Chronik 1900.02: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Oteripedia
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Zeile 11: Zeile 11:
 
<br>
 
<br>
 
== <center> '''Die britische Arbeiterschaft erhält eine parlamentarische Vertretung im Parlament''' </center> ==
 
== <center> '''Die britische Arbeiterschaft erhält eine parlamentarische Vertretung im Parlament''' </center> ==
== <center> ''' ''' </center> ==
+
== <center> '''Die Hungersnot in Indien fordert mindestens neun Millionen Todesopfer''' </center> ==
== <center> ''' ''' </center> ==
+
== <center> '''Der Deutsche Reichstag verabschiedet das Lex Heinze''' </center> ==
 
<br>
 
<br>
  
Zeile 28: Zeile 28:
 
! style="width:20%" | !! style="width:80%"| <center> '''Monatsübergreifende Ereignisse''' </center>
 
! style="width:20%" | !! style="width:80%"| <center> '''Monatsübergreifende Ereignisse''' </center>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
| <center> [[Datei:China 1890-1912.png|70px]] [[Datei:USA 1896-1908.png|70px]] <br><br>[[Datei:Japan.png|70px]] [[Datei:Italien 1861-1946.png|70px]] <br><br> [[Datei:Frankreich.png|70px]] [[Datei:Russland 1883-1914.png|70px]] <br><br> [[Datei:Deutsches Reich.png|70px]] [[Datei:Österreich-Ungarn.png|70px]] <br> '''Ende September 1899-07.09.1901''' </center> || '''[[Kaiserreich China 1900|Kaiserreich China]] / [[Vereinigte Staaten von Amerika 1900|Vereinigte Staaten von Amerika]] / [[Japanisches Kaiserreich 1900|Japanisches Kaiserreich]] / [[Königreich Italien 1900|Königreich Italien]] / [[Französische Republik 1900|Französische Republik]] / [[Russisches Kaiserreich 1900|Russisches Kaiserreich]] / [[Deutsches Kaiserreich 1900.02|Deutsches Kaiserreich]] / [[Österreichisch-Ungarische Monarchie 1900|Österreichisch-Ungarische Monarchie]]''' <br>
+
| <center> [[Datei:China 1890-1912.png|70px]] [[Datei:USA 1896-1908.png|70px]] <br><br>[[Datei:Japan.png|70px]] [[Datei:Italien 1861-1946.png|70px]] <br><br> [[Datei:Frankreich.png|70px]] [[Datei:Russland 1883-1914.png|70px]] <br><br> [[Datei:Deutsches Reich.png|70px]] [[Datei:Österreich-Ungarn.png|70px]] <br> '''Ende September 1899-07.09.1901''' </center> || '''[[Kaiserreich China 1900|Kaiserreich China]] / [[Vereinigte Staaten von Amerika 1900.02|Vereinigte Staaten von Amerika]] / [[Japanisches Kaiserreich 1900|Japanisches Kaiserreich]] / [[Königreich Italien 1900|Königreich Italien]] / [[Französische Republik 1900|Französische Republik]] / [[Russisches Kaiserreich 1900|Russisches Kaiserreich]] / [[Deutsches Kaiserreich 1900.02|Deutsches Kaiserreich]] / [[Österreichisch-Ungarische Monarchie 1900|Österreichisch-Ungarische Monarchie]]''' <br>
Der Boxeraufstand in China war eine nationalistische und anti-westliche Revolte. Auslöser waren die zunehmende ausländische Einflussnahme und die damit verbundene soziale Unruhe im Land. Die Bewegung, die sich "Boxer" nannte, griff zunächst christliche Missionare und chinesische Christen an, weitete ihre Angriffe aber später auch auf ausländische Gesandte und Siedlungen aus. Die Niederschlagung des Aufstands erfolgte durch eine internationale Allianz von acht Nationen, die Peking einnahm und die Qing-Dynastie zwang, dem Boxerprotokoll zuzustimmen, was China weiter schwächte und den ausländischen Einfluss zementierte. <br>
+
Der Boxeraufstand in China ist eine nationalistische und anti-westliche Revolte. Auslöser waren die zunehmende ausländische Einflussnahme und die damit verbundene soziale Unruhe im Land. Die Bewegung, die sich "Boxer" nennt, griff zunächst christliche Missionare und chinesische Christen an, weitete ihre Angriffe aber später auch auf ausländische Gesandte und Siedlungen aus. Die Niederschlagung des Aufstands erfolgte durch eine internationale Allianz von acht Nationen, die Peking einnahm und die Qing-Dynastie zwang, dem Boxerprotokoll zuzustimmen, was China weiter schwächen und den ausländischen Einfluss zementieren wird. <br>
 
|}
 
|}
  
Zeile 36: Zeile 36:
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]] / [[Vizekönigreich Indien 1900|Vizekönigreich Indien]]''' <br>
 
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]] / [[Vizekönigreich Indien 1900|Vizekönigreich Indien]]''' <br>
Der britische Staatssekretär für Indien Lord George Hamilton gibt im Unterhaus in London bekannt, dass von der Hungersnot auf dem indischen Subkontinent 49 Millionen Menschen betroffen seien. <br>
+
Der britische Staatssekretär für Indien Lord George Hamilton gibt im Unterhaus in London bekannt, dass von der Hungersnot auf dem indischen Subkontinent ("Central India Famine") 49 Millionen Menschen betroffen seien. Die Hungersnot wurde durch das Ausbleiben des Monsunregens verursacht, was zu einer massiven Dürre führte. Diese Dürre betraf eine Fläche von etwa 1,23 Millionen Quadratkilometern. Die britische Kolonialverwaltung, die Indien regiert, wird für ihre unzureichende Reaktion auf die Krise stark kritisiert. Der Vizekönig von Indien, Lord Curzon, zögerte, umfassende Hilfsmaßnahmen einzuleiten, da er befürchtete, dass dies die Menschen von Almosen abhängig machen könnte. Dies führte dazu, dass neun Millionen an Hunger sterben. Zusätzlich zu Hunger und Dürre werden die geschwächten Menschen von Cholera- und Malaria-Epidemien heimgesucht, die die Situation noch verschlimmern. Diese Tragödie trägt dazu bei, die Forderungen nach indischer Unabhängigkeit zu verstärken, da viele die britische Verwaltung für die Krise verantwortlich machen. Die Hungersnot wird ein tiefes Trauma in der indischen Bevölkerung hinterlassen und die soziale Struktur und wirtschaftliche Entwicklung des Landes nachhaltig beeinflussen. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:Frankreich 1848-1941.png|70px]] </center> || '''[[Französische Republik 1900|Französische Republik]] / [[Département Algerien 1900|Département Algerien]]''' <br>
 
| <center> [[Datei:Frankreich 1848-1941.png|70px]] </center> || '''[[Französische Republik 1900|Französische Republik]] / [[Département Algerien 1900|Département Algerien]]''' <br>
Die Eisenbahnlinie von Ain-Sefra nach Djennienbou Rezg im französischen Generalgouvernement Algerien wird eröffnet. <br>
+
Die Eisenbahnlinie von Ain-Sefra nach Djennienbou Rezg im französischen Generalgouvernement Algerien wird eröffnet. Das Eisenbahnnetz in Algerien bilden bereits einen wichtigen Bestandteil der kolonialen Infrastruktur. Die Eisenbahn dient vor allem dazu, Rohstoffe wie landwirtschaftliche Produkte und Mineralien effizient zu den Häfen zu transportieren, von wo aus sie nach Frankreich exportiert wurden. Gleichzeitig ist sie ein Mittel, um die Kontrolle über das Land zu festigen und die Kolonialverwaltung zu unterstützen. Die bisherigen Hauptstrecken verbinden die drei wichtigsten Städte Algeriens – Algier sowie Oran und Constantine. Diese Hauptstrecken bilden das Rückgrat des Netzes. Neben den Hauptlinien gibt es zahlreiche Zweigstrecken, die ländliche Gebiete und Bergbauregionen mit den Städten und Häfen verbinden. Die Eisenbahn wurde in Normalspur gebaut, was den Transport großer Mengen an Gütern auf einer Spurweite von 1,435 Meter in Waggons mit einer typischen Breite von 2,5 bis drei Metern erleichterte. Allerdings ist das Netz noch nicht vollständig ausgebaut und dadurch fragmentiert. Die Eisenbahn ist entscheidend für den Export von Gütern wie Wein, Getreide und Erzen. Sie trägt zur wirtschaftlichen Ausbeutung Algeriens bei, während die lokale Bevölkerung oft wenig von den Vorteilen hat. Andererseits erleichtert die Eisenbahn die Mobilität innerhalb des Landes, war jedoch hauptsächlich auf die Bedürfnisse der Kolonialherren ausgerichtet ist. Für die einheimische Bevölkerung ist der Zugang oft eingeschränkt. Damit wird die französische Eisenbahn in der Kolonie ein Instrument der Kontrolle. Sie ist gleichermaßen ein politisches, soziales und technisches Projekt. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:Deutsches Reich.png|70px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1900.02|Deutsches Kaiserreich]]''' <br>
 
| <center> [[Datei:Deutsches Reich.png|70px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1900.02|Deutsches Kaiserreich]]''' <br>
Im Aachener Wurm-Revier treten mehrere tausend Arbeiter in den Ausstand, um eine Lohnerhöhung zu erzwingen. <br>
+
Im Aachener Wurm-Revier treten mehrere tausend Arbeiter in den Ausstand, um eine Lohnerhöhung zu erzwingen. Das Wurm-Revier, bekannt für seinen Steinkohlenbergbau, ist ein bedeutendes Zentrum der Kohleförderung, und die Arbeitsbedingungen dort sind oft hart und gefährlich. Die Forderung nach höheren Löhnen spiegelt die schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen wider, mit denen die Bergleute konfrontiert sind. Dieser Streik ist Teil einer größeren Bewegung von Arbeitern in der damaligen Zeit, die für bessere Arbeitsbedingungen und gerechtere Bezahlung kämpfen. Es zeigt, wie wichtig Solidarität und Organisation für die Arbeiterbewegung waren, um Veränderungen zu bewirken. Die "Freien Gewerkschaften" beginnen gerade, sich zu Massenorganisationen zu entwickeln. Auch die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) gehört bereits zur den führenden Kräften der Arbeiterbewegung mit enger Verbindung zu den Gewerkschaften. <br>
 
|}
 
|}
  
Zeile 49: Zeile 49:
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:Schweden-Norwegen 1844-1905.png|70px]] </center> ||  '''[[Königreich Schweden-Norwegen 1900|Königreich Schweden-Norwegen]]''' <br>
 
| <center> [[Datei:Schweden-Norwegen 1844-1905.png|70px]] </center> ||  '''[[Königreich Schweden-Norwegen 1900|Königreich Schweden-Norwegen]]''' <br>
In der norwegischen Hauptstadt Christiania (Oslo) beginnt ein dreitägiger Kongreß der norwegischen Linken, die ihr Programm für die im Herbst stattfindenden Wahlen verabschiedet. Sie fordert mehr Rechte für die Norweger in der seit 1814 bestehenden Union Schweden-Norwegen. <br>
+
In der norwegischen Hauptstadt Christiania (später Oslo) beginnt ein dreitägiger Kongreß der norwegischen Linken, die ihr Programm für die im Herbst stattfindenden Wahlen verabschiedet. Sie fordert mehr Rechte für die Norweger in der seit 1814 bestehenden Union Schweden-Norwegen. Christiania hat aktuell etwa 230.000 Einwohner. Die Stadt erlebt gerade ein starkes Bevölkerungswachstum, das durch die Industrialisierung und die zunehmende Urbanisierung begünstigt wird. Christiania ist ein wichtiges wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Norwegens.<br>
 
|}
 
|}
  
Zeile 56: Zeile 56:
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:Deutsches Reich.png|70px]] [[Datei:Elsass-Lothringen 1891-1918.png|70px]] </center> ||  '''[[Deutsches Kaiserreich 1900.02|Deutsches Kaiserreich]] / [[Reichsland Elsaß-Lothringen 1900|Reichsland Elsaß-Lothringen]]''' <br>
 
| <center> [[Datei:Deutsches Reich.png|70px]] [[Datei:Elsass-Lothringen 1891-1918.png|70px]] </center> ||  '''[[Deutsches Kaiserreich 1900.02|Deutsches Kaiserreich]] / [[Reichsland Elsaß-Lothringen 1900|Reichsland Elsaß-Lothringen]]''' <br>
Der deutsche Kaiser Wilhelm II. dankt dem Statthalter des Reichslandes Elsass-Lothringen, Hermann Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, für die Gründung von Flottenvereinen in Elsass-Lothringen. Der Kaiser wertet dies als Beweis für das wachsende deutsch-nationale Empfinden der Elsass-Lothringer. <br>
+
Der deutsche Kaiser Wilhelm II. dankt dem Statthalter des Reichslandes Elsass-Lothringen, Hermann Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, für die Gründung von Flottenvereinen in Elsass-Lothringen. Der Kaiser wertet dies als Beweis für das wachsende deutsch-nationale Empfinden der Elsass-Lothringer. Der Flottenverein, gegründet 1898, ist eine Organisation, die sich für den Ausbau der deutschen Kriegsmarine einsetzte und eine aggressive Weltmachtpolitik unterstützt. Besonders in Elsass-Lothringen, das damals Teil des Deutschen Kaiserreichs war, spielt der Verein eine Rolle, um die Bevölkerung für die Flottenpolitik zu begeistern. Die Region war strategisch und symbolisch wichtig, da sie nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 ins Reich eingegliedert wurde und eine besondere Stellung hat.
 +
Der Verein nutzt erfolgreich mit Werbung wie Postkarten mit Kriegsschiffmotiven und Vortragsabenden, die öffentliche Meinung zu gewinnen. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]]''' <br>
 
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]]''' <br>
Sir Thomas Grainger Stewart (* 23. September 1837 in Edinburgh) stirbt. Er war ein britischer Pathologe. Nach seinem Studium in Edinburgh setzte er seine Studien in Wien, Berlin und Prag fort, bevor er zurückkehrte nach Edinburgh, wo er zunächst königlicher Hofarzt wurde. An der Universität Edinburgh war er Lehrstuhlinhaber für Pathologie. Stewart war bis zu seinem Tode Präsident der Edinburgh Medical Missionary Society. Bekannt geworden ist er durch Veröffentlichungen wie Practical Treatise on Bright’s Disease und Diseases of the Nervous System. Unter anderem ist nach ihm und seinem Kollegen Gordon Morgan Holmes das Stewart-Holmes-Syndrom benannt. Am 2. Januar 1866 wurde er in die Royal Society of Edinburgh aufgenommen. Für seine Arbeit als Hofarzt von Königin Victoria wurde er mit dem Titel Sir ausgezeichnet.
+
Sir Thomas Grainger Stewart (* 23. September 1837 in Edinburgh) stirbt. Er war ein britischer Pathologe. Nach seinem Studium in Edinburgh setzte er seine Studien in Wien, Berlin und Prag fort, bevor er zurückkehrte nach Edinburgh, wo er zunächst königlicher Hofarzt wurde. An der Universität Edinburgh war er Lehrstuhlinhaber für Pathologie. Stewart war bis zu seinem Tode Präsident der Edinburgh Medical Missionary Society. Bekannt geworden ist er durch Veröffentlichungen wie Practical Treatise on Bright’s Disease und Diseases of the Nervous System. Unter anderem ist nach ihm und seinem Kollegen Gordon Morgan Holmes das Stewart-Holmes-Syndrom benannt. Am 2. Januar 1866 wurde er in die Royal Society of Edinburgh aufgenommen. Für seine Arbeit als Hofarzt von Königin Victoria wurde er mit dem Titel Sir ausgezeichnet. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:USA 1896-1908.png|70px]] [[Datei:Kentucky 1792-1918.png|70px]] </center> || '''[[Vereinigte Staaten von Amerika 1900|Vereinigte Staaten von Amerika]] / [[Kentucky 1900|Commonwealth of Kentucky]]''' <br>
 
| <center> [[Datei:USA 1896-1908.png|70px]] [[Datei:Kentucky 1792-1918.png|70px]] </center> || '''[[Vereinigte Staaten von Amerika 1900|Vereinigte Staaten von Amerika]] / [[Kentucky 1900|Commonwealth of Kentucky]]''' <br>
Zeile 79: Zeile 80:
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:Russland 1883-1914.png|70px]] </center> || '''[[Russisches Kaiserreich 1900|Russisches Kaiserreich]]''' <br>
 
| <center> [[Datei:Russland 1883-1914.png|70px]] </center> || '''[[Russisches Kaiserreich 1900|Russisches Kaiserreich]]''' <br>
Die russische Regierung beschließt, oppositionelle Studenten für mehrere Jahre zur Armee zu schicken. <br>
+
Die russische Regierung unter Zar Nikolaus II. beschließt, oppositionelle Studenten als Strafe für ihre politischen Aktivitäten für mehrere Jahre zum Militärdienst zu verpflichten. Dieser Beschluss ist Teil einer größeren Strategie, um die wachsende Unzufriedenheit und die revolutionären Bewegungen unter der Jugend und den Intellektuellen zu unterdrücken. Die Regierung sieht die Universitäten als Brutstätten für politische Unruhen an und versucht, durch solche Maßnahmen die Kontrolle zurückzugewinnen. Die Umsetzung dieses Beschlusses wird zu erheblichen Spannungen führen, weil viele Studenten den erzwungenen Wehrdienst als eine Form der Repression betrachten, die darauf abzielt, ihre Bildung und politische Aktivitäten zu unterbrechen. Dies verstärkt die Feindseligkeit gegenüber der Regierung und trägt zur Radikalisierung einiger junger Menschen bei. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:Österreich-Ungarn.png|70px]] [[Datei:Deutsches Reich.png|70px]] </center> || '''[[Österreichisch-Ungarische Monarchie 1900|Österreichisch-Ungarische Monarchie]] / [[Deutsches Kaiserreich 1900.02|Deutsches Kaiserreich]]''' <br>
 
| <center> [[Datei:Österreich-Ungarn.png|70px]] [[Datei:Deutsches Reich.png|70px]] </center> || '''[[Österreichisch-Ungarische Monarchie 1900|Österreichisch-Ungarische Monarchie]] / [[Deutsches Kaiserreich 1900.02|Deutsches Kaiserreich]]''' <br>
Der österreichische Ministerpräsident Ernest von Koerber eröffnet in Wien die deutsch-tschechische Verständigungskonferenz. <br>
+
Der österreichische Ministerpräsident Ernest von Koerber eröffnet in Wien die deutsch-tschechische Verständigungskonferenz. Das Ziel von Koerbers ist es, mittels dieser Konferenz die Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen innerhalb der Habsburgermonarchie zu entschärfen. Diese Spannungen hatten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts verschärft, insbesondere durch die Nationalbewegungen, die in den verschiedenen Regionen der Monarchie aufkamen. Die Jungtschechen, eine politische Gruppierung, die sich von den älteren tschechischen Nationalisten abspaltete, vertreten eine gemäßigtere Haltung und sind bereit, mit der österreichischen Regierung zusammenzuarbeiten, um die Interessen der tschechischen Bevölkerung zu fördern. Ihre Entscheidung, an der Konferenz teilzunehmen, zeigt, dass sie an einer pragmatischen Lösung der Konflikte interessiert sind, anstatt auf Konfrontation zu setzen. Ernest von Koerber, der erst kurz zuvor Ministerpräsident geworden ist, verfolgt eine Politik der Verständigung und des Ausgleichs. Er wollte die wirtschaftliche und politische Stabilität der Monarchie durch Reformen und Dialog sichern. Die Konferenz soll ein Forum bieten, um die Anliegen der tschechischen Bevölkerung zu diskutieren und mögliche Kompromisse zu finden, insbesondere in Bezug auf Sprachrechte, Bildung und Verwaltung. Die Konferenz selbst ist Teil eines größeren Kontextes: Die Habsburgermonarchie steht vor der Herausforderung, die verschiedenen Nationalitäten und ihre oft widersprüchlichen Forderungen zu integrieren. Die Bemühungen von Koerber und den Jungtschechen sind ein Beispiel für den Versuch, durch Dialog und Verhandlungen eine Lösung zu finden, anstatt die Konflikte eskalieren zu lassen. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:Frankreich 1848-1941.png|70px]] [[Datei:Großbritannien.png|70px]] </center> || '''[[Französische Republik 1900|Französische Republik]] / [[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]]''' <br>  
 
| <center> [[Datei:Frankreich 1848-1941.png|70px]] [[Datei:Großbritannien.png|70px]] </center> || '''[[Französische Republik 1900|Französische Republik]] / [[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]]''' <br>  
Der britische Botschafter in Paris, Sir Edmund Monson, nimmt einen längeren Urlaub. Dieser „Urlaub” wird als Zeichen der Verschlechterung der französisch-britischen Beziehungen verstanden. <br>
+
Der britische Botschafter in Paris, Sir Edmund Monson, nimmt einen längeren Urlaub. Dieser „Urlaub” wird als Zeichen der Verschlechterung der französisch-britischen Beziehungen verstanden. Diese Episode spiegelt die Feinheiten der Diplomatie wider, bei der selbst scheinbar persönliche Entscheidungen wie ein „Urlaub“ tiefere politische Bedeutungen haben können. Es zeigt, wie sensibel die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zur Zeit ist.<br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] [[Datei:Cape Colony 1876-1910.png|70px]]<br><br>[[Datei:Transvaal 1880-1902.png|70px]] [[Datei:Oranje-Freistaat 1880-1902.png|70px]]  </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]] / [[Cape Colony 1900|Britische Kapkolonie]] / [[Oranjefreistaat 1900|Oranjefreistaat]] / [[British Colony Transvaal 1900|Britische Kolonie Transvaal]] / [[Britische Kolonie Natal 1900|Britische Kolonie Natal]]''' <br>
+
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] [[Datei:Cape Colony 1876-1910.png|70px]]<br><br>[[Datei:Transvaal 1880-1902.png|70px]] [[Datei:Oranje-Freistaat 1880-1902.png|70px]]  </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]] / [[Cape Colony 1900|Britische Kapkolonie]] / [[Südafrikanische Republik (Transvaal) 1900|Südafrikanische Republik (Transvaal)]] / [[Oranjefreistaat 1900|Oranjefreistaat]] / [[Britische Kolonie Natal 1900|Britische Kolonie Natal]]''' <br>
Britische Streitkräfte unter dem Kommando von Redvers Henry Buller greifen erneut Buren-Streitkräfte unter dem Kommando von Louis Botha an und werden während der Schlacht von Vaal Krantz besiegt. <br>
+
Britische Streitkräfte unter dem Kommando von Redvers Henry Buller greifen erneut Buren-Streitkräfte unter dem Kommando von Louis Botha in der Schlacht von Vaal Krantz an. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:USA 1896-1908.png|70px]] [[Datei:Großbritannien.png|70px]] <br><br> [[Datei:Nicaragua 1857-1971.png|70px]] </center> || '''[[Vereinigte Staaten von Amerika 1900|Vereinigte Staaten von Amerika]] / [[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]] / [[Republik Nicaragua 1900|Republik Nicaragua]]''' <br>
 
| <center> [[Datei:USA 1896-1908.png|70px]] [[Datei:Großbritannien.png|70px]] <br><br> [[Datei:Nicaragua 1857-1971.png|70px]] </center> || '''[[Vereinigte Staaten von Amerika 1900|Vereinigte Staaten von Amerika]] / [[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]] / [[Republik Nicaragua 1900|Republik Nicaragua]]''' <br>
Die USA und Großbritannien schließen in Washington den Vertrag über den Bau des Nicaragua-Kanals. <br>
+
Die USA und Großbritannien schließen in Washington den Vertrag über den Bau des Nicaragua-Kanals, einer alternativen Route zum ebenfalls in der Planung befindlichen Panama-Kanals. Welcher Kanal schließlich gebaut werden soll, ist noch offen, denn schließlich spielen die geopolitischen und technischen Herausforderungen sowie die Kosten eine entscheidende Rolle bei dieser Entscheidung. <br>
 
|}
 
|}
  
Zeile 97: Zeile 98:
 
! style="width:20%" | !! style="width:80%"| <center> '''[[Chronik 1900.02|06.02.1900]]''' </center>
 
! style="width:20%" | !! style="width:80%"| <center> '''[[Chronik 1900.02|06.02.1900]]''' </center>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
| <center> [[Datei:Spanien 1874-1931.png|70px]] </center> || '''[[Königreich Spanien 1900|Königreich Spanien]]''' <br>
+
| <center> [[Datei:Spanien 1874-1931.png|70px]] [[Datei:USA 1896-1908.png|70px]] [[Datei:Großbritannien.png|70px]] </center> || '''[[Königreich Spanien 1900|Königreich Spanien]] / [[Vereinigte Staaten von Amerika 1900|Vereinigte Staaten von Amerika]]''' <br>
Im spanischen Senat in Valladolid kommt es zu tumultartigen Szenen, als der Antrag gestellt wird, die für den Verlust der spanischen Kolonien an die USA im Jahre 1898 verantwortlichen Generale sollten als unwürdig und ehrlos zur Rechenschaft gezogen werden. 1898 hat Spanien Kuba, Puerto Rico und die Philippinen an die USA verloren. <br>
+
Im spanischen Senat in Valladolid kommt es zu tumultartigen Szenen, als der Antrag gestellt wird, dass die für den Verlust der spanischen Kolonien an die USA im Jahre 1898 verantwortlichen Generale als unwürdig und ehrlos zur Rechenschaft gezogen werden sollen. 1898 hatte Spanien Kuba, Puerto Rico und die Philippinen an die USA verloren. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
| <center> [[Datei:Österreich-Ungarn.png|70px]] </center> || '''[[Österreichisch-Ungarische Monarchie 1900|Österreichisch-Ungarische Monarchie]]''' <br>  
+
| <center> [[Datei:Österreich-Ungarn.png|70px]] [[Datei:Norwegen-Schweden 1844-1905.png|70px]] </center> || '''[[Österreichisch-Ungarische Monarchie 1900|Österreichisch-Ungarische Monarchie]] / [[Königreich Schweden-Norwegen 1900|Königreich Norwegen-Schweden]]''' <br>  
Auf dem Csabaer See in der Hohen Tratra findet erstmals eine Europameisterschaft im Eisschnelllauf statt. <br>
+
Auf dem Csabaer See in der Hohen Tratra findet erstmals eine Europameisterschaft im Eisschnelllauf statt. Dieses Ereignis war ein bedeutender Moment in der Geschichte des Eisschnelllaufs, da es den Sport auf internationaler Ebene etablierte und Athleten aus verschiedenen Ländern zusammenbringt. Der Norweger Peder Østlund dominiert diese Meisterschaft und sichert sich den Titel. Er ist bekannt für seine außergewöhnliche Technik und Geschwindigkeit, die ihn zu einem der herausragendsten Eisschnellläufer dieser Meisterschaft machen. Die Wettkämpfe werden im Mehrkampf ausgetragen, bei dem die Athleten auf verschiedenen Distanzen antreten müssen, um den Gesamtsieger zu ermitteln. Die Wahl des Csabaer Sees als Austragungsort unterstreicht die Bedeutung von Natureisbahnen. Die malerische Kulisse der Hohen Tatra verleiht dem Ereignis eine besondere Atmosphäre, die sicherlich auch die Zuschauer beeindruckt. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:Deutsches Reich.png|70px]]  </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1900.02|Deutsches Kaiserreich]]''' <br>  
 
| <center> [[Datei:Deutsches Reich.png|70px]]  </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1900.02|Deutsches Kaiserreich]]''' <br>  
Der Deutsche Reichstag in Berlin nimmt nach lebhafter Debatte den Arbeitgeber- und Kunstparagraphen der sogenannten Lex Heinze an. <br>
+
Der Deutsche Reichstag in Berlin nimmt nach lebhafter Debatte den Arbeitgeber- und Kunstparagraphen der sogenannten Lex Heinze an. Lex Heinze ist ein umstrittenes Gesetz im Deutschen Reich. Es zielt darauf ab, „unsittliche“ Handlungen zu regulieren und das Reichsstrafgesetzbuch entsprechend zu ändern. Das Gesetz beinhaltete mehrere Maßnahmen: <br>
 +
* Zensur von Theateraufführungen: Der sogenannte „Theaterparagraph“ sieht Gefängnisstrafen für diejenigen vor, die Aufführungen veranstalten, die das Scham- und Sittlichkeitsgefühl gröblich verletzen.
 +
* Verschärfung der Vorschriften gegen Pornografie und Kuppelei: Es werden strengere Regelungen eingeführt, um die Verbreitung von „unsittlichen“ Bildern und Texten zu unterbinden.
 +
* Einführung des Straftatbestands der Zuhälterei: Dies ist eine direkte Reaktion auf den Fall des Berliner Zuhälters Hermann Heinze, nach dem das Gesetz benannt wurde.
 +
* Das Gesetz stößt auf erheblichen Widerstand, insbesondere von Künstlern, Liberalen und Sozialdemokraten, die die Einschränkungen der künstlerischen Freiheit und die schwammige Definition von „Unsittlichkeit“ kritisierten2. Es führte zu einer Protestbewegung, darunter die Gründung des Goethe-Bundes, der sich für die Freiheit der Kunst und Wissenschaft einsetzte <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:Deutsches Reich.png|70px]] [[Datei:Preußen 1892-1918.png|70px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1900.02|Deutsches Kaiserreich]] / [[Königreich Preußen 1900|Königreich Preußen]]''' <br>  
 
| <center> [[Datei:Deutsches Reich.png|70px]] [[Datei:Preußen 1892-1918.png|70px]] </center> || '''[[Deutsches Kaiserreich 1900.02|Deutsches Kaiserreich]] / [[Königreich Preußen 1900|Königreich Preußen]]''' <br>  
Der Meteorologe Reinhard Süring hält auf einer Sitzung des Berliner Zweigvereins der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft einen Vortrag über "Beobachtungen von Haufenwolken bei starkem Winde". <br>
+
Der Meteorologe Reinhard Süring hält auf einer Sitzung des Berliner Zweigvereins der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft einen Vortrag über "Beobachtungen von Haufenwolken bei starkem Winde". Süring ist bekannt für seine präzisen Beobachtungen und seine Fähigkeit, meteorologische Phänomene zu analysieren. Es ist wahrscheinlich, dass er in diesem Vortrag die Dynamik und Struktur von Haufenwolken unter windigen Bedingungen beleuchtete, möglicherweise mit Bezug auf ihre Entstehung, Bewegung und Auswirkungen auf das Wettergeschehen. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] [[Datei:Cape Colony 1876-1910.png|70px]]<br><br>[[Datei:Transvaal 1880-1902.png|70px]] [[Datei:Oranje-Freistaat 1880-1902.png|70px]]  </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]] / [[Cape Colony 1900|Britische Kapkolonie]]''' <br>
 
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] [[Datei:Cape Colony 1876-1910.png|70px]]<br><br>[[Datei:Transvaal 1880-1902.png|70px]] [[Datei:Oranje-Freistaat 1880-1902.png|70px]]  </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]] / [[Cape Colony 1900|Britische Kapkolonie]]''' <br>
Zeile 119: Zeile 124:
 
Gegen die „Flottenvorlage“ zur Aufrüstung der Reichsmarine kommt es zum dritten Mal Nach dem 9. und dem 16. Januar zu Massenversammlungen vor dem Reichstag. <br>  
 
Gegen die „Flottenvorlage“ zur Aufrüstung der Reichsmarine kommt es zum dritten Mal Nach dem 9. und dem 16. Januar zu Massenversammlungen vor dem Reichstag. <br>  
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] [[Datei:Cape Colony 1876-1910.png|70px]]<br><br>[[Datei:Transvaal 1880-1902.png|70px]] [[Datei:Oranje-Freistaat 1880-1902.png|70px]] </center> || '''[[Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland]] / [[Cape Colony 1900|Britische Kapkolonie]] / [[British Orange River Colony 1900|Britische Kolonie Orange River]]''' <br>
+
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]]''' <br>
 
* Das britische Unterhaus lehnt mit 368 zu 66 Stimmen einen Antrag der irischen Nationalisten auf Beendigung des Burenkriegs in Südafrika ab. Bei den Debatten hat sich gezeigt, dass auch Teile der liberalen Opposition imperialistisch denken.  
 
* Das britische Unterhaus lehnt mit 368 zu 66 Stimmen einen Antrag der irischen Nationalisten auf Beendigung des Burenkriegs in Südafrika ab. Bei den Debatten hat sich gezeigt, dass auch Teile der liberalen Opposition imperialistisch denken.  
 
* Eine Protestversammlung in der britischen Stadt Northampton gegen den Burenkrieg endet nach stürmischem Verlauf mit einer Kundgebung für die imperialistische Politik der konservativen Regierung.
 
* Eine Protestversammlung in der britischen Stadt Northampton gegen den Burenkrieg endet nach stürmischem Verlauf mit einer Kundgebung für die imperialistische Politik der konservativen Regierung.
 +
|- valign="top"
 +
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] [[Datei:Cape Colony 1876-1910.png|70px]]<br><br>[[Datei:Transvaal 1880-1902.png|70px]] [[Datei:Oranje-Freistaat 1880-1902.png|70px]]  </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]] / [[Cape Colony 1900|Britische Kapkolonie]] / [[Südafrikanische Republik (Transvaal) 1900|Südafrikanische Republik (Transvaal)]] / [[Oranjefreistaat 1900|Oranjefreistaat]] / [[Britische Kolonie Natal 1900|Britische Kolonie Natal]]''' <br>
 +
In Transvaal endet die Schlacht von Vaal Krantz, die vor drei Tagen begann. Die Schlacht war der dritte Versuch der Briten, die Belagerung von Ladysmith zu durchbrechen, die von den Buren unter Louis Botha gehalten wurde. Vaal Krantz, eine Hügelkette östlich von Spion Kop, war strategisch wichtig, doch die britischen Truppen stießen auf erhebliche Schwierigkeiten. Der britische Kommandant Redvers Henry Buller versuchte, mit seinen Truppen eine Brücke über den Tugela-Fluss zu schlagen, um die Burenstellungen anzugreifen. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Briten – etwa 20.000 Soldaten gegen 5.000 Buren – gelingt es den Buren, ihre Positionen zu halten. Die britischen Truppen leiden unter einer schlechten Positionierung, die es ihnen erschwert, ihre Artillerie effektiv einzusetzen. Nach drei Tagen intensiver Kämpfe und hoher Verlusten – etwa 333 britische Soldaten werden verwundet oder getötet – entscheidet Buller, sich zurückzuziehen und eine neue Strategie zu entwickeln. Die Buren hingegen haben vergleichsweise geringe Verluste, was ihre effektive Verteidigung und ihre Kenntnis des Geländes unterstreicht. Die Schlacht von Vaal Krantz ist ein weiterer Rückschlag für die Briten. <br>
 
|}
 
|}
  
Zeile 128: Zeile 136:
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center> [[Datei:Österreich-Ungarn.png|70px]] </center> || '''[[Österreichisch-Ungarische Monarchie 1900|Österreichisch-Ungarische Monarchie]]''' <br>
 
| <center> [[Datei:Österreich-Ungarn.png|70px]] </center> || '''[[Österreichisch-Ungarische Monarchie 1900|Österreichisch-Ungarische Monarchie]]''' <br>
Das Militärgericht in Brünn (Brno) verurteilt mehrere Reservisten, die sich auf Tschechisch mit „Zde!” anstatt auf Deutsch mit „Hier!” gemeldet haben, zu Freiheitsstrafen zwischen 3 und 13 Monaten. <br>
+
Das Militärgericht in Brünn (Brno) verurteilt mehrere Reservisten, die sich auf Tschechisch mit „Zde!” anstatt auf Deutsch mit „Hier!” gemeldet haben, zu Freiheitsstrafen zwischen 3 und 13 Monaten. Das Beispiel verdeutlicht, wie Sprache nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern auch ein Symbol für kulturelle und nationale Identität sein kann. Die Verurteilung der Reservisten spiegelt den Versuch der damaligen Obrigkeit wider, diese Identität zu unterdrücken und die Loyalität zum Reich zu sichern. Es ist ein kleiner, aber bezeichnender Ausschnitt einer komplexen politischen und sozialen Realität. <br>
 
|}
 
|}
  
Zeile 134: Zeile 142:
 
! style="width:20%" | !! style="width:80%"| <center> '''[[Chronik 1900.02|09.02.1900]]''' </center>
 
! style="width:20%" | !! style="width:80%"| <center> '''[[Chronik 1900.02|09.02.1900]]''' </center>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] [[Datei:Afrika.png|70px]]<br><br>[[Datei:Cape Colony 1876-1910.png|70px]] </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]] / [[Cape Colony 1900|Britische Kapkolonie]]''' <br>  
+
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]]<br><br>[[Datei:Vizekönigreich Ägypten 1867-1914.png|70px]] [[Datei:Cape Colony 1876-1910.png|70px]] </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]] / [[Vizekönigreich Ägypten 1900|Vizekönigreich Ägypten]] / [[Cape Colony 1900|Britische Kapkolonie]]''' <br>  
London gibt bekannt, dass der Bau der Telegrafenverbindung von Alexandria nach Kapstadt kurz vor der Vollendung steht. <br>
+
London gibt bekannt, dass der Bau der Telegrafenverbindung von Alexandria nach Kapstadt kurz vor der Vollendung steht. Die Leitung ist ein wichtiger Bestandteil des sogenannten „Cape-to-Cairo“-Traums von Cecil Rhodes Vision, der auch eine Eisenbahnverbindung vorsieht, die man hofft, vollenden zu können. Die Idee entstand in den 1890er Jahren, als die Telegrafentechnologie immer fortschrittlicher wurde. Ziel war es, eine Kommunikationsverbindung durch den afrikanischen Kontinent zu schaffen, um politische, wirtschaftliche und administrative Effizienz innerhalb des britischen Kolonialreiches zu steigern. Die Leitung musste durch Wüsten, Sümpfe, Regenwälder und über Berge gelegt werden, was extreme Herausforderungen für Ingenieure und Arbeiter darstellte. Die Kosten waren immens, und oft mussten lokale Ressourcen und Arbeitskräfte eingesetzt werden. Die Leitung musste durch Gebiete geführt werden, die nicht unter britischer Kontrolle stehen, was Verhandlungen und politische Spannungen mit sich brachte. Nun ist die Telegrafenlinie bald fertiggestellt und verbindet Alexandria im Norden mit Kapstadt im Süden. Ein exaktes Datum für die Fertigstellung ist leider schwer zu finden, da die Linie in Etappen gebaut wurde. Sie erstreckt sich über 5625 Kilometern und macht es möglich, in wenigen Stunden Nachrichten durch den Kontinent zu senden – eine Revolution in einer Zeit, in der der Transport von Nachrichten per Schiff oder Kutsche Wochen dauert. Die Telegrafenleitung fördert Handel, Verwaltung und militärische Kontrolle und festigt die britische Präsenz in Afrika. Sie wird ein Symbol für die Technologien des Imperialismus, aber auch für deren Innovationskraft. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] [[Datei:Cape Colony 1876-1910.png|70px]]<br><br>[[Datei:Transvaal 1880-1902.png|70px]] [[Datei:Oranje-Freistaat 1880-1902.png|70px]]  </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]] / [[Cape Colony 1900|Britische Kapkolonie]] / [[Oranjefreistaat 1900|Oranjefreistaat]] / [[British Colony Transvaal 1900|Britische Kolonie Transvaal]] / [[Britische Kolonie Natal 1900|Britische Kolonie Natal]]''' <br>
+
| <center> [[Datei:Großbritannien.png|70px]] [[Datei:Cape Colony 1876-1910.png|70px]]<br><br>[[Datei:Transvaal 1880-1902.png|70px]] [[Datei:Oranje-Freistaat 1880-1902.png|70px]]  </center> || '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1900|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]] / [[Cape Colony 1900|Britische Kapkolonie]] / [[Südafrikanische Republik (Transvaal) 1900|Südafrikanische Republik (Transvaal)]] / [[Oranjefreistaat 1900|Oranjefreistaat]] / [[Britische Kolonie Natal 1900|Britische Kolonie Natal]]''' <br>
 
Während der Belagerung der Stadt Kimberley durch burische Streitkräfte wird der Chefingenieur der De Beers-Diamantmine und Entwickler der Kanone "Long Cecil", George Labram, durch eine Granate der Buren getroffen, die sein Zimmer im Grand Hotel am Marktplatz traf. Der britische General Kekewich ordnet für Labram ein vollständiges militärisches Begräbnis an, an dem Tausende teilnehmen, obwohl die Buren gezielt auf die Prozession feuern. De Beers versorgt von jetzt an die Witwe Labrams seinen Sohn. Frau Labram erhält für den Rest ihres Lebens 500 Dollar pro Jahr und ihr 13-jähriger Sohn 1000 Dollar pro Jahr, bis er volljährig wird. Großbritannien gewährt Frau Labram außerdem einen einmaligen Betrag von 1000 Pfund für die Dienste, die ihr Mann während der Belagerung geleistet hat. Die Bedeutung der Rolle, die Labram bei der Verteidigung Kimberleys spielte, kommt wahrscheinlich am besten in einem Brief von Robert Kekewich an Frau Labram zum Ausdruck: <br>
 
Während der Belagerung der Stadt Kimberley durch burische Streitkräfte wird der Chefingenieur der De Beers-Diamantmine und Entwickler der Kanone "Long Cecil", George Labram, durch eine Granate der Buren getroffen, die sein Zimmer im Grand Hotel am Marktplatz traf. Der britische General Kekewich ordnet für Labram ein vollständiges militärisches Begräbnis an, an dem Tausende teilnehmen, obwohl die Buren gezielt auf die Prozession feuern. De Beers versorgt von jetzt an die Witwe Labrams seinen Sohn. Frau Labram erhält für den Rest ihres Lebens 500 Dollar pro Jahr und ihr 13-jähriger Sohn 1000 Dollar pro Jahr, bis er volljährig wird. Großbritannien gewährt Frau Labram außerdem einen einmaligen Betrag von 1000 Pfund für die Dienste, die ihr Mann während der Belagerung geleistet hat. Die Bedeutung der Rolle, die Labram bei der Verteidigung Kimberleys spielte, kommt wahrscheinlich am besten in einem Brief von Robert Kekewich an Frau Labram zum Ausdruck: <br>
 
<table border rules="1">
 
<table border rules="1">

Version vom 27. April 2025, 15:09 Uhr

Pixabay-Globus.jpg

Weltchronik der ersten Dekade des Februar 1900



Ereignisse vom 01.-10. des Monats    Ereignisse vom 11.-20. des Monats     Ereignisse vom 21.-Ende des Monats


1000px


...


Die britische Arbeiterschaft erhält eine parlamentarische Vertretung im Parlament

Die Hungersnot in Indien fordert mindestens neun Millionen Todesopfer

Der Deutsche Reichstag verabschiedet das Lex Heinze


Hier geht es zu den Ereignissen der Jahre... 1890 / 1891 / 1892 / 1893 / 1894 / 1895 / 1896 / 1897 / 1898
Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres 1899 Januar / Februar / März / April / Mai / Juni / Juli / August / September / Oktober / November / Dezember
Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres 1900 Januar / Februar / März / April / Mai / Juni / Juli / August / September / Oktober / November / Dezember
Monatsübergreifende Ereignisse
China 1890-1912.png USA 1896-1908.png

Japan.png Italien 1861-1946.png

Frankreich.png Russland 1883-1914.png

Deutsches Reich.png Österreich-Ungarn.png
Ende September 1899-07.09.1901
Kaiserreich China / Vereinigte Staaten von Amerika / Japanisches Kaiserreich / Königreich Italien / Französische Republik / Russisches Kaiserreich / Deutsches Kaiserreich / Österreichisch-Ungarische Monarchie

Der Boxeraufstand in China ist eine nationalistische und anti-westliche Revolte. Auslöser waren die zunehmende ausländische Einflussnahme und die damit verbundene soziale Unruhe im Land. Die Bewegung, die sich "Boxer" nennt, griff zunächst christliche Missionare und chinesische Christen an, weitete ihre Angriffe aber später auch auf ausländische Gesandte und Siedlungen aus. Die Niederschlagung des Aufstands erfolgte durch eine internationale Allianz von acht Nationen, die Peking einnahm und die Qing-Dynastie zwang, dem Boxerprotokoll zuzustimmen, was China weiter schwächen und den ausländischen Einfluss zementieren wird.

01.02.1900
Großbritannien.png
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Vizekönigreich Indien

Der britische Staatssekretär für Indien Lord George Hamilton gibt im Unterhaus in London bekannt, dass von der Hungersnot auf dem indischen Subkontinent ("Central India Famine") 49 Millionen Menschen betroffen seien. Die Hungersnot wurde durch das Ausbleiben des Monsunregens verursacht, was zu einer massiven Dürre führte. Diese Dürre betraf eine Fläche von etwa 1,23 Millionen Quadratkilometern. Die britische Kolonialverwaltung, die Indien regiert, wird für ihre unzureichende Reaktion auf die Krise stark kritisiert. Der Vizekönig von Indien, Lord Curzon, zögerte, umfassende Hilfsmaßnahmen einzuleiten, da er befürchtete, dass dies die Menschen von Almosen abhängig machen könnte. Dies führte dazu, dass neun Millionen an Hunger sterben. Zusätzlich zu Hunger und Dürre werden die geschwächten Menschen von Cholera- und Malaria-Epidemien heimgesucht, die die Situation noch verschlimmern. Diese Tragödie trägt dazu bei, die Forderungen nach indischer Unabhängigkeit zu verstärken, da viele die britische Verwaltung für die Krise verantwortlich machen. Die Hungersnot wird ein tiefes Trauma in der indischen Bevölkerung hinterlassen und die soziale Struktur und wirtschaftliche Entwicklung des Landes nachhaltig beeinflussen.

Frankreich 1848-1941.png
Französische Republik / Département Algerien

Die Eisenbahnlinie von Ain-Sefra nach Djennienbou Rezg im französischen Generalgouvernement Algerien wird eröffnet. Das Eisenbahnnetz in Algerien bilden bereits einen wichtigen Bestandteil der kolonialen Infrastruktur. Die Eisenbahn dient vor allem dazu, Rohstoffe wie landwirtschaftliche Produkte und Mineralien effizient zu den Häfen zu transportieren, von wo aus sie nach Frankreich exportiert wurden. Gleichzeitig ist sie ein Mittel, um die Kontrolle über das Land zu festigen und die Kolonialverwaltung zu unterstützen. Die bisherigen Hauptstrecken verbinden die drei wichtigsten Städte Algeriens – Algier sowie Oran und Constantine. Diese Hauptstrecken bilden das Rückgrat des Netzes. Neben den Hauptlinien gibt es zahlreiche Zweigstrecken, die ländliche Gebiete und Bergbauregionen mit den Städten und Häfen verbinden. Die Eisenbahn wurde in Normalspur gebaut, was den Transport großer Mengen an Gütern auf einer Spurweite von 1,435 Meter in Waggons mit einer typischen Breite von 2,5 bis drei Metern erleichterte. Allerdings ist das Netz noch nicht vollständig ausgebaut und dadurch fragmentiert. Die Eisenbahn ist entscheidend für den Export von Gütern wie Wein, Getreide und Erzen. Sie trägt zur wirtschaftlichen Ausbeutung Algeriens bei, während die lokale Bevölkerung oft wenig von den Vorteilen hat. Andererseits erleichtert die Eisenbahn die Mobilität innerhalb des Landes, war jedoch hauptsächlich auf die Bedürfnisse der Kolonialherren ausgerichtet ist. Für die einheimische Bevölkerung ist der Zugang oft eingeschränkt. Damit wird die französische Eisenbahn in der Kolonie ein Instrument der Kontrolle. Sie ist gleichermaßen ein politisches, soziales und technisches Projekt.

Deutsches Reich.png
Deutsches Kaiserreich

Im Aachener Wurm-Revier treten mehrere tausend Arbeiter in den Ausstand, um eine Lohnerhöhung zu erzwingen. Das Wurm-Revier, bekannt für seinen Steinkohlenbergbau, ist ein bedeutendes Zentrum der Kohleförderung, und die Arbeitsbedingungen dort sind oft hart und gefährlich. Die Forderung nach höheren Löhnen spiegelt die schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen wider, mit denen die Bergleute konfrontiert sind. Dieser Streik ist Teil einer größeren Bewegung von Arbeitern in der damaligen Zeit, die für bessere Arbeitsbedingungen und gerechtere Bezahlung kämpfen. Es zeigt, wie wichtig Solidarität und Organisation für die Arbeiterbewegung waren, um Veränderungen zu bewirken. Die "Freien Gewerkschaften" beginnen gerade, sich zu Massenorganisationen zu entwickeln. Auch die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) gehört bereits zur den führenden Kräften der Arbeiterbewegung mit enger Verbindung zu den Gewerkschaften.

02.02.1900
Schweden-Norwegen 1844-1905.png
Königreich Schweden-Norwegen

In der norwegischen Hauptstadt Christiania (später Oslo) beginnt ein dreitägiger Kongreß der norwegischen Linken, die ihr Programm für die im Herbst stattfindenden Wahlen verabschiedet. Sie fordert mehr Rechte für die Norweger in der seit 1814 bestehenden Union Schweden-Norwegen. Christiania hat aktuell etwa 230.000 Einwohner. Die Stadt erlebt gerade ein starkes Bevölkerungswachstum, das durch die Industrialisierung und die zunehmende Urbanisierung begünstigt wird. Christiania ist ein wichtiges wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Norwegens.

03.02.1900
Deutsches Reich.png Elsass-Lothringen 1891-1918.png
Deutsches Kaiserreich / Reichsland Elsaß-Lothringen

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. dankt dem Statthalter des Reichslandes Elsass-Lothringen, Hermann Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, für die Gründung von Flottenvereinen in Elsass-Lothringen. Der Kaiser wertet dies als Beweis für das wachsende deutsch-nationale Empfinden der Elsass-Lothringer. Der Flottenverein, gegründet 1898, ist eine Organisation, die sich für den Ausbau der deutschen Kriegsmarine einsetzte und eine aggressive Weltmachtpolitik unterstützt. Besonders in Elsass-Lothringen, das damals Teil des Deutschen Kaiserreichs war, spielt der Verein eine Rolle, um die Bevölkerung für die Flottenpolitik zu begeistern. Die Region war strategisch und symbolisch wichtig, da sie nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 ins Reich eingegliedert wurde und eine besondere Stellung hat. Der Verein nutzt erfolgreich mit Werbung wie Postkarten mit Kriegsschiffmotiven und Vortragsabenden, die öffentliche Meinung zu gewinnen.

Großbritannien.png
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland

Sir Thomas Grainger Stewart (* 23. September 1837 in Edinburgh) stirbt. Er war ein britischer Pathologe. Nach seinem Studium in Edinburgh setzte er seine Studien in Wien, Berlin und Prag fort, bevor er zurückkehrte nach Edinburgh, wo er zunächst königlicher Hofarzt wurde. An der Universität Edinburgh war er Lehrstuhlinhaber für Pathologie. Stewart war bis zu seinem Tode Präsident der Edinburgh Medical Missionary Society. Bekannt geworden ist er durch Veröffentlichungen wie Practical Treatise on Bright’s Disease und Diseases of the Nervous System. Unter anderem ist nach ihm und seinem Kollegen Gordon Morgan Holmes das Stewart-Holmes-Syndrom benannt. Am 2. Januar 1866 wurde er in die Royal Society of Edinburgh aufgenommen. Für seine Arbeit als Hofarzt von Königin Victoria wurde er mit dem Titel Sir ausgezeichnet.

USA 1896-1908.png Kentucky 1792-1918.png
Vereinigte Staaten von Amerika / Commonwealth of Kentucky

Der deutschstämmige Gouverneur des US-Bundesstaates Kentucky William J. Goebel (* 4. Januar 1856 im Sullivan County in Pennsylvania) stirbt an seinen Verletzungen, die ihm am 30. Januar beim Betreten des Parlamentsgebäudes in Frankfort (Kentucky) von einem Heckenschützen zugefügt wurden. Goebel hatte die Gouverneurswahl des Vorjahres, bei der er seinem Gegenkandidaten William Taylor mit weniger als 2400 Stimmen unterlegen war, erfolgreich angefochten und deswegen offene und unverhohlene Morddrohungen erhalten. Obwohl er unter Polizeischutz stand, konnte das Attentat nicht verhindert werden. Nach seiner Zulassung begann er eine Karriere als Anwalt mit dem Schwerpunkt Eisenbahnrecht. Im Jahr 1887 wurde der Demokrat in den Senat von Kentucky gewählt; 1890 war er Delegierter auf einem Konvent zur Überarbeitung der Verfassung von Kentucky. Von 1894 bis 1900 war er Präsident des Staatssenats. Außerdem brachte Goebel das sogenannte „Goebel Election Law“, ein neues Wahlgesetz für Kentucky, auf den Weg, das parteipolitisch seine Demokratische Partei bevorteilte. Goebel wird als unnahbar und distanziert beschrieben. Er begrüßte kaum jemanden mit Handschlag oder einem Lächeln. Er war auch der einzige Gouverneur von Kentucky, der nie verheiratet war. Der Journalist Irvin Cobb beschrieb Goebels Charakter als „reptilienartig“. Er war auch kein begnadeter Redner, aber er war sehr gebildet und beeindruckte durch sein Wissen. Im Jahr 1895 kam es zu einem Duell zwischen Goebel und John Lawrence Sanford, einem ehemaligen General der Konföderation. Beide Männer waren ursprünglich Freunde gewesen, hatten sich dann wegen politischer Differenzen entzweit. Es folgten verleumderische Artikel gegeneinander und ein Duell. Dabei wurde Sanford getötet, Goebel blieb unverletzt. Eigentlich waren Duelle in Kentucky verboten, daher wurde hinterher der Vorgang als Notwehr gewertet. Einige Gegner Goebels beschuldigten ihn allerdings erfolglos des Mordes. Trotz seiner umstrittenen Persönlichkeit wurde Goebel 1899 von der Demokratischen Partei für das Amt des Gouverneurs nominiert. Sein Gegenkandidat war der Republikaner William Taylor. Dieser gewann die Wahlen sehr knapp mit 48,1% der Stimmen gegen Goebel, der es auf 47,5% gebracht hatte. Aufgrund der aufgeladenen Stimmung in Kentucky bestand in den Tagen des Attentats die Gefahr eines Bürgerkriegs. Die Stimmung war schon vor der Wahl durch einen heftigen Wahlkampf auf beiden Seiten aufgeheizt gewesen. Die Wahlanfechtung und die mit ihr verbundenen Morddrohungen verschlimmert die Lage. Das Attentat auf Goebel brachte die Krise auf den Höhepunkt. Glücklicherweise setzt sich dann aber bei beiden verfeindeten Parteien die Vernunft durch. Man einigt sich darauf, dass Goebels Vizegouverneur John Beckham neuer Gouverneur werden sollte. In der Folge lassen die Spannungen dann etwas nach.

USA 1896-1908.png Tennessee 1897-1905.png
Vereinigte Staaten von Amerika / State of Tennessee

David McKendree Key (* 27. Januar 1824 in Greeneville, Tennessee) stirbt in Chattanooga, Tennessee. Er war ein US-amerikanischer Politiker, der dem Kabinett des republikanischen US-Präsidenten Rutherford B. Hayes als Postminister angehörte. David Key, als Sohn eines Geistlichen im Greene County geboren, war noch ein kleines Kind, als seine Familie ins Monroe County zog, wo er aufwuchs. Er besuchte das Hiwassee College in Madisonville und graduierte dort 1850. Noch im selben Jahr wurde er in die Anwaltskammer aufgenommen. In der Folge arbeitete er als Jurist in Madisonville und Kingston, ehe er sich 1853 in Chattanooga niederließ. 1857 heiratete er Elizabeth Lenoir, mit der er neun Kinder hatte. Beim Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs trat Key der Konföderiertenarmee bei und diente im 43. Infanterieregiment von Tennessee. Nach Kriegsende verließ er die Armee als Lieutenant Colonel und arbeitete bis 1868 wieder als Anwalt. 1870 gehörte David Key dem staatlichen Verfassungskonvent von 1870 an, der die heute noch gültige Verfassung von Tennessee schuf. Im selben Jahr wurde er zum Richter am Court of chancery des Bezirks Chattanooga gewählt. Er behielt dieses Amt auch, als er 1872 vergeblich einen Sitz im US-Repräsentantenhaus zu erringen versuchte. Erst 1875 gab er der Politik den Vorzug und trat als Richter zurück, nachdem ihn Gouverneur James Porter zum Nachfolger des verstorbenen ehemaligen US-Präsidenten Andrew Johnson im US-Senat bestimmt hatte. Bereits bei der nächsten Wahl durch die Staatslegislative von Tennessee im Jahr 1877 musste er den Senatssitz wieder abtreten. Er war jedoch weiterhin in Washington politisch aktiv. Ebenfalls noch 1877 berief ihn Präsident Rutherford B. Hayes zum Postmaster General, was er bis zum 25. August 1880 blieb. Seine Nominierung war eine Folge des Kompromisses von 1877, wonach der Einfluss der Demokratischen Partei auch in den republikanisch dominierten Kabinetten gewahrt bleiben sollte. Später nahm er die Berufung zum Bundesrichter am Bezirksgericht für Ost- und Mittel-Tennessee an.

04.02.1900
Österreich-Ungarn.png
Österreichisch-Ungarische Monarchie

Der Klub der Jungtschechen in Prag beschließt mehrheitlich, die Einladung des österreichischen Ministerpräsidenten Ernest von Koerber zur Teilnahme an einer Verständigungskonferenz zwischen Deutschen und Tschechen ab 5. Februar in Wien anzunehmen.

05.02.1900
Russland 1883-1914.png
Russisches Kaiserreich

Die russische Regierung unter Zar Nikolaus II. beschließt, oppositionelle Studenten als Strafe für ihre politischen Aktivitäten für mehrere Jahre zum Militärdienst zu verpflichten. Dieser Beschluss ist Teil einer größeren Strategie, um die wachsende Unzufriedenheit und die revolutionären Bewegungen unter der Jugend und den Intellektuellen zu unterdrücken. Die Regierung sieht die Universitäten als Brutstätten für politische Unruhen an und versucht, durch solche Maßnahmen die Kontrolle zurückzugewinnen. Die Umsetzung dieses Beschlusses wird zu erheblichen Spannungen führen, weil viele Studenten den erzwungenen Wehrdienst als eine Form der Repression betrachten, die darauf abzielt, ihre Bildung und politische Aktivitäten zu unterbrechen. Dies verstärkt die Feindseligkeit gegenüber der Regierung und trägt zur Radikalisierung einiger junger Menschen bei.

Österreich-Ungarn.png Deutsches Reich.png
Österreichisch-Ungarische Monarchie / Deutsches Kaiserreich

Der österreichische Ministerpräsident Ernest von Koerber eröffnet in Wien die deutsch-tschechische Verständigungskonferenz. Das Ziel von Koerbers ist es, mittels dieser Konferenz die Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen innerhalb der Habsburgermonarchie zu entschärfen. Diese Spannungen hatten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts verschärft, insbesondere durch die Nationalbewegungen, die in den verschiedenen Regionen der Monarchie aufkamen. Die Jungtschechen, eine politische Gruppierung, die sich von den älteren tschechischen Nationalisten abspaltete, vertreten eine gemäßigtere Haltung und sind bereit, mit der österreichischen Regierung zusammenzuarbeiten, um die Interessen der tschechischen Bevölkerung zu fördern. Ihre Entscheidung, an der Konferenz teilzunehmen, zeigt, dass sie an einer pragmatischen Lösung der Konflikte interessiert sind, anstatt auf Konfrontation zu setzen. Ernest von Koerber, der erst kurz zuvor Ministerpräsident geworden ist, verfolgt eine Politik der Verständigung und des Ausgleichs. Er wollte die wirtschaftliche und politische Stabilität der Monarchie durch Reformen und Dialog sichern. Die Konferenz soll ein Forum bieten, um die Anliegen der tschechischen Bevölkerung zu diskutieren und mögliche Kompromisse zu finden, insbesondere in Bezug auf Sprachrechte, Bildung und Verwaltung. Die Konferenz selbst ist Teil eines größeren Kontextes: Die Habsburgermonarchie steht vor der Herausforderung, die verschiedenen Nationalitäten und ihre oft widersprüchlichen Forderungen zu integrieren. Die Bemühungen von Koerber und den Jungtschechen sind ein Beispiel für den Versuch, durch Dialog und Verhandlungen eine Lösung zu finden, anstatt die Konflikte eskalieren zu lassen.

Frankreich 1848-1941.png Großbritannien.png
Französische Republik / Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland

Der britische Botschafter in Paris, Sir Edmund Monson, nimmt einen längeren Urlaub. Dieser „Urlaub” wird als Zeichen der Verschlechterung der französisch-britischen Beziehungen verstanden. Diese Episode spiegelt die Feinheiten der Diplomatie wider, bei der selbst scheinbar persönliche Entscheidungen wie ein „Urlaub“ tiefere politische Bedeutungen haben können. Es zeigt, wie sensibel die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zur Zeit ist.

Großbritannien.png Cape Colony 1876-1910.png

Transvaal 1880-1902.png Oranje-Freistaat 1880-1902.png
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Britische Kapkolonie / Südafrikanische Republik (Transvaal) / Oranjefreistaat / Britische Kolonie Natal

Britische Streitkräfte unter dem Kommando von Redvers Henry Buller greifen erneut Buren-Streitkräfte unter dem Kommando von Louis Botha in der Schlacht von Vaal Krantz an.

USA 1896-1908.png Großbritannien.png

Nicaragua 1857-1971.png
Vereinigte Staaten von Amerika / Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Republik Nicaragua

Die USA und Großbritannien schließen in Washington den Vertrag über den Bau des Nicaragua-Kanals, einer alternativen Route zum ebenfalls in der Planung befindlichen Panama-Kanals. Welcher Kanal schließlich gebaut werden soll, ist noch offen, denn schließlich spielen die geopolitischen und technischen Herausforderungen sowie die Kosten eine entscheidende Rolle bei dieser Entscheidung.

06.02.1900
Spanien 1874-1931.png USA 1896-1908.png Großbritannien.png
Königreich Spanien / Vereinigte Staaten von Amerika

Im spanischen Senat in Valladolid kommt es zu tumultartigen Szenen, als der Antrag gestellt wird, dass die für den Verlust der spanischen Kolonien an die USA im Jahre 1898 verantwortlichen Generale als unwürdig und ehrlos zur Rechenschaft gezogen werden sollen. 1898 hatte Spanien Kuba, Puerto Rico und die Philippinen an die USA verloren.

Österreich-Ungarn.png Norwegen-Schweden 1844-1905.png
Österreichisch-Ungarische Monarchie / Königreich Norwegen-Schweden

Auf dem Csabaer See in der Hohen Tratra findet erstmals eine Europameisterschaft im Eisschnelllauf statt. Dieses Ereignis war ein bedeutender Moment in der Geschichte des Eisschnelllaufs, da es den Sport auf internationaler Ebene etablierte und Athleten aus verschiedenen Ländern zusammenbringt. Der Norweger Peder Østlund dominiert diese Meisterschaft und sichert sich den Titel. Er ist bekannt für seine außergewöhnliche Technik und Geschwindigkeit, die ihn zu einem der herausragendsten Eisschnellläufer dieser Meisterschaft machen. Die Wettkämpfe werden im Mehrkampf ausgetragen, bei dem die Athleten auf verschiedenen Distanzen antreten müssen, um den Gesamtsieger zu ermitteln. Die Wahl des Csabaer Sees als Austragungsort unterstreicht die Bedeutung von Natureisbahnen. Die malerische Kulisse der Hohen Tatra verleiht dem Ereignis eine besondere Atmosphäre, die sicherlich auch die Zuschauer beeindruckt.

Deutsches Reich.png
Deutsches Kaiserreich

Der Deutsche Reichstag in Berlin nimmt nach lebhafter Debatte den Arbeitgeber- und Kunstparagraphen der sogenannten Lex Heinze an. Lex Heinze ist ein umstrittenes Gesetz im Deutschen Reich. Es zielt darauf ab, „unsittliche“ Handlungen zu regulieren und das Reichsstrafgesetzbuch entsprechend zu ändern. Das Gesetz beinhaltete mehrere Maßnahmen:

  • Zensur von Theateraufführungen: Der sogenannte „Theaterparagraph“ sieht Gefängnisstrafen für diejenigen vor, die Aufführungen veranstalten, die das Scham- und Sittlichkeitsgefühl gröblich verletzen.
  • Verschärfung der Vorschriften gegen Pornografie und Kuppelei: Es werden strengere Regelungen eingeführt, um die Verbreitung von „unsittlichen“ Bildern und Texten zu unterbinden.
  • Einführung des Straftatbestands der Zuhälterei: Dies ist eine direkte Reaktion auf den Fall des Berliner Zuhälters Hermann Heinze, nach dem das Gesetz benannt wurde.
  • Das Gesetz stößt auf erheblichen Widerstand, insbesondere von Künstlern, Liberalen und Sozialdemokraten, die die Einschränkungen der künstlerischen Freiheit und die schwammige Definition von „Unsittlichkeit“ kritisierten2. Es führte zu einer Protestbewegung, darunter die Gründung des Goethe-Bundes, der sich für die Freiheit der Kunst und Wissenschaft einsetzte
Deutsches Reich.png Preußen 1892-1918.png
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen

Der Meteorologe Reinhard Süring hält auf einer Sitzung des Berliner Zweigvereins der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft einen Vortrag über "Beobachtungen von Haufenwolken bei starkem Winde". Süring ist bekannt für seine präzisen Beobachtungen und seine Fähigkeit, meteorologische Phänomene zu analysieren. Es ist wahrscheinlich, dass er in diesem Vortrag die Dynamik und Struktur von Haufenwolken unter windigen Bedingungen beleuchtete, möglicherweise mit Bezug auf ihre Entstehung, Bewegung und Auswirkungen auf das Wettergeschehen.

Großbritannien.png Cape Colony 1876-1910.png

Transvaal 1880-1902.png Oranje-Freistaat 1880-1902.png
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Britische Kapkolonie

Das britische Unterhaus in London genehmigt den Nachtragshaushalt in Höhe von 13 Millionen Pfund (265,6 Millionen Mark) für 120.000 Soldaten, die wegen des Burenkriegs zusätzlich ausgehoben worden sind.

07.02.1900
Deutsches Reich.png Preußen 1892-1918.png
Deutsches Kaiserreich / Königreich Preußen

Gegen die „Flottenvorlage“ zur Aufrüstung der Reichsmarine kommt es zum dritten Mal Nach dem 9. und dem 16. Januar zu Massenversammlungen vor dem Reichstag.

Großbritannien.png
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland
  • Das britische Unterhaus lehnt mit 368 zu 66 Stimmen einen Antrag der irischen Nationalisten auf Beendigung des Burenkriegs in Südafrika ab. Bei den Debatten hat sich gezeigt, dass auch Teile der liberalen Opposition imperialistisch denken.
  • Eine Protestversammlung in der britischen Stadt Northampton gegen den Burenkrieg endet nach stürmischem Verlauf mit einer Kundgebung für die imperialistische Politik der konservativen Regierung.
Großbritannien.png Cape Colony 1876-1910.png

Transvaal 1880-1902.png Oranje-Freistaat 1880-1902.png
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Britische Kapkolonie / Südafrikanische Republik (Transvaal) / Oranjefreistaat / Britische Kolonie Natal

In Transvaal endet die Schlacht von Vaal Krantz, die vor drei Tagen begann. Die Schlacht war der dritte Versuch der Briten, die Belagerung von Ladysmith zu durchbrechen, die von den Buren unter Louis Botha gehalten wurde. Vaal Krantz, eine Hügelkette östlich von Spion Kop, war strategisch wichtig, doch die britischen Truppen stießen auf erhebliche Schwierigkeiten. Der britische Kommandant Redvers Henry Buller versuchte, mit seinen Truppen eine Brücke über den Tugela-Fluss zu schlagen, um die Burenstellungen anzugreifen. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Briten – etwa 20.000 Soldaten gegen 5.000 Buren – gelingt es den Buren, ihre Positionen zu halten. Die britischen Truppen leiden unter einer schlechten Positionierung, die es ihnen erschwert, ihre Artillerie effektiv einzusetzen. Nach drei Tagen intensiver Kämpfe und hoher Verlusten – etwa 333 britische Soldaten werden verwundet oder getötet – entscheidet Buller, sich zurückzuziehen und eine neue Strategie zu entwickeln. Die Buren hingegen haben vergleichsweise geringe Verluste, was ihre effektive Verteidigung und ihre Kenntnis des Geländes unterstreicht. Die Schlacht von Vaal Krantz ist ein weiterer Rückschlag für die Briten.

08.02.1900
Österreich-Ungarn.png
Österreichisch-Ungarische Monarchie

Das Militärgericht in Brünn (Brno) verurteilt mehrere Reservisten, die sich auf Tschechisch mit „Zde!” anstatt auf Deutsch mit „Hier!” gemeldet haben, zu Freiheitsstrafen zwischen 3 und 13 Monaten. Das Beispiel verdeutlicht, wie Sprache nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern auch ein Symbol für kulturelle und nationale Identität sein kann. Die Verurteilung der Reservisten spiegelt den Versuch der damaligen Obrigkeit wider, diese Identität zu unterdrücken und die Loyalität zum Reich zu sichern. Es ist ein kleiner, aber bezeichnender Ausschnitt einer komplexen politischen und sozialen Realität.

09.02.1900
Großbritannien.png

Vizekönigreich Ägypten 1867-1914.png Cape Colony 1876-1910.png
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Vizekönigreich Ägypten / Britische Kapkolonie

London gibt bekannt, dass der Bau der Telegrafenverbindung von Alexandria nach Kapstadt kurz vor der Vollendung steht. Die Leitung ist ein wichtiger Bestandteil des sogenannten „Cape-to-Cairo“-Traums von Cecil Rhodes Vision, der auch eine Eisenbahnverbindung vorsieht, die man hofft, vollenden zu können. Die Idee entstand in den 1890er Jahren, als die Telegrafentechnologie immer fortschrittlicher wurde. Ziel war es, eine Kommunikationsverbindung durch den afrikanischen Kontinent zu schaffen, um politische, wirtschaftliche und administrative Effizienz innerhalb des britischen Kolonialreiches zu steigern. Die Leitung musste durch Wüsten, Sümpfe, Regenwälder und über Berge gelegt werden, was extreme Herausforderungen für Ingenieure und Arbeiter darstellte. Die Kosten waren immens, und oft mussten lokale Ressourcen und Arbeitskräfte eingesetzt werden. Die Leitung musste durch Gebiete geführt werden, die nicht unter britischer Kontrolle stehen, was Verhandlungen und politische Spannungen mit sich brachte. Nun ist die Telegrafenlinie bald fertiggestellt und verbindet Alexandria im Norden mit Kapstadt im Süden. Ein exaktes Datum für die Fertigstellung ist leider schwer zu finden, da die Linie in Etappen gebaut wurde. Sie erstreckt sich über 5625 Kilometern und macht es möglich, in wenigen Stunden Nachrichten durch den Kontinent zu senden – eine Revolution in einer Zeit, in der der Transport von Nachrichten per Schiff oder Kutsche Wochen dauert. Die Telegrafenleitung fördert Handel, Verwaltung und militärische Kontrolle und festigt die britische Präsenz in Afrika. Sie wird ein Symbol für die Technologien des Imperialismus, aber auch für deren Innovationskraft.

Großbritannien.png Cape Colony 1876-1910.png

Transvaal 1880-1902.png Oranje-Freistaat 1880-1902.png
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Britische Kapkolonie / Südafrikanische Republik (Transvaal) / Oranjefreistaat / Britische Kolonie Natal

Während der Belagerung der Stadt Kimberley durch burische Streitkräfte wird der Chefingenieur der De Beers-Diamantmine und Entwickler der Kanone "Long Cecil", George Labram, durch eine Granate der Buren getroffen, die sein Zimmer im Grand Hotel am Marktplatz traf. Der britische General Kekewich ordnet für Labram ein vollständiges militärisches Begräbnis an, an dem Tausende teilnehmen, obwohl die Buren gezielt auf die Prozession feuern. De Beers versorgt von jetzt an die Witwe Labrams seinen Sohn. Frau Labram erhält für den Rest ihres Lebens 500 Dollar pro Jahr und ihr 13-jähriger Sohn 1000 Dollar pro Jahr, bis er volljährig wird. Großbritannien gewährt Frau Labram außerdem einen einmaligen Betrag von 1000 Pfund für die Dienste, die ihr Mann während der Belagerung geleistet hat. Die Bedeutung der Rolle, die Labram bei der Verteidigung Kimberleys spielte, kommt wahrscheinlich am besten in einem Brief von Robert Kekewich an Frau Labram zum Ausdruck:

Sehr geehrte Frau, mit großer Trauer habe ich am 9. Februar die traurige Nachricht erhalten, dass Ihr Mann, Herr George Labram, durch eine Burengranate getötet wurde. Ich schreibe Ihnen und Ihrem Sohn das tiefste Mitgefühl meiner Mitarbeiter und mir selbst für den schweren Verlust, den Sie erlitten haben. Nicht nur Kimberley, sondern die gesamte britische Nation ist heute Ihrem verstorbenen Ehemann zu Dank verpflichtet für die wertvolle Hilfe, die er den Verteidigern von Kimberley während einer fast viermonatigen Belagerung geleistet hat. Ihr verstorbener Ehemann hat mir sein großes Genie vorbehaltlos zur Verfügung gestellt, und ich kann meine Dankbarkeit für die vielen von ihm geleisteten Werke nicht genug zum Ausdruck bringen, die mir sehr dabei geholfen haben, die Verteidigung von Kimberley zu verlängern. Ich kann Ihnen versichern, meine liebe Frau, dass ganz Kimberley um den Verlust unseres lieben Freundes George Labram trauert, so wie wir um den Verlust eines lieben Verwandten trauern würden. Ihr KEKEWICH, Oberstleutnant, Kommandeur der Truppen in Kimberley P.S. Die einzige Bitte der Bevölkerung von Kimberley, die Labram nicht erfüllen konnte, war die Herstellung von Whisky.

USA 1896-1908.png Großbritannien.png
Vereinigte Staaten von Amerika / Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland

Anlässlich eines Länderkampfes zwischen den USA und Großbritannien stiftet der US-amerikanische Tennisspieler Dwight Filley Davis einen 18 kg schweren Silberpokal, der fortan als „Davis-Cup“ jährlich zwischen den besten Ländermannschaften der Welt ausgespielt werden soll.

10.02.1900
Deutsches Reich.png
Deutsches Kaiserreich

Nach dreitägiger Beratung über das Zweite Tirpitzsche Flottengesetz im Deutschen Reichstag in Berlin wird die Vorlage, die eine Verdoppelung der deutschen Hochseeflotte bis 1917 vorsieht, an die Budgetkommission weitergeleitet.

Chronik 1900.02-II
Hier geht es zur zweiten Dekade des Februar 1900
Chronik 1900.02-III
Hier geht es zur dritten Dekade des Februar 1900
Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres 1900 Januar / Februar / März / April / Mai / Juni / Juli / August / September / Oktober / November / Dezember
Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres 1901 Januar / Februar / März / April / Mai / Juni / Juli / August / September / Oktober / November / Dezember
Hier geht es zu den Ereignissen der Jahre... 1902 / 1903 / 1904 / 1905 / 1906 / 1907 / 1908 / 1909 / 1910
Weblinks