Norddeutscher Bund 1870-II

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Wappen Norddeutscher Bund

NORDDEUTSCHER BUND

Hauptstadt: Berlin

Chronik des Jahres 1870

II. Quartal 1870


Die Deutschen Siemens & Halske verbinden London und Kalkutta durch ein Telegrafenkabel miteinander

Heinrich Stephan wird Generalpostmeister der Norddeutschen Bundespostverwaltung und Herausgeber der ersten Postkartenedition in Deutschland


Hauptseite Map Norddeutscher Bund 1866-1870.jpg
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I. Quartal - II. Quartal - III. Quartal - IV. Quartal
Chronik des Norddeutschen Bundes des Jahres 1870
I. Quartal - II. Quartal - III. Quartal - IV. Quartal
01.04.1870
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Norddeutscher Bund
Die Regierung des Norddeutschen Bundes zu Beginn des Quartals
Deutsches Reich.gif Funktion Name seit Jahre
Wilhelm I.jpg
Präsident des Norddeutschen Bundes
(König von Preußen)
Wilhelm I. von Preußen
18.08.1866
(07.10.1858)
3,6
(11,5)
Graf Otto von Bismarck.jpg
Kanzler des Norddeutschen Bundes
(Preußischer Ministerpräsident)
Graf Otto von Bismarck
18.08.1866
(23.09.1862)
3,6
(7,5)
01.04.1870
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen
  • Der 1869 in Berlin gegründete Verband deutscher Frauenbildungs- und Erwerbsvereine gibt seit heute ein eigenes Verbandsorgan unter dem Namen „Der Frauenanwalt“ heraus. Es wird von Jenny Hirsch redigiert.
  • In Berlin erscheint die erste Nummer des Wochenblattes „Agitator“. Es ist nach dem „Social-Demokrat“ die zweite Arbeiterzeitung Berlins.
April 1870
Norddeutscher Bund.gif Mecklenburg.gif Türkei.gif 50px
Norddeutscher Bund / Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin / Osmanisches Reich / Russisches Kaiserreich

Beginn der Ausgrabungen von Troja durch den Kaufmann, Archäologen und Pionier der Feldarchäologie Heinrich Schliemann. Als erster Forscher führt er Ausgrabungen im kleinasiatischen Hisarlik durch und findet die von ihm und zuvor schon anderen Forschern hier vermuteten Ruinen des bronzezeitlichen Troja.

03.04.1870
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Der Historiker Philipp Jaffé
Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

Der Historiker und herausragende Wissenschaftler mittelalterlicher Philologie Philipp Jaffé (* 17.02.1819 in Schwersenz, Posen) stirbt. Jaffé ist der erste Mensch jüdischen Glaubens in Preußen, der zum außerordentlichen Professor für Geschichte an der Berliner Universität ernannt wurde. 1845 veröffentlichte er sein umfassendes Werk Regesta Pontificum Romanorum ab condita Ecclesia ad annum p. Chr. n. 1198, das über 11.000 päpstliche Dokumente enthielt. Diese Arbeit machte ihn unter Geschichtswissenschaftlern bekannt. Er fand jedoch keine Anstellung als Historiker und musste sich so auf andere Weise seinen Lebensunterhalt verdienen. Er begann erneut ein Studium, diesmal der Medizin, in Berlin und später an der Universität Wien. Er graduierte 1853 in Berlin und praktizierte dort für ein Jahr als Arzt, bis er eine Stelle als Mitherausgeber der Monumenta Germaniae Historica fand. 1863 trat er von diesem Posten zurück, nachdem er an zahlreichen Bänden der „Scriptores“ (erzählende Quellen) mitgearbeitet hatte. Am 9. Mai 1862 wurde Jaffé als erster Jude in Preußen a.o. Professor an der Universität Berlin, wo er lateinische Paläographie sowie römische und mittelalterliche Chronologie lehrte. 1868 konvertierte Jaffé zum christlichen Glauben. Er vollendete 1869 die Tabulae Ordinis Theutonici von Ernst Strehlke. Im letzten Jahr seines Lebens litt er unter paranoiden Wahnvorstellungen. Heute nimmt er sich in Wittenberge das Leben.

04.04.1870
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Professor Heinrich Gustav Magnus stirbt
Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

Der Physiker, Chemiker und Technologe Professor Heinrich Gustav Magnus stirbt in Berlin. Er war Gründer der Deutschen Chemischen Gesellschaft. Gustav Magnus wurde als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Seidenhändlers geboren; er war der jüngere Bruder des Malers Eduard Magnus. Magnus studierte in Berlin und lebte nach seiner Promotion ein Jahr in Stockholm, um bei Johann Jakob Berzelius zu arbeiten. 1831 habilitierte er sich in Berlin und erhielt 1834 eine außerordentliche und 1845 eine ordentliche Professur für Physik und Technologie. Er arbeitete auf vielen Gebieten der Physik und Chemie, darunter über Selen, Platin und viele Minerale, bestimmte die Ausdehnungskoeffizienten von Gasen und erforschte aerodynamische Phänomene. Er beschrieb 1828 das Magnus-Salz, baute 1831 ein Geothermometer, entdeckte 1833 die Perjodsäure, analysierte 1837 die Blutgase Sauerstoff und Kohlendioxid, führte 1844 Messungen zum Wasserdampfdruck (Magnus-Formel) durch und beschrieb 1852 den nach ihm benannten Magnus-Effekt. Magnus beendete seine Lehrtätigkeit 1869.

06.04.1870
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Norddeutscher Bund

Das Parlament des Norddeutschen Bundes verabschiedet ein Gesetz zum Schutz des Brief- und Schriftengeheimnisses.

09.04.1870
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

In einem zweigeschossigen Miethaus in der Französischen Straße 21 in Berlin-Mitte eröffnet die am 22. Januar von 21 Privatbankiers als erste nationale Aktienbank gegründete Deutsche Bank AG ihren Betrieb. Die Gesellschaft hat ihrer Satzung zufolge die Geschäfte des „nach Maßgabe der ihr vom Verwaltungsrat erteilten Instruktionen“ zu führen. Der aus 24 Personen bestehende Verwaltungsrat ist deutlich mächtiger als ein moderner Aufsichtsrat des 21. Jahrhunderts und nimmt seine operative Verantwortung durch einen wöchentlich tagenden Fünferausschuss wahr. Die neue Bank soll den Gesellschaftern, die meist einer eigenen, kleineren Privatbank vorstehen, keine Konkurrenz machen. Die ersten Direktoren sind Wilhelm Platenius, Georg von Siemens und Hermann Wallich.

Türkei.gif Deutsches Reich.gif 50px
Der deutsche Kaufmann und Hobby-Archäologe Heinrich Schliemann
Osmanisches Reich / Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

Nachdem er zum zweiten Mal geheiratet hat und seit einem halben Jahr vergeblich auf seine Grabungsgenehmigung in Kleinasien gewartet hat, beginnt er illegale Probegrabungen auf dem Berg Hissarlik nahe Troia (Troja) und legt dabei Mauern frei, die er - wie er später einsehen muss, fälschlicherweise - dem Palast des Priamos und dem Tempel der Minerva zuordnet.

12.04.1870
Großbritannien.gif Norddeutscher Bund.gif 50px Iran 1848-1896.gif
Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Britisch-Indien / Norddeutscher Bund / Russisches Kaiserreich / Kaiserreich Persien

Die Städte London und Kalkutta werden durch ein Telegrafenkabel miteinander verbunden. Heute findet der erste Telegrammwechsel über die Indo-Europäische Telegrafenlinie statt. Das Telegramm und seine Rückantwort aus Kalkutta benötigen insgesamt eine Stunde; die Nachrichten legen jeweils 11.000 Kilometer zurück. Das erfolgreiche Unternehmen wird ein großer Prestigegewinn für Siemens & Halske. Von ihnen wird als Apparatesystem ein Lochstreifentelegraph mit Kurbelinduktor verwendet. Durch einen Kurbelmechanismus wird eine Spule im Feld eines permanenten Magneten gedreht und erzeugt die Stromimpulse für die Übertragung. Durch den Einsatz von Lochstreifen, die mit gleichmäßiger Geschwindigkeit durch eine Kontaktvorrichtung gezogen werden, wird eine hohe Eingabegeschwindigkeit erzielt. Auf Grund der großen Entfernungen wird der Telegrafiestrom durch wachsenden Leitungswiderstand und ungenügende Isolation geschwächt. Es ist erforderlich, Relaisstationen zwischenzuschalten. Der schwache Stromimpuls wird auf einen empfindlichen Elektromagnet geleitet, dessen Anker einen Kontakt betätigte. Dieser Kontakt schließt den Stromkreis einer Ortsbatterie und gibt einen verstärkten Impuls an die nächste Station weiter. Siemens & Halske erhielten nach langwierigen Verhandlungen 1867 die Konzession zum Bau einer Linie durch Russland und im Jahr darauf durch Persien.

13.04.1870
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

In einem "Allerhöchsten Erlass" des Königs von Preußen wird die Errichtung der Kaiserpassage in der Friedrichstraße in Berlin-Mitte verfügt. Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 1871 beginnen.

16.04.1870
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Wilhelm Foerster
Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

Der schlesische Astronom Wilhelm Foerster unterbreitet den kommunalen Behörden in Berlin den Vorschlag, in Berlin ein Netz von elektrisch regulierten Uhren aufzustellen. Die Aufstellung einer solchen Uhr vor dem Kammergericht habe sich bereits bewährt.

18.04.1870
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

In Berlin stirbt der Wirkliche Geheime Rat und Steuerdirektor Johann Friedrich von Pommer Esche (* 10.02.1803 in Stralsund), der in seinen Funktionen an der Spitze des Finanzministeriums und im Staatsrat wesentlich zur Vereinheitlichung der Zollbestimmungen in Deutschland beigetragen hat. Sein Vater war schwedischer Regierungsrat. Dieser wurde 1813 in den schwedischen Adelsstand erhoben. Einer seiner Brüder war Adolph von Pommer Esche. Er studierte zwischen 1822 und 1826 Rechtswissenschaften in Göttingen und Berlin. Danach trat er als Auskulator in den preußischen Justizdienst ein und absolvierte den üblichen Vorbereitungsdienst. Auf Betreiben von Christian Peter Wilhelm Beuth wechselte er 1831 in den Verwaltungsdienst. Anfangs bei der Regierung in Frankfurt an der Oder beschäftigt wechselte er schon bald zur Provinzialsteuerdirektion der Provinz Schlesien nach Breslau. Im Jahr 1832 wurde er zum Regierungsassessor und 1833 zum Regierungsrat ernannt. Ein Jahr später wurde er Justiziar der Regierung in Stettin. 1834 wechselte er als Hilfsarbeiter ins Finanzministerium. Bereits 1836 erfolgte die Ernennung zum geheimen Finanz- und vortragenden Rat. Dem folgte 1839 die Ernennung zum geheimen Oberfinanzrat. Pommer Esche war 1842 Bevollmächtigter bei der Rheinschifffahrts-Centralkommission. Im Jahr 1847 war er Ministerialbevollmächtigter beim Vereinigten Landtag. Im Jahr 1849 wurde er Generalsteuerdirektor. In diesem Amt spielte er eine bedeutende Rolle auch bei der Fortentwicklung des Deutschen Zollvereins. Er war stark am Zustandekommen der der Verträge Preußens mit dem Königreich Hannover (1851), dem Großherzogtum Oldenburg (1852), Österreich (1853) sowie in Nachfolge des Cobden-Vertrages mit Frankreich (1862), Belgien (1865) und Großbritannien (1865) beteiligt. Bereits 1854 wurde Pommer Esche für seine Verdienste um die internationalen Zollverträge zum wirklichen geheimen Oberfinanzrat und Mitglied des Staatsrates ernannt. Im Jahr 1857 wurde er zum Mitglied einer Kommission des Staatsrates ernannt, die grundsätzliche Entscheidungen der Finanzverwaltung für die Entscheidung des Königs vorbereitete. Im Jahr 1865 wurde Pommer-Esche zum wirklichen geheimen Rat ernannt. Nach der Annexion neuer Provinzen 1866 war er mit der Angleichung der dortigen Steuerverwaltung beschäftigt. Gleichzeitig war er Bevollmächtigter beim Bundesrat des Norddeutschen Bundes. Auch im Bundesrat des Zollvereins war er tätig. Von ihm stammt der Entwurf des Vereinszollgesetzes von 1869.

20.04.1870
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

Nachdem der Cottbuser Justizfiskus am 1. Februar das gesamte Areal des Schlossgrundstückes erworben hat, wird nun ein "Schloßturm-Bauverein" ins Leben gerufen. Ehrenvorsitzender wird Hermann Fürst von Pückler-Muskau, als Architekt für den Wiederaufbau des alten Bergfriedes kann Prof. von Arnim gewonnen werden. Auf den Grundmauern des alten Fürstenhauses soll eine Justizeinrichtung erbaut werden.

21.04.1870
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

Zwischen Cottbus und Großenhain verkehren die ersten Züge.

29.04.1870
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Heinrich Stephan wird Generalpostmeister der Norddeutschen Bundespostverwaltung
Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

Der Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes und preußische Ministerpräsident Otto Graf von Bismarck ernennt Heinrich Stephan zum Generalpostmeister der Norddeutschen Bundespostverwaltung. Mit guten Leistungen fiel Heinrich Stephan auch in seiner Lehrstelle bei der Stolper Post ab 20. Februar 1848 auf, so dass er, versehen mit einem ausgezeichneten Zeugnis, 1849 als Beamtenanwärter nach Marienburg kam. Bereits ein Jahr später war er Postassistent in der Oberpostdirektion Danzig. Nach Ableistung seines einjährigen Dienstes beim preußischen Heer wurde er nach einem kurzen Zwischenspiel beim Berliner Generalpostamt nach Köln zur Oberpostdirektion versetzt. Hier hatte er hauptsächlich mit der Bearbeitung überseeischer Postrechnungen zu tun, und dabei entstanden wohl die ersten Ideen für die Vereinheitlichung des internationalen Postverkehrs. 1855 schloss Stephan seine Ausbildung endgültig mit der Absolvierung der Prüfung zum höheren Postdienst ab, ebenfalls wieder mit Auszeichnung. Anschließend kehrte er in das Generalpostamt Berlin zurück. Zu seinen ersten Aufgaben im Generalpostamt zählte die Ausarbeitung eines Paketposttarifs für das Gebiet des Deutsch-Österreichischen Postvereins, der bei der deutschen Postkonferenz in München 1857 unverändert nach seinen Vorschlägen angenommen wurde. Stephan versuchte auch, den Annahme- und Abfertigungsdienst durch die Einführung der Poststenographie zu beschleunigen, konnte sich mit diesen Ideen jedoch nicht durchsetzen. Im September 1858 vollendete er sein umfangreiches Werk „Die Geschichte der Preußischen Post von ihrem Ursprung bis auf die Gegenwart“, das entgegen dem Titel nicht nur die Geschichte der Post in Preußen sondern die gesamte postalische Entwicklung in Europa darstellt. Dieses Standardwerk zur Postgeschichte erschien 1859 im Verlag des Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei in Berlin in Druck. Außerdem erschien im selben Jahr seine Schrift „Über die britische Portoreform Rowland Hills von 1840“, in der er die Einführung des britischen Einheitsportos unter Rowland Hill begrüßt. 1860 war er als Vertreter auf der deutschen Postkonferenz in Frankfurt am Main, wo ihn die durch die zersplitterten Kleinstaaten verursachten organisatorischen Probleme in seinem Reformwillen bekräftigten. 1862 und 1863 erreichte er Postverträge mit Belgien und den Niederlanden, 1864 mit Spanien und Portugal. 1865 veröffentlichte er eine Denkschrift zur Einführung der Postkarte, die zwar vom preußischen Generalpostmeister wegen der „unanständigen Form“ der Mitteilungen und zu erwartender Einnahmeausfälle abgelehnt wurde, auf der fünften Konferenz des Deutschen Postvereins in Karlsruhe im November 1865 dennoch Gehör fand. Nach Ausbruch des Deutschen Kriegs 1866 veröffentlichte Stephan eine Denkschrift, in der er der preußischen Regierung nahelegte, die Thurn- und Taxissche Post in Besitz zu nehmen, sobald es die militärischen Gegebenheiten zuließen. Nach dem Sieg im Deutschen Krieg besetzte Preußen die Freie Stadt Frankfurt und zwang Thurn und Taxis, in einem Abtretungsvertrag dem preußischen Staat die Posteinrichtungen zu überlassen. Der Vertrag wurde am 28. Januar 1867 ratifiziert, und die Übergabe erfolgte am 1. Juli 1867. Stephan schloss unterdessen Postverträge mit den Vereinigten Staaten von Amerika, Norwegen, Dänemark, der Schweiz, Italien und Schweden. 1868 wurde er zum Geheimen Oberpostrat befördert. Abermals verfasste er zahlreiche Schriften, darunter seine „Denkschrift betreffend den allgemeinen Postkongreß“ (1868), in der er Grund- und Leitsätze für eine weltumspannende Postgemeinschaft darlegte.

31.05.1870
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

Das Strafgesetzbuch des Norddeutschen Bundes wird aufgrund der energischen Schaffenskraft ihres Verfassers Heinrich von Friedberg in Kraft gesetzt. Von Friedberg nimmt auch an Beratungen über das Militärstrafgesetzbuch teil, da er Mitglied der hierfür eingerichteten Kommission und Bundeskommissar ist. Als Grundlage des Strafgesetzbuches diente das preußische Strafgesetzbuch von 1851.

05.06.1870
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Der deutsche Kunstprofessor Friedrich Wilhelm Gubitz stirbt
Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

Der deutsche Grafiker (Holzstecher), Schriftsteller , Theaterkritiker, Herausgeber und Kunstprofessor (* 27. Februar 1786 in Leipzig), der künstlerische Wiedererwecker des Holzschnittes in Deutschland, für dessen weite Verbreitung er selbst durch seinen »Deutschen Volkskalender« wirkte, stirbt 84jährig in Berlin. Gubitz besuchte ab 1795 das Gymnasium in Wittenberg, im Alter von elf Jahren war er nach Berlin gezogen. 1801 nimmt er ein Studium in Jena auf, um sich einem Studium der Theologie zu widmen. Während dieser Zeit entstanden erste Holzschnittarbeiten, die er in Berlin ausstellte und eine längst vergessene Technik wieder bekannt machte. 1805 wurde er an die Berliner Kunstakademie berufen. Als Professor an dieser Einrichtung lehrte er die Technik des Holzschnittes. Um den Farbholzschnitt machte er sich verdient und wirkte mit dieser Kunstmethode in Deutschland in einer Zeit wachsenden Nationalbewusstseins. Er beförderte so grafische Technik für Bildauflagen (Druck von Porträts), Illustrationen von Büchern und Zeitschriften. In seiner Position hatte er bedeutende Schüler, darunter Franz Theodor Kugler, Heinrich Rudolf Genée und Friedrich Unzelmann. In Berlin war er auch Verleger und Publizist, zusätzlich war sein Haus der Zeit entsprechend eine gesellschaftliche Institution und Treffpunkt für Schüler und Künstler. Im Eigenverlag war er Herausgeber der "Gaben der Milde", in denen Beiträge namhafter Autoren (Brentano, Goethe) veröffentlicht wurden. Der Vertrieb erfolgte durch Verlosung, der Erlös ging zu Gunsten der Kriegsverletzten aus dem Freiheitskrieg. Er schrieb für die Vossische Zeitung. In seiner Zeitschrift Der Gesellschafter veröffentlicht er Gedichte von Heinrich Heine(1821) und anderen Autoren.

06.06.1870
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Eine Correspondenz-Karte aus Österreich-Ungarn
Norddeutscher Bund / Königreich Preußen / Königreich Bayern / Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland / Russisches Kaiserreich / Großherzogtum Finnland

Der preußische Ministerpräsident und Kanzler des Norddeutschen Bundes, Graf Otto von Bismarck, zeichnet die "Verordnung betr. die Einführung der Correspondenzkarte" ab, die am 1. Juli 1870 in Kraft treten soll. Württemberg, Baden und Luxemburg planen ebenfalls die baldige Einführung der "Postkarte". Der Versand soll außer in den Ländern des Norddeutschen Bundes, Bayerns, Badens und Württembergs auch nach Österreich-Ungarn und nach Luxemburg möglich sein. Österreich-Ungarn führte die "Postkarte" bereits im Vorjahr ein, Großbritannien und Finnland ebenfalls in diesem Jahr.

15.06.1870
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

In einem Erlass des Handelsministeriums wird angeordnet, dass die vom Maschinenmeister August Wöhler in Frankfurt (Oder) ausgeführten Festigkeitsversuche in der Gewerbeakademie, Versuchsstation zur Prüfung von Stahl und Eisen, in Berlin durchzuführen sind.

19.06.1870
Spanien 1785-1873.gif Norddeutscher Bund.gif Frankreich.gif
Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen kandidiert für das Königsamt in Spanien...
...Kaiser Napoleón III. von Frankreich ist gegen die Kandidatur Leopolds
Königreich Spanien / Norddeutscher Bund / Französisches Kaiserreich

Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, der Fürst von Hohenzollern und ein entfernter Verwandter des preußischen Königs Wilhelm I., kandidiert für den spanischen Thron, der aufgrund der Spanischen Revolution frei geworden ist. Wilhelm I. ist gegen die Kandidatur, aber der Kanzler des Norddeutschen Bundes, Graf Otto von Bismarck, überredet Leopold dazu, die Kandidatur aufrechtzuerhalten. Frankreich sieht in der Übernahme des Thrones durch ein Mitglied des Hauses Hohenzollern und einem möglichen spanisch-preußischen Bündnis eine Störung des europäischen Kräftegleichgewichts und eine Gefährdung der Interessen Frankreichs. Frankreich droht Preußen mit Krieg für den Fall, dass Leopold seine Kandidatur nicht zurückziehe. Leopold ist der älteste Sohn des Fürsten Karl Anton von Hohenzollern (* 1811) aus dessen Ehe mit Josephine von Baden (* 1813), Tochter des Großherzogs Karl von Baden (1786–1818). Leopold heiratete am 12. September 1861 in Lissabon Antonia Maria von Portugal (* 1845), Tochter des portugiesischen Königspaares Maria II. da Gloria und Ferdinand II.; 1868 hatten Militärs in der Revolution in Spanien Königin Isabel II. abgesetzt. Seitdem suchten die Spanier in den europäischen Fürstenhäusern nach einem Anwärter, den das Parlament zum König wählen könnte. Der portugiesischen Titularkönig Ferdinand II., der selbst ablehnte, verwies auf seinen Schwiegersohn. Zunächst lehnte Leopold ab, doch ersuchte die spanische Regierung Preußen entsprechend auf Leopold einzuwirken. Dieses Angebot wurde nun vom preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck unterstützt, der es vorher als Familienangelegenheit abgetan hatte. Vom französischen Kaiser Napoléon III. wird die Kandidatur Leopolds jedoch abgelehnt. Leopold, der über seine Großmutter Stéphanie de Beauharnais indirekt enger mit den Bonapartes verwandt ist als mit den preußischen Hohenzollern, schreibt an König Wilhelm I.: „Ich bin bis in die innerste Faser meines Herzens Preuße und Deutscher.“

20.06.1870
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

In seiner Privatklinik in der Karlstraße hält der an Tuberkulose erkrankte Augenarzt Friedrich Wilhelm Ernst Albrecht von Graefe (* 22.05.1828 in Berlin) seine letzten Sprechstunden. Er verlässt die Klinik in der Gewissheit seines nahen Todes.

25.06.1870
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

Der erste Verkaufstag der Postkarten (Korrespondenzkarten) bringt in Berlin einen Absatz von 45.000 Stück dieser neuen „Postkarten“.

30.06.1870
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Norddeutscher Bund / Königreich Preußen

In Preußen wird die Zentrumspartei gegründet. Bereits im Vorjahr beschlossen einige Abgeordnete des Preußischen Abgeordnetenhauses die Gründung einer "katholischen Partei in Preußen". Man einigte sich darauf, dass die Unabhängigkeit kirchlicher Institutionen und die Selbständigkeit der Kirche vom preußischen Staat gefordert werden soll. Die Konfessionsschulen und die kirchliche Schulaufsicht sollen erhalten bleiben. Die Gründung eines deutschen Gesamtstaates soll auf föderaler Basis erfolgen und den Bundesstaaten eine relativ große Unabhängigkeit eingeräumt werden. Auch Ansätze zur Forderung nach einer staatlichen Sozialpolitik sind im heute beschlossenen "Essener Programm" enthalten: Die bestehende finanzielle Belastung des Volkes soll durch den Verzicht auf weitere Erhöhungen des Militäretats und eine gerechtere Verteilung der Steuerlast erreicht und auf die Beseitigung der sozialen Missstände im Staat hingewirkt werden.

Chronik des Norddeutschen Bundes des Jahres 1870
I. Quartal - II. Quartal - III. Quartal - IV. Quartal
Chronik des Deutschen Bundes des Jahres 1870
IV. Quartal
Chronik des Deutschen Reiches des Jahres 1870/71
Deutsches Reich 1870/71
Chronik des Deutschen Kaiserreiches des Jahres 1871
I. Quartal - II. Quartal - III. Quartal - IV. Quartal
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