Chronik 1770.09

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Weltchronik der ersten Dekade des September 1770

Ereignisse vom 01.-10. des Monats    Ereignisse vom 11.-20. des Monats     Ereignisse vom 21.-Ende des Monats



Die Pest erreicht die Stadt Moskau

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01.09.1770 (Samstag)
Frankreich 1632-1790.png
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der im Sommer Erde und Sonne passierte Komet mit der späteren Bezeichnung D/1770 L1 (Lexell), der an der Erde in einem Abstand von 2,26 Millionen Kilometer Abstand vorbeiflog, passiert den Mars in einem Abstand von 105,4 Millionen Kilometern.

September 1770
Russland 1697-1858.png
Russisches Kaiserreich

Die Pest, die im Sommer in die südlichen Gouvernements Russlands auf dem Balkan in das Reich einfiel, erreicht nun Moskau.

Spanien 1700-1785.png England 1660-1801.png
Königreich Spanien / Königreich Großbritannien / Königreich Frankreich

Ferrero Fieschi, der spanische Botschafter in London, gibt in Madrid einen Bericht über seine Begegnung mit dem britischen "Secretary of State for the southern Department", Lord Weymouth und dessen Forderung der Räumung der Falklandinseln durch die Spanier. Diese wollen zunächst nachgeben, doch als General Juan Ignacio de Madariaga selbst in Madrid eintrifft und von seinem Erfolg bei der Einnahme der bisher britischen Inselgruppe berichtet, beschließt die Regierung, diesen Erfolg zu verteidigen. Zwei Wochen später trifft Commander Farmer mit der HMS FAVOURITE in Großbritannien ein. Die öffentliche Meinung und die Opposition unter Earl Chatham verlangen Wiedergutmachung oder die Rückeroberung der Falklandinseln. Als Lord Weymouth hiervon erfährt, mobilisiert er ohne Rücksprache mit den anderen Mitgliedern der Regierung große Teile der Royal Navy und nimmt gegenüber der Regierung in Madrid eine kriegerische Haltung ein. Es werden mehrere diplomatische Noten zwischen beiden Ländern ausgetauscht, um den immer wahrscheinlicher werdenden Krieg zwischen ihnen abzuwenden. Man wartet auf beiden Seiten auf eine Äußerung Frankreichs, von der man annimmt, dass das Land Spanien unterstützen würde.

Rote Fahne.png Vietnam (Umriss).jpg
Königreich Thonburi / Kaiserreich Dai-Viêt

Vietnam sorgt zunächst für die Absetzung des von den Siamesen eingesetzten kambodschanischen Königs Ang Non und setzen wenig später dessen Bruder auf den Thron. Dieser widersetzte sich unter vietnamesischem Einfluss der Zahlung von Tributen an Siam. Der zum König gewählte Phya Taksin führt daraufhin eine Armee nach Siem Reap und Battambang, um Kambodscha wiederzugewinnen. Die Vietnamesen starten einen Gegenangriff auf Trat und Chanthaburi. Doch schnell kehrt Taksin mit Land- und Seestreitkräften zurück, um Banteay Meas, Phnom Penh und andere, kleinere Ziele zu erobern. Auch die seinerzeitige kambodschanische Hauptstadt Banteay Pech wird angegriffen und der vietnamesische Marionettenkönig muss fliehen. König Ang Non wird von den Siamesen erneut auf den Thron gesetzt, die Vasallenherrschaft Siams wird bestätigt. Der chinesischstämmige General Taksin, der vor drei Jahren aus der belagerten Stadt Ayutthaya fliehen und sich in den Osten des zerstückelten Reiches, (das später Thailand werden soll), absetzen. Dort gelingt es ihm, neue Truppen zu formieren und den Widerstand gegen die Burmesen zu organisieren. Es kommt ihm zugute, dass Burma zur gleichen Zeit von einer Invasion Chinas bedroht wird und sie deshalb nur wenige Besatzungstruppen in Ayutthaya beließen. Bereits im Oktober 1767 gelang es ihm, die Hauptstadt zurückzuerobern. Ayuttaya wird allerdings nicht wieder zu einem Zentrum des Reiches werden, sondern das strategisch günstiger gelegene Thonburi. Nach der einjährigen Belagerung war die Versorgungslage der Bevölkerung katastrophal. Er führte zahlreiche Maßnahmen ein, um die Notlage zu mindern, wobei er auch die Hilfe von einflussreichen chinesischen Familien in Anspruch nahm. So mussten alle Staatsangestellten ungeachtet ihres Ranges auf den Feldern arbeiten; Disziplinmangel, Korruption, Feigheit oder Schmuggel wurden auf das Härteste bestraft. Um ein effizienteres Durchgreifen des Staates auf die Arbeitsleistungen der Untertanen zu ermöglichen, ließ er alle Unfreien tätowieren. Er brach mit der Tradition der gottgleichen Könige von Ayutthaya und ist ein Herrscher, der sich um viele Details persönlich kümmert. In diesem Jahr gelingt es ihm, das Reich, das nach dem Fall der Hauptstadt in mehrere Staaten zerfallen war, wieder unter sich zu vereinigen.

Afrika.png
Mali

Ende des Vasallentums der Maura von Mali durch die Könige von Segu.

England 1660-1801.png
Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Am Eingang zum Hafen von Saint-Jean in Neufundland beginnen die Briten mit dem Bau von Fort Amherst.

02.09.1770 (Sonntag)
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03.09.1770 (Montag)
Spanien 1700-1785.png
Königreich Spanien

König Carlos III. von Spanien erklärt den Grenadiermarsch zu einem Ehrenmarsch. Die Melodie wird noch im 21. Jahrhundert die Nationalhymne Spaniens sein.

HRR 1402-1806.png 70px
Heiliges Römisches Reich / Königreich Preußen

In Neustadt (Mähren), heute Unicov, findet ein Treffen zwischen dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Joseph II. und König Friedrich II. von Preußen ("den Großen") statt. Thema der fünftägigen Konferenz ist die Besorgnis über den Aufstieg Russlands als Ordnungsmacht in Osteuropa.

HRR 1402-1806.png 70px
Heiliges Römisches Reich / Fürstbischoftum Osnabrück

Das stärkste bislang in Norddeutschland nachgewiesene Erdbeben erschüttert mit der Stärke VII auf der Medwedew-Sponheuer-Kárník-Skala den Ort Alfhausen im Fürstbischoftum Osnabrück.

04.09.1770 (Dienstag)
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Königreich Dänemark-Norwegen

Der deutsche Arzt und Gesundheitsminister Dänemark-Norwegens, Johann Friedrich Struensee, genießt das Vertrauen des königlichen Paares und wird zum Kabinettssekretär und Konferenzrat befördert. In dieser Stellung ist es von Struensee möglich, seine Reformideen leicht durchzusetzen. König Christian VII. unterschreibt heute die ersten Struensee'schen Gesetzesvorlagen: Damit wird die Anhäufung von Titeln und orden ohne entsprechende Verdienste untersagt, sowie die Meinungs- und Pressefreiheit ("Preßfreiheit") eingeführt. Ausgerechnet durch diese erste Reform wird der Minister seine Unbeliebtheit in der Bevölkerung fördern, denn die freie Presse wird imstande sein, ein großes Publikum innerhalb kürzester Zeit zu beeinflussen und gegen den Mann aus Halle einzunehmen. Durch die "freie Presse" wird auch die junge Königin, die um der besseren Beweglichkeit willen in Hosen einen Herrensattel nutzt, wird zum Ziel zahlreicher Spottschriften werden.

05.09.1770 (Mittwoch)
Russland 1697-1858.png Osmanisches Reich 1517-1793.png Krim 1441-1783.png
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Ein russisches Armeekorps unter dem Befehl von General Prinz Nikolai Wassiljewitsch Repnine nimmt Kilia am Südufer des Armes des gleichnamigen Flusses ein. Kilia war bereits 1315 ein Handelsposten und später eine Festung der Republik Genua, später gehörte die Stadt zum Despotat von Dobrugea, dann den Tataren, dem Fürstentum Walachai und der Rapublik Moldau. Seit 1422 war die Stadt osmanisch.

06.09.1770 (Donnerstag)
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07.09.1770 (Freitag)
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08.09.1770 (Samstag)
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09.09.1770 (Sonntag)
Österreich 1230-1786.png Ungarn 1382-1804.png Polen 1764-1795.png
Erzherzogtum Österreich / Königreich Ungarn / Königreich Polen

Ein Dekret des Wiener Kabinetts erklärt die Eingliederung der Starosties von Zips und von Sandek, was zu den Verhandlungen über die Teilung Polens führen wird.

10.09.1770 (Montag)
Österreich 1230-1786.png Schweiz 1470-1798.png
Erzherzogtum Österreich / Schweizerische Eidgenossenschaft

Dank seiner bilateral guten Beziehungen nach Innsbruck, Wien, Bern und Basel und einem gewissen Desinteresse der Beteiligten gelang es Martin Gerbert, in nur drei Monaten die Zustimmung zur Überführung der sterblichen Überreste von prominenten Angehörigen des Hauses Habsburg nach St. Blasien zu erhalten. Erzherzogin Maria Theresia unterstützte das Projekt in einem Schreiben an die Berner und Basler Regierungen. Heute werden in der Klosterkirche Königsfelden sterbliche Überreste folgender Personen exhumiert:

  1. Friedrich (* 1316; † wenige Tage nach Geburt) – Sohn von Friedrich dem Schönen
  2. Elisabeth von Kärnten, Görz und Tirol (* um 1262; † 1313) – Gemahlin von König Albrecht I.
  3. Leopold I. (* 1290; † 1326) – Sohn von König Albrecht I.
  4. Heinrich der Sanftmütige (* 1299; † 1327) – Sohn von König Albrecht I.
  5. Gutta von Oettingen (* 1302; † 1329) – Tochter von König Albrecht I., Gemahlin des Ludwig VI. von Oettingen
  6. Katharina von Savoyen (* um 1297–1304; † 1336) – Gemahlin von Herzog Leopold I.
  7. Elisabeth von Virneburg (* um 1303; † 1343) – Gemahlin von Herzog Heinrich dem Sanftmütigen
  8. Katharina von Habsburg (* 1320; † 1349) – Tochter von Herzog Leopold I., Gemahlin des Enguerrand VI. de Coucy
  9. Elisabeth von Habsburg (* um 1285; † 1352) – Tochter von König Albrecht I., Gemahlin des Friedrich IV. von Lothringen
  10. Agnes von Ungarn (* um 1281; † 1364) – Tochter von König Albrecht I., Gemahlin des Königs Andreas III. von Ungarn
  11. Leopold III. von Habsburg (* 1351; † 1386) – Sohn von Herzog Albrecht II.

Im Falle des 1316 im Kleinkindalter verstorbenen Friedrich (des Sohnes von Friedrich dem Schönen) werden nur sechs Bretter seines Sarges entnommen und vom Berner Hofmeister Carl Ludwig Ougspurger an den vorderösterreichischen Regierungs- und Kammerrat Johann Nepomuk Freiherrn von Wittenbach als zuständigem Hofkommissar übergeben. Die Leiche Friedrichs konnte nicht mehr aufgefunden werden. Daher konnten nur sechs Bretter seines Sarges geborgen werden. Der Freiherr von Wittenbach lagert die Gebeine zunächst in der blasianischen Propstei Klingnau.
An der Westwand des Königsfeldener Erbbegräbnisses erinnert eine Wandtafel an die Exhumierungen: "Anno MDCCLXX. den 10ten Septembris, sind / obbeschriebene Erzt-Herzogliche Cörper auf / Ansuchen seiner Käyserl:Königl:Apostol:Mayestät, / mit Einwilligung eines Hohen Freystandes Bern, / denen geordneten Seiner Hochfürstl:Gnaden / deß Herren Abbten von St:Blasien, um in dasiger Stiffts-Kirche beygesetzt zu werden, durch den dieser Zeit / hier Regierenden H:Herren Hofmeister, / Carl Ludwig Ougsburger übergeben worden."
Am 10. November sollen drei weitere Exhuminierungen im Basler Münster erfolgen.

Chronik 1770.09-II
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Chronik 1770.09-III
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