Chronik 1770

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CHRONIK 1770


Erzherzogin Maria Antonia von Österreichs Brautzug nach Frankreich

König Carlos III. verbietet die Verwendung indigener Sprachen im spanischen Weltreich

Die Erde erlebt den nahesten Vorbeiflug eines Kometen in 2,18 Millionen Kilometer Entfernung

Quartal I


Das Königliche Schloss Stockholm wird fertiggestellt

Englische Soldaten erschießen beim Massaker von Boston fünf Kolonisten

In Frankreich werden vier Gesundheitseinrichtungen zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten eingerichtet

Quartal II

Erzherzogin Maria Antonia von Österreichs Brautzug nach Frankreich

König Carlos III. von Spanien verbietet die Verwendung indigener Sprachen in seinem Weltreich

Quartal III

Die Erde erlebt den nahesten Vorbeiflug eines Kometen in 2,18 Millionen Kilometer Entfernung
=

Die russische Flotte besiegt die Osmanische Streitmacht in der Ägäis

Quartal IV

Nach 12 Jahren wechselt der König von Frankreich seinen Ersten Minister aus

Die erste Rentenkasse der Welt wird im Harz gegründet

In Moskau bricht die Pest aus


Hier geht es zu den Ereignissen der Jahre... style="color:blue;background-color:#f6f890;" |

1760 / 1761 / 1762 / 1763 / 1764 / 1765 / 1766 / 1767 / 1768 / 1769 / 1770 / 1771 / 1772 / 1773 / 1774 / 1775 / 1776 / 1777 / 1778 / 1779 / 1780

Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres 1770 style="color:blue;background-color:#f6f890;" |

Januar / Februar / März / April / Mai / Juni / Juli / August / September / Oktober / November / Dezember


Die HMS ENDEAVOUR, Schiff der ersten Weltumseglung
Die wichtigsten Persönlichkeiten des Jahres
(nach Geburtsjahr geordnet)
Die wichtigsten Herrscher und Regierenden im Jahre 1770
(nach Beginn der Herrschaft geordnet, Regierungschef fett gedruckt)
Nation Name Regierungszeit Dauer Jahresende
Königreich Frankreich
(987–1792)
König Louis XV. le Bien-Aime
Premierminister Étienne Francois, duc de Choiseul-Amboise
Triumvir René Nicolas de Maupeou
Triumvir Joseph Marie Terray
Triumvir Armand du Plessis, duc d’Aiguillon
01.09.1715–10.05.1774
03.12.1758-24.12.1770
1768–02.06.1774
1769–02.06.1774
24.12.1770–02.06.1774
55y04m00d
12y21d
ca. 2,5 Jahre
ca. 1,5 Jahre
wenige Tage
Königreich Preußen
(1701–1918)
König Friedrich II.
Leitender Minister Karl Wilhelm Graf Finck von Finckenstein
Außenminister Karl Wilhelm Graf Finckenstein
Zweiter Außenminister Ewald Friedrich von Hertzberg
31.05.1740–17.08.1786
06.1749–03.01.1800
06.1749–03.01.1800
05.04.1763–08.1791
29y07m00d
21y06m00d
21y06m00d
07y08m27d
Republik der Sieben Vereinigten Provinzen
(1581–1795)
Erbstadthalter Wilhelm V. Batavus
Ratspensionär Pieter Steyn
22.10.1751-16.05.1795
12.06.1749-05.11.1772
19y02m10d
21y06m20d
Osmanisches Reich
(1299–1922)
Sultan Mustafa III.
Großwesir Muhsinzade Mehmed Pascha
30.10.1757–21.01.1774
18.10.1765–21.04.1774
13y02m00d
05y02m00d
Königreich Spanien
(1516–1873)
König Carlos III.
Chefminister Jerónimo Grimaldi
10.08.1759–14.12.1788
09.10.1763–09.02.1776
10y04m21d
06y02m22d
Russisches Kaiserreich
(1721–1917)
Zarin Katharina II.
Vizekanzler und Außenminister Alexander Michailowitsch Golizyn
Außenminister Nikita Panin
09.07.1762–17.11.1796
1762-1775
1763–1781
07y05m22d
ca. 8y
ca. 7y
Heiliges Römisches Reich
(962–1806)
Kaiser Joseph II.
Reichsvizekanzler Johann Friedrich von Seilern
Außenbeziehungen: Wenzel Anton von Kaunitz
19.08.1765–20.02.1790
1763–1785
17.01.1753–02.03.1792
04y04m12d
ca. 7y
17y11m14d
Königreich Großbritannien
(1707–1801)
König George III.
Premierminister Augustus Henry FitzRoy, 3rd Duke of Grafton
Premierminister Frederick Lord North, 2. Earl of Guilford
Außenminister (Nord) William Nassau de Zuylestein, 4th Earl of Rochford
Außenminister (Nord) John Montagu, 4th Earl of Sandwich
Außenminister (Süd) Thomas Thynne, 3rd Viscount Weymouth
Außenminister (Süd) William de Zuylestein, 4th Earl of Rochford
25.10.1760–29.01.1820
14.10.1768-28.01.1770
28.01.1770–22.03.1782
21.10.1768-19.12.1770
19.12.1770-12.01.1771
21.10.1768-12.12.1770
19.12.1770-09.11.1775
09y02m06d
01y03m15d
00y11m03d
02y01m28d
12d
02y01m22d
13d
Kirchenstaat
(754–1870)
Papst Clemens XIV.
Kardinalstaatssekretär Luigi Maria Torrigiani
19.05.1769–22.09.1774
1758–22.09.1774
01y07m12d
12y00m00d
Königreich Dänemark–Norwegen
(1536–1814)
König Christian VII.
(Faktischer Regierungschef) Johann Friedrich Struensee
14.01.1766–13.03.1808
15.09.1770–17.01.1772
04y11m00d
ca. 03m10d



Das Königliche Schloss in Stockholm wird fertiggestellt
Ereignis
Fortlaufende Ereignisse
  • 1768 - 1774 Sechster Russisch-Osmanischer Krieg
  • 1768 - 1771 Polnischer Befreiungskrieg gegen Russland, Frankreich und Österreich
  • 1769 - 1773 Vietnamesisch-Siamesischer Krieg
1770
(ohne genaues Datum)
Königreich Ungarn

István Varró, der letzte Kiptschake (Kumane), der die kumanische Sprache spricht, stirbt in Ungarn. Die Kiptschaken hatten das heutige ungarische Gebiet auf der Flucht vor den Mongolen im 13. Jahrhundert besiedelt und im Laufe der Jahrhunderte ihre ursprüngliche, dem Türkischen ähnliche Sprache, verloren. Im Jahre 1744 hatten die Kiptschaken, zu deren Delegation Varró gehörte, von Kaiserin Maria Theresia von Österreich bestimmte Privilegien erhalten.

Erzherzogtum Österreich

In Böhmen ereignet sich ein großer Volksaufstand gegen die Habsburger Monarchie.

Königreich Frankreich
  • In Frankreich werden vier Gesundheitseinrichtungen zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten eingerichtet.
  • Nicolas Beaujon, Verwalter der staatlichen Finanzen von Rouen und reich an Getreidespekulationen, wird Bankier des Hofes, Generalbauer und Staatsrat.
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Königreich Preußen / Schweizerische Eidgenossenschaft
Moses Mendelssohn
Der deutsch-jüdische Philosoph Moses Mendelssohn wird von dem Schweizer Pfarrer Johann Caspar Lavater öffentlich aufgefordert, entweder in aller Form das Christentum zu widerlegen oder selber Christ zu werden, was zu einer öffentlichen Auseinandersetzung zwischen Mendelssohn und Lavater führt, die infolge der heiklen Sachlage – die Juden leben knapp geduldet in einer mehrheitlich christlichen Gesellschaft, Mendelssohn wird, ob er es will oder nicht, als ihr Sprecher und Vertreter betrachtet – viel Takt, Geschick und Kraft erfordert. Moses Mendelssohns Vater Mendel Heymann war als jüdischer Schriftgelehrter (Sofer) sowie dessauischer Gemeindeschreiber und Primarschullehrer tätig. Über seine Herkunft ist nichts bekannt, außer dass er nach Dessau zugewandert war. Er war traditionell orientiert, so dass ihn sein Sohn später als „Mann aus der alten Welt“, der „seine besonderen Grillen habe“ bezeichnete. Die Mutter, Rachel Sara Wahl, stammte aus einer alten jüdischen Familie, zu der bedeutende Persönlichkeiten der polnisch-jüdischen Geschichte gehören wie Moses Isserles, der Verfasser eines wichtigen Gesetzeskommentars zum Schulchan Aruch, und Saul Wahl, eine halb sagenhafte Figur, die eine Nacht lang die polnische Königskrone getragen haben soll. Als Moses geboren wurde, war der Vater bereits 47 Jahre alt. Trotz der bescheidenen Verhältnisse im Elternhaus wurde das Kind sorgfältig ausgebildet und früh als hochbegabt erkannt. Seine Muttersprache war das späte West-Jiddisch; Hebräisch und Aramäisch (die Sprache des Talmud) lernte er bereits als Kleinkind – mutmaßlich von seinem Vater, der später den Siebenjährigen im Winter „eingehüllt in seinen Mantel“ auf dem Rücken in die Schule trug. Seine dortigen Lehrer waren sichtlich begeistert von seinen Leistungen. Bereits als Zehnjähriger soll Moses im Talmudstudium hervorragende Kenntnisse besessen haben. Um 1739 wechselte der junge Mendelssohn in die Klasse des Dessauer Oberrabbiners David Fränkel, eines einflussreichen Gelehrten, der nach fast 200 Jahren den Führer der Unschlüssigen, ein Hauptwerk des bedeutenden jüdischen Philosophen Maimonides (1138–1204), neu herausgab. Mendelssohn arbeitete das anspruchsvolle zweibändige hebräische Werk gleich nach dessen Erscheinen 1742 zusammen mit Fränkel, der ihn auch in den Talmud und seine Kommentare einführte, durch. In dieser Zeit – Mendelssohn war etwa dreizehn Jahre alt – machte sich die Krümmung seines Rückens bemerkbar. Außerdem neigte er zum Stottern. Als Rabbi Fränkel 1743 nach Frankfurt/Oder und gleich darauf als Oberrabbiner nach Berlin berufen wurde, folgte ihm sein Schüler an die 1742 neu gegründete Talmudschule nach Berlin; der Sage nach in fünf Tagesmärschen zu Fuß. Er wohnte dort bis zum Jahr 1750 in der Probstgasse 3 hinter der Nikolaikirche in der Dachkammer von Chaim und Gella Bamberger und erhielt, der Tradition entsprechend, zwei „Freitische“ beziehungsweise Gratismahlzeiten pro Woche und wurde zusätzlich von Rabbi Fränkel mit Abschreibaufträgen über Wasser gehalten. Mit Hilfe älterer, weltlich gebildeter Schüler eignete sich Mendelssohn in diesen Jahren, neben seinen Talmudstudien, Deutsch und später Latein, Französisch und Englisch sowie weiteres weltliches Wissen an. Er zeigte früh eine Neigung zur Philosophie; den englischen Frühaufklärer John Locke studierte er zunächst auf Lateinisch mit Hilfe eines Wörterbuchs, außerdem Christian Wolff und den Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz. Auch Shaftesburys Denken sprach ihn an, während er den meisten französischen Aufklärern, bis auf Rousseau, eher mit Skepsis begegnete. Bald wurde er selbst zum Aufklärer. Nach sieben Jahren als Bettelstudent wurde er im Jahr 1750 von dem Seidenhändler Bernhard Isaak als Hauslehrer für dessen Kinder eingestellt und begann 1754 als Buchhalter in dessen neu gegründeter Seidenfabrik. Vermittelt durch Aaron Samuel Gumperz lernte er im selben Jahr, angeblich beim Schachspiel, den gleichaltrigen Pfarrerssohn und ehemaligen Theologie- und Medizinstudenten Gotthold Ephraim Lessing kennen, der ihn 1754 bei der Publikation eines anonymen Briefes als „eben so witzigen, als gelehrten und rechtschaffnen [Mann]“ bezeichnete. Ein Jahr später sorgte Lessing für die Publikation von Mendelssohns erster deutscher Schrift, den Philosophischen Gesprächen (ebenfalls anonym erschienen), und vermittelte ihm die Bekanntschaft von Friedrich Nicolai, der ihn als Mitarbeiter für seine einflussreiche Zeitschrift Briefe, die Neueste Literatur betreffend gewann. Dadurch wurde Mendelssohn zu einem einflussreichen Kritiker der neu entstehenden deutschen Literatur. Mendelssohn ist dem Verein Gelehrtes Kaffeehaus, einem der ältesten geselligen bürgerlichen Vereine in Berlin, beigetreten, der in der Zeit von 1755 bis vermutlich 1759 existierte. Mitglied dieser Vereinigung war auch sein Verleger Friedrich Nicolai. Zwischen Februar 1756 und Januar oder Februar 1757 kam es in dieser Vereinigung an vier Versammlungstagen zu einem Schlagabtausch zwischen dem Mathematiker und Astronomen Franz Ulrich Theodor Aepinus und Mendelssohn. Mendelssohn hatte seine „Gedanken von der Wahrscheinlichkeit“ vorgetragen, zu denen Aepinus eine Widerlegung vortrug. Darauf reagierte Mendelssohn mit einer „Gegenantwort“. Mendelssohn soll auch dem Montagsclub in Berlin, einem Verein der Berliner Aufklärung als Mitglied beigetreten sein. Im Mitgliederverzeichnis dieser Vereinigung ist er aber nicht aufgeführt. Mendelssohn ist gläubiger Jude und hält auch an diesem Glauben fest. chaftstempel ein Porträt Mendelssohns anfertigen.
Johann Caspar Lavater
Lavater wurde 1741 als Sohn eines angesehenen Arztes im elterlichen Haus in Zürich geboren. Er besuchte zuerst die Deutsche Schule, dann die Lateinschule, ab 1754 zum Theologiestudium das Collegium Humanitatis und von 1756 bis 1762 das Collegium Carolinum in Zürich, wo unter anderen Johann Jacob Bodmer und Johann Jakob Breitinger seine Lehrer waren. 1762 wurde er ordiniert. Im selben Jahr machten er und der spätere Maler Johann Heinrich Füssli mit einer Schrift auf das ungerechte Treiben des ehemaligen Landvogts Felix Grebel aufmerksam. 1763 unternahm Lavater zusammen mit dem befreundeten Johann Heinrich Füssli eine Bildungsreise nach Norddeutschland, um sich bei dem aufgeklärten Reformtheologen Johann Joachim Spalding in Barth in Schwedisch-Pommern weiter für das geistliche Amt auszubilden. Auf der Reise dorthin über Berlin wurde er mit vielen bedeutenden Männern seiner Zeit (darunter Christian Fürchtegott Gellert, Moses Mendelssohn, Friedrich Gottlieb Klopstock) bekannt. In Barth, wo er acht Monate zubrachte, begann er seine schriftstellerische Laufbahn zunächst mit kritischen Arbeiten. Nach seiner Rückkehr nach Zürich (1764) gründete Lavater verschiedene Gesellschaften und gab erste wichtige Texte heraus. Am 21. Mai 1768 wurde sein Sohn, der spätere Arzt Johann Heinrich Lavater geboren. 1769 wurde Johann Caspar Lavater Diakon, 1775 Pfarrer an der Waisenhauskirche, 1778 Diakon und 1786 Pfarrer an der St.-Peters-Kirche in Zürich. Lavater hatte zwei Töchter, um 1770 und 1778 geboren. 1769 übersetzte Lavater Charles Bonnets "Idées sur l’état futur des êtres vivants, ou Palingénésie philosophique" als Philosophische Untersuchung der Beweise für das Christentum und widmete diese Schrift dem Aufklärer Moses Mendelssohn, um diesen entweder zu einer Widerlegung oder zum Übertritt ins Christentum zu bewegen. Dies war der Anfang einer brieflichen Auseinandersetzung zwischen Mendelssohn und Lavater, die von der gelehrten Öffentlichkeit ganz Europas mitverfolgt wurde. Lavater erhielt in dieser Auseinandersetzung Unterstützung durch den Juristen und Theologen Johann Balthasar Kölbele.
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Königreich Preußen

Der Gouverneur von Magdeburg erlässt einen Befehl, nachdem "Personen, die nach Eintritt der Dunkelheit ohne Laterne auf der Straße betroffen wurden, acht Groschen Strafe zahlen müssen."

Heiliges Römisches Reich / Kurpfalz
  • Die Physikalisch-Oekonomische Gesellschaft (1768 in Lautern als "Bienengesellschaft" gegründet) wird durch den Kurfürsten offiziell anerkannt und unterstützt.
  • Kurfürst Karl Theodor läßt die 1720 von Kurfürst Karl Philipp auf der geomantischen Achse Kalmit-Königstuhl vom Schwetzinger Schloß nach Heidelberg angelegte und mit Maulbeerbäumen besetzte Straße als Hochstraße vollenden.
  • Johann Ferdinand Joseph Freiherr von Helmstatt und der kurpfälzische General von Rothenhausen entdecken an der Wendeltreppe zum Untergeschoß der Hauskapelle im süd-östlichen Anbau der Handschuhsheimer Tiefburg den "eingemauerten Ritter".
  • Die Stadt Heidelberg verkauft den Bierhelderhof an Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken.
  • Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken beginnt in Rohrbach den Bau eines Jagdschlosses mit Park. Die Errichtung wird vier Jahre dauern.
Heiliges Römisches Reich / Freie Reichsstadt Hamburg

Der seit 1745 erscheinende Wandsbecker Mercurius wird vom Hamburger Senat verboten.

Königreich Großbritannien

Der englische Theologe des Unitarismus, Philosoph, Physiker und Chemiker Joseph Priestley entdeckt zufällig, dass Gummi Bleistiftmarkierungen entfernen kann. Von diesem Jahr an wird Gummi in kleinen Stücken als Flachgummi verkauft werden. Erst vor sieben Jahren kam er zur Chemie, indem er an Kursen teilnahm. Ab 1765 verbrachte er regelmäßig einige Wochen in London, wo er mit führenden Wissenschaftlern zusammentraf. So auch mit Benjamin Franklin, der ihn zu elektrischen Experimenten ermutigte. 1766 wurde Priestley in die Royal Society of London aufgenommen. Ein Jahr später erschien sein Buch "Eine Geschichte der Elektrizitätslehre". Daraufhin erhielt er die juristische Doktorwürde und wurde auch im Ausland bekannt. 1768 wurde er Priester der Mill Hill Chapel in Leeds (Yorkshire); zu dieser Zeit entwickelte sich sein Interesse der Chemie weiter, speziell der Gase und der Optik. Er verfasste das Buch "The History and Present State of Discoveries Relating to Vision, Light and Colours".

Republik der Sieben Vereinigten Provinzen / Volk der Xhosa

Die in das Landesinnere des heutigen Gebietes der Republik Südafrika vordringenden Buren treffen erstmals auf das Volk der Xhosa. Die Angehörigen dieses Volkes werden von den Buren "Kaffern" genannt, was so viel bedeutet wie "Ungläubige". Die südwärts ziehenden Xhosa erreichen das Gebiet der heutigen Transkai.

Königreich Schweden

Nach 42 Jahren Bauzeit wird im Norden von Stadsholmen bei Stockholm das Klungliga Slottet (Königliche Schloss) fertiggestellt. Es ist eine ausgedehnte Schlossanlage im italienischen Renaissance- und Barockstil mit klassizistischen Anklängen. Das Schloss besitzt 608 Zimmer, die zum Teil von der königlichen Familie bewohnt werden. Die repräsentative Schlossfassade des Schlosses mit der Doppeltreppe, die bei Staatsempfängen als Aufgang dient, blickt nach Osten. An der Nordseite befindet sich oberhalb der Uferpromenade der Balkon, auf dem sich die Königsfamilie bei offiziellen Anlässen zeigt. Das Schloss wurde nach Plänen des Architekten Nicodemus Tessin d. J. zwischen 1690 und 1750 errichtet und gehört zu den bemerkenswertesten Barockbauten Skandinaviens. Das Zentrum der regelmäßigen Vierflügelanlage bildet der quadratische Schlosshof. Der Hauptbau hat drei Geschosse und ein Mezzanin über dem Erdgeschoss sowie unter dem Dach. Nach Osten hin umschließen niedrigere Flügelgebäude den Schlossgarten, Logården, und nach Westen hin bilden halbkreisförmige Flügelgebäude den äußeren Schlosshof, in dem sich unter anderem die Schlosswache befindet. Das Schloss steht auf Fundamenten einer älteren Burg, die unter Gustav Wasa im 16. Jahrhundert ausgebaut wurde und vom Reichssymbol, den drei Kronen, gekrönt wurde. Karl XI. beschloss, die Burg "Tre Kronor" zu einem repräsentativen Schloss umbauen zu lassen und beauftragte Nicodemus Tessin d. J. mit der Arbeit. 1692 wurde mit der Arbeit an der zum Wasser hin gelegenen Nordfassade begonnen, aber 1697 brannte das Schloss beinahe völlig ab. Auf den Ruinen der abgebrannten Burg wurde in den nächsten Jahrzehnten das neue Schloss im Stil des italienischen Barock errichtet. Die Hauptfassade ist die Nordfassade, die zum Wasser gewandt ist, und deren Mittelachse auf die Brücke Norrbro ausgerichtet ist, die über die Insel Helgeandsholmen nach Norrmalm und zum Gustav Adolfs torg (Gustav Adolfs Platz) führt. Beim Nordeingang befinden sich die zwei 1702 und 1704 gegossenen Bronzelöwen, nach denen die Auffahrt Lejonbacken benannt ist. Das Aussehen des Schlosses hat sich mehrfach gewandelt. Es hatte bis 1697 eine ähnliche braune Farbe wie heute, dann während des Neubaus bis zur Fertigstellung einen Grauton. Im Jahre 1750 wurde es schließlich goldgelb.

Königreich Großbritannien / Königreich Irland

Arthur Guinness entschließt sich zu einer „Raubkopie“ des in London erfundenen Porter-Bieres und legt damit das Fundament für die Guinness-Brauerei in Irland.

Kaiserreich China

Chinesische Truppen unterdrücken den Aufstand der Einwohner von Jinchuan im Westen von Sichuan. Später wird dieses Ereignis "Zweiter Jinchuan-Krieg" genannt werden.

Königreich Imerina

Auf der Insel Madagaskar beginnt die Regierungszeit der Ravahiny, die als Sakalave Königin von Boina wird. Ravahiny, eine Großnichte von Andrianiveniarivo, organisiert eine Expedition zu den Komoren mit Hilfe der Betsimisarakas. Sie müssen gegen die Tsimihety kämpfen, die in das Sofia-Tal eindringen. Beginn von Andrianjafys Regierungszeit in Imerina; er verpflichtet sich, die beiden Königreiche Ambohidrabiby und Ambohimanga zu vereinen und das erste in das zweite zu integrieren.

Anfang 1770
Königreich Großbritannien / Ostindien-Kompanie

In Murshidabad bricht eine große Pockenepidemie aus, die 63.000 seiner Einwohner tötet. Seit September des Vorjahres herrscht in Bengalen eine große Hungersnot, die auch die heutigen indischen Gebiete Bihar und Westbengalen betreffen. Unter den am meisten betroffenen Gebieten zählen Birbhum, Murshidabad in Bengalen sowie Tirhut, Champaran und Bettiah in Bihar. Infolge der von der Ostindien-Kompanie ignorierten Notlage der Bevölkerung kommt es zu Fällen von Unterernährung und wenig später in der Folge zu Todesfällen.

Januar 1770
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Königreich Preußen

Die Forstwirtschaft in Preußen wird neu geordnet. Mit der Einrichtung eines Forstdepartements wird eine zentrale Verwaltung aufgebaut. Durch den Aufbau der Industrie und des Anlegens von Kolonien wird dem Raubbau des Holzeinschlages Einhalt geboten. Das System von Kahlschlag und Wiederaufforstung wird eingeführt. Diese Reform bringt die Gründung zahlreicher Förstereien und den Bau von Waldarbeiterhäusern mit sich.

01.01.1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Indien

Der britische Hauptingenieur und Oberst Keating legt auf dem Gelände des ehemaligen Dongri-Forts den Grundstein für Fort George in Bombay.

02.01.1770
Königreich Ungarn / Osmanisches Reich

Nach der Verkündigung von Hygienemaßnahmen wegen der Pest aus dem Orient verdoppelt Ungarn seinen Sperrgürtel zum Schutz gegen das Einschleppen epidemischer Krankheiten an den Grenzen des Landes.

07.01.1770
Königreich Frankreich

Pater Joseph Terray erhält durch zwei Erlasse des Königs die Mittel, um die Staatsverschuldung zu tilgen.

12.01.1770
Datei:Preußen 1739-1818.png
Königreich Preußen

König Friedrich II. ersucht seinen Minister Carl Joseph Maximilian Freiherr von Fürst und Kupferberg, alle Königlichen Universitäten anzuweisen, nicht allein historische und praktische Mineralogie, sondern auch das Fach "Bergrechte" intensiv zu lehren.

18.01.1770
Königreich Frankreich

Der Generalkontrolleur der Finanzen Pater Joseph Terray setzt die Entscheidung des Staatsrates um und verwandelt die Gelder, die in der Erbschaftssteuer eingenommen wurden, in einen Staatsschuldenfonds um, der eine Rentenkasse mit einfachen Lebensrenten von 10 Prozent schaffen soll.

19.01.1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Zwischen Siedlern und der britischen Armee findet in New York City die Schlacht von Golden Hill statt, als britische Seeleute und Soldaten während einer Rekrutierungskampagnie zusammenstoßen. Die britischen Offihziere beschließen, dem Treiben der "Sons of Liberty" ein Ende zu bereiten und den in Golden Hill errichteten "Freiheitspfahl" zu fällen. Sofort werden sie von einer weit überlegenen Menschenmenge umringt und gefangen genommen. Daraufhin rücken weitere britische Soldaten heran, die ihre Kameraden befreien wollen, woraufhin sich eine wilde Massenschlägerei anschließt, in deren Verlauf einige der Soldaten übel verprügelt werden. Umgekehrt bahnen sich einige Soldaten nun ihren Weg durch die Demonstranten, indem sie ihr Bajonett aufpflanzen und sich so durch die Menge kämpfen. Hierbei wird ein Kolonist so schwer verletzt, dass er daran stirbt.

20.01.1770
Königreich Frankreich

Der Generalkontrolleur der Finanzen Pater Joseph Terray reduziert die Zinsen für Wechsel um 50 Prozent.

22.01.1770
Königreich Großbritannien / Neuseeland

Der britische Entdecker und Captain James Cook durchfährt mit der HMS ENDEAVOUR die später so benannte "Cookstraße" und weist damit Neuseeland als Doppelinsel nach.

28.01.1770
Königreich Großbritannien

Augustus FitzRoy, 3. Duke of Grafton, tritt als Premierminister Großbritanniens zurück. Der 38 Jahre alte Schatzkanzler Großbritanniens, Lord North, wird neuer Premierminister des Königreiches. Dem König gelingt es, den Abgeordneten die Minister seiner Wahl zu genehmigen und stellt diese unter die Führung von Lord North.

29.01.1770
Königreich Frankreich

Der Generalkontrolleur der Finanzen Pater Joseph Terray reduziert alle Renten, die über 600 Livre (Pfund) liegen.

Februar 1770
Heiliges Römisches Reich / Freie Reichsstadt Heilbronn

Einer der drei Bürgermeister Heilbronns, Georg Heinrich von Rosskampff, der erst letztes Jahr auch wegen seines Rufs als Förderer der Landwirtschaft und Viehzucht ins Amt gekommen ist, wird Veranstalter des ersten Heilbronner Pferdemarktes. Diese erste Pferdemesse wird zu einem so großen Erfolg, dass der Rat der Stadt sogleich beschließt, in jedem Jahr drei solcher Märkte abzuhalten. Außerdem wird umgehend die Errichtung eines repräsentativen Gebäudes, des Schießhauses, beschlossen. Bürgermeister von Rosskampff genießt seit Jahren große Popularität, weil er 1765 die Luzerne als Futterpflanze aus Südfrankreich einführte und die Veredelung von Zuchtvieh auf den städtischen Höfen vorangetrieben hatte. Der überregional beachtete Viehmarkt soll dabei helfen, das qualitativ hochwertige Heilbronner Zuchtvieh bekanntzumachen und neue Absatzmöglichkeiten zu erschließen.

01.02.1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Nordamerika / Kronkolonie Virginia

Thomas Jeffersons Haus in Shadwell, Virginia, wird zusammen mit den meisten seiner Bücher durch einen Brand zerstört.

08.02.1770
Datei:Preußen 1739-1818.png
Königreich Preußen

Es wird die "Landesherrliche Erlaubnis für die Assecuranz-Compagnie zu Berlin, auch für Manufacturen, Fabriquen, Waaren und Waaren-Lager und Magazine, Versicherungen für Feuers-Gefahr zu geben" bekanntgegeben.

15.02.1770
Königreich Großbritannien

Der schottische Entdecker James Bruce trifft nach einer Reise über Ägypten und den Sudan in Gondar in Äthiopien ein. Bruce behauptet später, dass er vom Negus Takla Haimanot II. von Äthiopien zum Gouverneur der Provinz Ras-el-Fil ernannt wurde. Bruce entstammt einem alten schottischen Adelsgeschlecht aus der Grafschaft Stirlingshire. Seine Schulbildung erhielt er in Harrow und Edinburgh, wo er auch von 1747 bis 1750 Rechtswissenschaften studierte, ohne das Studium zum Abschluss zu bringen. Danach arbeitete er für einen Londoner Weinhändler, dessen Tochter er 1754 heiratete. Seine Frau starb bereits im folgenden Jahr in Paris. Bruce gab daraufhin seine Tätigkeit auf und begann zu reisen. Er besuchte unter anderem Portugal und Spanien, widmete sich mathematischen und astronomischen Studien und begann Arabisch und Altäthiopisch zu lernen. Als sein Vater 1758 starb, wurde Bruce Alleinerbe der umfangreichen Familienländereien, auf denen sich überdies einträgliche Kohlevorkommen befanden. Doch statt sich auf seinen Landbesitz zurückzuziehen, nahm er 1762 eine Stelle als Konsul beim Bey von Algier an. Mit dem Posten war auch der Auftrag verbunden, antike Bauwerke in Nordafrika und dem Vorderen Orient zu dokumentieren. Vor dem Aufbruch nach Algier verbrachte er noch fast ein Jahr mit antiken Studien in Italien. Hier nahm er den Zeichner und Architekten Luigi Balugani in seinen Dienst, der ihn fortan jahrelang auf seinen Reisen begleitete. Den eigentlichen diplomatischen Dienst übte Bruce nur von 1763 bis 1765 aus, und auch hier beschäftigte er sich hauptsächlich mit dem Erlernen weiterer afrikanischer Sprachen. Überdies eignete er sich von dem königlichen Wundarzt in Algier profunde medizinische Kenntnisse an, die ihm während seiner späteren Reisen überaus nützlich werden sollten. Von 1765 bis 1768 erfüllte Bruce den zweiten Teil seines Auftrages. Er unternahm Reisen nach Tunesien, zum Aurès-Gebirge, nach Tripolitanien, in die Kyrenaika und nach Bengasi. Anschließend ging es über Kreta und Rhodos in die Levante. Von Sidon und Aleppo aus besuchte Bruce die Denkmäler in Byblos, Baalbek und Palmyra. Er und Balugani fertigten dokumentarische Zeichnungen der antiken Stätten an, die Bruce der Königlichen Bibliothek in London-Kew schenkte. Im Juni 1768 begann er in Alexandria mit den Vorbereitungen zu seiner großen Reise zu den Quellen des Nil. Mit Unterstützung des Mamlukenherrschers Ali Bey al-Kabir reiste er zum Teil als Türke verkleidet und verfolgte den Lauf des Nils stromaufwärts. James Bruce of Kinnaird spricht elf Sprachen, ist Geograph, Astronom, Historiker, Linguist, Botaniker, Ornithologe und Kartograph. Auch in der Medizin kennt er sich aus.

17.02.1770
Königreich Großbritannien / Königreich Spanien

Der vom Gouverneur von La Plata entsandte spanische Oberstleutnant Fernando Rubalanca, der mit drei Schiffen zu den Falklandinseln aufbrach und zunächst ein Puerto Soledad anlegte, anschließend aber sogleich mit zwei Schiffen nach Port Egmont aufgebrochen war, stellt fest, dass die spanischen Truppen den dortigen britischen unterlegen waren und sich bereits zurückgezogen haben. Captain Hunt bricht daraufhin mit der HMS TAMAR nach England auf, um weitere Verstärkung zu holen und lässt seinen Commander George Farmer mit der Sloop HMS FAVOURITE zurück. Rubalanca wird nach Buenos Aires zurückkehren, worauf der spanische Gouverneur den General Juan Ignacio de Madariaga mit vier Fregatten und zwei Briggs und insgesamt 1400 Mann Besatzung zu den Falklandinseln entsenden wird. Ein paar Monate zuvor hatte der spanische Kapitan Mario Plata von Hunt verlangt, innerhalb von sechs Monaten mit seinen Truppen von Falkland abzuziehen, woraufhin Hunt ihm entgegnete, auf alle spanischen Schiffe, die sich Falkland nähern, das Feuer eröffnen zu lassen. Auch bei einem zweiten Treffen von Hunt und Plata war der englische Captain nicht von dieser Linie abgewichen.

18.02.1770
Königreich Frankreich

Der Generalkontrolleur der Finanzen und Priester Joseph Marie Terray wird zum Staatsminister (Finanzminister) ernannt. Seine erste Entscheidung in seinem neuen Amt ist, die Rückzahlung von Staatsschulden zur Sanierung des Haushaltes für dieses Jahr auszusetzen. Dafür werden in diesem Monat die Löhne der Kanzlei, der Schatzmeister und der Finanzämter um 1,4 Millionen Livre erhöht.

22.02.1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Nordamerika / Provinz Massachusetts Bay

Christopher Seider, ein 11jähriger Junge in Boston in der britischen Provinz Massachusetts Bay, wird von einem Kolonialbeamten, Ebenezer Richardson, erschossen. Die Beerdigung löst anti-britische Proteste aus.

23.02.1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Der erst 25 Jahre alte britische Entdecker, Pelzhändler, Autor und Naturforscher Samuel Hearne beginnt seine bereits zweite Expeditionsreise durch Samuel Hearnes, gemeinsam mit dem Scout Conneequese, der zu den amerikanischen Ureinwohnern gehört. Der erste Versuch einer Expeditionsreise war Ende 1769 gescheitert, da infolge der Größe der Expedition und der Mitnahme zu vieler Ausrüstungsgegenstände sein Scout und mehrere Helfer der Ureinwohner ihn verließen, was zum Scheitern der Expedition führte. Aus den Fehlern lernend entschloss er sich als einziger Europäer mit einer Gruppe von Ureinwohnern unter Führung des Häuptlings Matonabbee aufzubrechen.

25.02.1770
Königreich Frankreich

König Louis XV. erklärt, dass die Rückzahlung von Darlehnskapital von Fach- und Kommunalbehörden für vier Jahre aussgesetzt und zur Erstattung von Aufträgen und vorzeitigen Rückzahlungen auf das Einkommen des Königs verwendet wird.

28.02.1770
Russisches Reich / Osmanisches Reich / Republik Venedig

Unter ihrem Kommandeur Graf Alexej Grigorjewisch Orlow und seiner Brüder Fjodor und Grigori Orlow kommt die russische Flotte im von den Osmanen beherrschten Hellas an und ankert vor Itylo in Morea. Die Flotte besteht aus zwölf Linienschiffen und zwölf Fregatten und tankten in den britischen Stützpunkten Portsmouth, Gibraltar und Port Mahon auf. Eine Flotte Veneziens hält sich ebenfalls im östlichen Mittelmeerraum aufa, um seine letzten Besitztümer zu sichern. Zur Unterstützung der Aufständischen zu Lande wird zunächst nur eine kleine Streitmacht russischer Soldaten abgesetzt. In Epirus, auf den Kykladen und auf Kreta werden Aufstände entfacht.

März 1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich / Königreich Kartli-Kakheti

Die von der russischen Zarin Jekatarina II. entsandte russische Expeditionstruppe von 1200 Mann unter dem Kommando des aus Thüringen stammenden Generals Gottlieb Tottleben marschiert in das Gebiet des heutigen Georgiens von Norden her kommend ein und bildet zusammen mit georgischen Truppen eine zweite Front Kartli-Kakhetis gegen die "Erhabene Pforte" (so wird die Führung des Osmanischen Reiches genannt).

05.03.1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

In einer Straßenschlacht in Boston werden fünf Kolonisten von englischen Soldaten erschossen. Die Kolonisten sind über die Townshend Acts von 1767, die eine Besteuerung vieler Alltagsgegenstände einführten, aufgebracht. Um den Ausbruch von Unruhen zu verhindern, wurden britische Regimenter – unter anderem das „14th Regiment of Foot“ und „29th Regiment of Foot“ – in die Stadt verlegt, die von den Bewohnern als Besatzungsmacht empfunden werden. Schließlich sind seit 1768 rund zweitausend britische Soldaten in Boston einquartiert. Die Spannungen verschärften sich dadurch, dass durch den Boykott britischer Waren Mechaniker und Ladenbesitzer arbeitslos wurden und die Soldaten sich ebenfalls um die bereits knappen Arbeitsplätze bewarben. Auslösender Vorfall war, dass ein Perückenmacherlehrling namens Edward Garrick den britischen Offizier Captain John Goldfinch bezichtigte, seine Friseurrechnung nicht bezahlt zu haben. Goldfinch hat in Wahrheit seine Schulden heute bezahlt, antwortet dem Jungen aber nicht. Als Garrick nach einer Stunde sich immer noch lautstark äußert, ruft die britische Torwache vor dem Zollhaus, Private Hugh White, den Jungen zu sich und gibt ihm eine Ohrfeige. Garricks Kumpane beginnen die Wache anzuschreien, und ein britischer Sergeant jagt sie weg. Die Lehrlinge kehren mit weiteren Personen zurück, rufen der Wache Beleidigungen zu und bewerfen sie mit Schneebällen und Abfall. White schickt einen Boten zur Hauptwache mit Bitte um Unterstützung. Der Offizier vom Dienst, Captain Thomas Preston, schickt einen Corporal und sechs Soldaten, alle Grenadiere des „29th Regiment of Foot“, und folgt später selbst nach. Die Menschenmenge schwellt an und beginnt damit, Steine, Stöcke und Eisstücke zu werfen. Eine Gruppe von Seeleuten und Werftarbeitern kommt mit großen Scheiten Feuerholz, begibt sich in die vorderste Reihe der Menge und stellt sich vor den Soldaten auf. Im Eifer des Gefechts wird der Gefreite Montgomery zu Boden gestreckt. Dabei feuert er seine Muskete in die Luft und ruft – wie er später gegenüber einem seiner Verteidiger zugeben wird – „Feuer“. Alle bis auf einen der Soldaten feuern daraufhin ihre Musketen in die Menge ab. Drei amerikanische Kolonisten, der Seilmacher Samuel Gray, der Seemann James Caldwell und der Seemann Crispus Attucks, sterben auf der Stelle. Der 17jährige Samuel Maverick wird von einem Querschläger getroffen und der 30jährige irische Immigrant Patrick Carr werden schwer verletzt und haben keine Aussicht auf Überleben. Es gibt außerdem sechs Verletzte mit besseren Aussichten. Um den Frieden aufrechtzuerhalten, erklären sich die Briten bereit, alle Truppen aus dem Stadtzentrum in das Castle William auf Castle Island zurückzuziehen. Captain Preston und die Soldaten werden festgenommen und sollen vor ein Gericht in Suffolk County (Massachusetts) gestellt werden. Der Vorfall wird natürlich von den revoltierenden Kolonisten genutzt werden, um weitere Anhänger zu gewinnen.

10.03.1770
Königreich Großbritannien / Ostindien-Kompanie

Das Oberhaupt (Nawab) der Bengalen, Najabat Ali Khan, stirbt an Pocken. Sein Bruder Ashraf Ali Khan wird neuer Anführer.

11.03.1770
Königreich Großbritannien

Der englische Seefahrer und Entdecker James Cook entdeckt auf seiner ersten Südseereise mit der HMS ENDEAVOUR eine vor der Südinsel Neuseelands gelegene Inselgruppe, die er nach dem mitreisenden 37 Jahre alten schwedischen Botaniker Daniel Solander "Solander Islands" benennt.

16.03.1770
Schweizerische Eidgenossenschaft

Die im "Kleinen Rat" zugelassenen Patrizierfamilien in der freien und souveränen eidgenössischen Stadt und Republik Luzern, dem sogenannten "Patriziat in Luzern" wird der Schumacher-Meyer-Handel mit einem Friedensschluss beigelegt. Joseph Rudolf Valentin Meyer erklärt sich bereit, für 15 Jahre in die Verbannung zu gehen, sofern er seiner Ehren und Rechte dadurch nicht verlustig gehe. Der von diesem angeklagte Jost Niklaus Joachim Schumacher wird in allen Ehren rehabilitiert, auch Franz Plazid Schumacher darf nach Luzern zurückkehren. Anton Schumacher, der Führer der Schumacher-Partei, vermählt sich in dritter Ehe mit einer Meyer von Schauensee. Ob man beim Friedensschluss auch eine posthume Begnadigung für den 1764 hingerichteten Lorenz Plazid Schumacher anregt, ist nicht bekannt. Als Schumacher-Meyer-Handel bezeichnet man den jahrzehntelangen Kampf der regierenden Geschlechter, der seit etwa 20 Jahren in Luzern vor dem Hintergrund des sich ankündigenden Endes des Ancien régimes tobte. Während die Familie Schumacher und ihre Anhänger die konservativ-kirchliche Richtung vertreten, verfechten die Meyer von Schauensee und ihre Parteigänger die Ideen der französischen Aufklärung. Beiden Parteien geht es um die Erhaltung und Festigung der aristokratischen Verfassung. Gleichzeitig fürchten sie den drohenden Umsturz. Der Streit schlägt Wellen bis nach Deutschland, wo Traktate und Pamphlete erscheinen.

23.03.1770
Königreich Großbritannien / Königreich Spanien

Auf Befehl der spanischen Krone gibt der Gouverneur von Buenos Aires, Francisco Bucarelli y Uruzua, Kapitan Juan Ignacio Madariaga den Befehl, alle Engländer auf den Islas Malvinas zu finden und zu vertreiben.

Königreich Frankreich

Die leitenden Vertreter der Kirche von Frankreich kommen zur "Versammlung der Geistlichen" zusammen, die mehr als einen Monat dauern wird. Auch in diesem Jahr wird das Thema der kostenlosen Spende das Hauptthema sein, in dem der Klerus seinen freiwilligen Beitrag zu den Finanzen des französischen Königshauses festlegt. Der erste steuerfreie Befehl wurde zunächst zur Finanzierung des Kampfes gegen die Hugenotten unter Henri IV. und ab 1636 zur Verteidigung des Königreichs während der Kriege gegen die protestantischen Staaten beantragt. Seit Louis XIV. ist das Geschenk üblich und wird bei jeder Versammlung des Klerus zur Beratung vorgelegt. Zurzeit geht es um die jährliche Summe von rund 16 Millionen Livre (Pfund) oder 2,7 Prozent der Einnahmen des königlichen Finanzministeriums (das entspricht im Jahre 2000 eines Betrages zwischen 16 und 240 Euro). Der Versammlung gehören 64 Vertreter der Provinzen teil, von denen jede vier Abgeordnete entsendet.

um 25.03.1770
Königreich Großbritannien / Ostindien-Kompanie

Das Oberhaupt (Nawab) der Bengalen, Ashraf Ali Khan, der erst seit rund zwei Wochen im Amt ist, stirbt wie sein Vorgänger ebenfalls an Pocken. Neuer Anführer (Nawab) wird Mubarak Ali Khan Nawab.

26.03.1770
Königreich Großbritannien

Der englische Seefahrer und Entdecker James Cook und seine Crew an Bord der HMS ENDEAVOUR schließen die Umrundung Neuseelands ab.

31.03.1770
Datei:Preußen 1739-1818.png
Königreich Preußen

Durch das "Königl. Preuss. General-Post-Amt" ergeht ein "Reglement für die Brief-Träger in den Residentzen Berlin", das unter anderem das zweimalige Briefaustragen pro Tag und das Tragen des Königlichen Post-Schildes auf der Brust verordnet.

Ereignis
Fortlaufende Ereignisse
  • 1768 - 1774 Sechster Russisch-Osmanischer Krieg
  • 1768 - 1771 Polnischer Befreiungskrieg gegen Russland, Frankreich und Österreich
  • 1769 - 1773 Vietnamesisch-Siamesischer Krieg
April 1770
Königreich Frankreich

Ein königliches Edikt ordnet die allgemeine Immobilian- und Güterzählung auf Korsika an. Ein Kataster gibt es im ganzen Königreich noch nicht.

Königreich Großbritannien / Ostindien-Kompanie

Die Hungersnot in Bengalen erreicht ihren Höhepunkt. Trotzdem kündigt die Ostindien-Kompanie an, dass die Landsteuer im kommenden Jahr um weitere zehn Prozent erhöht werden soll. Sushil Chaudhury schreibt, dass die Zerstörung der Nahrungspflanzen in Bengalen dem künftigen Anbau von Schlafmohn für den Export dienen soll. Dies verringert die Verfügbarkeit von pflanzlicher Nahrung und trug zur Hungersnot bei. Die Kompanie wird auch dafür kritisiert, dass sie die Bauern anwies, Indigo statt Reis zu pflanzen und das „Horten“ von Reis verbot. Dies hinderte Händler und Verkäufer daran, Reserven anzulegen, welche die Bevölkerung ansonsten über Dürreperioden gebracht hätten.

Königreich Dänemark-Norwegen

Die "Statsbalancekommissiion" (Staatshauhaltskommission) des Königreiches Dänemark-Norwegen, der wichtige Staatsmänner wie Heinrich Schimmelmann und Andreas Peter Bernstorff angehören und bereits seit Dezember 1767 immer wieder zusammenkommt, um Reformvorschläge zur Verbesserung der dänischen Staatsfinanzen zu erarbeiten, entwirft einen Vorschlag zur Reduzierung von Feiertagen. Nach Vorstellung der Kommission sollen die dritten Feiertage an Weihnachten, Ostern und Pfingsten wegfallen sowie einige weitere, nicht genaue Feiertage, über deren Abschaffung die Regierung noch befinden sollte. Diese leitet den Vorschlag unverzüglich an das Generalkircheninspektionskollegium weiter. Diese Institution wurde 1737 vom pietistischen König Christian VI. zur Verbesserung des dänischen Kirchenwesens eingerichtet. Die Mitglieder dieses Gremiums können sich jedoch nicht auf einen gemeinsamen Entwurf einer Feiertagsordnung einigen, so dass jedes einzelne Mitglied aufgefordert wird, seinen Vorschlag an die königliche Regierung zu senden. Strittig ist unter den Mitgliedern des Kollegiums nicht, dass einige Feiertage abgeschafft werden sollten, man ist sich lediglich uneinig über die Zahl der abzuschaffenden Feiertage. Etatsrat Erich Johann Jessen schlägt vor, zwölf der noch vorhandenen zwanzig Feiertage aufzugeben. Der Hofprediger Friedrich Quist stellt eine viel weitergehende Forderung; er wolle alle Feiertage abschaffen beziehungsweise auf den Sonntag verlegen, wohl mit der Ausnahme von Weihnachten. Beide betonen, dass die Feiertage keine göttliche Einrichtung und nicht biblisch fundiert, sondern von Menschen geschaffen seien; deshalb könne der König die Feiertage auch abschaffen. Bischof Ludwig Harboe und der Obersekretär der Dänischen Kanzlei, Otto Thott, empfehlen, den dritten Tag der hohen Feste Weihnachten, Ostern und Pfingsten zu streichen und acht weitere Feiertage abzuschaffen oder zu verlegen. Regierung und König schließen sich den Vorstellungen Harboes und Thotts an. Damit setzt sich schließlich eine gemäßigte Linie durch.

12.04.1770
Königreich Frankreich / Gouvernement Générale Saint-Domingue

Zum zweiten Mal in diesem Jahr seit 20. Januar wird die Insel Hispañiola von einem Erdbeben erschüttert.

Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Die Townshend Acts werden vom britischen Parlament durch die Bemühungen von Premierminister Frederick North aufgehoben, mit Ausnahme der erhöhten Zölle auf importierten Tee. Die amerikanischen Kolonisten wiederum stoppen ihr Embargo für britische Importe. Die Townshend Acts sind die gemeinsame Bezeichnung einer Reihe von Entscheidungen des britischen Parlaments, die 1767 und 1768 kurz vor seinem Tod von Charles Townshend, dem Schatzkanzler, vorgeschlagen wurden. Das Ziel der Townshend-Gesetze war es, jedes Jahr 40.000 Pfund für die Finanzierung der Kolonialverwaltung einzunehmen.

14.04.1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich / Königreich Kartli-Kakheti

Die im März in das georgische Bordjomi-Tal einmarschierten russischen Truppen unter dem Kommando des thüringischen General Gottlieb Totleben erobern die osmanische Festung Sadgueri.

16.04.1770
Königreich Spanien / Vizekönigreich Neugranada / Vizekönigreich Peru

Das Regime von König Carlos III. von Spanien verkündet durch königlichen Erlass das Verbot der Verwendung indigener Sprachen im gesamten Reich. Da auf diese Weise mit dem Aussterben der Muttersprachen gerechnet wird, kommt es zu Wiederständen und zu Rebellionen gegen Spanien besonders in den Vizekönigreichen von Neugranada und Peru.

17.04.1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich / Königreich Kartli-Kakheti

Die russischen Truppen unter dem Kommando von General Gottlieb Totleben, die vor drei Tagen die osmanische Festung Sadgueri in Georgien eroberten, belagern nun Atschuri im Süden des späteren Georgien. Hier gerät Totleben in einen Streit mit dem König von Kartli-Kakheti, Heraklius II., da sich beide nicht einig sind über die Strategie zur Fortsetzung des gemeinsamen Feldzuges. Heraklius II. will die Eroberung von Achalchidse, der Hauptstadt des osmanischen Kaukasus, fortsetzen, Totleben jedoch verweigert ihm die Unterstützung und bleibt mit seinen Truppen in Atschuri.

18.04.1770
Königreich Großbritannien

Um 1800 Uhr Ortszeit am 18. April (nach Cooks Logbuch am 19. April) betreten der englische Seefahrer und Entdecker James Cook und seine Crew als erste Europäer die Ostküste des australischen Kontinents.

19.04.1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich / Königreich Kartli-Kakheti

Nachdem der osmanische Gouverneur von Achalchidse von den Erfolgen der russisch-georgischen Streitmacht im Norden Kenntnis erhalten hat, versammelt er seine Truppen, um Atschuri zu entsetzen. Bei ihren ersten Fortschritten sind sie siegreich und verbreiten Angst unter den alliierten Truppen, deren russisches Kontingent die Situation ausnutzt, um Karti-Kakheti zu verlassen und die Georgier im Sich zu lassen. Nun stehen nur noch 7000 Georgier etwa 20.000 osmanischen Kämpfern gegegnüber. König Heraklius II. sieht keinen anderen Ausweg, als sich zurückzuziehen, verfolgt von osmanischen Truppen, die versuchen, die georgischen Verteidigungslinien zu durchtrennen, um sich auf die Stadt Aspindsa zu stürzen.

Osmanisches Reich

Auf der griechischen Halbinsel Peloponnes unternimmt die griechische Bevölkerung einen Aufstand gegen die Osmanen, werden jedoch in der Stadt Tripoli geschlagen. Insbesondere auf der Peloponnes waren die Aufständischen bisher erfolgreich. Sie konnten Navarino und Mystras einnehmen, auch Messolongi und Patras. Als jedoch etwa 8000 griechische Aufständische, verstärkt durch 50 russische Soldaten, gegen Tripoli vorrücken, bereiten ihnen 15.000 kampferprobte Albaner, die die Osmanen zu ihrer Unterstützung rekrutierten, eine schwere Niederlage, der sich ein Massaker anschloss, bei dem Tausende von Griechen hingemetzelt werden; die geistlichen Anführer der Griechen werden gepfählt.

Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Die Erzherzogin Maria Antonia von Österreich wird als Marie-Antoinette in der Wiener Augustinerkirche per procurationem mit dem französischen Thronfolger (Dauphin) Louis Auguste vermählt. Die neue Dauphinette ist das 15. Kind und letzte Tochter von Kaiser Franz I. von Lothringen und Maria Theresia von Österreich. Bereits seit Jahren sucht das österreichische Königshaus, sich mit der französischen Monarchie zu verbünden, um hierdurch der aggressiven Politik Friedrichs des Großen etwas entgegenzusetzen. Maria Antonias Französischlehrer lobte ihre Freundlichkeit, ihre Intelligenz und ihre Musikalität, jedoch sei sie weitgehend ungebildet. Die Faulheit und insbesondere die Leichtfertigkeit der Prinzessin mache es ihm schwer, sie zu unterrichten.

20.04.1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich / Königreich Kartli-Kakheti

König Heraklius II. von Kartli-Kakheti, der seine Truppen aus verschiedenen georgischen Stämmen selbst anführt, trifft auf eine aus 1500 Mann bestehende Vorhut der Osmanen, greift diese jedoch nicht an, sondern lässt sie passieren, so dass sie bald an den Ufern der Koura ankommen, die durch das Dorf Aspindsa führt. In der Nacht zu Heute beginnen die osmanischen Truppen, die einzige Brücke zwischen den beiden Ufern des Flusses zu überqueren, um heimlich nach Tiflis vorzudringen. Eine Gruppe von Georgiern, angeführt von Aghabab Eristavi und Simon Moukhranbatoni, zerstört dieselbe Brücke jedoch noch vor den feindlichen Aktionen, und bald überrascht eine starke georgische Armee die Osmanen. Die linke Flanke wird von Georgi Batonichwili, dem Sohn des Königs selbst, angeführt. Die Türken werden in die Flucht geschlagen und verlieren etwa 4000 Mann, darunter ihren Oberbefehlshaber Avar Kokhta-Beladi, weitere Kommandeure und Paschas. Die Überlebenden schwimmen über die Koura und retten sich.

Königreich Großbritannien

Der englische Weltumsegler James Cook, der Entdecker der Ostküste Australiens, berichtet in seinem Tagebuch von den besonders ausgebildeten Rauchsignalen der Ureinwohner Australiens, deren Bedeutung als Übertragung von Nachrichten er aber nicht erkennt.

21.04.1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich

Am 10. April des julianischen Kalenders ankert die russische Flotte unter ihrem Kommandanten Graf Alexej Orlow in Navarin im heutigen griechischen Bezirk Messinia.


Halt des Brautzugs am Hofgut Sternen, Wandgemälde am Hofgut Sternen im Höllental bei Freiburg
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Zwei Tage nach ihrer Trauung in Abwesenheit ihres Bräutigams tritt die 14 Jahre alte Braut Erzherzogin Maria Antonia mit großem Gefolge um 10 Uhr an der Wiener Hofburg die Reise nach Frankreich an. In Wien führt der Weg des Zuges laut Bericht im Wienerischen Diarium über Michaelerplatz, Kohlmarkt, Graben, Stock im Eisen und Kärntnerstraße, durch das Kärntnertor neben dem Glacis und weiter durch Laimgrube und Mariahilf. Die Straßen werden gesäumt von der Bürgerschaft sowie der Wiener Garnison. Die gesamte Reise soll in 24 Tagen in 17 Etappen im Heiligen Römischen Reich und zurückgelegt werden. Die Verantwortung für Organisation und Durchführung der Fahrt ist Fürst Georg Adam von Starhemberg, dem österreichischen Gesandten am französischen Hof, übertragen worden. Maria Antonia wird von ihren Hofdamen Gräfin von Trauttmannsdorff, Gräfin Kolowrat, Gräfin von Windisch-Graetz und Gräfin von Paar begleitet. Der Dauphine werden von dem nach Wien gereisten Sondergesandten des französischen Königs, Marquis de Durfort, zwei prächtige, vom Kutschenmacher Francien in Paris nach Plänen des Duc de Choiseul gefertigte Reisekarossen mitgebracht und übergeben. Der Zug bis Straßburg besteht aus 235 Personen, insgesamt 57 Wagen, die meist sechsspännig fahren sowie 350 Zug- und Reitpferden. Innerhalb Frankreichs werden noch weitere sieben Etappen nötig sein. Die Reise der Dauphine wird zu einem gesellschaftliches Großereignis der Zeit und zur letzten großen Brautfahrt des 18. Jahrhunderts werden. Die Heirat (Tu felix Austria nube) zwischen der Erzherzogin Maria Antonia und dem Dauphin Louis Auguste soll die seit Jahren betriebene Annäherung (Renversement des alliances) zwischen Österreich und Frankreich krönen. Deshalb planen beide Fürstenhäuser die Brautfahrt zwischen Wien und Paris als eine öffentlichkeitswirksame, mehrwöchige Reise: Sowohl in Österreich wie auch in Frankreich wird entlang der Reisestrecke ein enormer Aufwand getrieben. Die Wagen haben vergrößerte Fenster und sind mit goldbesticktem Samt ausgeschlagen, prächtig verziert und aufwendig gefedert. Während der Fahrt werden Maria Antonia Feierlichkeiten (Empfänge, Theatervorführungen, Musikdarbietungen, Feuerwerke und Umzüge) in mehreren besuchten Städten zuteil. Sie wird wertvolle Geschenke erhalten und auch vergeben. Die erste Etappe endet im Stift Melk, wo Maria Antonia ihren Bruder, den Kaiser Joseph II., trifft, der bereits vor ihrer Abreise aus Wien nach dort aufgebrochen war.

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Königreich Preußen

König Friedrich II. befiehlt, vor dem Hamburger Tor in Berlin in der Nähe der Kolonie Neu-Voigtland (heute Bezirk Mitte-Wedding) 100 ausländische Gärtnerfamilien anzusiedeln. Die Gärtner sollen Obstkulturen anlegen und die Sandwüste urbar machen. Die Siedlung wird später als Gärtner-Kolonie bekannt.

22.04.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich auf den Weg über Kemmelbach nach Enns, wo die Erzherzogin im Schloss Ennsegg, die meisten Mitglieder der Reisegesellschaft in Ennser Bürgerhäusern übernachten werden. Für Maria Antonia wird ein Festspiel mit Ballett veranstaltet. Kaiser Joseph II. kehrt inzwischen wieder nach Wien zurück.

23.04.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich auf den Weg über Kleinmünchen nach Lambach. Um die bisherige Distanz von viereinhalb Pferdewechselstationen ("Posten") zwischen Enns und Lambach zu verkürzen und den Zwickel zwischen Wiener und Salzburger Poststraße zu überbrücken, ist im Vorfeld der Reise eine direkte Verbindungsstraße zwischen den Orten Ebelsberg und Wegscheid gebaut worden. Im frisch renovierten Lambacher Stiftstheater wird für Maria das Stück "Der kurzweilige Hochzeitsvertrag" aufgeführt, das eigens von Maurus Lindemayr für diesen Anlass schrieb. Auf geschmückten Traun-Schiffen wird zudem ein Wasserfest mit einem Fackeltanz gefeiert.

24.04.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Nach einem Pferdewechsel an Josef Ignaz von Poths Thurn und Taxis'scher Reichspost-Station Altheim führt der Brautzuges der österreichischen Erzherzogin nach Braunau am Inn. Über die dortigen Festivitäten gibt es keine detaillierten Aufzeichnungen mehr. Der Tross wird Übernachtungsplätze in Altötting in Anspruch nehmen und hier zum ersten Mal die Reise für einen Tag unterbrechen.

26.04.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia führt nach München, wo auf Wunsch von Kurfürst Maximilian III. Joseph, ihrem Cousin mütterlicherseits, ein weiterer Rasttag eingeplant. Die beiden Nächte verbringt die Braut in der als unterkunft zugedachten Amalienburg. Anlässlich des Besuchs wird die Oper "Léroe cinese" von Pietro Pompeo Sales aufgeführt.

27.04.1770
Königreich Frankreich

Die "Versammlung der Geistlichen" Frankreichs, zu denen 64 Vertreter der einzelnen Kirchenprovinzen gehören, beschließen, den König mit 16 Millionen Pfund in Silber als Geschenk zu unterstützen.

28.04.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Auf der Fahrt des Brautzuges der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia nach Augsburg hellt sich das Wetter auf, nachdem bis dahin die gesamte Reise von Schlechtwetter begleitet wurde. Beim Einzug in die Stadt scheint die Sonne. Nachdem sie vom Rat der Stadt ein goldenes Reise-Service erhält und Abgesandte des Schwäbischen Reichskreises Maria Antonia ihre Aufwartung machten, isst sie mit Fürstbischof Clemens Wenzeslaus in dessen Bischöflichem Palais, wo sie später auch nächtigen soll. Anschließend besucht sie die Kayserlich Franciscische Akademie der freien Künste und Wissenschaften, wo ihr die Ehrenmitgliedschaft verliehen wird. Sie sieht eine Aufführung von Charles-Simon Favarts "Die drei Sultaninnen" im Jesuitentheater. Auf Einladung des Bankiers Benedikt Adam Liebert findet anlässlich der Einweihung von dessen kurz zuvor fertiggestelltem Schaezlerpalais der einzige Ball der Reise für Maria Antonia statt.

James Cook
Königreich Großbritannien

Der englische Seefahrer und Entdecker Captain James Cook geht auf der HMS ENDEAVOUR in einer weiten Bucht vor Anker, etwa 16 Kilometer südlich der heutigen Stadt Sydney auf dem australischen Kontinent. Cook ist seit 1768 im Auftrag der englischen Krone unterwegs und umsegelte im Vorjahr Kap Hoorn, die äußerste Südspitze Südamerikas, und gelang über Tahiti nach Neuseeland, das er für England in Besitz nahm. Er erreicht als erster Europäer die Ostküste New Hollands, (heutiger Name Australien). Die Bucht, in der er vor Anker geht, nennt er wegen ihrer Blütenpracht „Botany Bay“. Sie liegt im späteren Gebiet von New South Wales. Der Ort, an dem er festgemacht hat, ist so benannt, weil es 1600 botanische Arten gibt, die den Europäern bisher unbekannt sind, und zwar laut des Katalogs von Joseph Banks, dem Botaniker der Expedition.

29.04.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich auf den Weg nach Günzburg, angeblich im späteren "Goldenen Löwen", wo sie einem weiteren Ruhetag entgegensieht.

30.04.1770
Datei:Preußen 1739-1818.png
Königreich Preußen

Die höchsten Minister bitten König Friedrich II., das Verfahren gegen Erich Christoph Edler Herr von Plotho einzustellen, da der ehemalige Gesandte die zurückbehaltenen Gelder allein zu dienstlichen Zwecken verwendet habe.

01.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich auf den Weg zum Kloster Obermarchtal, wo der östliche Pavillon des Klosters als Logis für die Erzherzogin errichtet wurde. Die Straße zwischen Ulm und Riedlingen wurde in diesem Jahr anlässlich der Brautreise zur Chaussee ausgebaut. Bei Riedlingen wurde eine als Dauphinestraße bezeichnete Umgehungsstraße gebaut. In Oberdischingen ließ Franz Ludwig Graf Schenk von Castell anlässlich des Brautzuges eine 600 Meter lange Kastanienallee anlegen.

02.05.1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich

Der General der russischen Flotte, Alexej Orlow, sendet ein Manifest, in dem er die Griechen auffordert, das Joch der Osmanen abzuschütteln. Jetzt muss er durch den zweiten Teil des russischen Marinegeschwaders evakuiert werden, das zu seiner Rettung kommt. Die osmanische Flotte dreht ab, weil sie eine Konfrontation mit der russischen Flotte vermeiden will. Sie fahren zunächst nach Nafplion. Anschließend beginnt die russische Flotte mit der Belagerung von Koroni und Methoni.

Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich auf den Weg über Mengen und Zoznegg zur Übernachtung nach Stockach. In Krauchenwies wird ein Imbiss eingenommen.

Mai 1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

In der britischen Kolonie Nova Scotia findet die Wahl zur 5. Generalversammlung statt.

Frühjahr 1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich

Die Belagerung von Koroni und Methoni durch die russische Flotte bleibt erfolglos. Patras wird in diesem Monat von der osmanisch-albanischen Streitmacht zurückerobert und niedergebrannt, ebenso Mystras, sodass die Erhebung der Peloponnes nach wenigen Monaten zusammenbrechen wird. Ein gleiches Schicksal erleidet der Aufstand auf Kreta unter Daskalogiannis und die Aufstände in den anderen Landesteilen.

03.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich auf den Weg nach Schloss Donaueschingen über Nenzingen, Eigeltingen, Aach, Engen, Geislingen und Unadingen.

04.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich auf den Weg nach Hinterzarten, um dort im "Weißen Rössle" einzukehren. Die Straße durch das Höllental (heute: Teil der Bundesstraße 31) soll nach mehreren Quellen eigens für die Durchfahrt des Wagenzuges ausgebaut worden sein. Jedoch handelt es sich bei diesem Ausbau lediglich um Verbesserungen an der Felsschlucht beim Hirschsprung sowie um einige Schönheitsreparaturen, die zwischen 1769 und 1770 stattfanden. Der Teil zwischen der Gemarkungsgrenze von Hinterzarten und Hüfingen wurde beispielsweise bereits ab 1751 modernisiert. Die Landständische Ehrenpforte wurde aus Anlass des Brautzugs in Freiburg aufgebaut. Sie war eine von drei Ehrenpforten in der „Großen Gass“ (heute Kaiser-Joseph-Straße), ungefähr auf Höhe des Bertoldbrunnens. Der Brautzug geht durch das Breisacher Tor in die Stadt ein und übernachtet im Kageneck’schen Haus in Freiburg, wo er am Nachmittag eintrifft.

05.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich zu einem Festgottesdienst in das Freiburger Münster. Während des Besuches der Marie Antoinette wird die Salzstraße kurzfristig in Dauphinegasse umbenannt. Extra für den Brautzug wurden in Freiburg neue Straßen errichtet, da die Salzstraße, die durch die Stadt führt, zu schmal ist. Freiburg wurde umfangreich renoviert. Die Hauptgassen wurden neu gepflastert, die Häuser wurden geweißelt, anstelle der Drachenköpfen an den Dachrinnen wurden Rohre bis zur Erde angebracht. Hinzu kam die durchgehende Nummerierung anstelle der Häusernamen. Freiburg im Breisgau, das in der Vergangenheit besonders unter den Auseinandersetzungen zwischen Österreich und Frankreich gelitten hat, feiert die Verbindung der beiden Herrscherhäuser ausgiebig. Hier wird während des Aufenthaltes der Braut sogar die Spitze des Freiburger Münsters mit einem „chimischem Feuer“ illuminiert. Dazu wurden auf dem Turm Tausende von Tonschälchen, in die eine Brennpaste gefüllt wurde, aufgestellt. In Freiburg werden die Osterferien der Freiburger Universität verlängert und das Patronatsfest der Theologen verlegt.

06.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia begibt sich auf die Reise nach Emmendingen, wo er das Gasthaus "Krone-Post" besucht. Nach der Weiterreise über Kenzingen und der Durchfahrt durch Herbolzheim übernachtet der Zug im Kloster Schuttern. Die Marie-Antoinette-Brücke zwischen Schutterzell und Schuttern wurde anlässlich des Brautzuges benötigt und daher gebaut.

Königreich Großbritannien

Acht Tage nach der Landung in Botany Bay in New Holland (heute Australien) segelt die HMS ENDEAVOUR unter ihrem englischen Kommandanten James Cook entlang der Küstenlinie und sammelt kartografische Informationen vom Osten des Kontinents.

07.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Maria Antonia erreicht eine unbewohnte Rheininsel vor Straßburg, die als neutrales Gebiet gilt. Hier erfolgt die "Übergabe" des 14 Jahre alten Mädchens an Frankreich. Marie-Antoinette wird von Fürst Georg Adam von Starhemberg, der bisher die Reise geleitet hatte, in die Hände von Philippe de Noailles, duc de Mouchy, den Bevollmächtigten des französischen Königs und Ehemann der neuen Hofdame, gegeben. Die Erzherzogin wird in einem extra errichteten Pavillon mit mehreren Räumen untergebracht. Diese sind prächtig ausgestattet und mit Wandteppichen geschmückt. Eine dieser Tapisserien zeigt die Vermählung des mythischen Paares Jason und Medea. Als der junge Johann Wolfgang von Goethe den Ort besichtigt, zürnte er: „Ist es erlaubt, einer jungen Königin das Beispiel der grässlichsten Hochzeit, die vielleicht jemals vollzogen worden, bei dem ersten Schritt in ihr Land so unbesonnen vors Auge zu bringen?“ In Straßburg verfolgt Goethe den Brautzug: "Eine merkwürdige Staatsbegebenheit setzte alles in Bewegung und verschaffte uns eine ziemliche Reihe Feiertage. Marie Antoinette, Erzherzogin von Österreich, Königin von Frankreich, sollte auf ihrem Weg nach Paris über Straßburg gehen... Der schönen und vornehmen, so heitren als imposanten Miene dieser jungen Dame erinnere ich mich noch recht wohl. Sie schien, in ihrem Glaswagen uns allen vollkommen sichtbar, mit ihren Begleiterinnen in vertraulicher Unterhaltung über die Menge, die ihrem Zug entgegenströmte, zu scherzen. Abends zogen wir durch die Straßen, um die verschiedenen illuminierten Gebäude, besonders aber den brennenden Gipfel des Münsters zu sehen, an dem wir sowohl in der Nähe als in der Ferne unsere Augen nicht genugsam weiden konnten.“ Marie Antoinette verabschiedet ihr Wiener Gefolge und legt ihre Kleider im österreichischen Ostteil des Pavillons ab, bevor ihre neue Hofdame Anne-Claude-Louise d’Arpajon, Gräfin von Noailles, sie nackt in den französischen Westteil geleitet und dort neu einkleidet. So wird aus der Erzherzogin Maria Antonia auch äußerlich die Dauphine Marie Antoinette. Dem Niemandsland zwischen den zwei Reichen kommt als Ort des symbolischen Grenzübertritts und dem damit verbundenen Übergang der Braut von einer Familie in die andere im damaligen Verständnis eine große Bedeutung zu. Nach der Einkleidung wurden Marie-Antoinette ihr Ehrenkavalier, der Comte de Saulx-Tavannes, und weitere Mitglieder des angereisten französischen Hofstaates vorgestellt. Die komplette Trennung von ihren bisherigen Bediensteten dient ebenso wie die Neueinkeidung dem radikalen Bruch mit der früheren Heimat, so dass von der Dauphine in Folge wohl so gut wie kein kultureller Einfluss auf die neue Umgebung wird ausgehen können. Nach der Neueinkleidung macht sich der Tross auf zu einem Empfang am Straßburger Münster durch Bischof Louis de Rohan. Anschließend finden eine Theateraufführung sowie ein Ball statt.

08.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette nimmt an einer Messe im Straßburger Münster teil. Anschließend begibt sich die Dauphine mit ihrem Gefolge in ein Konzert im bischöflichen Palais Rohan. Die Übernachtung des Brautzuges ist in Saverne.

09.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette führt über Lunéville nach Nancy und übernachtet dort im Hotel der Regierung.

10.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette führt über Commercy nach Bar-le-Duc. Die Übernachtung findet in Bar statt.

11.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette zieht von Bar nach Châlons-sur-Marne. Dort wird anlässlich des Einzuges in die Stadt der porte Sainte-Croix errichtet werden, ein Triumphbogen des Architekten Nicolas Durand.

12.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette zieht über Reims nach Soissons. Hier wird wieder ein Ruhetag eingelegt werden.

13.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Die österreichische Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette nimmt an einer Abendmahlsfeier in der bischöflichen Kapelle teil und erlebt anschließend ein Te Deum (Lobpreisgottesdienst) in der Kathedrale von Soissons.

14.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette zieht von Soissons zum Schloss Compiègne, wo zum ersten Mal ein Treffen mit der königlichen Familie stattfindet.

Mitte Mai 1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich

Der russische General Graf Alexej Orlow, der seit einigen Monaten in der wichtigsten Stadt des griechischen Widerstandes gegen die Osmanen lebt, muss durch den zweiten Teil des russischen Marinegeschwaders evakuiert werden, das zu seiner Rettung kommt. Die osmanische Flotte dreht ab, weil sie eine Konfrontation mit der russischen Flotte vermeiden will. Sie fahren zunächst nach Nafplion.

15.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Der Brautzug der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette zieht nach Saint-Denis zu einem Treffen mit Louise-Marie de Bourbon, einer Tante des Bräutigams, im Karmelitinnenkloster. Am Abend erreicht der Zug das Schloss La Muette.

16.05.1770
Königreich Dänemark / Osmanisches Reich / Eyalet Algier

Eine Strafexpedition mit vier Linienschiffen mit zwei Fregatten und zwei Bombengalioten unter dem Kommando von Frederik Christian Kaas segelte von Kopenhagen aus in Richtung Mittelmeer. Ihre Absicht ist es, die algerische Hauptstadt zu bombardieren, wenn die Algerier einem neuen Friedensabkommen zu dänischen Bedingungen nicht zustimmen sollten. Algier lässt sich nicht einschüchtern, und das dänisch-norwegische Bombardement scheitert, da ein großer Teil der Besatzung aufgrund eines Typhus- Ausbruchs schwer erkrankt ist und 500 Seeleute, die meisten an der Krankheit, sterben. Die Schiffe können schweren Mörser-Gegenschlägen der Algerier nicht standhalten, die ihre Rümpfe beschädigen. Das dänisch-norwegische Kontingent wirft ungefähr 75 Bomben gegen die Stadt Algier, bevor der Angriff abgebrochen werden muss. Der Kapitän befiehlt der Flotte das Kreuzen vor der Küste Algiers, um damit eine Blockade der Stadt von Seeseite her zu errichten. Der dänisch-norwegische Handel im Mittelmeerraum nnimmt seit etwa 20 Jahren zu. Um ihr lukratives Geschäft vor Piraterie zu schützen, schloss Dänemark-Norwegen ein Friedensabkommen mit den Staaten der Berberküste, das die Zahlung eines jährlichen Tributs an die einzelnen Herrscher dieser Staaten und zusätzlich an die Staaten beinhaltete. 1766 wurde Baba Mohammed ben-Osman Dey (falsche Aussprache, eigentlich: Bey) von Algier. Er forderte, die jährliche Zahlung von Dänemark-Norwegen zu erhöhen und neue Geschenke zu erhalten. Dänemark-Norwegen lehnte die Forderungen ab. Kurz darauf entführten algerische Piraten drei dänisch-norwegische Schiffe und verkauften die Besatzung in die Sklaverei.

Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

In Saint-Cloud findet ein Treffen zwischen der österreichischen Erzherzogin und französischen Dauphine Marie Antoinette und den jüngeren Schwestern des Bräutigams, Marie Clothilde und Élisabeth, statt. Anschließend beginnen in Versailles die Hochzeitsfeierlichkeiten von Erzherzogin Maria Antonia von Österreich mit dem französischen Thronfolger (Dauphin) Louis Auguste. Die Feiern sollen zwei Wochen andauern.

27.05.1770
Königreich Frankreich

Anlässlich der Hochzeit des Dauphins veranstaltet der österreichische Gesandte in Paris Florimond-Claude Graf von Mercy-Argenteau ein dreitägiges Festmahl und einen Maskenball auf dem Gelände des Petit Luxembourg, dem gewöhnlichen Sitz des Botschafters.

28.05.1770
Königreich Frankreich

Ein Appelationsgericht revidiert das Urteil im Fall Monnérat und ordnet eine Untersuchung der unmenschlichen Verhältnisse an, unter denen Monnérat inhaftiert war. Dem Angeklagten war unter falschen Beschuldigungen wegen Schmuggels für 20 Monate die Freiheit entzogen worden, wo er unter unwürdigen Bedingungen im Gefängnis von Bicêtre leben musste. Da man herausfand, ihn mit einer anderen Person verwechselt zu haben, die ihm ähnlich sah, wurde er schließlich wirder freigelassen. Er hatte sich an das Aid Court gewandt, das seine Beschwerde anhörte und die Landwirte, die Monnérat fälschlich beschuldigt hatten, zu einem Schadenersatz von 50.000 Livres verurteilten. Diese Rechtsprechung wird nun durch ein höheres Gericht untersucht.

30.05.1770
Königreich Frankreich / Heiliges Römisches Reich / Erzherzogtum Österreich

Als Abschluss der Hochzeitsfeierlichkeiten von Erzherzogin Maria Antonia von Österreich mit dem französischen Thronfolger (Dauphin) Louis Auguste wird auf der Place Louis XV (später Place de la Concorde) in Paris ein Fest für die Bevölkerung veranstaltet. Dabei lösen Feuerwerkskörper in den Straßen Royale, Saint-Florentin und de la Bonne-Morue eine Panik aus, die zum Tod von 132 Menschen führt.

Juni 1770
Osmanisches Reich / Russisches Reich

Die osmanische Flotte, die eine Zeitlang vor Nafplion ankerte, zieht weiter in das Gebiet zwischen Chios und der kleinasiatischen Küste gegenüber von Chesme.

Sommer 1770
Kaiserreich China / Königreich Konbaung

Zur Verteidigung ihres Reiches führt die Dynastie der Konbaung (im heutigen Birma) den vierten Krieg gegen die Qing-Dynastie Chinas, in denen die Ausweitung der birmanischen Macht im Osten erfolgt. Trotz seines Sieges über die chinesischen Armeen setzt sich König Hsinbyushin für den Frieden mit China ein und schließt einen Vertrag zur Aufrechterhaltung des für die Dynastie sehr wichtigen bilateralen Handels mit dem Reich der Mitte. Die Qing-Dynastie wird daraufhin ihre Märkte für den Handel mit Birma wieder her und strebt eine freundschaftliche Beziehung zwischen China und Birma an.

03.06.1770
Königreich Frankreich / Gouvernement Générale Saint-Domingue

Zum dritten Mal in diesem Jahr seit 20. Januar und 12. April wird die Insel Hispañiola von einem Erdbeben erschüttert. Das Beben mit der Stärke 7,5 auf der Mercalli-Skala beginnt um 0715 Uhr mit zwei Erschütterungen von etwa vier Minuten in Port-au-Prince und den südlichen Regionen. Die Städte werden zerstört, mindestens 250 Menschen sterben. Der Historiker Moreau de Saint-Méry berichtet, dass "die ganze Stadt Port-au-Prince" in sich zusammengestürzt ist

04.06.1770
Königreich Spanien / Königreich Großbritannien

Spanische Marineverbände erreichen unter General Juan ignacio de Madariaga mit vier Fregatten und zwei Briggs und insgesamt 1400 Mann Westfalkland. Die spanischen Angreifeer und die englischen Verteidiger liefern sich einen kurzen symbolischen Schusswechsel.

08.06.1770
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Königreich Preußen

Der Naturwissenschaftler Johann Heinrich Lambert wird zum Oberbaurat von Berlin ernannt.

10.06.1770
Königreich Spanien / Königreich Großbritannien / Königreich Frankreich

Überlegene spanische Kräfte von 1600 Marinesoldaten landen beauftragt vom spanischen Gouverneur in Buenos Aires mit vier Fregatten und zwei Briggs in Port Egmont, der Hauptstadt der Falkland-Inseln (Islas Malwinas) und nehmen die weit unterlegenen Briten kampflos gefangen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt abschieben zu können. General de Madariaga zerstört die beiden britischen Befestigungen und demontiert das Ruder der HMS FAVOURITE, damit die Nachricht von der Eroberung der Falkland-Inseln nicht so schnell den Weg nach England findet, da infolgedessen England den Spaniern mit Krieg drohen wird, in den sich Frankreich auf spanischer Seite einschalten würde. Frankreich beginnt damit, diplomatische Verhandlungen zwischen Spanien, England und Frankreich zu planen.

11.06.1770
Königreich Großbritannien

Die britische HMS ENDEAVOUR unter ihrem englischen Kommandanten James Cook hat in fünf Wochen 3200 Kilometer von Süden nach Norden zurückgelegt und dabei kartografische Informationen der Ostküste Austaliens gesammelt. Heute läuft die HMS ENDEAVOUR am Cape Tribulation auf das später so genannte Endeavour Reef auf, das im Great Barrier Reef liegt, und geht dabei beinahe verloren. Die Schiffszimmerleute an Bord schätzen, dass die Reparatur des Schiffes etwa sechs Wochen beanspruchen wird. Cook und der Botaniker Banks halten sich die meiste Zeit der Raparatur auf dem Festland auf. Banks beobachtet, wie er schreibt, "riesige Hasen, die von den Eingeborenen Kängurus genannt werden".

14.06.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der französische Astronom Charles Messier, der gerade Beobachtungen des Planeten Jupiter durchführt, entdeckt im Sternbild des Schützen einen ihm nicht vertrauten Nebel mit der Helligkeit von ungefähr 5mag.

20.06.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der französische Astronom Charles Messier, der vor einer Woche im Sternbild des Schützen einen bislang unbekannten Nebel entdeckte, stellt fest, dass es sich hierbei um einen Kometen handelt, der sich der Sonne und der Erde nähert. Erstmals kann der Komet mit dem bloßen Auge gesehen werden. Der Komet zeigt keinen Schweif, aber seine Koma hat einen Durchmesser eines halben Grad.

25.06.1770
Königreich Frankreich

Das Urteil des Gerichtes, das den Monnérat-Prozess durchführte, wird vom Staatsrat aufgehoben und Monnérat, der unschuldig verurteilt und unter unwürdigen Bedingungen 20 Monate lang eingekerkert gewesen ist, wird endgültig freigesprochen.

28.06.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Der russische Feldmarschall Pjotr Rumjanzew-Saduznaiski schlägt an der Donaufront unweit der Rabnia Mogila 20.000 Osmanen in die Flucht.

Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Der Quäker-Abolitionist Anthony Benezet eröffnet in Philadelphia in Pennsylvania eine Schule für schwarzafrikanische Sklaven.

Ende Juni 1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der von dem französischen Astronomen Charles Messier am 14. Juni entdeckte Komet bewegt sich mit großer Geschwindigkeit über den Himmel.

30.06.1770
Königreich Spanien / Königreich Großbritannien

General Juan Ignacio de Madariaga, der Eroberer der Falklandinseln, bricht mit zur Berichterstattung nach Spanien auf.

Ereignis
Fortlaufende Ereignisse
  • 1768 - 1774 Sechster Russisch-Osmanischer Krieg
  • 1768 - 1771 Polnischer Befreiungskrieg gegen Russland, Frankreich und Österreich
  • 1769 - 1773 Vietnamesisch-Siamesischer Krieg
Anfang Juli 1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich

Die russische Flotte segelt weiter in die Ägäis und bereitet sich auf die Begegnung mit der osmanischen Flotte vor.

01.07.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich
Charles Messier, der Entdecker des Kometen
Der von dem französischen Astronomen Charles Messier am 14. Juni entdeckte Komet passiert die Erde in etwa 2.184.129 Kilometer Abstand, dem geringsten Abstand der Passage an unserem Planeten in der Geschichte. Seine Koma erscheint fast 2,5 Grad groß und ist damit fünfmal so groß wie der Vollmond. Später wird ermittelt werden, dass der Komet sich zwischen 0,674 und 5,63 AE (Astronomische Einheiten) innerhalb von 5,6 Jahren um die Sonne bewegt; seine Spitzengeschwindigkeit beträgt 174.600 km/h.
02.07.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der von dem französischen Astronomen Charles Messier entdeckte Komet, der später die Bezeichnung D/1770 L1 (Lexell) erhält, bewegte sich innerhalb von 24 Stunden 42 Grad über den Himmel und erreicht heute seine größte nördliche Deklination. Er wird nur noch einige Tage beobachtet werden können, da er sich der Sonne immer mehr nähert und in der hellen Dämmerung verschwinden wird.

05.07.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich

In der Nähe der ägäischen Insel Chios gegenüber von Westanatolien beginnt die Seeschlacht von Cesme. Die russische Flotte unter dem Befehl von Graf Alexej Orlow, Grigori Spridow und John Elphinston findet die osmanische Flotte vor Anker nördlich der Cesme-Bucht im westlichen Kleinasien. Die osmanische Flotte wird von Hosameddin Pascha, Hassan Pascha und Dschaffer Bey befehligt. Auch wenn nicht alle Details über die türkische Flotte bekannt sind, beinhaltet sie in etwa 14 bis 16 Schlachtschiffe, darunter REAL MUSTAFA mit 84 Kanonen, DIE RHODOS mit 60 Kanonen, sowie ein 100-Kanonen-Flaggschiff. Zusätzlich besteht sie aus etwa 6 Fregatten, 6 Schebecken, 13 Galeeren und 32 kleineren Schiffen, mit einer Gesamtfeuerkraft von 1300 Kanonen. Zehn der Schlachtschiffe mit je 70 bis 100 Kanonen bilden die türkische Hauptreihe, sechs andere bildeten die zweite Reihe, wobei die Reihen so organisiert sind, dass die hinteren Schiffe durch die Räume zwischen den Schiffen vorderer Reihe feuern konnten. Dahinter befinden sich die Fregatten, die Schebecken und die weiteren Schiffe. Die Flotte wird von Kapudan Hosameddin Pascha befehligt. Nachdem ein Angriffsplan zusammengestellt wurde, segelt die russische Kampfreihe Richtung südlicher Seite der türkischen Hauptreihe, dreht nach Norden und eröffnet im Vorbeifahren direkt vor den Türken die Schlacht. Anfangs haben die Russen Probleme, die Formation zu halten, doch mit zunehmender Schlachtdauer gelingt es ihnen besser. Die beiden Schiffe St. EUSTAPHIUS und REAL MUSTAFA, werden in einen direkten Kampf miteinander verwickelt, bis das osmanische Schiff Feuer fängt. Sein brennender Mast stürzt auf die St. EUSTAPHIUS, die ebenfalls Feuer fängt. Kurz darauf explodiert die REAL MUSTAFA. Georgi Spiridow und der Bruder des anderen Kommandierenden, Graf Fjodor Orlow, können St. EUSTAPHIUS rechtzeitig verlassen.

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Königreich Preußen

Pfarrer Jean Pierre Erman eröffnet das »Séminaire de Théologie« (Prediger-Seminar) in den Schulräumen des Konsistorialgebäudes in der Niederlagstrasse im heutigen Bezirk Berlin-Mitte. Das Seminar, dessen erster Direktor Erman wurde, bildet Priester der Französisch-Reformierten Kirche aus.

06.07.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich

Die gestern begonnene Seeschlacht von Cesme zwischen dem Russischen Reich unter Graf Alexei Orlow und dem Osmanischen Reich unter Hosameddin Pascha wird fortgesetzt. Die Russen beschießen den ganzen Tag türkische Schiffe und Ziele an Land.

07.07.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich

Die vor zwei Tagen begonnene Seeschlacht von Cesme zwischen dem Russischen Reich unter Graf Alexei Orlow und dem Osmanischen Reich unter Hosameddin Pascha wird fortgesetzt. Graf Orlow sendet Samuel Greigh mit sieben Schiffen in einer Linienformation gegen die Türken. Bald darauf brennen drei türkische Schiffe, deren Feuer sich schnell auf die gesamte türkische Flotte ausbreitet, bis sie vollständig abbrennt und bis auf ein Schiff versenkt wird. Der Kampf endet in der Nacht zum 8. Juli. Die russischen Verluste sind, abgesehen von der Besatzung des untergegangenen St. Eustaphius, mit etwa 600 Toten geringer als die der Osmanen, die etwa 11.000 Tote zu beklagen haben. Die osmanischen Befehlshaber Hosameddin Pascha, Hassan Pascha and Dschaffer Bey überleben. Der Erste wird später als Konsequenz der Niederlage von seinem Posten enthoben. Die Seeschlacht von Çeşme wurde zeitgleich mit der Schlacht von Larga ausgetragen. Sie wird zur größten osmanischen Niederlage auf See seit der Schlacht von Lepanto im Jahr 1571. Die russische Flotte zieht vor konstantinopel zur Parade und belagert danach Lemnos. Der russische Sieg fördert in der Heimat das Vertrauen in die noch nicht allzu erfahrene Flotte und sichert Russland die Kontrolle in der Ägäis. Im Osmanischen Reich wird die Vernichtung der Flotte viele Minderheiten zu Aufständen inspirieren. Zarin Katharina die Große befiehlt den Bau von vier Monumenten, um an den Sieg zu erinnern: Den Chesme-Palast und die Chesme-Kathedrale in Sankt-Petersburg, der Obelisk in Gattschina und die Chesme-Kolonne in Zarskoje Selo. Der 6. russisch-oamanische Krieg begann am 25. September 1768 mit der Kriegserklärung des osmanischen Sultans Mustafa III. an Russland.

13.07.1770
Königreich Frankreich

Der Staatsrat ordnet an, dass der Gerichtshof die Inhaftierung der Menschen verfügen soll, die die falsche Anklage in der Affäre Monnérat vorbrachten.

14.07.1770
Königreich Frankreich

Ein Beschluss des Staatsrates setzt den Export von Getreide vorübergehend aus. Finanzminister Pater Joseph Marie Terray reguliert die Getreidetransporte und schafft einen königlichen Weizenvorrat, um die "Früchtekrise" zu bewältigen. Diese unpopulären Vorschriften schüren das Gerücht eines "Hungerpaktes", der von Le Prévôt de Beaumont ins Leben gerufen wird und der den König und die Aristokraten und die Armen gegeneinander ausspielt.

18.07.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Russische Verbände unter der Führung von Marschall Pjotr Alexandrowitsch Rumjanzew-Sadunaiski schlagen die Osmanen und 80.000 Krimtataren auf der Larga in Moldawien.

24.07.1770
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Königreich Preußen

Der berühmte Hochschullehrer und Chirurg am Berliner Collegium medico-chirurgicum und erster Wundarzt an der Charité Dr. med. Simon Pallas (* 1694 in Berlin) stirbt in seiner Heimatstadt. Er ist der Vater des Zoologen und Botanikers Peter Simon Pallas und des Physikers August Friedrich Pallas. Simon Pallas wird nachgesagt, dass er ein kühner Operateur und hervorragender Lehrer gewesen sei. Wenige Zeit vor seinem Tod, 1769, baute Pallas seine Zusammenarbeit mit dem Anatom Johann Friedrich Meckel aus. Zu seinen Schülern zählte unter anderen der Chirurg und Geburtshelfer Johann Philipp Hagen.

26.07.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich

Russische Verbände unter der Führung von Marschall Pjotr Alexandrowitsch Rumjanzew erobern die heute in der Ukraine im Donaudelta liegende Stadt Ismail (türkisch Hacidar).

Ende Juli 1770
Königreich Großbritannien

Nach der erfolgreichen Reparatur der HMS ENDEAVOUR am Cape Tribulation am später so genannten Endeavour Reef, das im Great Barrier Reef liegt, lässt Captain James Cook die Segel setzen, um weiter nach Norden zu fahren.

01.08.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Am 21. Juli nach dem Julianischen Kalender findet zwischen dem Russischen Reich auf der einen und dem Osmanischen Reich und dem Khanat der Krim auf der Gegenseite die Schlacht von Kagul (moldawisch: Cahul) in der Nähe des Dorfes Frumoasa unweit des Schwarzen Meeres statt. Die osmanischen Truppen belaufen sich auf 150.000 Mann, angeführt vom Großwesir Mehmed Emin Pascha. Trotz der Niederlage bei Larga zwei Wochen zuvor ist die Moral hoch und es gibt Anzeichen dafür, dass die Armeen von Marschall Pjotr Alexandrowitsch Rumjanzew-Sadunaiski schlecht versorgt sind. Der russische Befehlshaber kommandiert eine Armee von 17.000 Soldaten und geht in die Offensive gegen die alliierten Streitkräfte des Krim-Khanats und des Osmanischen Reiches, die aus 30.000 Infanteristen und 45.000 osmanischen Reitern bestehen, von denen ein Drittel der osmanischen Truppen in den Fluten der Donau umkommen oder gefangen genommen werden. Ungefähr 80.000 tatarische Kavalleristen werden innerhalb von 20 Kilometern vom Schlachtfeld eingesetzt, nehmen jedoch nicht an den Kämpfen teil. Die russischen Truppen ermöglichen vielen Osmanen und Tataren die Flucht; während diese dennoch 20.000 Tote, Verwundete oder verletzte zu beklagen haben, sterben bei den Russen über 1000 auf dem Schlachtfeld. Mit ihrem Sieg erobern die Russen unter dem Fürsten Nikolai Repnin 130 osmanische Kanonen und alle wichtigen Festungen in der Region: Ismail, Kilya, Akkerman (heute Bilhorod-Dnistrovskyi), Ibrail (jetzt Brăila), Isakça (jetzt Isaccea) und Bender.

03.08.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der Komet mit der späteren Bezeichnung D/1770 L1 (Lexell) in der Morgendämmerung zu finden, gelingt die erste Sichtung des Kometen, nachdem dieser hinter der Sonne wieder aufgetaucht ist.

Datei:Preußen 1739-1818.png
Königreich Preußen

72 Kanonenschüsse verkünden den Potsdamern die Geburt eines Prinzen. Einer der Geburtshelfer bei der schwierigen Entbindung des Thronfolgers Friedrich Wilhelm (III.) in Potsdam ist der Hofrat Joachim Friedrich Henckel, Direktor der Berliner Charité. Friedrich Wilhelm ist der erste Sohn des derzeitigen Thronfolgers Friedrich Wilhelm (II.) und seiner Gemahlin Friederike von Hessen-Darmstadt. Friedrich II., die zentrale Person der preußischen Geschichte, ist sein Großonkel, den er noch persönlich kennenlernen wird.

13.08.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Bei einem Kampf auf Perekop, der nördlichsten Ansiedlung auf der Krim, werden russische Truppen von osmanischen und der Krim-Tataren besiegt.

14.08.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der Komet mit der späteren Bezeichnung D/1770 L1 (Lexell) erreicht sein Perihel (sonnennächster Punkt) in einem Abstand von etwa 100,9 Millionen Kilometern und damit im Bereich der Umlaufbahn der Venus.

Mitte August 1770
Königreich Großbritannien

Der englische Kommandant James Cook passiert auf seiner HMS ENDEAVOUR das von ihm benannte Land New South Wales, bevor er durch die Endeavour-Straße, den südlichsten Teil der Torres-Straße, westwärts segelt und so feststellen kann, dass Neuholland und Neuguinea voneinander getrennt sind, woraufhin Cook die Ostküste Neuhollands für England in Besitz nimmt.

20.08.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der französische Astronom Charles Messier stellt fest, dass sich bei dem seit sechs Wochen von der Sonne entfernenden Kometen mit der späteren Bezeichnung D/1770 L1 (Lexell) ein schwacher Schweif gebildet hat. In wenigen Tagen wird eine Augenbeobachtung des Objekts nicht mehr möglich sein. Messier plant, den Kometen so lange wie möglich mit seinen Fernrohren zu verfolgen.

Königreich Spanien / Königreich Großbritannien

Der spanische Botschafter in London, Ferrero Fieschi, unterrichtet den zuständigen "Secretary of State for the southern Department" Lord Weymouth von der Entsendung General de Madariaga nach Falkland. Die Spanier wollen wünschen einen Konflikt mit Großbritannien zu vermeiden und bezeichnen die Expedition als eine Eigenmächtigkeit des Gouverneurs von Buenos Aires. Lord Weymouth entschließt sich, diese Gelegenheit für seine eigene Karriere zu nutzen. Da Lord North und der andere Secretary of State Lord Rochford nicht in London sind, ergreift er die Initiative und verlangt die Räumung der Falklandinseln durch die Spanier. Der Botschafter verabschiedet sich und reist nach Madrid.

21.08.1770
Königreich Großbritannien / Australien

Die HMS ENDEAVOUR, das Schiff des Entdeckers und englischen Captains James Cook, das im April auf ein Korallenriff vor der Küste Australiens aufgelaufen war und monatelang repariert werden musste, kann seine Fahrt an der Ostküste Australiens wieder aufnehmen. Cook, der die letzten Monate damit verbrachte, das australische Hinterland zu erkunden, nimmt die gesamte Ostküste des Kontinents für die britische Krone in Besitz und gibt ihr wegen ihrer Berge, Wälder und grünen Wiesen den Namen "New South Wales".

22.08.1770
Königreich Großbritannien / Australien

Der englische Entdecker und Captain James Cook stellt fest, dass New Holland (heute Australien) nicht an Neuguinea angrenzt.

27.08.1770
Königreich Frankreich / Seychellen

Nachdem die Inselgruppe der Sychellen bereits am 21. Mai 1742 von den Franzosen in Besitz genommen und am 1. November 1756 als Îles de Seychelles von Frankreich annektiert wurde, beginnt nun mit der Ankunft der ersten französischen Siedler auf der 150 Quadratkilometer großen späteren Hauptinsel Mahé die erste Ansiedlung. Die Siedler beginnen auf dem fruchtbaren Boden mit dem Anbau von Gemüse, Obst, Süßkartoffeln und Zuckerrohr für den Export. Für die Arbeit auf den Feldern sollen schwarze Sklaven aus Afrika „importiert“ werden. Wenig später sollen sich französische Kolonisten mit ihren schwarzen Sklaven auch auf Praslin, Silhouette, Félicité und La Digue sowie auf den südwestlich gelegenen Inselgruppen Amirante, Aldabra und Farquar niederlassen. Erster Kommandant wird Jean Charles Delaunay, der auch Kommandant der Insel Mauritius ist.

28.08.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Russische Truppen nehmen die bisher von den Osmanen besetzte Stadt Akkerman an der Mündung des Dnjestr ein. Auf rumänisch heißt die Stadt Cetatea Alba und später auf ukrainisch Bilhorod-Dnistrovskyi.

Herbst 1770
Königreich Großbritannien / Ostindien-Kompanie

Nach einer mehr als halbjährigen Pockenepidemie und einer aufgrund ergiebiger Regenfälle guten Ernte, lässt die Hungersnot in Bengalen und in Bihar nach. Mehr als eine Million Menschen sind hier bereits in kurzer Zeit gestorben und die ersten Landstriche sind entvölkert worden.

September 1770
Königreich Spanien / Königreich Großbritannien / Königreich Frankreich

Ferrero Fieschi, der spanische Botschafter in London, gibt in Madrid einen Bericht über seine Begegnung mit dem britischen "Secretary of State for the southern Department", Lord Weymouth und dessen Forderung der Räumung der Falklandinseln durch die Spanier. Diese wollen zunächst nachgeben, doch als General Juan Ignacio de Madariaga selbst in Madrid eintrifft und von seinem Erfolg bei der Einnahme der bisher britischen Inselgruppe berichtet, beschließt die Regierung, diesen Erfolg zu verteidigen. Zwei Wochen später trifft Commander Farmer mit der HMS FAVOURITE in Großbritannien ein. Die öffentliche Meinung und die Opposition unter Earl Chatham verlangen Wiedergutmachung oder die Rückeroberung der Falklandinseln. Als Lord Weymouth hiervon erfährt, mobilisiert er ohne Rücksprache mit den anderen Mitgliedern der Regierung große Teile der Royal Navy und nimmt gegenüber der Regierung in Madrid eine kriegerische Haltung ein. Es werden mehrere diplomatische Noten zwischen beiden Ländern ausgetauscht, um den immer wahrscheinlicher werdenden Krieg zwischen ihnen abzuwenden. Man wartet auf beiden Seiten auf eine Äußerung Frankreichs, von der man annimmt, dass das Land Spanien unterstützen würde.

Königreich Thonburi / Kaiserreich Dai-Viêt

Vietnam sorgt zunächst für die Absetzung des von den Siamesen eingesetzten kambodschanischen Königs Ang Non und setzen wenig später dessen Bruder auf den Thron. Dieser widersetzte sich unter vietnamesischem Einfluss der Zahlung von Tributen an Siam. Der zum König gewählte Phya Taksin führt daraufhin eine Armee nach Siem Reap und Battambang, um Kambodscha wiederzugewinnen. Die Vietnamesen starten einen Gegenangriff auf Trat und Chanthaburi. Doch schnell kehrt Taksin mit Land- und Seestreitkräften zurück, um Banteay Meas, Phnom Penh und andere, kleinere Ziele zu erobern. Auch die seinerzeitige kambodschanische Hauptstadt Banteay Pech wird angegriffen und der vietnamesische Marionettenkönig muss fliehen. König Ang Non wird von den Siamesen erneut auf den Thron gesetzt, die Vasallenherrschaft Siams wird bestätigt. Der chinesischstämmige General Taksin, der vor drei Jahren aus der belagerten Stadt Ayutthaya fliehen und sich in den Osten des zerstückelten Reiches, (das später Thailand werden soll), absetzen. Dort gelingt es ihm, neue Truppen zu formieren und den Widerstand gegen die Burmesen zu organisieren. Es kommt ihm zugute, dass Burma zur gleichen Zeit von einer Invasion Chinas bedroht wird und sie deshalb nur wenige Besatzungstruppen in Ayutthaya beließen. Bereits im Oktober 1767 gelang es ihm, die Hauptstadt zurückzuerobern. Ayuttaya wird allerdings nicht wieder zu einem Zentrum des Reiches werden, sondern das strategisch günstiger gelegene Thonburi. Nach der einjährigen Belagerung war die Versorgungslage der Bevölkerung katastrophal. Er führte zahlreiche Maßnahmen ein, um die Notlage zu mindern, wobei er auch die Hilfe von einflussreichen chinesischen Familien in Anspruch nahm. So mussten alle Staatsangestellten ungeachtet ihres Ranges auf den Feldern arbeiten; Disziplinmangel, Korruption, Feigheit oder Schmuggel wurden auf das Härteste bestraft. Um ein effizienteres Durchgreifen des Staates auf die Arbeitsleistungen der Untertanen zu ermöglichen, ließ er alle Unfreien tätowieren. Er brach mit der Tradition der gottgleichen Könige von Ayutthaya und ist ein Herrscher, der sich um viele Details persönlich kümmert. In diesem Jahr gelingt es ihm, das Reich, das nach dem Fall der Hauptstadt in mehrere Staaten zerfallen war, wieder unter sich zu vereinigen.

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Mali

Ende des Vasallentums der Maura von Mali durch die Könige von Segu.

Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Am Eingang zum Hafen von Saint-Jean in Neufundland beginnen die Briten mit dem Bau von Fort Amherst.

01.09.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der im Sommer Erde und Sonne passierte Komet mit der späteren Bezeichnung D/1770 L1 (Lexell), der an der Erde in einem Abstand von 2,26 Millionen Kilometer Abstand vorbeiflog, passiert den Mars in einem Abstand von 105,4 Millionen Kilometern.

03.09.1770
Königreich Spanien

König Carlos III. von Spanien erklärt den Grenadiermarsch zu einem Ehrenmarsch. Die Melodie wird noch im 21. Jahrhundert die Nationalhymne Spaniens sein.

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Heiliges Römisches Reich / Königreich Preußen

In Neustadt (Mähren), heute Unicov, findet ein Treffen zwischen dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Joseph II. und König Friedrich II. von Preußen ("den Großen") statt. Thema der fünftägigen Konferenz ist die Besorgnis über den Aufstieg Russlands als Ordnungsmacht in Osteuropa.

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Heiliges Römisches Reich / Fürstbischoftum Osnabrück

Das stärkste bislang in Norddeutschland nachgewiesene Erdbeben erschüttert mit der Stärke VII auf der Medwedew-Sponheuer-Kárník-Skala den Ort Alfhausen im Fürstbischoftum Osnabrück.

04.09.1770
Königreich Dänemark-Norwegen

Der deutsche Arzt und Gesundheitsminister Dänemark-Norwegens, Johann Friedrich Struensee, genießt das Vertrauen des königlichen Paares und wird zum Kabinettssekretär und Konferenzrat befördert. In dieser Stellung ist es von Struensee möglich, seine Reformideen leicht durchzusetzen. König Christian VII. unterschreibt heute die ersten Struensee'schen Gesetzesvorlagen: Damit wird die Anhäufung von Titeln und orden ohne entsprechende Verdienste untersagt, sowie die Meinungs- und Pressefreiheit ("Preßfreiheit") eingeführt. Ausgerechnet durch diese erste Reform wird der Minister seine Unbeliebtheit in der Bevölkerung fördern, denn die freie Presse wird imstande sein, ein großes Publikum innerhalb kürzester Zeit zu beeinflussen und gegen den Mann aus Halle einzunehmen. Durch die "freie Presse" wird auch die junge Königin, die um der besseren Beweglichkeit willen in Hosen einen Herrensattel nutzt, wird zum Ziel zahlreicher Spottschriften werden.

05.09.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Ein russisches Armeekorps unter dem Befehl von General Prinz Nikolai Wassiljewitsch Repnine nimmt Kilia am Südufer des Armes des gleichnamigen Flusses ein. Kilia war bereits 1315 ein Handelsposten und später eine Festung der Republik Genua, später gehörte die Stadt zum Despotat von Dobrugea, dann den Tataren, dem Fürstentum Walachai und der Rapublik Moldau. Seit 1422 war die Stadt osmanisch.

09.09.1770
Erzherzogtum Österreich / Königreich Ungarn / Königreich Polen

Ein Dekret des Wiener Kabinetts erklärt die Eingliederung der Starosties von Zips und von Sandek, was zu den Verhandlungen über die Teilung Polens führen wird.

10.09.1770
Erzherzogtum Österreich / Schweizerische Eidgenossenschaft

Dank seiner bilateral guten Beziehungen nach Innsbruck, Wien, Bern und Basel und einem gewissen Desinteresse der Beteiligten gelang es Martin Gerbert, in nur drei Monaten die Zustimmung zur Überführung der sterblichen Überreste von prominenten Angehörigen des Hauses Habsburg nach St. Blasien zu erhalten. Erzherzogin Maria Theresia unterstützte das Projekt in einem Schreiben an die Berner und Basler Regierungen. Heute werden in der Klosterkirche Königsfelden sterbliche Überreste folgender Personen exhumiert:

  1. Friedrich (* 1316; † wenige Tage nach Geburt) – Sohn von Friedrich dem Schönen
  2. Elisabeth von Kärnten, Görz und Tirol|Elisabeth von Kärnten-Görz-Tirol (* um 1262; † 1313) – Gemahlin von König Albrecht I.
  3. Leopold I. (* 1290; † 1326) – Sohn von König Albrecht I.
  4. Heinrich der Sanftmütige (* 1299; † 1327) – Sohn von König Albrecht I.
  5. Gutta von Oettingen (* 1302; † 1329) – Tochter von König Albrecht I., Gemahlin des Ludwig VI. von Oettingen
  6. Katharina von Savoyen (* um 1297–1304; † 1336) – Gemahlin von Herzog Leopold I.
  7. Elisabeth von Virneburg (* um 1303; † 1343) – Gemahlin von Herzog Heinrich dem Sanftmütigen
  8. Katharina von Habsburg (* 1320; † 1349) – Tochter von Herzog Leopold I., Gemahlin des Enguerrand VI. de Coucy
  9. Elisabeth von Habsburg (* um 1285; † 1352) – Tochter von König Albrecht I., Gemahlin des Friedrich IV. von Lothringen
  10. Agnes von Ungarn (* um 1281; † 1364) – Tochter von König Albrecht I., Gemahlin des Königs Andreas III. von Ungarn
  11. Leopold III. von Habsburg (* 1351; † 1386) – Sohn von Herzog Albrecht II.

Im Falle des 1316 im Kleinkindalter verstorbenen Friedrich (des Sohnes von Friedrich dem Schönen) werden nur sechs Bretter seines Sarges entnommen und vom Berner Hofmeister Carl Ludwig Ougspurger an den vorderösterreichischen Regierungs- und Kammerrat Johann Nepomuk Freiherrn von Wittenbach als zuständigem Hofkommissar übergeben. Die Leiche Friedrichs konnte nicht mehr aufgefunden werden. Daher konnten nur sechs Bretter seines Sarges geborgen werden. Der Freiherr von Wittenbach lagert die Gebeine zunächst in der blasianischen Propstei Klingnau.
An der Westwand des Königsfeldener Erbbegräbnisses erinnert eine Wandtafel an die Exhumierungen: "Anno MDCCLXX. den 10ten Septembris, sind / obbeschriebene Erzt-Herzogliche Cörper auf / Ansuchen seiner Käyserl:Königl:Apostol:Mayestät, / mit Einwilligung eines Hohen Freystandes Bern, / denen geordneten Seiner Hochfürstl:Gnaden / deß Herren Abbten von St:Blasien, um in dasiger Stiffts-Kirche beygesetzt zu werden, durch den dieser Zeit / hier Regierenden H:Herren Hofmeister, / Carl Ludwig Ougsburger übergeben worden."
Am 10. November sollen drei weitere Exhuminierungen im Basler Münster erfolgen.

15.09.1770
Königreich Dänemark

Der in Hannover geborene, dänische Außenminister Johann Hartwig Ernst Graf von Bernstorff, der über Jahrzehnte die dänische Politik bestimmte, wird von Minister Johann Friedrich Struensee in Zusammenhang mit einer missglückten Strafaktion gegen algerische Barbaresken entlassen. Damit entledigt sich von Struensee des wichtigsten Konkurrenten.

24.09.1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika / Kolonie North Carolina

In Hillsborough, North Carolina, kommt es zu Aufständen der Regulierungsbewegung gegen die örtlichen Behörden. Seit fünf Jahren kommt es immer wieder zu Aufständen, in dem Bürger Waffen auf Kolonialbeamte richten. Sie fordern bessere wirtschaftliche Bedingungen für alle außer Sklaven und amerikanischen Ureinwohner anstelle eines Systems, das den Kolonialbeamten stark zugute kommt.

27.09.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Der russische General Pjotr Iwanowitsch Panine nimmt mit seiner Armee die von den Osmanen besetzte Stadt Bender in Bessarabien ein.


Die Routen der zweiten und dritten Expeditionen von Samuel Hearnes in Nordamerika


Ereignis
Fortlaufende Ereignisse
  • 1768 - 1774 Sechster Russisch-Osmanischer Krieg
  • 1768 - 1771 Polnischer Befreiungskrieg gegen Russland, Frankreich und Österreich
  • 1769 - 1773 Vietnamesisch-Siamesischer Krieg
Oktober 1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich

Die russische Flotte, die seit drei Monaten Lemnos belagert, wird von osmanischen Verstärkungen zum Auslaufen gezwungen und geht anschließend in der Bucht von Naoussa nördlich der Insel Paros auf den Kykladen in den Winter.

Russisches Kaiserreich

In Moskau bricht die Pest aus, was zu Unruhen in der Stadt führt.

03.10.1770
Solar System / Terra / Königreich Frankreich

Der französische Astronom Charles Messier beobachtet zum letzten Mal den von ihm selbst am 14. Juni entdeckten Kometen mit der späteren Bezeichnung D/1770 L1 (Lexell). Obwohl seine Umlaufzeit um die Sonne mit 5,6 Jahren errechnet wurde, wird er niemals mehr in Erdnähe gesehen werden. Die meisten Astronomen gehen davon aus, dass er entweder päter mit dem Jupiter kollidierte oder dieser ihn entweder auf eine langperiodische Bahn von bis zu mehreren hundert Jahren Umlaufzeit oder in einem weniger wahrscheinlichen Fall sogar auf eine hyperbolische Bahn aus dem Sonnensystem hinauskatapultiert hat. Der Komet D/1770 L1 (Lexell) wird zum ersten bekannten Kometen aus der sogenannten "Jupiter-Familie".

06.10.1770
Königreich Großbritannien / Königreich Spanien

Ein halbes Jahr nach dem Befehl an die spanische Flotte, die Islas Malvinas (Falkland-Inseln) zu erobern und die britische Bevölkerung von den Inseln zu vertreiben, landen in Port Egmont starke Kräfte, die die weit unterlegenen Briten kampflos gefangennehmen. Nach einigen Schüssen hissen die Briten die Weiße Flagge und werden evakuiert. Spanien hatte die Inselgruppe 1767 von Frankreich gekauft.

10.10.1770
Königreich Großbritannien

Der englische Kommandant James Cook erreicht mit seiner HMS ENDEAVOUR Batavia, das zu Niederländisch-Indien gehört, wo das Schiff drei Wochen lang gründlich überholt werden soll.

11.10.1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Nordamerika / Provinz Massachusetts Bay

Phillis Wheatley ist die erste afroamerikanische Frau, die ihre Werke veröffentlicht, nachdem sie dem verstorbenen Reverend George Whitefield eine poetische Elegie geschrieben hat. In Westafrika geboren , wurde sie im Alter von sieben oder acht Jahren in die Sklaverei verkauft und nach Nordamerika transportiert. Sie wurde von der Wheatley-Familie in Boston gekauft, die ihr Lesen und Schreiben beibrachte und ihre Gedichte förderte, als sie ihr Talent sahen. Die 18jährige Tochter der Wheatleys, Mary, unterrichtete Phillis zuerst im Lesen und Schreiben. Ihr Sohn Nathaniel half ihr ebenfalls. John Wheatley war in ganz Neuengland als Progressiver bekannt. Seine Familie gab Phillis eine beispiellose Ausbildung für eine versklavte Person und für eine Frau jeder Rasse. Mit 12 Jahren las sie griechische und lateinische Klassiker und schwierige Bibelstellen. Im Alter von 14 Jahren schrieb sie ihr erstes Gedicht "An die Universität von Cambridge in Neuengland". In Anerkennung ihrer literarischen Fähigkeiten unterstützte die Familie Wheatley Phillis' Ausbildung und überließ die Hausarbeit ihren anderen Haussklaven.

18.10.1770
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Königreich Preußen

Auf Anregung von König Friedrich II. wird in Berlin die Bergakademie als Berg- und Hüttentechnisches Institut gegründet. Der König benötigt für die Verwaltung wissenschaftlich und technisch geschulte Beamte, vor allem für die schlesischen Gebiete.

Der englische Weltumsegner James Cook
Königreich Großbritannien / Republik der Sieben Vereinigten Provinzen

Der englische Weltumsegler und Entdecker James Cook, dessen Schiff HMS ENDEAVOUR zur Wartung in Batavia (heute Djakarta) auf Niederländisch-Indien überholt wird, kann seine Reise nicht planmäßig fortsetzen, da sieben seiner Besatzungsmitglieder, darunter der Astronom Green, an einer Durchfallerkrankung gestorben sind. Die Weiterfahrt in Richtung Kapstadt wird auf das Frühjahr des nächsten Jahres verlegt.

22.10.1770
Osmanisches Reich /Russisches Reich

Auf der griechischen Halbinsel Peloponnes scheitern russische Truppen bei der Einnahme von Modon in Messenien.

26.10.1770
Königreich Dänemark-Norwegen

In Dänemark-Norwegen wird eine königliche Verordnung über die Verminderung der Feiertage verkündet. Analoge Feiertagsverordnungen erscheinen in den Herzogtümern Schleswig und Holstein sowie in den übrigen dänischen Gebieten. In der Verordnung, die nur ein halbes Jahr nach Einreichung des ersten Entwurfs herauskam, werden acht Feiertage ganz abgeschafft und drei auf den folgenden Sonntag verlegt. Von dieser Initiative versprechen sich die Initiatoren Schimmelmann und von Bernstorff sich effektivere Arbeit für die Landwirtschaft in den wichtigen Sommermonaten. Der jeweils dritte Feiertag von Weihnachten, Ostern und Pfingsten und mehrere noch aus vorreformatorischen Zeiten stammende Marien- und Heiligenfeste sowie die Danksagung für das Ende des katastrophalen mehrtägigen Brandes, dem große Teile Kopenhagens im Oktober 1728 zum Opfer fielen. Mehrere dieser Feste fallen ganz weg, andere werden auf den folgenden Sonntag verschoben. Die Initiative für eine Verminderung der Feiertage ging in Dänemark nicht von den kirchlichen Stellen aus, sondern von einer vom König eingesetzten Kommission, die sich mit den Staatsfinanzen zu befassen hatte. Somit spielten religiöse Gründe bei der Feiertagsreduktion zunächst keine entscheidende Rolle, sondern hauptsächlich ökonomische Erwägungen. Allerdings unterstützten hohe kirchliche Amtsträger die staatliche Initiative. Die dänische Regierung beziehungsweise die von ihr eingesetzte Kommission orientierte sich an entsprechende Verordnungen der protestantischen Länder Deutschlands wie an Preußen, Mecklenburg-Schwerin und vor allem an Hannover, wo bereits im Vorjahr Feiertagsedikte erlassen wurden. Diese schnelle Reaktion auf die Reformen der südlichen Nachbarstaaten ist notwendig, weil Dänemark sich ökonomisch auf keinen Fall schlechter stehen sehen wollte als die anderen europäischen Staaten. Die dänische Bevölkerung allerdings verfolgt die Umorganisation der traditionellen, als gottgegeben angesehenen Ordnung durch einen Bürgerlichen misstrauisch. Ein Mitgrund für die Ablehnung von Struensees Reformen ist, dass Struensee nicht Dänisch spricht und seine Dekrete auf Deutsch erscheinen. Der Kopenhagener Bevölkerung gilt er daher als "Dänenfeind", obwohl Deutsch zu dieser Ära offizielle Amtssprache in Dänemark ist. Zugleich wird er wegen der Menge seiner Dekrete und der Geschwindigkeit ihres Erscheinens verspottet. Dass gleich elf Feiertage dem wirtschaftlichen Fortschritt geopfert werden sollen, gefällt weder den Geistlichen noch der Bevölkerung. Im Zusammenhang mit dem Reformedikt wird die Gleichstellung unehelich Geborener mit ehelichen Kindern geschaffen sowie die Abschaffung der Kirchenzucht, die vor allem der Bloßstellung lediger Mütter dient. Manche in der Bevölkerung schließen daraus, dass Struensee die Prostitution fördere. Mit Argwohn betrachtet werden auch Struensees Maßnahmen für die Gesundheit des kleinen Prinzen durch Abhärtung, denn Barfußlaufen und einfache Mahlzeiten hält man einem künftigen König für nicht angemessen. Es wird sogar befürchtet, Struensee wolle den Thronfolger beseitigen, den König entmachten und sich selbst zum alleinigen Herrscher machen.

Ende Oktober 1770
Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Der mutmaßliche Hauptverantwortliche des Massakers von Boston, Captain Preston, steht separat von den übrigen acht angeklagten britischen Soldaten vor Gericht. Er sagt aus, dass er niemals an seine Soldaten den Befehl gab, auf die Zivilisten zu feuern. Verteidiger Prestons ist der Rechtsanwalt John Adams. Preston wird freigesprochen, da die Jury nicht davon überzeugt ist, dass er einen Feuerbefehl gab.

November 1770
Königreich Frankreich

In Frankreich werden vier Gesundheitseinrichtungen zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten eingerichtet.
Der französische Artillerieoffizier Nicholas Cugnot entwirft im Auftrag der Streitmacht für die Artillerie ein durch Dampf betriebenes Transportfahrzeug, den Dampfkraftwagen. Obwohl der Wagen nur zwischen 3 und 4,5 km/h erreichen kann und wegen seiner Vorderlastigkeit nur schwer zu lenken ist, zählt er als der Vorläufer sowohl der der Damplokomotive als auch des modernen Automobils und bringt dem technischen Fortschritt einen großen Schub.

01.11.1770
Datei:Preußen 1739-1818.png
Königreich Preußen

Das Berg- und hüttenmännische Lehrinstitut, ein Vorgänger der späteren Technischen Universität, wird in Berlin gegründet.

03.11.1770
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Russisches Kaiserreich / Königreich Preußen / Königreich Polen

Prinz Heinrich von Preußen unternimmt eine diplomatische Mission nach St. Petersburg, um die Vermittlung Preußens zwischen Russland und dem Osmanischen Reich vorzuschlagen. Außerdem spricht er bei Zarin Jekatarina II. vor, um sich mit ihr mit der Aufteilung Polens zu befassen. Der Prinz wird das Weihnachtsfest in Russland verbringen und mindestens sechs Wochen in St. Petersburg bleiben.

04.11.1770
Königreich Großbritannien

Der schottische Diplomat, Entdecker und Geograf James Bruce die Quellen des Blauen Nils. Anschließend plant er, nach Großbritannien zurückzukehren, um die Manuskripte zurückzubringen, die eine ziemlich gute, von ihm selbst angefertigte Übersetzung der alten äthiopischen Chroniken und eine Geschichte der jüngsten Regierungszeiten und Ereignisse enthalten. Er beschreibt die Denkmäler von Aksum, die er fälschlicherweise als Ableger des alten Ägypten interpretiert.

05.11.1770
Russisches Kaiserreich / Osmanisches Reich / Khanat der Krim-Tataren

Russische Militärverbände nehmen die von den Osmanen besetzte Stadt Braila in der Walachei ein.

10.11.1770
Erzherzogtum Österreich / Schweizerische Eidgenossenschaft

Zwei Monate nach der Exhumierung von elf Personen in der Klosterkirche Königsfelden erfolgen im Basler Münster die Exhumierungen der sterblichen Überreste von:

  1. Karl (* 1276; † wenige Tage nach Geburt) – Sohn von König Rudolf I.
  2. Hartmann von Habsburg (* um 1263; † 1281) – Sohn von König Rudolf I.
  3. Gertrud von Hohenberg (* um 1225; † 1281) – Gemahlin von König Rudolf I.

Die sterblichen Überreste dieser drei Habsburger werden ebenfalls umgehend nach Klingnau verschifft, von wo der Transport zur vorderösterreichischen Stadt Waldshut weiter gehen soll.

26.11.1770
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Königreich Preußen

In Lerbach im Harz wird eine „Gnadenkasse“ gegründet, die kranke und arbeitsunfähige Bergarbeiter oder ihrer Hinterbliebenen bei Bedarf unterstützen soll. Diese Einrichtung ist eine der ersten sogenannten „Privat-Sparkassen“, die meist auf Initiative von Landesherren oder wohltätigen Privatleuten gegründet wird und den ärmeren Bevölkerungsschichten eine längerfristige und verzinsliche Bildung von finanziellen Rücklagen ermöglichen soll. Im ländlichen Bereich existieren bereits verschiedene Formen von Viehleihkassen sowie auch schon landwirtschaftliche Vorschussvereine zur Unterstützung armer Landwirte. Über die Entstehung und Entwicklung der Eisensteinsgnadenkasse zu Lerbach in den ersten Jahren ihres Bestehens ist ein ausführlicher Bericht erhalten: "Articul von der Gnadenkasse, welche den 26.11.1770 von den Eisensteinsbergleuten zu Lerbach unter sich errichtet und wie die Articul in der Folge verbessert worden." Weiter heißt es in der Chronik: "Darnach sind am 26.11.1770 sämtliche Lerbacher Eisensteinsbergleute, d.h. alle Steiger und Hauer mit Genehmigung der Herren Bergschreiber Meyer und des Eisensteinsgeschworenen Beermann, und zwar alle, welche ihren Büchsenpfennig dazu geben wollten, zusammengekommen und haben die Gründung der Kasse beschlossen."

Mitte November 1770
Erzherzogtum Österreich / Schweizerische Eidgenossenschaft

Im vorderösterreichischen Waldshut übergibt Freiherr von Wittenberg am 14. November nach der Anlandung im Rheinhafen die Bestattungen und bleiernen Beschriftungen der Särge an den k.u.k. Hofkommissar und österreichischen Repräsentanten in der Eidgenossenschaft Freiherrn Josef von Nagel. Von einem Trauerzug mit 24 Abteilungen aus Rats- und Regierungsmitgliedern, Einungsmeistern, der gesamten weltlichen Geistlichkeit, der Väter Kapuziner mit ihrem Kreuz und dem Posaunenchor der Stadtmusik wird der repräsentativ ausgeschmückte Trauerwagen mit Pomp funèbre vor dem neu erbauten, mit Trauerflor ausgekleidetem Rathaus, an die Bevollmächtigten des Klosters St. Blasien übergeben. Von dort wird der Trauerwagen von den Prälaten von St. Trudpert und St. Peter in vollem Ornat und einem Trauerzug in 15 Abteilungen in das Kloster St. Blasien geleitet. In Waldkirch an der Grenze zum blasianischen Zwing und Bann wird der Zug vom Hauensteiner Landsturm und den Stadtmusikanten an die blasianischen Ordnungskräfte übergeben. Nach Anbruch der Dunkelheit erreicht der Zug das illuminierte St. Blasien und wird dort mit militärischen Ehren empfangen. Auf einem eigens angefertigtem Trauerpodest erfolgt die erste Einsegnung durch den Fürst-Abt, dessen Rede in der titelgleichen Festschrift von 1770 mit einer Abbildung des Aufbaues von Johann Baptist Haas überliefert ist. Der Trauerzug folgt dem frühneuzeitlichen Saumpfad vom Waldshuter Rheinhafen in das Kloster St. Blasien über Waldkirch und Höchenschwand. Der sich im Schritttempo bewegende Zug bewältigt an diesem Tag auf einer ansteigenden Strecke von etwa 23 Kilometern mit 650 Metern Höhenunterschied mehrere Stationen, Übergaben und zeremonielle Handlungen. 14 Habsburger finden nun ihre allerletzte Ruhestätte.

15.11.1770
Königreich Spanien

Eine spanische Expedition unter Francisco González findet und umsegelt die wieder vergessene Osterinsel, die bereits 1722 von dem niederländischen Seefahrer Jacob Roggeveen entdeckt wurde. Die Spanier schildern das Land als kultiviert und die Menschen als freundlich. Hier leben drei verschiedene Rassen friedlich zusammen.

14.11.1770
Königreich Großbritannien
James Bruce
Der schottische Entdecker und Naturwissenschaftler James Bruce erkundet die Quellen des Blauen Nils.
27.11.1770
Königreich Frankreich

Der Kanzler Frankreichs gibt ein "dit de reglement et de discipline" des Königs Louis XV. bekannt, durch das den Richtern ("magistrats") verboten wird, die verschiedenen Zweige oder "Klassen" des Parlaments als Teile eines "unteilbaren" einzigen Parlaments zu definieren; der Austausch von Akten und Einsprüchen ("Remonstations") zwischen den verschiedenen Parlamenten wird untersagt. Außerdem wird ein Streik von Seiten der Parlamente untersagt und verlangt, dass nach einer einmaligen Remonstration gegen ein königlichen Dekret das Parlament die Registrierung eines Ediktes nicht mehr blockieren dürfe. Die Richter weigern sich, dieses Edikt zu registrieren, woraufhin Louis XV. ein "Lit de justice" für den 7. Dezember in Versailles einberuft. Bis dahin stellen die Parlamente nuin ihre Tätigkeiten ein.

Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Der Prozess gegen die Soldaten des Massakers von Boston im März dieses Jahres wird in Suffolk County in Massachusetts fortgesetzt. Gegen den Befehlshaber Captain Preston wurde bereits im Vormonat verhandelt. John Adams, Josiah Quincy II und Robert Auchmuty agieren als Verteidiger, Sampson Salter Blowers unterstützt sie durch Untersuchungen bezüglich der Juroren. Der Solicitor General von Massachusetts, Samuel Quincy, und der Privatanwalt Robert Treat Paine, der von der Stadt Boston engagiert wurde, vertreten die Anklage. Um die Stimmung etwas abkühlen zu lassen, wurde die Verhandlung um Monate verzögert, was ungewöhnlich ist. Die Angehörigen der Jury kommen alle aus anderen Städten. In diesem Verfahren muss die Verteidigung die Schuld jedes einzelnen Soldaten gesondert feststellen, da ein nicht identifizierter Soldat seine Waffe nicht abfeuerte und daher nicht des Totschlags oder Mordes schuldig sein könne. Die Jury spricht mangels Beweisen daher sechs Soldaten frei, Private Montgomery und Matthew Killroy werden des Totschlags für schuldig befunden. Dies ist zwar ein Kapitalverbrechen, aber als Ersttäter werden sie schließlich nur am Daumen gebrandmarkt und nicht gehängt. Die Entscheidungen der Jury legen nahe, dass sie von einer Bedrohung der Soldaten durch die Menge ausgehen. Patrick Carr, das fünfte Opfer, unterstützte diese Ansicht mit seiner Erklärung auf dem Sterbebett gegenüber Anwalt John Adams. Samuel Adams und seine patriotischen Kollegen titulieren die Todesfälle aus Propagandagründen als „The Boston Massacre“. Sie argumentieren, dass die Bedeutung nicht in der kleinen Zahl von Toten liege, sondern in der Politik der Briten, ein stehendes Heer zu unterhalten und Truppen einzusetzen, um damit Gesetze durchzusetzen, die sie im Parlament gegen die Einwände der lokalen Gesetzgebung in Amerika verabschiedeten. Die öffentliche Beerdigung der ersten vier Opfer war eine der größten Versammlungen Nordamerikas bis zu diesem Zeitpunkt. John Adams nennt seine Verteidigung der Soldaten des Boston Massacre eine „der mutigsten, großzügigsten, mannhaftesten und unvoreingenommensten Handlungen seines ganzen Lebens und einen der besten Dienste, die er je seinem Land geleistet habe“. John Adams mutmaßt, dass dieser Tag „den Grundstein des unabhängigen Amerikas“ darstellt. In den 13 britischen Kolonien (den späteren Neu-England-Staaten) leben 2.131.000 Menschen, doppelt so viele wie vor 20 Jahren.

Königreich Frankreich

Finanzminister Pater Joseph Marie Terray stellt die Möglichkeiten für den Lebensmittelverkehr zwischen den Provinzen wieder her.

'07.12.1770
Königreich Spanien / Königreich Großbritannien / Königreich Frankreich

Die Kriegsvorbereitungen in London und in Madrid wegen der Besetzung der Falklandinseln durch die Spanier dauert an. Spanien allein wäre Großbritannien bei einer militärischen Auseinandersetzung deutlich unterlegen, jedoch scheut der französische König Louis XV. im Gegensatz zu seinem Minister César Garbriel de Choiseul-Praslin einen neuen Krieg um die unbedeutenden Inseln. Auch der britische König George III. ist zwar zu einer entschlossenen Haltung gegenüber Spanien, nicht jedoch zu einem Krieg bereit. Nachdem er sich einen Überblick über Lord Weymouths Aktivitäten verschaffte, strebt er im Einvernehmen mit der Mehrheit der Regierung eine friedliche Regelung mit Spanien an. Er versichert französischen Diplomaten, dass Großbritannien einen Krieg vermeiden wolle, und ersucht Lord Weymouth zum Rücktritt von seinem Amt. Lord Weymouth, auch als Thomas Thynne, 1. Marquess of Bath bekannt, tritt im Zuge der Falklandkrise als Secretary of State zurück, bleibt aber politisch aktiv.

Königreich Frankreich

König Louis XV. beruft das Parlament in Versailles ein und verkündet den Disziplinarerlass vom 27. November, nach dem es im Pariser Parlament verboten ist, sich mit anderen Gerichten des Königreiches zu vereinigen oder dort um Rat oder Hilfe nachzusuchen. Er entlässt rebellische Richter der Pariser Parlamente und der anderen 13 Provinzen.

Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika

Der britische Entdecker und Naturforscher Samuel Hearne bricht zu seiner dritten Expedition in Nordamerika auf, nachdem er erst vor zwölf Tagen von seiner zweiten Expedition zurückgekehrt war und die als gescheitert angesehen wird, wie schon die erste Expedition. Hearne will im kommenden Sommer den Coppermine River erreichen, über welchen er anschließend mit Kanus den Arktischen Ozean erreichen will. Wie schon auf der zweiten Reise ist sein Scout wieder der Ureinwohner Matonabbee, der sowohl bei den Chipewyans wie auch bei den Algonkin großes Ansehen besitzt. Seine Crew besteht wieder vollständig aus Ureinwohnern, die in Amerika seit fast drei Jahrhunderten fälschlicherweise "Indianer" genannt werden. Scout Matonabbee führt das zweifache Scheitern von Hearnes Expeditionen auf das Fehlen von Frauen zurück. Er ist ein erfahrener Organisator und erkennt die unverzichtbare Rolle, die die Fertigkeiten der Frauen spielen. Dazu gehören zahlreiche Arbeiten wie Kochen, Herstellen udn Reparieren von Kleidung, von deren Qualität das Überleben der Expeditionsteilnehmer im Extremen Klima des Nordens Nordamerikas abhängt. Die Frauen wüssten auch, wie die Ernährung zusammengestellt werden muss, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Zudem werden die Männer durch die Entlastung beim Tragen bessere Möglichkeiten haben, in weitem Umkreis auf der Suche nach Nahrung auszuschwärmen. Hearne berichtet, dass Matonabbee selbst sieben Frauen habe. Die Expeditionsleiter beschließen, ihren Zug durch das riesige Gebiet den Bewegungen der Karibu- und Bisonherden anzupassen.

10.12.1770
Königreich Frankreich

Das Pariser Parlament kündigt an, das vor drei Tagen vom König ausgesprochene Edikt niemals als Staatsgesetz anzuerkennen, und tritt in den Streik.

17.12.1770
Königreich Dänemark

König Christian VII. von Dänemark ernennt Johann Friedrich Struensee zum Maître des requêtes (Chef der Gesuche). Damit läuft die Kommunikation zwischen König und Volk allein über Struensee.

18.12.1770
Königreich Dänemark

König Christian VII. von Dänemark ernennt Johann Friedrich Struensee offiziell zu seinem Leibarzt.

22.12.1770
Königreich Dänemark

Der immer wichtiger werdende Minister am königlichen Hof in Kopenhagen, Johann Friedrich Struensee, der seit vier Tagen auch Leibarzt des Königs ist, ernennt den erfahrenen Diplomaten Adolph Sigfried von der Osten zum Leiter des neuen Départements für auswärtige Angelegenheiten. Von der Osten war bis 1765 dänischer Gesandter in Russland gewesen, ehe er wegen Differenzen mit Bernstorff abgezogen und nach Neapel versetzt worden war. Als Außenminister soll er nun die guten Beziehungen zu Zarin Jekatarina II. von Russland fördern.

23.12.1770
Königreich Frankreich

Der Staatsrat beschließt, dass der Verkauf von Getreide bis auf weiteres außerhalb der Märkte verboten wird.

24.12.1770
Königreich Frankreich
Der scheidende Erste Minister Frankreichs Étienne-François de Choiseul-Beaupré-Stainville, comte puis duc de Choiseul-(Stainville)
Der Erste Minister, Außen- und Staatskriegsminister Étienne-François de Choiseul wird von König Louis XV. von seinen Ämtern entbunden. Er war 12 Jahre und 22 Tage Erster Minister, 4 Jahre, 8 Monate und 15 Tage Außenminister und 9 Jahre, 10 Monate und 28 Tage Staatskriegsminsiter. Étienne-François de Choiseul-Beaupré-Stainville ist Graf von Choiseul (Stainville) (1758) und Herzog von Amboise (1764). Zu seinen Brüdern zählen der Fürsterzbischof von Cambrai Léopold-Charles de Choiseul-Stainville sowie der Marschall von Frankreich Jacques Philippe de Choiseul-Stainville. Der scheidende Erste Minister diente als Soldat während des Österreichischen Erbfolgekriegs 1741 in Böhmen und Italien, wo er sich bei der Schlacht von Coni 1744 auszeichnete. Von 1745 bis 1748 war er mit der Armee auf dem Gebiet der Niederlande und nahm an der Schlacht bei Mons, Charleroi und Maastricht teil. Er wurde zum Lieutenant général ernannt und heiratete 1750 Louise Horine, Tochter des Bankiers Louis François Crozat (1691–1750), Marquis de Chatel, die ein großes Vermögen in die Ehe einbrachte. Choiseul gewann die Gunst von Madame de Pompadour, indem er ihr einige Briefe beschaffte, die Ludwig XV. an seine Cousine Madame de Choiseul geschrieben hatte. Nach einer kurzen Zeit als Landvogt von Vosges wurde er 1753 zum Botschafter in Rom ernannt, wo er mit den Verhandlungen betraut wurde, die die Unruhen im Zusammenhang mit der Bulle Unigenitus Dei filius betrafen. Er erfüllte seine Verpflichtung mit Geschick, und 1757 sorgte seine Patronin für seine Versetzung nach Wien, wo er instruiert wurde, die neue Allianz zwischen Frankreich und Österreich anzubahnen. Sein Erfolg in Wien eröffnete ihm die Möglichkeit für eine weitergehende Karriere: Choiseul ersetzte Abbé François-Joachim de Pierre de Bernis als Außenminister (1758–1761/1766–1770) und steuerte daher während des Siebenjährigen Krieges die französische Außenpolitik. Zu dieser Zeit wurde er zum Duc d’Amboise erhoben. Obwohl in den Jahren 1761 bis 1766 sein Cousin César Gabriel de Choiseul-Praslin das Amt des Außenministers bekleidete, bestimmte doch Choiseul weiterhin bis jetzt die französische Politik. So amtierte er phasenweise zugleich als Kriegsminister (1761–1770) und Marineminister (1761–1766). 1766 tauschte er mit seinem Cousin das Marineministerium gegen das Außenministerium. Als der Urheber des „Familienpaktes“ versuchte er, durch eine Allianz mit dem Bourbonen-Haus in Spanien die verheerenden Ergebnisse der Allianz mit Österreich wiedergutzumachen; seine Maßnahme kam aber zu spät. Seine energische Politik in anderen Bereichen des Staats war jedoch nicht vergeblich. Nachdem er inmitten einer Phase der Demoralisierung an die Macht gekommen war, verursacht durch die Niederlagen von Rossbach und Krefeld, reformierte er mit Mut und Energie die Streitkräfte. Auch wenn er zu spät kam, um den Verlust Kanadas und Indiens noch zu verhindern, entwickelte er die französischen Kolonien in den Antillen – darunter die „Perle der Karibik“ Saint Domingue – und brachte Korsika und Lothringen unter die französische Krone. Seine Innenpolitik stellte im Allgemeinen die Adel, Klerus und Wissenschaftler zufrieden. Er erlaubte die Veröffentlichung der Encyclopédie und führte die Verbannung der Jesuiten herbei. Choiseuls Sturz wurde verursacht durch seine Maßnahmen gegen die Jesuiten, und durch seine Unterstützung für deren Gegner La Chalotais und der Provinzparlamente. Nach dem Tod Madame Pompadours 1764 wurden seine Feinde, angeführt von Madame Dubarry und dem Kanzler Maupeou, zu stark für ihn, und nun wurde er gezwungen, sich auf seinen Landsitz in Chanteloup zurückzuziehen. Die Intrigen gegen werden jedoch seine schon vorher große Popularität befördern. Inhalt seines Lebens bleibt die Sorge über die Modernisierung des Staates und seine Stärkung angesichts der Macht der Kirche, die das soziologische und politische Bündnis zwischen einem liberalen Rand des europäischen Adels und dem fortschrittlichen Wirtschaftsbürgertum wie William Pitt in Großbritannien, Pombal in Portugal, Tanucci in Neapel, Du Tillot in Parma und Kaunitz in Österreich symbolisierte. Sein Freund Baron de Gleichen, ein dänischer Diplomat, beschreibt ihn als "eher klein, robuster als schlank und von einer sehr angenehmen Hässlichkeit, seine kleinen Augen funkeln vor Geist, seine Nase im Wind gibt ihm eine angenehme Luft“. Andererseits wird er von seinen Feinden als ein Brandbeschleuniger angesehen, der Europa in Brand gesteckt hat. De Choiseul, der bei dem preußischen König Friedrich II. (dem Großen) und der Zarin Jekaterina II. nicht beliebt ist, weil sie ihn als ein "schwarzes Tier" ansehen, das Lust an Kriegen hat, setzte sich nach dem Vertrag vom 1. Mai 1756 für eine Stärkung des Verteidigungsbundes mit dem Wiener Hof ein, was schließlich noch im selben Jahr den Siebenjährigen Krieges von Nordamerika nach Europa brachte.
Der neue Erste Minister René-Nicolas de Maupeou
Der neue Erste Minister René-Nicolas de Maupeou ist der fünfte Träger dieses Namens. Er stammt aus Bruyères des Maupeou und studierte am Louis-le-Grand College. Sein Bruder Louis (* 1716) ist Offizier in der Infanterie. Mit 19 Jahren wurde René-Nicolas de Maupeou zum Berater der 3. Untersuchungskammer des Pariser Parlaments berufen. Am 22. Januar 1744 heiratet er Anne Marguerite Thérèse de Roncherolles, Tochter von Charles Michel François, Marquis von Roncherolles, und Angélique Marguerite de Jassaud. Die junge Braut war deren einziges Kind und hatte nach dem Tod des Vaters ein großes Vermögen sowie und ein Anwesen aus dem 10. Jahrhundert geerbt. Anne starb am 21. April 1752, nachdem sie zwei Söhne geboren hatte. Um seinen ältesten Sohn zu erziehen, ernannte Maupeou einen jungen Mann namens Charles-François Lebrun. Maupeou äußerte im Rahmen seiner politischen Aktivitäten Ansichten, die sich von denen der meisten seiner Parlamentskollegen unterschieden, was dazu führte, dass ihm viele Parlamentarier misstrauten. König Louis XV. nutzte den Rücktritt des ersten Präsidenten Molé und beschloss, alle führenden Mitarbeiter der Justiz auszutauschen. Der alte Kanzler Lamoignon, der sich weigerte, zurückzutreten, wurde in sein Land Malesherbes verbannt. Als Kanzler Guillaume de Lamoignon de Blancmesnil am 14. September 1768 sein Amt niederlegte, wurde vereinbart, dass René-Charles de Maupeou sen. zum Nachfolger ernannt wird, sein Amt jedoch unverzüglich niederlegt, um als Kanzler von Frankreich in den Ruhestand zu treten. Er war nur einen Tag Kanzler, und sein Sohn folgte ihm am 16. September 1768 in diesem Amt nach. Während es seit d'Aguesseau eingerichtet worden war, um die Funktionen des Kanzlers und Bewahrers der Siegel von Frankreich zu trennen, wurden sie zu Gunsten von Maupeou wiedervereinigt, dem die Siegel zwei Tage später überreicht wurden. Maupeou hatte somit in gerichtlichen Angelegenheiten einen weiten Handlungsspielraum, der durch das Vertrauen Louis' XV. noch vergrößert wurde. "Dann, vierundfünfzig Jahre alt," schreibt Michel Antoine, "war er ein kleiner Mann mit großen, hervorstehenden Augen unter dicken schwarzen Augenbrauen, einer ziemlich niedrigen Stirn, einer langen und quadratischen Nase und einem großen, aufgerichteten Mund und der gelbem, bläulichen Teint. Er war streng mit seinen Pflichten durchdrungen, unermüdlich bei der Arbeit" Es ging das Gerücht um, dass Maupeou seine Ernennung Choiseul schuldete. Es ist sicher, dass der Letztere, der immer noch einen großen Einfluss auf den König hat, sich dem nicht widersetzte, aber es ist auch nichts beweist, dass er seinen Nachfolger im Amt favorisierte. Zunächst scheint Maupeou auch einer Linie der Mäßigung zu folgen.
Louis Phélypeaux de Saint-Florentin
Neuer Außenminister wird der Marquis Louis Phélypeaux de Saint-Florentin, der kürzlich zum Herzog von La Vrillière ernannt wurde. Im September 1765 wurde er Opfer eines Jagdunfalls, nach dem ihm die linke Hand amputiert wurde. Zwischen 1767 und 1769 ließ er vom Architekten Jean-François-Thérèse Chalgrin das prächtige Hôtel de Saint-Florentin (2 rue Saint-Florentin in Paris) errichten und ist seit 1756 Staatsminister und seit 1749 Staatssekretär im Haus des Königs von Ludwig XV.; der entlassene Erste Minister Choiseul sagt über ihn, "dass er drei Namen habe und keine gemacht habe".

Das Amt des Staatskriegsministers (Secrétaire d'Etat de la Guerre) bleibt vorerst unbesetzt.
Es beginnt das "Triumvirat" des Herzogs von Aiguillon Emmanuel-Armand de Vignerot du Plessis-Richelieu, Pater Joseph Marie Terray und René-Nicolas de Maupeou. Herzogs von Aiguillon Emmanuel-Armand de Vignerot du Plessis-Richelieu wurde als Sohn von Armand Louis de Vignerot du Plessis (1683–1750) und der Anne Charlotte de Crussol de Florensac (* 1700) geboren. Er war ein Neffe des Marschalls Richelieu. Mit siebzehn trat er in die Armee ein und mit neunzehn wurde er zum Colonel des Régiment de Brie ernannt. Er diente in den Feldzügen in Italien während des Österreichischen Erbfolgekriegs, wurde 1744 in der Schlacht von Pierrelongue bei Chateau-Dauphin schwer verwundet, 1746 gefangen genommen und 1748 zum Maréchal de camp befördert. Seine Heirat im Jahr 1740 mit Louise Félicité de Bréhan, Tochter des comte de Plélo, zusammen mit seiner Verbindung zur Richelieu-Familie, verschaffte ihm eine wichtige Stellung am Hof. Er war ein Mitglied der so genannten parti dévot, der Fraktion gegen Madame de Pompadour, die Jansenisten und das Parlament. 1753 bis 1768 diente er als Kommandant der Bretagne. Er war dort nicht beliebt. Die Provinz hatte eine große Zahl von Privilegien bewahrt („Freiheiten“ genannt). 1758 siegte er in der Schlacht von Saint-Cast gegen englische Truppen. Im gleichen Jahr kam er mit den Provinzständen wegen der Abgaben an den König in Konflikt. 1762 brachte er das Parlament der Bretagne (1554–1790) gegen sich auf, weil er die Privilegien der Provinz missachtete. Im Juni 1764 hob der König einen Erlass des Parlaments auf, der die Erhebung neuer Steuern ohne Zustimmung der Stände untersagte; er weigerte sich, die Proteste des Parlaments gegen den Herzog entgegenzunehmen. Am 11. November 1765 wurde der Prokurator des Parlaments, Louis-René de Caradeuc de La Chalotais verhaftet. Ob dies auf Veranlassung Aiguillons geschah, ist ungewiss. Der Konflikt zwischen Aiguillon und den Bretonen dauerte zwei Jahre. Anstelle des Parlaments, das sich aufgelöst hatte, organisierte Aiguillon ein Tribunal mit mehr oder minder kompetenten Richtern, die von den Pamphlet-Schreibern verspottet und ironisch bailliage d'Aiguillon genannt wurden. Heute erreichte er die Entlassung des Ministers Étienne-François de Choiseul und übernimmt eine wichtige Position am Hofe des Königs.

27.12.1770
Königreich Dänemark

Der einflussreichste Minister Dänemark Johann Friedrich Struensee veranlasst den König Christian VII., den Geheimen Staatsrat (dänisch Gehejmekonseil), den höchsten königlichen Rat in Dänemark, aufzulösen. Das Gerichtswesen soll erneuert und von der Verwaltung getrennt werden. Statt der alten Standesgerichte soll es nun bald ein einheitliches Gericht geben. Jeder Bürger soll vor dem Gesetz die gleichen Rechte besitzen. Auch zur Milderung der sozialen Ungerechtigkeit plant Struensee zahlreiche Gesetze: Er will Findelhäuser und Hospitäler gründen und die Öffnung des Schlossgartens für die Bevölkerung erlauben. Er beabsichtigt, das Gesundheits- und das Schulwesen zu reformieren, Dänisch statt Latein unterrichten zu lassen und die Prügelstrafe abzuschaffen. Die Folter wird ebenfalls abgeschafft. Uneheliche Geburten sollen nicht mehr bestraft, außerehelich geborene Kinder sollen den ehelichen gleichgestellt werden. Ehebruch soll nicht mehr als Verbrechen, sondern nur noch als innerfamiliäres Problem gelten. Dieser Teil des Dekretes wird später als ein offenes Schuldeingeständnis Struensees angesehen werden, da man im Volk munkelt, dass er und nicht der König der Vater des Kindes der schwangeren Königin sein könnte.

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