Chronik 1770.11-III
Weltchronik der dritten Dekade des November 1770
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| Königreich Preußen In Lerbach im Harz wird eine „Gnadenkasse“ gegründet, die kranke und arbeitsunfähige Bergarbeiter oder ihrer Hinterbliebenen bei Bedarf unterstützen soll. Diese Einrichtung ist eine der ersten sogenannten „Privat-Sparkassen“, die meist auf Initiative von Landesherren oder wohltätigen Privatleuten gegründet wird und den ärmeren Bevölkerungsschichten eine längerfristige und verzinsliche Bildung von finanziellen Rücklagen ermöglichen soll. Im ländlichen Bereich existieren bereits verschiedene Formen von Viehleihkassen sowie auch schon landwirtschaftliche Vorschussvereine zur Unterstützung armer Landwirte. Über die Entstehung und Entwicklung der Eisensteinsgnadenkasse zu Lerbach in den ersten Jahren ihres Bestehens ist ein ausführlicher Bericht erhalten: "Articul von der Gnadenkasse, welche den 26.11.1770 von den Eisensteinsbergleuten zu Lerbach unter sich errichtet und wie die Articul in der Folge verbessert worden." Weiter heißt es in der Chronik: "Darnach sind am 26.11.1770 sämtliche Lerbacher Eisensteinsbergleute, d.h. alle Steiger und Hauer mit Genehmigung der Herren Bergschreiber Meyer und des Eisensteinsgeschworenen Beermann, und zwar alle, welche ihren Büchsenpfennig dazu geben wollten, zusammengekommen und haben die Gründung der Kasse beschlossen." |
| Königreich Frankreich Der Kanzler Frankreichs gibt ein "dit de reglement et de discipline" des Königs Louis XV. bekannt, durch das den Richtern ("magistrats") verboten wird, die verschiedenen Zweige oder "Klassen" des Parlaments als Teile eines "unteilbaren" einzigen Parlaments zu definieren; der Austausch von Akten und Einsprüchen ("Remonstations") zwischen den verschiedenen Parlamenten wird untersagt. Außerdem wird ein Streik von Seiten der Parlamente untersagt und verlangt, dass nach einer einmaligen Remonstration gegen ein königlichen Dekret das Parlament die Registrierung eines Ediktes nicht mehr blockieren dürfe. Die Richter weigern sich, dieses Edikt zu registrieren, woraufhin Louis XV. ein "Lit de justice" für den 7. Dezember in Versailles einberuft. Bis dahin stellen die Parlamente nuin ihre Tätigkeiten ein. | |
| Königreich Großbritannien / Britisch-Amerika Der Prozess gegen die Soldaten des Massakers von Boston im März dieses Jahres wird in Suffolk County in Massachusetts fortgesetzt. Gegen den Befehlshaber Captain Preston wurde bereits im Vormonat verhandelt. John Adams, Josiah Quincy II und Robert Auchmuty agieren als Verteidiger, Sampson Salter Blowers unterstützt sie durch Untersuchungen bezüglich der Juroren. Der Solicitor General von Massachusetts, Samuel Quincy, und der Privatanwalt Robert Treat Paine, der von der Stadt Boston engagiert wurde, vertreten die Anklage. Um die Stimmung etwas abkühlen zu lassen, wurde die Verhandlung um Monate verzögert, was ungewöhnlich ist. Die Angehörigen der Jury kommen alle aus anderen Städten. In diesem Verfahren muss die Verteidigung die Schuld jedes einzelnen Soldaten gesondert feststellen, da ein nicht identifizierter Soldat seine Waffe nicht abfeuerte und daher nicht des Totschlags oder Mordes schuldig sein könne. Die Jury spricht mangels Beweisen daher sechs Soldaten frei, Private Montgomery und Matthew Killroy werden des Totschlags für schuldig befunden. Dies ist zwar ein Kapitalverbrechen, aber als Ersttäter werden sie schließlich nur am Daumen gebrandmarkt und nicht gehängt. Die Entscheidungen der Jury legen nahe, dass sie von einer Bedrohung der Soldaten durch die Menge ausgehen. Patrick Carr, das fünfte Opfer, unterstützte diese Ansicht mit seiner Erklärung auf dem Sterbebett gegenüber Anwalt John Adams. Samuel Adams und seine patriotischen Kollegen titulieren die Todesfälle aus Propagandagründen als „The Boston Massacre“. Sie argumentieren, dass die Bedeutung nicht in der kleinen Zahl von Toten liege, sondern in der Politik der Briten, ein stehendes Heer zu unterhalten und Truppen einzusetzen, um damit Gesetze durchzusetzen, die sie im Parlament gegen die Einwände der lokalen Gesetzgebung in Amerika verabschiedeten. Die öffentliche Beerdigung der ersten vier Opfer war eine der größten Versammlungen Nordamerikas bis zu diesem Zeitpunkt. John Adams nennt seine Verteidigung der Soldaten des Boston Massacre eine „der mutigsten, großzügigsten, mannhaftesten und unvoreingenommensten Handlungen seines ganzen Lebens und einen der besten Dienste, die er je seinem Land geleistet habe“. John Adams mutmaßt, dass dieser Tag „den Grundstein des unabhängigen Amerikas“ darstellt. In den 13 britischen Kolonien (den späteren Neu-England-Staaten) leben 2.131.000 Menschen, doppelt so viele wie vor 20 Jahren. | |
| Königreich Frankreich Finanzminister Pater Joseph Marie Terray stellt die Möglichkeiten für den Lebensmittelverkehr zwischen den Provinzen wieder her. |
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