Chronik 1900.02
Weltchronik der ersten Dekade des Februar 1900
Die britische Arbeiterschaft erhält eine parlamentarische Vertretung im Parlament
Die Hungersnot in Indien fordert mindestens neun Millionen Todesopfer
Der Deutsche Reichstag verabschiedet das Lex Heinze
| Hier geht es zu den Ereignissen der Jahre... | 1890 / 1891 / 1892 / 1893 / 1894 / 1895 / 1896 / 1897 / 1898 |
| Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres 1899 | Januar / Februar / März / April / Mai / Juni / Juli / August / September / Oktober / November / Dezember |
| Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres 1900 | Januar / Februar / März / April / Mai / Juni / Juli / August / September / Oktober / November / Dezember |
Ende September 1899-07.09.1901 |
Kaiserreich China / Vereinigte Staaten von Amerika / Japanisches Kaiserreich / Königreich Italien / Französische Republik / Russisches Kaiserreich / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie Der Boxeraufstand in China ist eine nationalistische und anti-westliche Revolte. Auslöser waren die zunehmende ausländische Einflussnahme und die damit verbundene soziale Unruhe im Land. Die Bewegung, die sich "Boxer" nennt, griff zunächst christliche Missionare und chinesische Christen an, weitete ihre Angriffe aber später auch auf ausländische Gesandte und Siedlungen aus. Die Niederschlagung des Aufstands erfolgte durch eine internationale Allianz von acht Nationen, die Peking einnahm und die Qing-Dynastie zwang, dem Boxerprotokoll zuzustimmen, was China weiter schwächen und den ausländischen Einfluss zementieren wird. |
| Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Vizekönigreich Indien Der britische Staatssekretär für Indien Lord George Hamilton gibt im Unterhaus in London bekannt, dass von der Hungersnot auf dem indischen Subkontinent ("Central India Famine") 49 Millionen Menschen betroffen seien. Die Hungersnot wurde durch das Ausbleiben des Monsunregens verursacht, was zu einer massiven Dürre führte. Diese Dürre betraf eine Fläche von etwa 1,23 Millionen Quadratkilometern. Die britische Kolonialverwaltung, die Indien regiert, wird für ihre unzureichende Reaktion auf die Krise stark kritisiert. Der Vizekönig von Indien, Lord Curzon, zögerte, umfassende Hilfsmaßnahmen einzuleiten, da er befürchtete, dass dies die Menschen von Almosen abhängig machen könnte. Dies führte dazu, dass neun Millionen an Hunger sterben. Zusätzlich zu Hunger und Dürre werden die geschwächten Menschen von Cholera- und Malaria-Epidemien heimgesucht, die die Situation noch verschlimmern. Diese Tragödie trägt dazu bei, die Forderungen nach indischer Unabhängigkeit zu verstärken, da viele die britische Verwaltung für die Krise verantwortlich machen. Die Hungersnot wird ein tiefes Trauma in der indischen Bevölkerung hinterlassen und die soziale Struktur und wirtschaftliche Entwicklung des Landes nachhaltig beeinflussen. | |
| Französische Republik / Département Algerien Die Eisenbahnlinie von Ain-Sefra nach Djennienbou Rezg im französischen Generalgouvernement Algerien wird eröffnet. Das Eisenbahnnetz in Algerien bilden bereits einen wichtigen Bestandteil der kolonialen Infrastruktur. Die Eisenbahn dient vor allem dazu, Rohstoffe wie landwirtschaftliche Produkte und Mineralien effizient zu den Häfen zu transportieren, von wo aus sie nach Frankreich exportiert wurden. Gleichzeitig ist sie ein Mittel, um die Kontrolle über das Land zu festigen und die Kolonialverwaltung zu unterstützen. Die bisherigen Hauptstrecken verbinden die drei wichtigsten Städte Algeriens – Algier sowie Oran und Constantine. Diese Hauptstrecken bilden das Rückgrat des Netzes. Neben den Hauptlinien gibt es zahlreiche Zweigstrecken, die ländliche Gebiete und Bergbauregionen mit den Städten und Häfen verbinden. Die Eisenbahn wurde in Normalspur gebaut, was den Transport großer Mengen an Gütern auf einer Spurweite von 1,435 Meter in Waggons mit einer typischen Breite von 2,5 bis drei Metern erleichterte. Allerdings ist das Netz noch nicht vollständig ausgebaut und dadurch fragmentiert. Die Eisenbahn ist entscheidend für den Export von Gütern wie Wein, Getreide und Erzen. Sie trägt zur wirtschaftlichen Ausbeutung Algeriens bei, während die lokale Bevölkerung oft wenig von den Vorteilen hat. Andererseits erleichtert die Eisenbahn die Mobilität innerhalb des Landes, war jedoch hauptsächlich auf die Bedürfnisse der Kolonialherren ausgerichtet ist. Für die einheimische Bevölkerung ist der Zugang oft eingeschränkt. Damit wird die französische Eisenbahn in der Kolonie ein Instrument der Kontrolle. Sie ist gleichermaßen ein politisches, soziales und technisches Projekt. | |
| Deutsches Kaiserreich Im Aachener Wurm-Revier treten mehrere tausend Arbeiter in den Ausstand, um eine Lohnerhöhung zu erzwingen. Das Wurm-Revier, bekannt für seinen Steinkohlenbergbau, ist ein bedeutendes Zentrum der Kohleförderung, und die Arbeitsbedingungen dort sind oft hart und gefährlich. Die Forderung nach höheren Löhnen spiegelt die schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen wider, mit denen die Bergleute konfrontiert sind. Dieser Streik ist Teil einer größeren Bewegung von Arbeitern in der damaligen Zeit, die für bessere Arbeitsbedingungen und gerechtere Bezahlung kämpfen. Es zeigt, wie wichtig Solidarität und Organisation für die Arbeiterbewegung waren, um Veränderungen zu bewirken. Die "Freien Gewerkschaften" beginnen gerade, sich zu Massenorganisationen zu entwickeln. Auch die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) gehört bereits zur den führenden Kräften der Arbeiterbewegung mit enger Verbindung zu den Gewerkschaften. |
| Königreich Schweden-Norwegen In der norwegischen Hauptstadt Christiania (später Oslo) beginnt ein dreitägiger Kongreß der norwegischen Linken, die ihr Programm für die im Herbst stattfindenden Wahlen verabschiedet. Sie fordert mehr Rechte für die Norweger in der seit 1814 bestehenden Union Schweden-Norwegen. Christiania hat aktuell etwa 230.000 Einwohner. Die Stadt erlebt gerade ein starkes Bevölkerungswachstum, das durch die Industrialisierung und die zunehmende Urbanisierung begünstigt wird. Christiania ist ein wichtiges wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Norwegens. |
| Deutsches Kaiserreich / Reichsland Elsaß-Lothringen Der deutsche Kaiser Wilhelm II. dankt dem Statthalter des Reichslandes Elsass-Lothringen, Hermann Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, für die Gründung von Flottenvereinen in Elsass-Lothringen. Der Kaiser wertet dies als Beweis für das wachsende deutsch-nationale Empfinden der Elsass-Lothringer. Der Flottenverein, gegründet 1898, ist eine Organisation, die sich für den Ausbau der deutschen Kriegsmarine einsetzte und eine aggressive Weltmachtpolitik unterstützt. Besonders in Elsass-Lothringen, das damals Teil des Deutschen Kaiserreichs war, spielt der Verein eine Rolle, um die Bevölkerung für die Flottenpolitik zu begeistern. Die Region war strategisch und symbolisch wichtig, da sie nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 ins Reich eingegliedert wurde und eine besondere Stellung hat.
Der Verein nutzt erfolgreich mit Werbung wie Postkarten mit Kriegsschiffmotiven und Vortragsabenden, die öffentliche Meinung zu gewinnen. | |
| Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Sir Thomas Grainger Stewart (* 23. September 1837 in Edinburgh) stirbt. Er war ein britischer Pathologe. Nach seinem Studium in Edinburgh setzte er seine Studien in Wien, Berlin und Prag fort, bevor er zurückkehrte nach Edinburgh, wo er zunächst königlicher Hofarzt wurde. An der Universität Edinburgh war er Lehrstuhlinhaber für Pathologie. Stewart war bis zu seinem Tode Präsident der Edinburgh Medical Missionary Society. Bekannt geworden ist er durch Veröffentlichungen wie Practical Treatise on Bright’s Disease und Diseases of the Nervous System. Unter anderem ist nach ihm und seinem Kollegen Gordon Morgan Holmes das Stewart-Holmes-Syndrom benannt. Am 2. Januar 1866 wurde er in die Royal Society of Edinburgh aufgenommen. Für seine Arbeit als Hofarzt von Königin Victoria wurde er mit dem Titel Sir ausgezeichnet. | |
| Vereinigte Staaten von Amerika / Commonwealth of Kentucky Der deutschstämmige Gouverneur des US-Bundesstaates Kentucky William J. Goebel (* 4. Januar 1856 im Sullivan County in Pennsylvania) stirbt an seinen Verletzungen, die ihm am 30. Januar beim Betreten des Parlamentsgebäudes in Frankfort (Kentucky) von einem Heckenschützen zugefügt wurden. Goebel hatte die Gouverneurswahl des Vorjahres, bei der er seinem Gegenkandidaten William Taylor mit weniger als 2400 Stimmen unterlegen war, erfolgreich angefochten und deswegen offene und unverhohlene Morddrohungen erhalten. Obwohl er unter Polizeischutz stand, konnte das Attentat nicht verhindert werden. Nach seiner Zulassung begann er eine Karriere als Anwalt mit dem Schwerpunkt Eisenbahnrecht. Im Jahr 1887 wurde der Demokrat in den Senat von Kentucky gewählt; 1890 war er Delegierter auf einem Konvent zur Überarbeitung der Verfassung von Kentucky. Von 1894 bis 1900 war er Präsident des Staatssenats. Außerdem brachte Goebel das sogenannte „Goebel Election Law“, ein neues Wahlgesetz für Kentucky, auf den Weg, das parteipolitisch seine Demokratische Partei bevorteilte. Goebel wird als unnahbar und distanziert beschrieben. Er begrüßte kaum jemanden mit Handschlag oder einem Lächeln. Er war auch der einzige Gouverneur von Kentucky, der nie verheiratet war. Der Journalist Irvin Cobb beschrieb Goebels Charakter als „reptilienartig“. Er war auch kein begnadeter Redner, aber er war sehr gebildet und beeindruckte durch sein Wissen. Im Jahr 1895 kam es zu einem Duell zwischen Goebel und John Lawrence Sanford, einem ehemaligen General der Konföderation. Beide Männer waren ursprünglich Freunde gewesen, hatten sich dann wegen politischer Differenzen entzweit. Es folgten verleumderische Artikel gegeneinander und ein Duell. Dabei wurde Sanford getötet, Goebel blieb unverletzt. Eigentlich waren Duelle in Kentucky verboten, daher wurde hinterher der Vorgang als Notwehr gewertet. Einige Gegner Goebels beschuldigten ihn allerdings erfolglos des Mordes. Trotz seiner umstrittenen Persönlichkeit wurde Goebel 1899 von der Demokratischen Partei für das Amt des Gouverneurs nominiert. Sein Gegenkandidat war der Republikaner William Taylor. Dieser gewann die Wahlen sehr knapp mit 48,1% der Stimmen gegen Goebel, der es auf 47,5% gebracht hatte. Aufgrund der aufgeladenen Stimmung in Kentucky bestand in den Tagen des Attentats die Gefahr eines Bürgerkriegs. Die Stimmung war schon vor der Wahl durch einen heftigen Wahlkampf auf beiden Seiten aufgeheizt gewesen. Die Wahlanfechtung und die mit ihr verbundenen Morddrohungen verschlimmert die Lage. Das Attentat auf Goebel brachte die Krise auf den Höhepunkt. Glücklicherweise setzt sich dann aber bei beiden verfeindeten Parteien die Vernunft durch. Man einigt sich darauf, dass Goebels Vizegouverneur John Beckham neuer Gouverneur werden sollte. In der Folge lassen die Spannungen dann etwas nach. | |
| Vereinigte Staaten von Amerika / State of Tennessee David McKendree Key (* 27. Januar 1824 in Greeneville, Tennessee) stirbt in Chattanooga, Tennessee. Er war ein US-amerikanischer Politiker, der dem Kabinett des republikanischen US-Präsidenten Rutherford B. Hayes als Postminister angehörte. David Key, als Sohn eines Geistlichen im Greene County geboren, war noch ein kleines Kind, als seine Familie ins Monroe County zog, wo er aufwuchs. Er besuchte das Hiwassee College in Madisonville und graduierte dort 1850. Noch im selben Jahr wurde er in die Anwaltskammer aufgenommen. In der Folge arbeitete er als Jurist in Madisonville und Kingston, ehe er sich 1853 in Chattanooga niederließ. 1857 heiratete er Elizabeth Lenoir, mit der er neun Kinder hatte. Beim Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs trat Key der Konföderiertenarmee bei und diente im 43. Infanterieregiment von Tennessee. Nach Kriegsende verließ er die Armee als Lieutenant Colonel und arbeitete bis 1868 wieder als Anwalt. 1870 gehörte David Key dem staatlichen Verfassungskonvent von 1870 an, der die heute noch gültige Verfassung von Tennessee schuf. Im selben Jahr wurde er zum Richter am Court of chancery des Bezirks Chattanooga gewählt. Er behielt dieses Amt auch, als er 1872 vergeblich einen Sitz im US-Repräsentantenhaus zu erringen versuchte. Erst 1875 gab er der Politik den Vorzug und trat als Richter zurück, nachdem ihn Gouverneur James Porter zum Nachfolger des verstorbenen ehemaligen US-Präsidenten Andrew Johnson im US-Senat bestimmt hatte. Bereits bei der nächsten Wahl durch die Staatslegislative von Tennessee im Jahr 1877 musste er den Senatssitz wieder abtreten. Er war jedoch weiterhin in Washington politisch aktiv. Ebenfalls noch 1877 berief ihn Präsident Rutherford B. Hayes zum Postmaster General, was er bis zum 25. August 1880 blieb. Seine Nominierung war eine Folge des Kompromisses von 1877, wonach der Einfluss der Demokratischen Partei auch in den republikanisch dominierten Kabinetten gewahrt bleiben sollte. Später nahm er die Berufung zum Bundesrichter am Bezirksgericht für Ost- und Mittel-Tennessee an. |
| Österreichisch-Ungarische Monarchie Der Klub der Jungtschechen in Prag beschließt mehrheitlich, die Einladung des österreichischen Ministerpräsidenten Ernest von Koerber zur Teilnahme an einer Verständigungskonferenz zwischen Deutschen und Tschechen ab 5. Februar in Wien anzunehmen. |
| Russisches Kaiserreich Die russische Regierung unter Zar Nikolaus II. beschließt, oppositionelle Studenten als Strafe für ihre politischen Aktivitäten für mehrere Jahre zum Militärdienst zu verpflichten. Dieser Beschluss ist Teil einer größeren Strategie, um die wachsende Unzufriedenheit und die revolutionären Bewegungen unter der Jugend und den Intellektuellen zu unterdrücken. Die Regierung sieht die Universitäten als Brutstätten für politische Unruhen an und versucht, durch solche Maßnahmen die Kontrolle zurückzugewinnen. Die Umsetzung dieses Beschlusses wird zu erheblichen Spannungen führen, weil viele Studenten den erzwungenen Wehrdienst als eine Form der Repression betrachten, die darauf abzielt, ihre Bildung und politische Aktivitäten zu unterbrechen. Dies verstärkt die Feindseligkeit gegenüber der Regierung und trägt zur Radikalisierung einiger junger Menschen bei. | |
| Österreichisch-Ungarische Monarchie / Deutsches Kaiserreich Der österreichische Ministerpräsident Ernest von Koerber eröffnet in Wien die deutsch-tschechische Verständigungskonferenz. Das Ziel von Koerbers ist es, mittels dieser Konferenz die Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen innerhalb der Habsburgermonarchie zu entschärfen. Diese Spannungen hatten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts verschärft, insbesondere durch die Nationalbewegungen, die in den verschiedenen Regionen der Monarchie aufkamen. Die Jungtschechen, eine politische Gruppierung, die sich von den älteren tschechischen Nationalisten abspaltete, vertreten eine gemäßigtere Haltung und sind bereit, mit der österreichischen Regierung zusammenzuarbeiten, um die Interessen der tschechischen Bevölkerung zu fördern. Ihre Entscheidung, an der Konferenz teilzunehmen, zeigt, dass sie an einer pragmatischen Lösung der Konflikte interessiert sind, anstatt auf Konfrontation zu setzen. Ernest von Koerber, der erst kurz zuvor Ministerpräsident geworden ist, verfolgt eine Politik der Verständigung und des Ausgleichs. Er wollte die wirtschaftliche und politische Stabilität der Monarchie durch Reformen und Dialog sichern. Die Konferenz soll ein Forum bieten, um die Anliegen der tschechischen Bevölkerung zu diskutieren und mögliche Kompromisse zu finden, insbesondere in Bezug auf Sprachrechte, Bildung und Verwaltung. Die Konferenz selbst ist Teil eines größeren Kontextes: Die Habsburgermonarchie steht vor der Herausforderung, die verschiedenen Nationalitäten und ihre oft widersprüchlichen Forderungen zu integrieren. Die Bemühungen von Koerber und den Jungtschechen sind ein Beispiel für den Versuch, durch Dialog und Verhandlungen eine Lösung zu finden, anstatt die Konflikte eskalieren zu lassen. | |
| Französische Republik / Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Der britische Botschafter in Paris, Sir Edmund Monson, nimmt einen längeren Urlaub. Dieser „Urlaub” wird als Zeichen der Verschlechterung der französisch-britischen Beziehungen verstanden. Diese Episode spiegelt die Feinheiten der Diplomatie wider, bei der selbst scheinbar persönliche Entscheidungen wie ein „Urlaub“ tiefere politische Bedeutungen haben können. Es zeigt, wie sensibel die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zur Zeit ist. | |
| Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Britische Kapkolonie / Südafrikanische Republik (Transvaal) / Oranjefreistaat / Britische Kolonie Natal Britische Streitkräfte unter dem Kommando von Redvers Henry Buller greifen erneut Buren-Streitkräfte unter dem Kommando von Louis Botha in der Schlacht von Vaal Krantz an. | |
| Vereinigte Staaten von Amerika / Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Republik Nicaragua Die USA und Großbritannien schließen in Washington den Vertrag über den Bau des Nicaragua-Kanals, einer alternativen Route zum ebenfalls in der Planung befindlichen Panama-Kanals. Welcher Kanal schließlich gebaut werden soll, ist noch offen, denn schließlich spielen die geopolitischen und technischen Herausforderungen sowie die Kosten eine entscheidende Rolle bei dieser Entscheidung. |
| Königreich Spanien / Vereinigte Staaten von Amerika Im spanischen Senat in Valladolid kommt es zu tumultartigen Szenen, als der Antrag gestellt wird, dass die für den Verlust der spanischen Kolonien an die USA im Jahre 1898 verantwortlichen Generale als unwürdig und ehrlos zur Rechenschaft gezogen werden sollen. 1898 hatte Spanien Kuba, Puerto Rico und die Philippinen an die USA verloren. | |
| Österreichisch-Ungarische Monarchie / Königreich Norwegen-Schweden Auf dem Csabaer See in der Hohen Tratra findet erstmals eine Europameisterschaft im Eisschnelllauf statt. Dieses Ereignis war ein bedeutender Moment in der Geschichte des Eisschnelllaufs, da es den Sport auf internationaler Ebene etablierte und Athleten aus verschiedenen Ländern zusammenbringt. Der Norweger Peder Østlund dominiert diese Meisterschaft und sichert sich den Titel. Er ist bekannt für seine außergewöhnliche Technik und Geschwindigkeit, die ihn zu einem der herausragendsten Eisschnellläufer dieser Meisterschaft machen. Die Wettkämpfe werden im Mehrkampf ausgetragen, bei dem die Athleten auf verschiedenen Distanzen antreten müssen, um den Gesamtsieger zu ermitteln. Die Wahl des Csabaer Sees als Austragungsort unterstreicht die Bedeutung von Natureisbahnen. Die malerische Kulisse der Hohen Tatra verleiht dem Ereignis eine besondere Atmosphäre, die sicherlich auch die Zuschauer beeindruckt. | |
| Deutsches Kaiserreich Der Deutsche Reichstag in Berlin nimmt nach lebhafter Debatte den Arbeitgeber- und Kunstparagraphen der sogenannten Lex Heinze an. Lex Heinze ist ein umstrittenes Gesetz im Deutschen Reich. Es zielt darauf ab, „unsittliche“ Handlungen zu regulieren und das Reichsstrafgesetzbuch entsprechend zu ändern. Das Gesetz beinhaltete mehrere Maßnahmen:
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| Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Der Meteorologe Reinhard Süring hält auf einer Sitzung des Berliner Zweigvereins der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft einen Vortrag über "Beobachtungen von Haufenwolken bei starkem Winde". Süring ist bekannt für seine präzisen Beobachtungen und seine Fähigkeit, meteorologische Phänomene zu analysieren. Es ist wahrscheinlich, dass er in diesem Vortrag die Dynamik und Struktur von Haufenwolken unter windigen Bedingungen beleuchtete, möglicherweise mit Bezug auf ihre Entstehung, Bewegung und Auswirkungen auf das Wettergeschehen. | |
| Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Britische Kapkolonie Das britische Unterhaus in London genehmigt den Nachtragshaushalt in Höhe von 13 Millionen Pfund (265,6 Millionen Mark) für 120.000 Soldaten, die wegen des Burenkriegs zusätzlich ausgehoben worden sind. |
| Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen Gegen die „Flottenvorlage“ zur Aufrüstung der Reichsmarine kommt es zum dritten Mal Nach dem 9. und dem 16. Januar zu Massenversammlungen vor dem Reichstag. | |
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland
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| Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Britische Kapkolonie / Südafrikanische Republik (Transvaal) / Oranjefreistaat / Britische Kolonie Natal In Transvaal endet die Schlacht von Vaal Krantz, die vor drei Tagen begann. Die Schlacht war der dritte Versuch der Briten, die Belagerung von Ladysmith zu durchbrechen, die von den Buren unter Louis Botha gehalten wurde. Vaal Krantz, eine Hügelkette östlich von Spion Kop, war strategisch wichtig, doch die britischen Truppen stießen auf erhebliche Schwierigkeiten. Der britische Kommandant Redvers Henry Buller versuchte, mit seinen Truppen eine Brücke über den Tugela-Fluss zu schlagen, um die Burenstellungen anzugreifen. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Briten – etwa 20.000 Soldaten gegen 5.000 Buren – gelingt es den Buren, ihre Positionen zu halten. Die britischen Truppen leiden unter einer schlechten Positionierung, die es ihnen erschwert, ihre Artillerie effektiv einzusetzen. Nach drei Tagen intensiver Kämpfe und hoher Verlusten – etwa 333 britische Soldaten werden verwundet oder getötet – entscheidet Buller, sich zurückzuziehen und eine neue Strategie zu entwickeln. Die Buren hingegen haben vergleichsweise geringe Verluste, was ihre effektive Verteidigung und ihre Kenntnis des Geländes unterstreicht. Die Schlacht von Vaal Krantz ist ein weiterer Rückschlag für die Briten. |
| Österreichisch-Ungarische Monarchie Das Militärgericht in Brünn (Brno) verurteilt mehrere Reservisten, die sich auf Tschechisch mit „Zde!” anstatt auf Deutsch mit „Hier!” gemeldet haben, zu Freiheitsstrafen zwischen 3 und 13 Monaten. Das Beispiel verdeutlicht, wie Sprache nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern auch ein Symbol für kulturelle und nationale Identität sein kann. Die Verurteilung der Reservisten spiegelt den Versuch der damaligen Obrigkeit wider, diese Identität zu unterdrücken und die Loyalität zum Reich zu sichern. Es ist ein kleiner, aber bezeichnender Ausschnitt einer komplexen politischen und sozialen Realität. |
| Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Vizekönigreich Ägypten / Britische Kapkolonie London gibt bekannt, dass der Bau der Telegrafenverbindung von Alexandria nach Kapstadt kurz vor der Vollendung steht. Die Leitung ist ein wichtiger Bestandteil des sogenannten „Cape-to-Cairo“-Traums von Cecil Rhodes Vision, der auch eine Eisenbahnverbindung vorsieht, die man hofft, vollenden zu können. Die Idee entstand in den 1890er Jahren, als die Telegrafentechnologie immer fortschrittlicher wurde. Ziel war es, eine Kommunikationsverbindung durch den afrikanischen Kontinent zu schaffen, um politische, wirtschaftliche und administrative Effizienz innerhalb des britischen Kolonialreiches zu steigern. Die Leitung musste durch Wüsten, Sümpfe, Regenwälder und über Berge gelegt werden, was extreme Herausforderungen für Ingenieure und Arbeiter darstellte. Die Kosten waren immens, und oft mussten lokale Ressourcen und Arbeitskräfte eingesetzt werden. Die Leitung musste durch Gebiete geführt werden, die nicht unter britischer Kontrolle stehen, was Verhandlungen und politische Spannungen mit sich brachte. Nun ist die Telegrafenlinie bald fertiggestellt und verbindet Alexandria im Norden mit Kapstadt im Süden. Ein exaktes Datum für die Fertigstellung ist leider schwer zu finden, da die Linie in Etappen gebaut wurde. Sie erstreckt sich über 5625 Kilometern und macht es möglich, in wenigen Stunden Nachrichten durch den Kontinent zu senden – eine Revolution in einer Zeit, in der der Transport von Nachrichten per Schiff oder Kutsche Wochen dauert. Die Telegrafenleitung fördert Handel, Verwaltung und militärische Kontrolle und festigt die britische Präsenz in Afrika. Sie wird ein Symbol für die Technologien des Imperialismus, aber auch für deren Innovationskraft. | |||
| Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Britische Kapkolonie / Südafrikanische Republik (Transvaal) / Oranjefreistaat / Britische Kolonie Natal Während der Belagerung der Stadt Kimberley durch burische Streitkräfte wird der Chefingenieur der De Beers-Diamantmine und Entwickler der Kanone "Long Cecil", George Labram, durch eine Granate der Buren getroffen, die sein Zimmer im Grand Hotel am Marktplatz traf. Der britische General Kekewich ordnet für Labram ein vollständiges militärisches Begräbnis an, an dem Tausende teilnehmen, obwohl die Buren gezielt auf die Prozession feuern. De Beers versorgt von jetzt an die Witwe Labrams seinen Sohn. Frau Labram erhält für den Rest ihres Lebens 500 Dollar pro Jahr und ihr 13-jähriger Sohn 1000 Dollar pro Jahr, bis er volljährig wird. Großbritannien gewährt Frau Labram außerdem einen einmaligen Betrag von 1000 Pfund für die Dienste, die ihr Mann während der Belagerung geleistet hat. Die Bedeutung der Rolle, die Labram bei der Verteidigung Kimberleys spielte, kommt wahrscheinlich am besten in einem Brief von Robert Kekewich an Frau Labram zum Ausdruck:
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| Vereinigte Staaten von Amerika / Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Anlässlich eines Länderkampfes zwischen den USA und Großbritannien stiftet der US-amerikanische Tennisspieler Dwight Filley Davis einen 18 kg schweren Silberpokal, der fortan als „Davis-Cup“ jährlich zwischen den besten Ländermannschaften der Welt ausgespielt werden soll. |
| Deutsches Kaiserreich Nach dreitägiger Beratung über das Zweite Tirpitzsche Flottengesetz im Deutschen Reichstag in Berlin wird die Vorlage, die eine Verdoppelung der deutschen Hochseeflotte bis 1917 vorsieht, an die Budgetkommission weitergeleitet. |