterkirche Königsfelden sterbliche Überreste folgender Personen exhumiert:

  1. Friedrich (* 1316; † wenige Tage nach Geburt) – Sohn von Friedrich dem Schönen
  2. Elisabeth von Kärnten, Görz und Tirol|Elisabeth von Kärnten-Görz-Tirol (* um 1262; † 1313) – Gemahlin von König Albrecht I.
  3. Leopold I. (* 1290; † 1326) – Sohn von König Albrecht I.
  4. Heinrich der Sanftmütige (* 1299; † 1327) – Sohn von König Albrecht I.
  5. Gutta von Oettingen (* 1302; † 1329) – Tochter von König Albrecht I., Gemahlin des Ludwig VI. von Oettingen
  6. Katharina von Savoyen (* um 1297–1304; † 1336) – Gemahlin von Herzog Leopold I.
  7. Elisabeth von Virneburg (* um 1303; † 1343) – Gemahlin von Herzog Heinrich dem Sanftmütigen
  8. Katharina von Habsburg (* 1320; † 1349) – Tochter von Herzog Leopold I., Gemahlin des Enguerrand VI. de Coucy
  9. Elisabeth von Habsburg (* um 1285; † 1352) – Tochter von König Albrecht I., Gemahlin des Friedrich IV. von Lothringen
  10. Agnes von Ungarn (* um 1281; † 1364) – Tochter von König Albrecht I., Gemahlin des Königs Andreas III. von Ungarn
  11. Leopold III. von Habsburg (* 1351; † 1386) – Sohn von Herzog Albrecht II.

Im Falle des 1316 im Kleinkindalter verstorbenen Friedrich (des Sohnes von Friedrich dem Schönen) werden nur sechs Bretter seines Sarges entnommen und vom Berner Hofmeister Carl Ludwig Ougspurger an den vorderösterreichischen Regierungs- und Kammerrat Johann Nepomuk Freiherrn von Wittenbach als zuständigem Hofkommissar übergeben. Die Leiche Friedrichs konnte nicht mehr aufgefunden werden. Daher konnten nur sechs Bretter seines Sarges geborgen werden. Der Freiherr von Wittenbach lagert die Gebeine zunächst in der blasianischen Propstei Klingnau.
An der Westwand des Königsfeldener Erbbegräbnisses erinnert eine Wandtafel an die Exhumierungen: "Anno MDCCLXX. den 10ten Septembris, sind / obbeschriebene Erzt-Herzogliche Cörper auf / Ansuchen seiner Käyserl:Königl:Apostol:Mayestät, / mit Einwilligung eines Hohen Freystandes Bern, / denen geordneten Seiner Hochfürstl:Gnaden / deß Herren Abbten von St:Blasien, um in dasiger Stiffts-Kirche beygesetzt zu werden, durch den dieser Zeit / hier Regierenden H:Herren Hofmeister, / Carl Ludwig Ougsburger übergeben worden."
Am 10. November sollen drei weitere Exhuminierungen im Basler Münster erfolgen.

15.09.1770
Königreich Dänemark

Der in Hannover geborene, dänische Außenminister Johann Hartwig Ernst Graf von Bernstorff, der über Jahrzehnte die dänische Politik bestimmte, wird von Minister Johann Friedrich Struensee in Zusammenhang mit einer missglückten Strafaktion gegen algerische Barbaresken entlassen. Damit entledigt sich von Struensee des wichtigsten Konkurrenten.

24.09.1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika / Kolonie North Carolina

In Hillsborough, North Carolina, kommt es zu Aufständen der Regulierungsbewegung gegen die örtlichen Behörden. Seit fünf Jahren kommt es immer wieder zu Aufständen, in dem Bürger Waffen auf Kolonialbeamte richten. Sie fordern bessere wirtschaftliche Bedingungen für alle außer Sklaven und amerikanischen Ureinwohner anstelle eines Systems, das den Kolonialbeamten stark zugute kommt.

27.09.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Der russische General Pjotr Iwanowitsch Panine nimmt mit seiner Armee die von den Osmanen besetzte Stadt Bender in Bessarabien ein.


Die Routen der zweiten und dritten Expeditionen von Samuel Hearnes in Nordamerika


Ereignis
Fortlaufende Ereignisse
  • 1768 - 1774 Sechster Russisch-Osmanischer Krieg
  • 1768 - 1771 Polnischer Befreiungskrieg gegen Russland, Frankreich und Österreich
  • 1769 - 1773 Vietnamesisch-Siamesischer Krieg
Oktober 1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich

Die russische Flotte, die seit drei Monaten Lemnos belagert, wird von osmanischen Verstärkungen zum Auslaufen gezwungen und geht anschließend in der Bucht von Naoussa nördlich der Insel Paros auf den Kykladen in den Winter.

Russisches Kaiserreich

In Moskau bricht die Pest aus, was zu Unruhen in der Stadt führt.

03.10.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der französische Astronom Charles Messier beobachtet zum letzten Mal den von ihm selbst am 14. Juni entdeckten Kometen mit der späteren Bezeichnung D/1770 L1 (Lexell). Obwohl seine Umlaufzeit um die Sonne mit 5,6 Jahren errechnet wurde, wird er niemals mehr in Erdnähe gesehen werden. Die meisten Astronomen gehen davon aus, dass er entweder päter mit dem Jupiter kollidierte oder dieser ihn entweder auf eine langperiodische Bahn von bis zu mehreren hundert Jahren Umlaufzeit oder in einem weniger wahrscheinlichen Fall sogar auf eine hyperbolische Bahn aus dem Sonnensystem hinauskatapultiert hat. Der Komet D/1770 L1 (Lexell) wird zum ersten bekannten Kometen aus der sogenannten "Jupiter-Familie".

06.10.1770
Königreich Großbritannien / Königreich Spanien

Ein halbes Jahr nach dem Befehl an die spanische Flotte, die Islas Malvinas (Falkland-Inseln) zu erobern und die britische Bevölkerung von den Inseln zu vertreiben, landen in Port Egmont starke Kräfte, die die weit unterlegenen Briten kampflos gefangennehmen. Nach einigen Schüssen hissen die Briten die Weiße Flagge und werden evakuiert. Spanien hatte die Inselgruppe 1767 von Frankreich gekauft.

10.10.1770
Königreich Großbritannien

Der englische Kommandant James Cook erreicht mit seiner HMS ENDEAVOUR Batavia, das zu Niederländisch-Indien gehört, wo das Schiff drei Wochen lang gründlich überholt werden soll.

11.10.1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Nordamerika / Provinz Massachusetts Bay

Phillis Wheatley ist die erste afroamerikanische Frau, die ihre Werke veröffentlicht, nachdem sie dem verstorbenen Reverend George Whitefield eine poetische Elegie geschrieben hat. In Westafrika geboren , wurde sie im Alter von sieben oder acht Jahren in die Sklaverei verkauft und nach Nordamerika transportiert. Sie wurde von der Wheatley-Familie in Boston gekauft, die ihr Lesen und Schreiben beibrachte und ihre Gedichte förderte, als sie ihr Talent sahen. Die 18jährige Tochter der Wheatleys, Mary, unterrichtete Phillis zuerst im Lesen und Schreiben. Ihr Sohn Nathaniel half ihr ebenfalls. John Wheatley war in ganz Neuengland als Progressiver bekannt. Seine Familie gab Phillis eine beispiellose Ausbildung für eine versklavte Person und für eine Frau jeder Rasse. Mit 12 Jahren las sie griechische und lateinische Klassiker und schwierige Bibelstellen. Im Alter von 14 Jahren schrieb sie ihr erstes Gedicht "An die Universität von Cambridge in Neuengland". In Anerkennung ihrer literarischen Fähigkeiten unterstützte die Familie Wheatley Phillis' Ausbildung und überließ die Hausarbeit ihren anderen Haussklaven.

18.10.1770
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Königreich Preußen

Auf Anregung von König Friedrich II. wird in Berlin die Bergakademie als Berg- und Hüttentechnisches Institut gegründet. Der König benötigt für die Verwaltung wissenschaftlich und technisch geschulte Beamte, vor allem für die schlesischen Gebiete.

Der englische Weltumsegner James Cook
Königreich Großbritannien / Republik der Sieben Vereinigten Provinzen

Der englische Weltumsegler und Entdecker James Cook, dessen Schiff HMS ENDEAVOUR zur Wartung in Batavia (heute Djakarta) auf Niederländisch-Indien überholt wird, kann seine Reise nicht planmäßig fortsetzen, da sieben seiner Besatzungsmitglieder, darunter der Astronom Green, an einer Durchfallerkrankung gestorben sind. Die Weiterfahrt in Richtung Kapstadt wird auf das Frühjahr des nächsten Jahres verlegt.

22.10.1770
Osmanisches Reich /Russisches Reich

Auf der griechischen Halbinsel Peloponnes scheitern russische Truppen bei der Einnahme von Modon in Messenien.

26.10.1770
Königreich Dänemark-Norwegen

In Dänemark-Norwegen wird eine königliche Verordnung über die Verminderung der Feiertage verkündet. Analoge Feiertagsverordnungen erscheinen in den Herzogtümern Schleswig und Holstein sowie in den übrigen dänischen Gebieten. In der Verordnung, die nur ein halbes Jahr nach Einreichung des ersten Entwurfs herauskam, werden acht Feiertage ganz abgeschafft und drei auf den folgenden Sonntag verlegt. Von dieser Initiative versprechen sich die Initiatoren Schimmelmann und von Bernstorff sich effektivere Arbeit für die Landwirtschaft in den wichtigen Sommermonaten. Der jeweils dritte Feiertag von Weihnachten, Ostern und Pfingsten und mehrere noch aus vorreformatorischen Zeiten stammende Marien- und Heiligenfeste sowie die Danksagung für das Ende des katastrophalen mehrtägigen Brandes, dem große Teile Kopenhagens im Oktober 1728 zum Opfer fielen. Mehrere dieser Feste fallen ganz weg, andere werden auf den folgenden Sonntag verschoben. Die Initiative für eine Verminderung der Feiertage ging in Dänemark nicht von den kirchlichen Stellen aus, sondern von einer vom König eingesetzten Kommission, die sich mit den Staatsfinanzen zu befassen hatte. Somit spielten religiöse Gründe bei der Feiertagsreduktion zunächst keine entscheidende Rolle, sondern hauptsächlich ökonomische Erwägungen. Allerdings unterstützten hohe kirchliche Amtsträger die staatliche Initiative. Die dänische Regierung beziehungsweise die von ihr eingesetzte Kommission orientierte sich an entsprechende Verordnungen der protestantischen Länder Deutschlands wie an Preußen, Mecklenburg-Schwerin und vor allem an Hannover, wo bereits im Vorjahr Feiertagsedikte erlassen wurden. Diese schnelle Reaktion auf die Reformen der südlichen Nachbarstaaten ist notwendig, weil Dänemark sich ökonomisch auf keinen Fall schlechter stehen sehen wollte als die anderen europäischen Staaten. Die dänische Bevölkerung allerdings verfolgt die Umorganisation der traditionellen, als gottgegeben angesehenen Ordnung durch einen Bürgerlichen misstrauisch. Ein Mitgrund für die Ablehnung von Struensees Reformen ist, dass Struensee nicht Dänisch spricht und seine Dekrete auf Deutsch erscheinen. Der Kopenhagener Bevölkerung gilt er daher als "Dänenfeind", obwohl Deutsch zu dieser Ära offizielle Amtssprache in Dänemark ist. Zugleich wird er wegen der Menge seiner Dekrete und der Geschwindigkeit ihres Erscheinens verspottet. Dass gleich elf Feiertage dem wirtschaftlichen Fortschritt geopfert werden sollen, gefällt weder den Geistlichen noch der Bevölkerung. Im Zusammenhang mit dem Reformedikt wird die Gleichstellung unehelich Geborener mit ehelichen Kindern geschaffen sowie die Abschaffung der Kirchenzucht, die vor allem der Bloßstellung lediger Mütter dient. Manche in der Bevölkerung schließen daraus, dass Struensee die Prostitution fördere. Mit Argwohn betrachtet werden auch Struensees Maßnahmen für die Gesundheit des kleinen Prinzen durch Abhärtung, denn Barfußlaufen und einfache Mahlzeiten hält man einem künftigen König für nicht angemessen. Es wird sogar befürchtet, Struensee wolle den Thronfolger beseitigen, den König entmachten und sich selbst zum alleinigen Herrscher machen.

Ende Oktober 1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Der mutmaßliche Hauptverantwortliche des Massakers von Boston, Captain Preston, steht separat von den übrigen acht angeklagten britischen Soldaten vor Gericht. Er sagt aus, dass er niemals an seine Soldaten den Befehl gab, auf die Zivilisten zu feuern. Verteidiger Prestons ist der Rechtsanwalt John Adams. Preston wird freigesprochen, da die Jury nicht davon überzeugt ist, dass er einen Feuerbefehl gab.

November 1770
Königreich Frankreich

In Frankreich werden vier Gesundheitseinrichtungen zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten eingerichtet.
Der französische Artillerieoffizier Nicholas Cugnot entwirft im Auftrag der Streitmacht für die Artillerie ein durch Dampf betriebenes Transportfahrzeug, den Dampfkraftwagen. Obwohl der Wagen nur zwischen 3 und 4,5 km/h erreichen kann und wegen seiner Vorderlastigkeit nur schwer zu lenken ist, zählt er als der Vorläufer sowohl der der Damplokomotive als auch des modernen Automobils und bringt dem technischen Fortschritt einen großen Schub.

01.11.1770
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Königreich Preußen

Das Berg- und hüttenmännische Lehrinstitut, ein Vorgänger der späteren Technischen Universität, wird in Berlin gegründet.

03.11.1770
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Russisches Kaiserreich / Königreich Preußen / Königreich Polen

Prinz Heinrich von Preußen unternimmt eine diplomatische Mission nach St. Petersburg, um die Vermittlung Preußens zwischen Russland und dem Osmanischen Reich vorzuschlagen. Außerdem spricht er bei Zarin Jekatarina II. vor, um sich mit ihr mit der Aufteilung Polens zu befassen. Der Prinz wird das Weihnachtsfest in Russland verbringen und mindestens sechs Wochen in St. Petersburg bleiben.

04.11.1770
Königreich Großbritannien

Der schottische Diplomat, Entdecker und Geograf James Bruce die Quellen des Blauen Nils. Anschließend plant er, nach Großbritannien zurückzukehren, um die Manuskripte zurückzubringen, die eine ziemlich gute, von ihm selbst angefertigte Übersetzung der alten äthiopischen Chroniken und eine Geschichte der jüngsten Regierungszeiten und Ereignisse enthalten. Er beschreibt die Denkmäler von Aksum, die er fälschlicherweise als Ableger des alten Ägypten interpretiert.

05.11.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Russische Militärverbände nehmen die von den Osmanen besetzte Stadt Braila in der Walachei ein.

10.11.1770
Erzherzogtum Österreich / Schweizerische Eidgenossenschaft

Zwei Monate nach der Exhumierung von elf Personen in der Klosterkirche Königsfelden erfolgen im Basler Münster die Exhumierungen der sterblichen Überreste von:

  1. Karl (* 1276; † wenige Tage nach Geburt) – Sohn von König Rudolf I.
  2. Hartmann von Habsburg (* um 1263; † 1281) – Sohn von König Rudolf I.
  3. Gertrud von Hohenberg (* um 1225; † 1281) – Gemahlin von König Rudolf I.

Die sterblichen Überreste dieser drei Habsburger werden ebenfalls umgehend nach Klingnau verschifft, von wo der Transport zur vorderösterreichischen Stadt Waldshut weiter gehen soll.

26.11.1770
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Königreich Preußen

In Lerbach im Harz wird eine „Gnadenkasse“ gegründet, die kranke und arbeitsunfähige Bergarbeiter oder ihrer Hinterbliebenen bei Bedarf unterstützen soll. Diese Einrichtung ist eine der ersten sogenannten „Privat-Sparkassen“, die meist auf Initiative von Landesherren oder wohltätigen Privatleuten gegründet wird und den ärmeren Bevölkerungsschichten eine längerfristige und verzinsliche Bildung von finanziellen Rücklagen ermöglichen soll. Im ländlichen Bereich existieren bereits verschiedene Formen von Viehleihkassen sowie auch schon landwirtschaftliche Vorschussvereine zur Unterstützung armer Landwirte. Über die Entstehung und Entwicklung der Eisensteinsgnadenkasse zu Lerbach in den ersten Jahren ihres Bestehens ist ein ausführlicher Bericht erhalten: "Articul von der Gnadenkasse, welche den 26.11.1770 von den Eisensteinsbergleuten zu Lerbach unter sich errichtet und wie die Articul in der Folge verbessert worden." Weiter heißt es in der Chronik: "Darnach sind am 26.11.1770 sämtliche Lerbacher Eisensteinsbergleute, d.h. alle Steiger und Hauer mit Genehmigung der Herren Bergschreiber Meyer und des Eisensteinsgeschworenen Beermann, und zwar alle, welche ihren Büchsenpfennig dazu geben wollten, zusammengekommen und haben die Gründung der Kasse beschlossen."

Mitte November 1770
Erzherzogtum Österreich / Schweizerische Eidgenossenschaft

Im vorderösterreichischen Waldshut übergibt Freiherr von Wittenberg am 14. November nach der Anlandung im Rheinhafen die Bestattungen und bleiernen Beschriftungen der Särge an den k.u.k. Hofkommissar und österreichischen Repräsentanten in der Eidgenossenschaft Freiherrn Josef von Nagel. Von einem Trauerzug mit 24 Abteilungen aus Rats- und Regierungsmitgliedern, Einungsmeistern, der gesamten weltlichen Geistlichkeit, der Väter Kapuziner mit ihrem Kreuz und dem Posaunenchor der Stadtmusik wird der repräsentativ ausgeschmückte Trauerwagen mit Pomp funèbre vor dem neu erbauten, mit Trauerflor ausgekleidetem Rathaus, an die Bevollmächtigten des Klosters St. Blasien übergeben. Von dort wird der Trauerwagen von den Prälaten von St. Trudpert und St. Peter in vollem Ornat und einem Trauerzug in 15 Abteilungen in das Kloster St. Blasien geleitet. In Waldkirch an der Grenze zum blasianischen Zwing und Bann wird der Zug vom Hauensteiner Landsturm und den Stadtmusikanten an die blasianischen Ordnungskräfte übergeben. Nach Anbruch der Dunkelheit erreicht der Zug das illuminierte St. Blasien und wird dort mit militärischen Ehren empfangen. Auf einem eigens angefertigtem Trauerpodest erfolgt die erste Einsegnung durch den Fürst-Abt, dessen Rede in der titelgleichen Festschrift von 1770 mit einer Abbildung des Aufbaues von Johann Baptist Haas überliefert ist. Der Trauerzug folgt dem frühneuzeitlichen Saumpfad vom Waldshuter Rheinhafen in das Kloster St. Blasien über Waldkirch und Höchenschwand. Der sich im Schritttempo bewegende Zug bewältigt an diesem Tag auf einer ansteigenden Strecke von etwa 23 Kilometern mit 650 Metern Höhenunterschied mehrere Stationen, Übergaben und zeremonielle Handlungen. 14 Habsburger finden nun ihre allerletzte Ruhestätte.

15.11.1770
Königreich Spanien

Eine spanische Expedition unter Francisco González findet und umsegelt die wieder vergessene Osterinsel, die bereits 1722 von dem niederländischen Seefahrer Jacob Roggeveen entdeckt wurde. Die Spanier schildern das Land als kultiviert und die Menschen als freundlich. Hier leben drei verschiedene Rassen friedlich zusammen.

14.11.1770
Königreich Großbritannien
James Bruce
Der schottische Entdecker und Naturwissenschaftler James Bruce erkundet die Quellen des Blauen Nils.
27.11.1770
Königreich Frankreich

Der Kanzler Frankreichs gibt ein "dit de reglement et de discipline" des Königs Louis XV. bekannt, durch das den Richtern ("magistrats") verboten wird, die verschiedenen Zweige oder "Klassen" des Parlaments als Teile eines "unteilbaren" einzigen Parlaments zu definieren; der Austausch von Akten und Einsprüchen ("Remonstations") zwischen den verschiedenen Parlamenten wird untersagt. Außerdem wird ein Streik von Seiten der Parlamente untersagt und verlangt, dass nach einer einmaligen Remonstration gegen ein königlichen Dekret das Parlament die Registrierung eines Ediktes nicht mehr blockieren dürfe. Die Richter weigern sich, dieses Edikt zu registrieren, woraufhin Louis XV. ein "Lit de justice" für den 7. Dezember in Versailles einberuft. Bis dahin stellen die Parlamente nuin ihre Tätigkeiten ein.

Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Der Prozess gegen die Soldaten des Massakers von Boston im März dieses Jahres wird in Suffolk County in Massachusetts fortgesetzt. Gegen den Befehlshaber Captain Preston wurde bereits im Vormonat verhandelt. John Adams, Josiah Quincy II und Robert Auchmuty agieren als Verteidiger, Sampson Salter Blowers unterstützt sie durch Untersuchungen bezüglich der Juroren. Der Solicitor General von Massachusetts, Samuel Quincy, und der Privatanwalt Robert Treat Paine, der von der Stadt Boston engagiert wurde, vertreten die Anklage. Um die Stimmung etwas abkühlen zu lassen, wurde die Verhandlung um Monate verzögert, was ungewöhnlich ist. Die Angehörigen der Jury kommen alle aus anderen Städten. In diesem Verfahren muss die Verteidigung die Schuld jedes einzelnen Soldaten gesondert feststellen, da ein nicht identifizierter Soldat seine Waffe nicht abfeuerte und daher nicht des Totschlags oder Mordes schuldig sein könne. Die Jury spricht mangels Beweisen daher sechs Soldaten frei, Private Montgomery und Matthew Killroy werden des Totschlags für schuldig befunden. Dies ist zwar ein Kapitalverbrechen, aber als Ersttäter werden sie schließlich nur am Daumen gebrandmarkt und nicht gehängt. Die Entscheidungen der Jury legen nahe, dass sie von einer Bedrohung der Soldaten durch die Menge ausgehen. Patrick Carr, das fünfte Opfer, unterstützte diese Ansicht mit seiner Erklärung auf dem Sterbebett gegenüber Anwalt John Adams. Samuel Adams und seine patriotischen Kollegen titulieren die Todesfälle aus Propagandagründen als „The Boston Massacre“. Sie argumentieren, dass die Bedeutung nicht in der kleinen Zahl von Toten liege, sondern in der Politik der Briten, ein stehendes Heer zu unterhalten und Truppen einzusetzen, um damit Gesetze durchzusetzen, die sie im Parlament gegen die Einwände der lokalen Gesetzgebung in Amerika verabschiedeten. Die öffentliche Beerdigung der ersten vier Opfer war eine der größten Versammlungen Nordamerikas bis zu diesem Zeitpunkt. John Adams nennt seine Verteidigung der Soldaten des Boston Massacre eine „der mutigsten, großzügigsten, mannhaftesten und unvoreingenommensten Handlungen seines ganzen Lebens und einen der besten Dienste, die er je seinem Land geleistet habe“. John Adams mutmaßt, dass dieser Tag „den Grundstein des unabhängigen Amerikas“ darstellt. In den 13 britischen Kolonien (den späteren Neu-England-Staaten) leben 2.131.000 Menschen, doppelt so viele wie vor 20 Jahren.

Königreich Frankreich

Finanzminister Pater Joseph Marie Terray stellt die Möglichkeiten für den Lebensmittelverkehr zwischen den Provinzen wieder her.

'07.12.1770
Königreich Spanien / Königreich Großbritannien / Königreich Frankreich

Die Kriegsvorbereitungen in London und in Madrid wegen der Besetzung der Falklandinseln durch die Spanier dauert an. Spanien allein wäre Großbritannien bei einer militärischen Auseinandersetzung deutlich unterlegen, jedoch scheut der französische König Louis XV. im Gegensatz zu seinem Minister César Garbriel de Choiseul-Praslin einen neuen Krieg um die unbedeutenden Inseln. Auch der britische König George III. ist zwar zu einer entschlossenen Haltung gegenüber Spanien, nicht jedoch zu einem Krieg bereit. Nachdem er sich einen Überblick über Lord Weymouths Aktivitäten verschaffte, strebt er im Einvernehmen mit der Mehrheit der Regierung eine friedliche Regelung mit Spanien an. Er versichert französischen Diplomaten, dass Großbritannien einen Krieg vermeiden wolle, und ersucht Lord Weymouth zum Rücktritt von seinem Amt. Lord Weymouth, auch als Thomas Thynne, 1. Marquess of Bath bekannt, tritt im Zuge der Falklandkrise als Secretary of State zurück, bleibt aber politisch aktiv.

Königreich Frankreich

König Louis XV. beruft das Parlament in Versailles ein und verkündet den Disziplinarerlass vom 27. November, nach dem es im Pariser Parlament verboten ist, sich mit anderen Gerichten des Königreiches zu vereinigen oder dort um Rat oder Hilfe nachzusuchen. Er entlässt rebellische Richter der Pariser Parlamente und der anderen 13 Provinzen.

Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Der britische Entdecker und Naturforscher Samuel Hearne bricht zu seiner dritten Expedition in Nordamerika auf, nachdem er erst vor zwölf Tagen von seiner zweiten Expedition zurückgekehrt war und die als gescheitert angesehen wird, wie schon die erste Expedition. Hearne will im kommenden Sommer den Coppermine River erreichen, über welchen er anschließend mit Kanus den Arktischen Ozean erreichen will. Wie schon auf der zweiten Reise ist sein Scout wieder der Ureinwohner Matonabbee, der sowohl bei den Chipewyans wie auch bei den Algonkin großes Ansehen besitzt. Seine Crew besteht wieder vollständig aus Ureinwohnern, die in Amerika seit fast drei Jahrhunderten fälschlicherweise "Indianer" genannt werden. Scout Matonabbee führt das zweifache Scheitern von Hearnes Expeditionen auf das Fehlen von Frauen zurück. Er ist ein erfahrener Organisator und erkennt die unverzichtbare Rolle, die die Fertigkeiten der Frauen spielen. Dazu gehören zahlreiche Arbeiten wie Kochen, Herstellen udn Reparieren von Kleidung, von deren Qualität das Überleben der Expeditionsteilnehmer im Extremen Klima des Nordens Nordamerikas abhängt. Die Frauen wüssten auch, wie die Ernährung zusammengestellt werden muss, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Zudem werden die Männer durch die Entlastung beim Tragen bessere Möglichkeiten haben, in weitem Umkreis auf der Suche nach Nahrung auszuschwärmen. Hearne berichtet, dass Matonabbee selbst sieben Frauen habe. Die Expeditionsleiter beschließen, ihren Zug durch das riesige Gebiet den Bewegungen der Karibu- und Bisonherden anzupassen.

10.12.1770
Königreich Frankreich

Das Pariser Parlament kündigt an, das vor drei Tagen vom König ausgesprochene Edikt niemals als Staatsgesetz anzuerkennen, und tritt in den Streik.

17.12.1770
Königreich Dänemark

König Christian VII. von Dänemark ernennt Johann Friedrich Struensee zum Maître des requêtes (Chef der Gesuche). Damit läuft die Kommunikation zwischen König und Volk allein über Struensee.

18.12.1770
Königreich Dänemark

König Christian VII. von Dänemark ernennt Johann Friedrich Struensee offiziell zu seinem Leibarzt.

22.12.1770
Königreich Dänemark

Der immer wichtiger werdende Minister am königlichen Hof in Kopenhagen, Johann Friedrich Struensee, der seit vier Tagen auch Leibarzt des Königs ist, ernennt den erfahrenen Diplomaten Adolph Sigfried von der Osten zum Leiter des neuen Départements für auswärtige Angelegenheiten. Von der Osten war bis 1765 dänischer Gesandter in Russland gewesen, ehe er wegen Differenzen mit Bernstorff abgezogen und nach Neapel versetzt worden war. Als Außenminister soll er nun die guten Beziehungen zu Zarin Jekatarina II. von Russland fördern.

23.12.1770
Königreich Frankreich

Der Staatsrat beschließt, dass der Verkauf von Getreide bis auf weiteres außerhalb der Märkte verboten wird.

24.12.1770
Königreich Frankreich
Der scheidende Erste Minister Frankreichs Étienne-François de Choiseul-Beaupré-Stainville, comte puis duc de Choiseul-(Stainville)
Der Erste Minister, Außen- und Staatskriegsminister Étienne-François de Choiseul wird von König Louis XV. von seinen Ämtern entbunden. Er war 12 Jahre und 22 Tage Erster Minister, 4 Jahre, 8 Monate und 15 Tage Außenminister und 9 Jahre, 10 Monate und 28 Tage Staatskriegsminsiter. Étienne-François de Choiseul-Beaupré-Stainville ist Graf von Choiseul (Stainville) (1758) und Herzog von Amboise (1764). Zu seinen Brüdern zählen der Fürsterzbischof von Cambrai Léopold-Charles de Choiseul-Stainville sowie der Marschall von Frankreich Jacques Philippe de Choiseul-Stainville. Der scheidende Erste Minister diente als Soldat während des Österreichischen Erbfolgekriegs 1741 in Böhmen und Italien, wo er sich bei der Schlacht von Coni 1744 auszeichnete. Von 1745 bis 1748 war er mit der Armee auf dem Gebiet der Niederlande und nahm an der Schlacht bei Mons, Charleroi und Maastricht teil. Er wurde zum Lieutenant général ernannt und heiratete 1750 Louise Horine, Tochter des Bankiers Louis François Crozat (1691–1750), Marquis de Chatel, die ein großes Vermögen in die Ehe einbrachte. Choiseul gewann die Gunst von Madame de Pompadour, indem er ihr einige Briefe beschaffte, die Ludwig XV. an seine Cousine Madame de Choiseul geschrieben hatte. Nach einer kurzen Zeit als Landvogt von Vosges wurde er 1753 zum Botschafter in Rom ernannt, wo er mit den Verhandlungen betraut wurde, die die Unruhen im Zusammenhang mit der Bulle Unigenitus Dei filius betrafen. Er erfüllte seine Verpflichtung mit Geschick, und 1757 sorgte seine Patronin für seine Versetzung nach Wien, wo er instruiert wurde, die neue Allianz zwischen Frankreich und Österreich anzubahnen. Sein Erfolg in Wien eröffnete ihm die Möglichkeit für eine weitergehende Karriere: Choiseul ersetzte Abbé François-Joachim de Pierre de Bernis als Außenminister (1758–1761/1766–1770) und steuerte daher während des Siebenjährigen Krieges die französische Außenpolitik. Zu dieser Zeit wurde er zum Duc d’Amboise erhoben. Obwohl in den Jahren 1761 bis 1766 sein Cousin César Gabriel de Choiseul-Praslin das Amt des Außenministers bekleidete, bestimmte doch Choiseul weiterhin bis jetzt die französische Politik. So amtierte er phasenweise zugleich als Kriegsminister (1761–1770) und Marineminister (1761–1766). 1766 tauschte er mit seinem Cousin das Marineministerium gegen das Außenministerium. Als der Urheber des „Familienpaktes“ versuchte er, durch eine Allianz mit dem Bourbonen-Haus in Spanien die verheerenden Ergebnisse der Allianz mit Österreich wiedergutzumachen; seine Maßnahme kam aber zu spät. Seine energische Politik in anderen Bereichen des Staats war jedoch nicht vergeblich. Nachdem er inmitten einer Phase der Demoralisierung an die Macht gekommen war, verursacht durch die Niederlagen von Rossbach und Krefeld, reformierte er mit Mut und Energie die Streitkräfte. Auch wenn er zu spät kam, um den Verlust Kanadas und Indiens noch zu verhindern, entwickelte er die französischen Kolonien in den Antillen – darunter die „Perle der Karibik“ Saint Domingue – und brachte Korsika und Lothringen unter die französische Krone. Seine Innenpolitik stellte im Allgemeinen die Adel, Klerus und Wissenschaftler zufrieden. Er erlaubte die Veröffentlichung der Encyclopédie und führte die Verbannung der Jesuiten herbei. Choiseuls Sturz wurde verursacht durch seine Maßnahmen gegen die Jesuiten, und durch seine Unterstützung für deren Gegner La Chalotais und der Provinzparlamente. Nach dem Tod Madame Pompadours 1764 wurden seine Feinde, angeführt von Madame Dubarry und dem Kanzler Maupeou, zu stark für ihn, und nun wurde er gezwungen, sich auf seinen Landsitz in Chanteloup zurückzuziehen. Die Intrigen gegen werden jedoch seine schon vorher große Popularität befördern. Inhalt seines Lebens bleibt die Sorge über die Modernisierung des Staates und seine Stärkung angesichts der Macht der Kirche, die das soziologische und politische Bündnis zwischen einem liberalen Rand des europäischen Adels und dem fortschrittlichen Wirtschaftsbürgertum wie William Pitt in Großbritannien, Pombal in Portugal, Tanucci in Neapel, Du Tillot in Parma und Kaunitz in Österreich symbolisierte. Sein Freund Baron de Gleichen, ein dänischer Diplomat, beschreibt ihn als "eher klein, robuster als schlank und von einer sehr angenehmen Hässlichkeit, seine kleinen Augen funkeln vor Geist, seine Nase im Wind gibt ihm eine angenehme Luft“. Andererseits wird er von seinen Feinden als ein Brandbeschleuniger angesehen, der Europa in Brand gesteckt hat. De Choiseul, der bei dem preußischen König Friedrich II. (dem Großen) und der Zarin Jekaterina II. nicht beliebt ist, weil sie ihn als ein "schwarzes Tier" ansehen, das Lust an Kriegen hat, setzte sich nach dem Vertrag vom 1. Mai 1756 für eine Stärkung des Verteidigungsbundes mit dem Wiener Hof ein, was schließlich noch im selben Jahr den Siebenjährigen Krieges von Nordamerika nach Europa brachte.
Der neue Erste Minister René-Nicolas de Maupeou
Der neue Erste Minister René-Nicolas de Maupeou ist der fünfte Träger dieses Namens. Er stammt aus Bruyères des Maupeou und studierte am Louis-le-Grand College. Sein Bruder Louis (* 1716) ist Offizier in der Infanterie. Mit 19 Jahren wurde René-Nicolas de Maupeou zum Berater der 3. Untersuchungskammer des Pariser Parlaments berufen. Am 22. Januar 1744 heiratet er Anne Marguerite Thérèse de Roncherolles, Tochter von Charles Michel François, Marquis von Roncherolles, und Angélique Marguerite de Jassaud. Die junge Braut war deren einziges Kind und hatte nach dem Tod des Vaters ein großes Vermögen sowie und ein Anwesen aus dem 10. Jahrhundert geerbt. Anne starb am 21. April 1752, nachdem sie zwei Söhne geboren hatte. Um seinen ältesten Sohn zu erziehen, ernannte Maupeou einen jungen Mann namens Charles-François Lebrun. Maupeou äußerte im Rahmen seiner politischen Aktivitäten Ansichten, die sich von denen der meisten seiner Parlamentskollegen unterschieden, was dazu führte, dass ihm viele Parlamentarier misstrauten. König Louis XV. nutzte den Rücktritt des ersten Präsidenten Molé und beschloss, alle führenden Mitarbeiter der Justiz auszutauschen. Der alte Kanzler Lamoignon, der sich weigerte, zurückzutreten, wurde in sein Land Malesherbes verbannt. Als Kanzler Guillaume de Lamoignon de Blancmesnil am 14. September 1768 sein Amt niederlegte, wurde vereinbart, dass René-Charles de Maupeou sen. zum Nachfolger ernannt wird, sein Amt jedoch unverzüglich niederlegt, um als Kanzler von Frankreich in den Ruhestand zu treten. Er war nur einen Tag Kanzler, und sein Sohn folgte ihm am 16. September 1768 in diesem Amt nach. Während es seit d'Aguesseau eingerichtet worden war, um die Funktionen des Kanzlers und Bewahrers der Siegel von Frankreich zu trennen, wurden sie zu Gunsten von Maupeou wiedervereinigt, dem die Siegel zwei Tage später überreicht wurden. Maupeou hatte somit in gerichtlichen Angelegenheiten einen weiten Handlungsspielraum, der durch das Vertrauen Louis' XV. noch vergrößert wurde. "Dann, vierundfünfzig Jahre alt," schreibt Michel Antoine, "war er ein kleiner Mann mit großen, hervorstehenden Augen unter dicken schwarzen Augenbrauen, einer ziemlich niedrigen Stirn, einer langen und quadratischen Nase und einem großen, aufgerichteten Mund und der gelbem, bläulichen Teint. Er war streng mit seinen Pflichten durchdrungen, unermüdlich bei der Arbeit" Es ging das Gerücht um, dass Maupeou seine Ernennung Choiseul schuldete. Es ist sicher, dass der Letztere, der immer noch einen großen Einfluss auf den König hat, sich dem nicht widersetzte, aber es ist auch nichts beweist, dass er seinen Nachfolger im Amt favorisierte. Zunächst scheint Maupeou auch einer Linie der Mäßigung zu folgen.
Louis Phélypeaux de Saint-Florentin
Neuer Außenminister wird der Marquis Louis Phélypeaux de Saint-Florentin, der kürzlich zum Herzog von La Vrillière ernannt wurde. Im September 1765 wurde er Opfer eines Jagdunfalls, nach dem ihm die linke Hand amputiert wurde. Zwischen 1767 und 1769 ließ er vom Architekten Jean-François-Thérèse Chalgrin das prächtige Hôtel de Saint-Florentin (2 rue Saint-Florentin in Paris) errichten und ist seit 1756 Staatsminister und seit 1749 Staatssekretär im Haus des Königs von Ludwig XV.; der entlassene Erste Minister Choiseul sagt über ihn, "dass er drei Namen habe und keine gemacht habe".

Das Amt des Staatskriegsministers (Secrétaire d'Etat de la Guerre) bleibt vorerst unbesetzt.
Es beginnt das "Triumvirat" des Herzogs von Aiguillon Emmanuel-Armand de Vignerot du Plessis-Richelieu, Pater Joseph Marie Terray und René-Nicolas de Maupeou. Herzogs von Aiguillon Emmanuel-Armand de Vignerot du Plessis-Richelieu wurde als Sohn von Armand Louis de Vignerot du Plessis (1683–1750) und der Anne Charlotte de Crussol de Florensac (* 1700) geboren. Er war ein Neffe des Marschalls Richelieu. Mit siebzehn trat er in die Armee ein und mit neunzehn wurde er zum Colonel des Régiment de Brie ernannt. Er diente in den Feldzügen in Italien während des Österreichischen Erbfolgekriegs, wurde 1744 in der Schlacht von Pierrelongue bei Chateau-Dauphin schwer verwundet, 1746 gefangen genommen und 1748 zum Maréchal de camp befördert. Seine Heirat im Jahr 1740 mit Louise Félicité de Bréhan, Tochter des comte de Plélo, zusammen mit seiner Verbindung zur Richelieu-Familie, verschaffte ihm eine wichtige Stellung am Hof. Er war ein Mitglied der so genannten parti dévot, der Fraktion gegen Madame de Pompadour, die Jansenisten und das Parlament. 1753 bis 1768 diente er als Kommandant der Bretagne. Er war dort nicht beliebt. Die Provinz hatte eine große Zahl von Privilegien bewahrt („Freiheiten“ genannt). 1758 siegte er in der Schlacht von Saint-Cast gegen englische Truppen. Im gleichen Jahr kam er mit den Provinzständen wegen der Abgaben an den König in Konflikt. 1762 brachte er das Parlament der Bretagne (1554–1790) gegen sich auf, weil er die Privilegien der Provinz missachtete. Im Juni 1764 hob der König einen Erlass des Parlaments auf, der die Erhebung neuer Steuern ohne Zustimmung der Stände untersagte; er weigerte sich, die Proteste des Parlaments gegen den Herzog entgegenzunehmen. Am 11. November 1765 wurde der Prokurator des Parlaments, Louis-René de Caradeuc de La Chalotais verhaftet. Ob dies auf Veranlassung Aiguillons geschah, ist ungewiss. Der Konflikt zwischen Aiguillon und den Bretonen dauerte zwei Jahre. Anstelle des Parlaments, das sich aufgelöst hatte, organisierte Aiguillon ein Tribunal mit mehr oder minder kompetenten Richtern, die von den Pamphlet-Schreibern verspottet und ironisch bailliage d'Aiguillon genannt wurden. Heute erreichte er die Entlassung des Ministers Étienne-François de Choiseul und übernimmt eine wichtige Position am Hofe des Königs.

27.12.1770
Königreich Dänemark

Der einflussreichste Minister Dänemark Johann Friedrich Struensee veranlasst den König Christian VII., den Geheimen Staatsrat (dänisch Gehejmekonseil), den höchsten königlichen Rat in Dänemark, aufzulösen. Das Gerichtswesen soll erneuert und von der Verwaltung getrennt werden. Statt der alten Standesgerichte soll es nun bald ein einheitliches Gericht geben. Jeder Bürger soll vor dem Gesetz die gleichen Rechte besitzen. Auch zur Milderung der sozialen Ungerechtigkeit plant Struensee zahlreiche Gesetze: Er will Findelhäuser und Hospitäler gründen und die Öffnung des Schlossgartens für die Bevölkerung erlauben. Er beabsichtigt, das Gesundheits- und das Schulwesen zu reformieren, Dänisch statt Latein unterrichten zu lassen und die Prügelstrafe abzuschaffen. Die Folter wird ebenfalls abgeschafft. Uneheliche Geburten sollen nicht mehr bestraft, außerehelich geborene Kinder sollen den ehelichen gleichgestellt werden. Ehebruch soll nicht mehr als Verbrechen, sondern nur noch als innerfamiliäres Problem gelten. Dieser Teil des Dekretes wird später als ein offenes Schuldeingeständnis Struensees angesehen werden, da man im Volk munkelt, dass er und nicht der König der Vater des Kindes der schwangeren Königin sein könnte.

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