Chronik 1770.12-III: Unterschied zwischen den Versionen
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| − | ... <br> | + | Der immer wichtiger werdende Minister am königlichen Hof in Kopenhagen, Johann Friedrich Struensee, der seit vier Tagen auch Leibarzt des Königs ist, ernennt den erfahrenen Diplomaten Adolph Sigfried von der Osten zum Leiter des neuen Départements für auswärtige Angelegenheiten. Von der Osten war bis 1765 dänischer Gesandter in Russland gewesen, ehe er wegen Differenzen mit Bernstorff abgezogen und nach Neapel versetzt worden war. Als Außenminister soll er nun die guten Beziehungen zu Zarin Jekatarina II. von Russland fördern. <br> |
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| − | + | Der Staatsrat beschließt, dass der Verkauf von Getreide bis auf weiteres außerhalb der Märkte verboten wird. <br> | |
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| − | ... <br> | + | [[Datei:Étienne-François de Choiseul.jpg|thumb|left|150px|Der scheidende Erste Minister Frankreichs Étienne-François de Choiseul-Beaupré-Stainville, comte puis duc de Choiseul-(Stainville)]] Der Erste Minister, Außen- und Staatskriegsminister Étienne-François de Choiseul wird von König Louis XV. von seinen Ämtern entbunden. Er war 12 Jahre und 22 Tage Erster Minister, 4 Jahre, 8 Monate und 15 Tage Außenminister und 9 Jahre, 10 Monate und 28 Tage Staatskriegsminsiter. Étienne-François de Choiseul-Beaupré-Stainville ist Graf von Choiseul (Stainville) (1758) und Herzog von Amboise (1764). Zu seinen Brüdern zählen der Fürsterzbischof von Cambrai Léopold-Charles de Choiseul-Stainville sowie der Marschall von Frankreich Jacques Philippe de Choiseul-Stainville. Der scheidende Erste Minister diente als Soldat während des Österreichischen Erbfolgekriegs 1741 in Böhmen und Italien, wo er sich bei der Schlacht von Coni 1744 auszeichnete. Von 1745 bis 1748 war er mit der Armee auf dem Gebiet der Niederlande und nahm an der Schlacht bei Mons, Charleroi und Maastricht teil. Er wurde zum Lieutenant général ernannt und heiratete 1750 Louise Horine, Tochter des Bankiers Louis François Crozat (1691–1750), Marquis de Chatel, die ein großes Vermögen in die Ehe einbrachte. Choiseul gewann die Gunst von Madame de Pompadour, indem er ihr einige Briefe beschaffte, die Ludwig XV. an seine Cousine Madame de Choiseul geschrieben hatte. Nach einer kurzen Zeit als Landvogt von Vosges wurde er 1753 zum Botschafter in Rom ernannt, wo er mit den Verhandlungen betraut wurde, die die Unruhen im Zusammenhang mit der Bulle Unigenitus Dei filius betrafen. Er erfüllte seine Verpflichtung mit Geschick, und 1757 sorgte seine Patronin für seine Versetzung nach Wien, wo er instruiert wurde, die neue Allianz zwischen Frankreich und Österreich anzubahnen. Sein Erfolg in Wien eröffnete ihm die Möglichkeit für eine weitergehende Karriere: Choiseul ersetzte Abbé François-Joachim de Pierre de Bernis als Außenminister (1758–1761/1766–1770) und steuerte daher während des Siebenjährigen Krieges die französische Außenpolitik. Zu dieser Zeit wurde er zum Duc d’Amboise erhoben. Obwohl in den Jahren 1761 bis 1766 sein Cousin César Gabriel de Choiseul-Praslin das Amt des Außenministers bekleidete, bestimmte doch Choiseul weiterhin bis jetzt die französische Politik. So amtierte er phasenweise zugleich als Kriegsminister (1761–1770) und Marineminister (1761–1766). 1766 tauschte er mit seinem Cousin das Marineministerium gegen das Außenministerium. Als der Urheber des „Familienpaktes“ versuchte er, durch eine Allianz mit dem Bourbonen-Haus in Spanien die verheerenden Ergebnisse der Allianz mit Österreich wiedergutzumachen; seine Maßnahme kam aber zu spät. Seine energische Politik in anderen Bereichen des Staats war jedoch nicht vergeblich. Nachdem er inmitten einer Phase der Demoralisierung an die Macht gekommen war, verursacht durch die Niederlagen von Rossbach und Krefeld, reformierte er mit Mut und Energie die Streitkräfte. Auch wenn er zu spät kam, um den Verlust Kanadas und Indiens noch zu verhindern, entwickelte er die französischen Kolonien in den Antillen – darunter die „Perle der Karibik“ Saint Domingue – und brachte Korsika und Lothringen unter die französische Krone. Seine Innenpolitik stellte im Allgemeinen die Adel, Klerus und Wissenschaftler zufrieden. Er erlaubte die Veröffentlichung der Encyclopédie und führte die Verbannung der Jesuiten herbei. Choiseuls Sturz wurde verursacht durch seine Maßnahmen gegen die Jesuiten, und durch seine Unterstützung für deren Gegner La Chalotais und der Provinzparlamente. Nach dem Tod Madame Pompadours 1764 wurden seine Feinde, angeführt von Madame Dubarry und dem Kanzler Maupeou, zu stark für ihn, und nun wurde er gezwungen, sich auf seinen Landsitz in Chanteloup zurückzuziehen. Die Intrigen gegen werden jedoch seine schon vorher große Popularität befördern. Inhalt seines Lebens bleibt die Sorge über die Modernisierung des Staates und seine Stärkung angesichts der Macht der Kirche, die das soziologische und politische Bündnis zwischen einem liberalen Rand des europäischen Adels und dem fortschrittlichen Wirtschaftsbürgertum wie William Pitt in Großbritannien, Pombal in Portugal, Tanucci in Neapel, Du Tillot in Parma und Kaunitz in Österreich symbolisierte. Sein Freund Baron de Gleichen, ein dänischer Diplomat, beschreibt ihn als "eher klein, robuster als schlank und von einer sehr angenehmen Hässlichkeit, seine kleinen Augen funkeln vor Geist, seine Nase im Wind gibt ihm eine angenehme Luft“. Andererseits wird er von seinen Feinden als ein Brandbeschleuniger angesehen, der Europa in Brand gesteckt hat. De Choiseul, der bei dem preußischen König Friedrich II. (dem Großen) und der Zarin Jekaterina II. nicht beliebt ist, weil sie ihn als ein "schwarzes Tier" ansehen, das Lust an Kriegen hat, setzte sich nach dem Vertrag vom 1. Mai 1756 für eine Stärkung des Verteidigungsbundes mit dem Wiener Hof ein, was schließlich noch im selben Jahr den Siebenjährigen Krieges von Nordamerika nach Europa brachte. <br> |
| + | [[Datei:René-Nicolas de Maupeou.jpg|thumb|150px|Der neue Erste Minister René-Nicolas de Maupeou]] Der neue Erste Minister René-Nicolas de Maupeou ist der fünfte Träger dieses Namens. Er stammt aus Bruyères des Maupeou und studierte am Louis-le-Grand College. Sein Bruder Louis (* 1716) ist Offizier in der Infanterie. Mit 19 Jahren wurde René-Nicolas de Maupeou zum Berater der 3. Untersuchungskammer des Pariser Parlaments berufen. Am 22. Januar 1744 heiratet er Anne Marguerite Thérèse de Roncherolles, Tochter von Charles Michel François, Marquis von Roncherolles, und Angélique Marguerite de Jassaud. Die junge Braut war deren einziges Kind und hatte nach dem Tod des Vaters ein großes Vermögen sowie und ein Anwesen aus dem 10. Jahrhundert geerbt. Anne starb am 21. April 1752, nachdem sie zwei Söhne geboren hatte. Um seinen ältesten Sohn zu erziehen, ernannte Maupeou einen jungen Mann namens Charles-François Lebrun. Maupeou äußerte im Rahmen seiner politischen Aktivitäten Ansichten, die sich von denen der meisten seiner Parlamentskollegen unterschieden, was dazu führte, dass ihm viele Parlamentarier misstrauten. König Louis XV. nutzte den Rücktritt des ersten Präsidenten Molé und beschloss, alle führenden Mitarbeiter der Justiz auszutauschen. Der alte Kanzler Lamoignon, der sich weigerte, zurückzutreten, wurde in sein Land Malesherbes verbannt. Als Kanzler Guillaume de Lamoignon de Blancmesnil am 14. September 1768 sein Amt niederlegte, wurde vereinbart, dass René-Charles de Maupeou sen. zum Nachfolger ernannt wird, sein Amt jedoch unverzüglich niederlegt, um als Kanzler von Frankreich in den Ruhestand zu treten. Er war nur einen Tag Kanzler, und sein Sohn folgte ihm am 16. September 1768 in diesem Amt nach. Während es seit d'Aguesseau eingerichtet worden war, um die Funktionen des Kanzlers und Bewahrers der Siegel von Frankreich zu trennen, wurden sie zu Gunsten von Maupeou wiedervereinigt, dem die Siegel zwei Tage später überreicht wurden. Maupeou hatte somit in gerichtlichen Angelegenheiten einen weiten Handlungsspielraum, der durch das Vertrauen Louis' XV. noch vergrößert wurde. "Dann, vierundfünfzig Jahre alt," schreibt Michel Antoine, "war er ein kleiner Mann mit großen, hervorstehenden Augen unter dicken schwarzen Augenbrauen, einer ziemlich niedrigen Stirn, einer langen und quadratischen Nase und einem großen, aufgerichteten Mund und der gelbem, bläulichen Teint. Er war streng mit seinen Pflichten durchdrungen, unermüdlich bei der Arbeit" Es ging das Gerücht um, dass Maupeou seine Ernennung Choiseul schuldete. Es ist sicher, dass der Letztere, der immer noch einen großen Einfluss auf den König hat, sich dem nicht widersetzte, aber es ist auch nichts beweist, dass er seinen Nachfolger im Amt favorisierte. Zunächst scheint Maupeou auch einer Linie der Mäßigung zu folgen. <br> | ||
| + | [[Datei:Louis Phélypeaux de Saint-Florentin.jpg|thumb|150px|right|Louis Phélypeaux de Saint-Florentin]] Neuer Außenminister wird der Marquis Louis Phélypeaux de Saint-Florentin, der kürzlich zum Herzog von La Vrillière ernannt wurde. Im September 1765 wurde er Opfer eines Jagdunfalls, nach dem ihm die linke Hand amputiert wurde. Zwischen 1767 und 1769 ließ er vom Architekten Jean-François-Thérèse Chalgrin das prächtige Hôtel de Saint-Florentin (2 rue Saint-Florentin in Paris) errichten und ist seit 1756 Staatsminister und seit 1749 Staatssekretär im Haus des Königs von Ludwig XV.; der entlassene Erste Minister Choiseul sagt über ihn, "dass er drei Namen habe und keine gemacht habe". <br> | ||
| + | Das Amt des Staatskriegsministers (Secrétaire d'Etat de la Guerre) bleibt vorerst unbesetzt. <br> | ||
| + | Es beginnt das "Triumvirat" des Herzogs von Aiguillon Emmanuel-Armand de Vignerot du Plessis-Richelieu, Pater Joseph Marie Terray und René-Nicolas de Maupeou. Herzogs von Aiguillon Emmanuel-Armand de Vignerot du Plessis-Richelieu wurde als Sohn von Armand Louis de Vignerot du Plessis (1683–1750) und der Anne Charlotte de Crussol de Florensac (* 1700) geboren. Er war ein Neffe des Marschalls Richelieu. Mit siebzehn trat er in die Armee ein und mit neunzehn wurde er zum Colonel des Régiment de Brie ernannt. Er diente in den Feldzügen in Italien während des Österreichischen Erbfolgekriegs, wurde 1744 in der Schlacht von Pierrelongue bei Chateau-Dauphin schwer verwundet, 1746 gefangen genommen und 1748 zum Maréchal de camp befördert. Seine Heirat im Jahr 1740 mit Louise Félicité de Bréhan, Tochter des comte de Plélo, zusammen mit seiner Verbindung zur Richelieu-Familie, verschaffte ihm eine wichtige Stellung am Hof. Er war ein Mitglied der so genannten parti dévot, der Fraktion gegen Madame de Pompadour, die Jansenisten und das Parlament. 1753 bis 1768 diente er als Kommandant der Bretagne. Er war dort nicht beliebt. Die Provinz hatte eine große Zahl von Privilegien bewahrt („Freiheiten“ genannt). 1758 siegte er in der Schlacht von Saint-Cast gegen englische Truppen. Im gleichen Jahr kam er mit den Provinzständen wegen der Abgaben an den König in Konflikt. 1762 brachte er das Parlament der Bretagne (1554–1790) gegen sich auf, weil er die Privilegien der Provinz missachtete. Im Juni 1764 hob der König einen Erlass des Parlaments auf, der die Erhebung neuer Steuern ohne Zustimmung der Stände untersagte; er weigerte sich, die Proteste des Parlaments gegen den Herzog entgegenzunehmen. Am 11. November 1765 wurde der Prokurator des Parlaments, Louis-René de Caradeuc de La Chalotais verhaftet. Ob dies auf Veranlassung Aiguillons geschah, ist ungewiss. Der Konflikt zwischen Aiguillon und den Bretonen dauerte zwei Jahre. Anstelle des Parlaments, das sich aufgelöst hatte, organisierte Aiguillon ein Tribunal mit mehr oder minder kompetenten Richtern, die von den Pamphlet-Schreibern verspottet und ironisch bailliage d'Aiguillon genannt wurden. Heute erreichte er die Entlassung des Ministers Étienne-François de Choiseul und übernimmt eine wichtige Position am Hofe des Königs. <br> | ||
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| − | ... <br> | + | Der einflussreichste Minister Dänemark Johann Friedrich Struensee veranlasst den König Christian VII., den Geheimen Staatsrat (dänisch Gehejmekonseil), den höchsten königlichen Rat in Dänemark, aufzulösen. Das Gerichtswesen soll erneuert und von der Verwaltung getrennt werden. Statt der alten Standesgerichte soll es nun bald ein einheitliches Gericht geben. Jeder Bürger soll vor dem Gesetz die gleichen Rechte besitzen. Auch zur Milderung der sozialen Ungerechtigkeit plant Struensee zahlreiche Gesetze: Er will Findelhäuser und Hospitäler gründen und die Öffnung des Schlossgartens für die Bevölkerung erlauben. Er beabsichtigt, das Gesundheits- und das Schulwesen zu reformieren, Dänisch statt Latein unterrichten zu lassen und die Prügelstrafe abzuschaffen. Die Folter wird ebenfalls abgeschafft. Uneheliche Geburten sollen nicht mehr bestraft, außerehelich geborene Kinder sollen den ehelichen gleichgestellt werden. Ehebruch soll nicht mehr als Verbrechen, sondern nur noch als innerfamiliäres Problem gelten. Dieser Teil des Dekretes wird später als ein offenes Schuldeingeständnis Struensees angesehen werden, da man im Volk munkelt, dass er und nicht der König der Vater des Kindes der schwangeren Königin sein könnte. <br> |
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| style="color:blue;background-color:#f6f890;" | '''''Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres [[Chronik 1770|1770]]''''' || style="color:blue;background-color:#f6f890;" | '''[[Chronik 1770.01|Januar]] / [[Chronik 1770.02|Februar]] / [[Chronik 1770.03|März]] / [[Chronik 1770.04|April]] / [[Chronik 1770.05|Mai]] / [[Chronik 1770.06|Juni]] / [[Chronik 1770.07|Juli]] / [[Chronik 1770.08|August]] / [[Chronik 1770.09|September]] / [[Chronik 1770.10|Oktober]] / [[Chronik 1770.11|November]] / [[Chronik 1770.12|Dezember]]''' <br> | | style="color:blue;background-color:#f6f890;" | '''''Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres [[Chronik 1770|1770]]''''' || style="color:blue;background-color:#f6f890;" | '''[[Chronik 1770.01|Januar]] / [[Chronik 1770.02|Februar]] / [[Chronik 1770.03|März]] / [[Chronik 1770.04|April]] / [[Chronik 1770.05|Mai]] / [[Chronik 1770.06|Juni]] / [[Chronik 1770.07|Juli]] / [[Chronik 1770.08|August]] / [[Chronik 1770.09|September]] / [[Chronik 1770.10|Oktober]] / [[Chronik 1770.11|November]] / [[Chronik 1770.12|Dezember]]''' <br> | ||
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| style="color:blue;background-color:#f6f890;" | '''''Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres [[Chronik 1771|1771]]''''' || style="color:blue;background-color:#f6f890;" | '''[[Chronik 1771.01|Januar]] / [[Chronik 1771.02|Februar]] / [[Chronik 1771.03|März]] / [[Chronik 1771.04|April]] / [[Chronik 1771.05|Mai]] / [[Chronik 1771.06|Juni]] / [[Chronik 1771.07|Juli]] / [[Chronik 1771.08|August]] / [[Chronik 1771.09|September]] / [[Chronik 1771.10|Oktober]] / [[Chronik 1771.11|November]] / [[Chronik 1771.12|Dezember]]''' <br> | | style="color:blue;background-color:#f6f890;" | '''''Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres [[Chronik 1771|1771]]''''' || style="color:blue;background-color:#f6f890;" | '''[[Chronik 1771.01|Januar]] / [[Chronik 1771.02|Februar]] / [[Chronik 1771.03|März]] / [[Chronik 1771.04|April]] / [[Chronik 1771.05|Mai]] / [[Chronik 1771.06|Juni]] / [[Chronik 1771.07|Juli]] / [[Chronik 1771.08|August]] / [[Chronik 1771.09|September]] / [[Chronik 1771.10|Oktober]] / [[Chronik 1771.11|November]] / [[Chronik 1771.12|Dezember]]''' <br> | ||
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| − | | <center> '''Weblinks''' </center> || | + | | <center> '''Weblinks'''</center> || |
| + | * [http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Deutschlands Die geschichtliche Entwicklung Deutschlands bei Wikipedia] | ||
| + | * [http://www.dhm.de/lemo/home.html Die deutsche Geschichte von 1801 bis heute vom Deutschen Historischen Museum] | ||
| + | * [http://www.hdg.de/lemo/jahreschronik/1800.html Lemo 1800] | ||
| + | * [http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschland-chronik/ Deutschland-Chronik der Bundeszentrale für politische Bildung in Berlin] | ||
| + | * [https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Kriegen_und_Schlachten_im_18._Jahrhundert Kriege im 18. Jahrhundert] | ||
| + | * [http://www.regis-net.de/krieg/kriegliste-a.html#18 Liste der Kriege] | ||
| + | * [http://www.hbcheritage.ca/people/explorers/samuel-hearne Samuel Hearne] | ||
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Aktuelle Version vom 20. Mai 2026, 14:04 Uhr
Weltchronik der dritten Dekade des Dezember 1770
Ereignisse vom 01.-10. des Monats Ereignisse vom 11.-20. des Monats Ereignisse vom 21.-Ende des Monats
Nach 12 Jahren wechselt der König von Frankreich seinen Ersten Minister aus
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| Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres 1769 | Januar / Februar / März / April / Mai / Juni / Juli / August / September / Oktober / November / Dezember |
| Hier geht es zu den Ereignissen der Monate des Jahres 1770 | Januar / Februar / März / April / Mai / Juni / Juli / August / September / Oktober / November / Dezember |
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| Königreich Dänemark Der immer wichtiger werdende Minister am königlichen Hof in Kopenhagen, Johann Friedrich Struensee, der seit vier Tagen auch Leibarzt des Königs ist, ernennt den erfahrenen Diplomaten Adolph Sigfried von der Osten zum Leiter des neuen Départements für auswärtige Angelegenheiten. Von der Osten war bis 1765 dänischer Gesandter in Russland gewesen, ehe er wegen Differenzen mit Bernstorff abgezogen und nach Neapel versetzt worden war. Als Außenminister soll er nun die guten Beziehungen zu Zarin Jekatarina II. von Russland fördern. |
| Königreich Frankreich Der Staatsrat beschließt, dass der Verkauf von Getreide bis auf weiteres außerhalb der Märkte verboten wird. |
| Königreich Frankreich Der Erste Minister, Außen- und Staatskriegsminister Étienne-François de Choiseul wird von König Louis XV. von seinen Ämtern entbunden. Er war 12 Jahre und 22 Tage Erster Minister, 4 Jahre, 8 Monate und 15 Tage Außenminister und 9 Jahre, 10 Monate und 28 Tage Staatskriegsminsiter. Étienne-François de Choiseul-Beaupré-Stainville ist Graf von Choiseul (Stainville) (1758) und Herzog von Amboise (1764). Zu seinen Brüdern zählen der Fürsterzbischof von Cambrai Léopold-Charles de Choiseul-Stainville sowie der Marschall von Frankreich Jacques Philippe de Choiseul-Stainville. Der scheidende Erste Minister diente als Soldat während des Österreichischen Erbfolgekriegs 1741 in Böhmen und Italien, wo er sich bei der Schlacht von Coni 1744 auszeichnete. Von 1745 bis 1748 war er mit der Armee auf dem Gebiet der Niederlande und nahm an der Schlacht bei Mons, Charleroi und Maastricht teil. Er wurde zum Lieutenant général ernannt und heiratete 1750 Louise Horine, Tochter des Bankiers Louis François Crozat (1691–1750), Marquis de Chatel, die ein großes Vermögen in die Ehe einbrachte. Choiseul gewann die Gunst von Madame de Pompadour, indem er ihr einige Briefe beschaffte, die Ludwig XV. an seine Cousine Madame de Choiseul geschrieben hatte. Nach einer kurzen Zeit als Landvogt von Vosges wurde er 1753 zum Botschafter in Rom ernannt, wo er mit den Verhandlungen betraut wurde, die die Unruhen im Zusammenhang mit der Bulle Unigenitus Dei filius betrafen. Er erfüllte seine Verpflichtung mit Geschick, und 1757 sorgte seine Patronin für seine Versetzung nach Wien, wo er instruiert wurde, die neue Allianz zwischen Frankreich und Österreich anzubahnen. Sein Erfolg in Wien eröffnete ihm die Möglichkeit für eine weitergehende Karriere: Choiseul ersetzte Abbé François-Joachim de Pierre de Bernis als Außenminister (1758–1761/1766–1770) und steuerte daher während des Siebenjährigen Krieges die französische Außenpolitik. Zu dieser Zeit wurde er zum Duc d’Amboise erhoben. Obwohl in den Jahren 1761 bis 1766 sein Cousin César Gabriel de Choiseul-Praslin das Amt des Außenministers bekleidete, bestimmte doch Choiseul weiterhin bis jetzt die französische Politik. So amtierte er phasenweise zugleich als Kriegsminister (1761–1770) und Marineminister (1761–1766). 1766 tauschte er mit seinem Cousin das Marineministerium gegen das Außenministerium. Als der Urheber des „Familienpaktes“ versuchte er, durch eine Allianz mit dem Bourbonen-Haus in Spanien die verheerenden Ergebnisse der Allianz mit Österreich wiedergutzumachen; seine Maßnahme kam aber zu spät. Seine energische Politik in anderen Bereichen des Staats war jedoch nicht vergeblich. Nachdem er inmitten einer Phase der Demoralisierung an die Macht gekommen war, verursacht durch die Niederlagen von Rossbach und Krefeld, reformierte er mit Mut und Energie die Streitkräfte. Auch wenn er zu spät kam, um den Verlust Kanadas und Indiens noch zu verhindern, entwickelte er die französischen Kolonien in den Antillen – darunter die „Perle der Karibik“ Saint Domingue – und brachte Korsika und Lothringen unter die französische Krone. Seine Innenpolitik stellte im Allgemeinen die Adel, Klerus und Wissenschaftler zufrieden. Er erlaubte die Veröffentlichung der Encyclopédie und führte die Verbannung der Jesuiten herbei. Choiseuls Sturz wurde verursacht durch seine Maßnahmen gegen die Jesuiten, und durch seine Unterstützung für deren Gegner La Chalotais und der Provinzparlamente. Nach dem Tod Madame Pompadours 1764 wurden seine Feinde, angeführt von Madame Dubarry und dem Kanzler Maupeou, zu stark für ihn, und nun wurde er gezwungen, sich auf seinen Landsitz in Chanteloup zurückzuziehen. Die Intrigen gegen werden jedoch seine schon vorher große Popularität befördern. Inhalt seines Lebens bleibt die Sorge über die Modernisierung des Staates und seine Stärkung angesichts der Macht der Kirche, die das soziologische und politische Bündnis zwischen einem liberalen Rand des europäischen Adels und dem fortschrittlichen Wirtschaftsbürgertum wie William Pitt in Großbritannien, Pombal in Portugal, Tanucci in Neapel, Du Tillot in Parma und Kaunitz in Österreich symbolisierte. Sein Freund Baron de Gleichen, ein dänischer Diplomat, beschreibt ihn als "eher klein, robuster als schlank und von einer sehr angenehmen Hässlichkeit, seine kleinen Augen funkeln vor Geist, seine Nase im Wind gibt ihm eine angenehme Luft“. Andererseits wird er von seinen Feinden als ein Brandbeschleuniger angesehen, der Europa in Brand gesteckt hat. De Choiseul, der bei dem preußischen König Friedrich II. (dem Großen) und der Zarin Jekaterina II. nicht beliebt ist, weil sie ihn als ein "schwarzes Tier" ansehen, das Lust an Kriegen hat, setzte sich nach dem Vertrag vom 1. Mai 1756 für eine Stärkung des Verteidigungsbundes mit dem Wiener Hof ein, was schließlich noch im selben Jahr den Siebenjährigen Krieges von Nordamerika nach Europa brachte. Der neue Erste Minister René-Nicolas de Maupeou ist der fünfte Träger dieses Namens. Er stammt aus Bruyères des Maupeou und studierte am Louis-le-Grand College. Sein Bruder Louis (* 1716) ist Offizier in der Infanterie. Mit 19 Jahren wurde René-Nicolas de Maupeou zum Berater der 3. Untersuchungskammer des Pariser Parlaments berufen. Am 22. Januar 1744 heiratet er Anne Marguerite Thérèse de Roncherolles, Tochter von Charles Michel François, Marquis von Roncherolles, und Angélique Marguerite de Jassaud. Die junge Braut war deren einziges Kind und hatte nach dem Tod des Vaters ein großes Vermögen sowie und ein Anwesen aus dem 10. Jahrhundert geerbt. Anne starb am 21. April 1752, nachdem sie zwei Söhne geboren hatte. Um seinen ältesten Sohn zu erziehen, ernannte Maupeou einen jungen Mann namens Charles-François Lebrun. Maupeou äußerte im Rahmen seiner politischen Aktivitäten Ansichten, die sich von denen der meisten seiner Parlamentskollegen unterschieden, was dazu führte, dass ihm viele Parlamentarier misstrauten. König Louis XV. nutzte den Rücktritt des ersten Präsidenten Molé und beschloss, alle führenden Mitarbeiter der Justiz auszutauschen. Der alte Kanzler Lamoignon, der sich weigerte, zurückzutreten, wurde in sein Land Malesherbes verbannt. Als Kanzler Guillaume de Lamoignon de Blancmesnil am 14. September 1768 sein Amt niederlegte, wurde vereinbart, dass René-Charles de Maupeou sen. zum Nachfolger ernannt wird, sein Amt jedoch unverzüglich niederlegt, um als Kanzler von Frankreich in den Ruhestand zu treten. Er war nur einen Tag Kanzler, und sein Sohn folgte ihm am 16. September 1768 in diesem Amt nach. Während es seit d'Aguesseau eingerichtet worden war, um die Funktionen des Kanzlers und Bewahrers der Siegel von Frankreich zu trennen, wurden sie zu Gunsten von Maupeou wiedervereinigt, dem die Siegel zwei Tage später überreicht wurden. Maupeou hatte somit in gerichtlichen Angelegenheiten einen weiten Handlungsspielraum, der durch das Vertrauen Louis' XV. noch vergrößert wurde. "Dann, vierundfünfzig Jahre alt," schreibt Michel Antoine, "war er ein kleiner Mann mit großen, hervorstehenden Augen unter dicken schwarzen Augenbrauen, einer ziemlich niedrigen Stirn, einer langen und quadratischen Nase und einem großen, aufgerichteten Mund und der gelbem, bläulichen Teint. Er war streng mit seinen Pflichten durchdrungen, unermüdlich bei der Arbeit" Es ging das Gerücht um, dass Maupeou seine Ernennung Choiseul schuldete. Es ist sicher, dass der Letztere, der immer noch einen großen Einfluss auf den König hat, sich dem nicht widersetzte, aber es ist auch nichts beweist, dass er seinen Nachfolger im Amt favorisierte. Zunächst scheint Maupeou auch einer Linie der Mäßigung zu folgen. Neuer Außenminister wird der Marquis Louis Phélypeaux de Saint-Florentin, der kürzlich zum Herzog von La Vrillière ernannt wurde. Im September 1765 wurde er Opfer eines Jagdunfalls, nach dem ihm die linke Hand amputiert wurde. Zwischen 1767 und 1769 ließ er vom Architekten Jean-François-Thérèse Chalgrin das prächtige Hôtel de Saint-Florentin (2 rue Saint-Florentin in Paris) errichten und ist seit 1756 Staatsminister und seit 1749 Staatssekretär im Haus des Königs von Ludwig XV.; der entlassene Erste Minister Choiseul sagt über ihn, "dass er drei Namen habe und keine gemacht habe". Das Amt des Staatskriegsministers (Secrétaire d'Etat de la Guerre) bleibt vorerst unbesetzt. |
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| Königreich Dänemark Der einflussreichste Minister Dänemark Johann Friedrich Struensee veranlasst den König Christian VII., den Geheimen Staatsrat (dänisch Gehejmekonseil), den höchsten königlichen Rat in Dänemark, aufzulösen. Das Gerichtswesen soll erneuert und von der Verwaltung getrennt werden. Statt der alten Standesgerichte soll es nun bald ein einheitliches Gericht geben. Jeder Bürger soll vor dem Gesetz die gleichen Rechte besitzen. Auch zur Milderung der sozialen Ungerechtigkeit plant Struensee zahlreiche Gesetze: Er will Findelhäuser und Hospitäler gründen und die Öffnung des Schlossgartens für die Bevölkerung erlauben. Er beabsichtigt, das Gesundheits- und das Schulwesen zu reformieren, Dänisch statt Latein unterrichten zu lassen und die Prügelstrafe abzuschaffen. Die Folter wird ebenfalls abgeschafft. Uneheliche Geburten sollen nicht mehr bestraft, außerehelich geborene Kinder sollen den ehelichen gleichgestellt werden. Ehebruch soll nicht mehr als Verbrechen, sondern nur noch als innerfamiliäres Problem gelten. Dieser Teil des Dekretes wird später als ein offenes Schuldeingeständnis Struensees angesehen werden, da man im Volk munkelt, dass er und nicht der König der Vater des Kindes der schwangeren Königin sein könnte. |
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