Chronik 1945.06-II
Weltchronik der zweiten Dekade des Juni 1945
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Französische Republik / Vereinigte Staaten von Amerika / Großdeutsches Reich 11. Juni 1945 Das Saarland wird auf Anordnung der französischen Besatzungsmacht zu einem eigenständigen Regierungsbezirk umgewandelt. Die Ravag in Wien eröffnet unter Mitwirkung von Spitzenvertretern der provisorischen Regierung den ins Ausland gerichteten Kurzwellendienst. Staatskanzler Renner und die von den drei demokratischen Parteien gestellten Vizekanzler nehmen die Gelegenheit wahr, um "vor aller Welt" eine deutliche Grenzziehung zur Vergangenheit vorzunehmen und den fortschrittlich-demokratischen Charakter der Zweiten Republik zu unterstreichen. Das Zentralernährungsamt gibt bekannt: "Für die Ausgabe der nächsten Lebensmittelkarten sind schon jetzt neue Haushaltslisten anzulegen. Die Hausbevollmächtigten haben die Listenformulare morgen in den Kartenstellen zu beheben und die Listen sofort in zweifacher Ausfertigung anzulegen. Auszufüllen sind nur die Spalten 1 bis 6. In den Haushaltslisten sind alle derzeit im Hause wohnhaften und polizeilich gemeldeten Personen ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit (also auch Ausländer) aufzunehmen. Personen, die nicht hausbekannt sind, müssen vor Aufnahme in die Liste neben dem polizeilichen Meldeausweis einen Reisepass oder eine als Pass geltende Bescheinigung vorweisen. Die ausgefüllten Haushaltslisten samt Zweitschrift sind im Laufe des Donnerstag, 14. Juni, der Kartenstelle abzuliefern. Die von den Wohnparteien beigebrachten Bescheinigungen über die Art der Beschäftigung sind den Haushaltslisten anzuschließen, soweit solche nicht schon in der Kartenstelle abgegeben worden sind. Der Ausgabetermin der Haushaltslisten ist unbedingt einzuhalten, weil davon die rechtzeitige Ausgabe der nächsten Lebensmittelkarten abhängig ist." Das französische Oberkommando ernennt einen Landesausschuss für Vorarlberg mit Landeshauptmann Ulrich Ilg. Vorarlberg, das die Nazi zu einem Teil Tirols gemacht hatten, ist damit als eigenständiges Bundesland wiederhergestellt. Plakatanschlag in Telgte - Am Montag, dem 11. Juni 1945, abends 8 Uhr, findet im Saale des Gastwirts Ferdinand Stumpe, eine große öffentliche Volksversammlung statt. Es spricht ein polnischer Offizier über "Konzentrationslager in Deutschland". Zu dieser Volksversammlung werden die gesamten Einwohner von Stadt und Kirchspiel Telgte eingeladen. - Eintritt frei! Wibbelt, Amtsbürgermeister des Amtes Telgte.
12. Juni 1945 Auf Befehl der britischen Militärregierung wird in Obernkirchen ein Zentralamt für Ernährung und Landwirtschaft unter Leitung von Hans Schlange-Schöningen errichtet. Gemäß einem Erlaß der US-amerikanschen Militärbehörden müssen deutsche Bibliotheken, Verlage und Buchhandlungen Lizenzen beantragen. Das "Neue Österreich" veröffentlicht "Die erste Liste der Wiener Opfer des Naziterrors". Dazu wird wörtlich ausgeführt: "Nachstehend bringen wir 206 Namen von Opfern des Naziterrors in Wien. Die Angehörigen dieser Toten erhalten nun endlich die Möglichkeit, die Grabstätten auf dem Wiener Zentralfriedhof aufzufinden. Die neben den Namen stehenden Zahlen (zum Beispiel: Anthofer Karl, 40, 30, 9/III) bedeuten der Reihe nach: Gräbergruppe, Gräberreihe, Grabnummer." Gegliedert ist die Liste nach dem Hinrichtungs- bzw. Begräbnisdatum. In einer anderen Meldung wird zu "Sicherheitsmaßnahmen bei kriegsbeschädigten Gebäuden" aufgerufen. Grund- bzw. Hauseigentümer seien für allfällige Personenschäden haftbar. Alle Mitglieder der ehemaligen NSDAP müssen sich beim Arbeitsamt melden. Der Ministerrat beschließt die Wiederherstellung der österreichischen Rechtsordnung. 13. Juni 1945 Als erste der im sowjetisch besetzten Gebiet Deutschlands zugelassenen Parteien wendet sich die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) mit einem Gründungsaufruf an die Öffentlichkeit. Als erste deutsche Parteizeitung erscheint in der sowjetischen Besatzungszone das kommunistische Organ „Deutsche Volkszeitung”. Auf Anweisung der tschechoslowakischen Regierung werden die deutschen Schulen des Landes geschlossen. Im "Neuen Österreich" erscheint ein Leitartikel, der den Titel "Politikmüdigkeit?" trägt. In einem Bericht über eine Vertrauensleutekonferenz des ÖAAB wird aus der Rede von Vizebürgermeister Kunschak unter anderem folgende Passage zitiert: Man müsse verstehen, "dass wir jetzt in einer Einheitsbewegung stehen, dass das, was sich früher bekämpft hat, nun einmütig zusammenstehen soll. ... Die Situation, in der wir jetzt stehen, ist noch kritischer als 1919 und noch schwerer zu begreifen. Dennoch muss sie gemeistert werden und sie kann es nur auf dem Boden der demokratischen Einigung." Die geplante Erfassung der Wohn- und Geschäftsräume in Wien hat in Teilen der Bevölkerung Misstrauen ausgelöst. In einer Mitteilung gibt das Rathaus bekannt: "Die am 18. Juni beginnende Wohnungsbegehungsaktion wird streng in dem Rahmen und mit den Personen durchgeführt, die zwischen den drei Parteien, ..., vereinbart wurden. Um jede Beunruhigung der Bevölkerung hintanzuhalten, wird dazu mitgeteilt, dass es sich lediglich um die Erfassung des noch in Wien vorhandenen Wohn- und Geschäftsraumes handelt. Die Kommissionen haben weder Beschlagnahme noch sonst irgendwelche Amtshandlungen durchzuführen." Ferner wird gemeldet: "Bunte Tulpen am Rennweg", "Im Herbst wieder Konzerte im Musikvereinssaal", "Erste Bahnveranstaltung der Leichtathleten". Die Wiener Polizeidirektion übernimmt wieder die Leitung des gesamten Polizeidienstes in Wien. Die Beamten dürfen keine Schusswaffen tragen. 14. Juni 1945 JAPANS KRIEG MIT Vereinigte Staaten von Amerika (USA) Die Amerikaner landen mit einer ersten Gruppe auf Truk. In Berlin tagt zum ersten Mal ein vorbereitender Gewerkschaftsausschuß zur Gründung einer Einheitsgewerkschaft für die sowjetische Zone. Die tschechoslowakische Regierung erhebt territoriale Ansprüche auf das Gebiet von Glaz (Schlesien), das Hultschiner Ländchen und das Gebiet von Ratibor. Zwischen dem US-amerikanischen Präsidenten Henry Spencer Truman und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Josef W. Stalin findet ein Telegrammaustausch über die Modalitäten der Besetzung der von der Roten Armee eroberten ehemaligen Reichshauptstadt Berlin durch die westalliierten Truppen statt. Aufgrund einer Lockerung des Fraternisierungsverbots erhalten britische Besatzungssoldaten in Deutschland die Erlaubnis, mit kleinen Kindern zu sprechen. Der ehemalige Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop, der unter falschem Namen aus Berlin entkommen war, wird in einer Hamburger Pension von britischen Soldaten festgenommen. In Berlin werden bei einer ersten Razzia auf einem Schwarzmarkt in der Nähe des Brandenburger Tores 429 Personen festgenommen. In Rostock findet die Uraufführung des Theaterstücks „Kaffeehaus Payer” der deutschen Exilschriftstellerin Hedda Zinner statt. Das "Neue Österreich" macht mit einer Sensation auf: "Die Kartothek der 'Ostmark'-Pg. gefunden - Unterlagen für die Kontrolle der Registrierungen". Während die österreichischen Behörden sich mit wenig Erfolg um die Registrierung der Nazi bemühen, haben die US-Militärbehörden in München das "Braune Haus" durchsucht und dabei "auch die Kartothek 'Ostmark' mit sämtlichen Parteigenossen und Parteianwärtern sichergestellt". In dem Pressebericht heißt es weiter: "Diese Kartothek ist für Österreich deshalb so wichtig, weil sie nicht nur in lückenloser Folge die Namen nennt, sondern auch vermerkt - zumeist auf Grund der eigenen Angaben der Pg. (=Parteigenossen) -, welche Tätigkeit sie innerhalb der Partei vor 1938 innehatten. Weiters sind in den Karteiblättern alle Funktionen aufgezählt und schließlich alle Dienste, die sie der Partei geleistet haben. Die Kartothek wird in Kürze nach Wien gebracht und wird hier bei der Feststellung der Nazi wertvolle Dienste leisten." In einer weiteren Folge der Leserbriefserie "Der Ruf nach dem eisernen Besen" erscheint ein Hinweis darauf, dass das ehemalige Maria-Theresia-Kino immer noch Ostmark-Kino heißt. 15. Juni 1945 JAPANS KRIEG MIT Vereinigte Staaten von Amerika (USA) Die Amerikaner landen mit einer zweiten Gruppe auf Truk. Somit sind die Philippinen mit ihren südlichen Rohstoffgebieten und kleineren Inseln zurück erobert. Das japanische Hauptquartier des Feldmarschalls Terautschi wird nach Saigon verlegt. In Berlin konstituiert sich die Parteiführung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) in der sowjetischen Zone; Vorsitzender wird Otto Grotewohl. Zwischen dem britischen Premierminister Winston Churchill und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Josef W. Stalin findet ein Telegrammwechsel über die bevorstehende Besetzung Berlins durch die Westmächte statt. In der französischen Besatzungszone Deutschlands wird das Land Rheinland-Hessen-Nassau mit der Hauptstadt Koblenz gebildet. Zum Regierungspräsidenten wird Wilhelm Boden ernannt. Das Hauptquartier der Abteilung für psychologische Kriegführung der US-Streitkräfte zieht von Paris nach Frankfurt am Main um. Die Militärbehörde ist u.a. für die Lizensierung deutscher Zeitungen zuständig. Großbritannien, die Sowjetunion und die Vereinigte Staaten von Amerika (USA) haben sich auf Zeit und Ort der geplanten Dreimächtekonferenz geeinigt. Details werden erst bei Beginn der Beratungen bekannt gegeben. In London beginnt die "Alliierte Welternährungskonferenz". Dabei teilt der britische Ernährungsminister mit, dass trotz der Bezugsbeschränkung in England und Amerika unter anderem 1,5 Millionen Tonnen Zucker, 1 Million Tonnen Fett und 2,5 Millionen Tonnen Fleisch fehlen. Die sowjetische Militärverwaltung in Deutschland hat in einem Tagesbefehl "die Bildung und Betätigung aller antifaschistischen Parteien gestattet". In Wien sind "Schuhe für Frauen" zu haben. Dazu berichtet das "Neue Österreich": "Es gelangen Frauenschuhe zum Verkauf. Die Ausgabe erfolgt an in Wien wohnende erwachsene weibliche Personen, wobei die Käuferin ihre gültige Lebensmittelkarte und ihre vierte Reichslederkarte vorzuweisen hat, deren namentliche Übereinstimmung vom Verkäufer zu kontrollieren ist. Verkauft wird ein Paar leichte Straßenschuhe mit Gummi-, Werkstoff- oder Holzsohle nach Maßgabe der vorhandenen Vorräte." Ferner meldet das Blatt: " 'Jedermann' im Burgtheater erneuert" und "Ballettabend der Staatsoper". Das Dianabad nimmt seinen Betrieb wieder auf, nachdem die Beschäftigten einen Teil der Kriegsschäden in Eigenregie beseitigt haben. Hinter der ausgebrannten Fassade ist allerdings nur der Männertrakt benützbar, die Geschlechtertrennung in den Duschbereichen ist deshalb aufgehoben. 16. Juni 1945 Zwischen dem US-amerikanischen Präsidenten Henry Spencer Truman und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Josef W. Stalin werden Telegramme ausgetauscht, in denen beide Staatsmänner sich über die Räumung der von US-Truppen besetzten Teile der sowjetischen Besatzungszone verständigen. Die US-Militärregierung in Deutschland ordnet die Entlassung aller deutschen Beamten, Angestellten und Arbeiter aus dem öffentlichen Dienst an, die bereits vor 1933 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) oder anderen nationalsozialistischen Organisationen angehörten. Auf Anordnung der US-amerikanischen Militärregierung muß die Flagge der Vereinigten Staaten von der deutschen Bevölkerung fortan mit abgenommener Kopfbedeckung gegrüßt werden. In Berlin kommt der sowjetische Stadtkommandant, Generalleutnant Nikolai E. Bersarin, bei einem Motorradunfall ums Leben. Das "Neue Österreich" meldet: "Vereinigte Staaten von Amerika (USA)-Kleidersammlung für Europa". In einem Artikel mit dem Titel "Kehrichtabfuhr und Verkehrsproblem" heißt es unter anderem: "Durch die seit Jahren verschlampte und seit mehr als einem halben Jahr eingestellte Abfuhr des Kehricht und durch die furchtbaren Bombenschäden haben sich in den Wiener Straßen etwa 200.000 Kubikmeter Kehricht und Schutt angesammelt, die sich täglich um 1.000 Kubikmeter vermehren. Mangel an Transportmittel und Unterbrechung der Zugänge zu den Deponien am linken Donauufer verhindern eine rasche Lösung des Problems." Kleinkinder über einem Jahr bekommen ab sofort - später als ursprünglich vorgesehen - wieder Milch zugeteilt. Die Ration für Ein- bis Dreijährige beträgt zunächst einen Achtelliter pro Tag. Der Wiener Magistrat appelliert: "Baut Karotten für Kleinkinder!" In dem Aufruf heißt es: "Im Interesse der Versorgung der Kleinkinder ergeht an alle Gärtner, Gartenbesitzer und Kleingärtner die dringende Aufforderung, Karotten anzubauen, da diese zur Ernährung der Kleinkinder von besonderer Wichtigkeit sind." Mit einer Polizeiverordnung wird jeder Schleich- und Tauschhandel verboten. 17. Juni 1945 Der sowjetische Staats- und Parteichef Josef W. Stalin bittet den britischen Premierminister Winston Churchill, die Räumung der von den Westmächten besetzten Teile der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands bis zum 1. Juli des Jahres aufzuschieben. In Berlin konstituiert sich als zweite Partei in der Sowjetischen Besatzungszone die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD). In Köln findet die Gründungsversammlung der Christlich Demokratischen Volkspartei statt. In London wird eine "Welternährungskonferenz" abgeschlossen, an der insgesamt zwölf - durchwegs befreite - Staaten teilnehmen. Sie bezeichnen eine Steigerung ihrer Agrarproduktion als realistisch. Dänemark kündigt an, Lebensmittel zu rationieren, um die Ausfuhren in andere befreite europäische Staaten zu steigern. Der "Tag der Volkssolidarität" in Wien steht im Zeichen einer Großdemonstration von politisch Verfolgten des Naziregimes. Der Zug führt vom Schwarzenbergplatz zum Parlament, wo eine Kundgebung stattfindet, auf der Redner aller drei demokratischen Parteien das Wort ergreifen und den Widerstand politischer Häftlinge in Konzentrationslagern und Kerkern der Nazi würdigen. In einem Appell, "alle Reisen privaten Charakters zu unterlassen", beklagt die Direktion der Österreichischen Eisenbahnen, dass "die Überfüllung der Züge von Tag zu Tag zunimmt". Weiter heißt es wörtlich: "Außer Berufsfahrern wird nur eine ganz geringe Anzahl anderer Reisender befördert. Alle Reisen privaten Charakters, insbesondere Fahrten zur Erwerbung von Lebensmitteln und Obst, müssen unbedingt unterbleiben. Wer trotzdem solche Reisen unternimmt, wird bei den unterwegs stattfindenden Kontrollen von der Fahrt ausgeschlossen. Sollte trotz all dieser Vorbeugungsmaßnahmen der Andrang bei den Reisezügen weiter andauern, müsste zur vollständigen Einstellung des zivilen Reiseverkehrs geschritten werden." 18. Juni 1945 In Berlin nimmt die Hochschule für Bildende Künste ihren Lehrbetrieb wieder auf. Zum Leiter wird der Maler und Grafiker Karl Hofer ernannt. Innerhalb des Stadtgebietes von München nimmt die Post die Beförderung von Briefen wieder auf. In Wien nehmen folgende Justizeinrichtungen die Arbeit wieder auf: Das Landesgericht für Strafsachen Wien, das Strafbezirksgericht I, der Jugendgerichtshof Wien und die Staatsanwaltschaft Wien. Grundlage für ihre Tätigkeit ist die Gesetzesvorlage über die Wiederherstellung des Österreichischen Strafrechts und Strafprozessrechts, die am 12. Juni den Kabinettsrat passiert hat und bereits veröffentlicht wurde. Kommissionen des Wiener Wohnungsamtes nehmen die für drei Tage angesetzte Begehung der Wohn- und Geschäftsräume auf. Stadtrat Slavik erklärt, dass das Wohnungsamt "gründlich gesäubert" wurde: "Von ursprünglich 528 gehören nur mehr 250 Personen der Dienststelle an." Zur Wohnungsbegehung sagt Slavik: "Sie dient keinem anderen Zweck, als die jetzt zur Verfügungen stehenden Wohn- und Geschäftsräume festzustellen, um zu überprüfen, ob sie nur mangelhaft oder gar nicht benützt werden, ferner alle Arisierungsfälle zu erfassen und zu erheben, welche Wohnungsveränderungen seit der Befreiung Österreichs zu Recht oder zu Unrecht erfolgen." Unter der Bezeichnung "Kaufhaus der Wiener" hat die Firma Gerngroß ihre Pforten wieder geöffnet. 19. Juni 1945 Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) bilden in Berlin einen gemeinsamen Arbeitsausschuß, der die weitere Zusammenarbeit der Parteien koordinieren soll. In der italienischen Hauptstadt Rom verständigen sich die sechs antifaschistischen Parteien auf die Bildung einer neuen Regierungskoalition unter der Führung des Sozialisten Ferruccio Parri. Der Kabinettsrat beschließt die Bildung eines Erntenotdienstes. Zur Sicherung der Getreideernte sollen zwischen Ende Juni und Mitte August auch Arbeitskräfte aus Städten und Industriegebieten als Erntehelfer eingesetzt werden. Mit der Organisation werden die Arbeitsämter beauftragt. Für den Ernteeinsatz werden Ersatz der Fahrkosten, volle Verpflegung und Unterkunft, gesteigerter Tariflohn und eine Mehlprämie geboten, die pro Woche für Männer fünf und für Frauen drei Kilogramm beträgt. Anläßlich der Gerngroß-Eröffnung findet eine Betriebsfeier für die Beschäftigten statt, an der Staatssekretär Böhm teilnimmt. In einer Rede zeigt er sich überzeugt, "dass es gelingen wird, im neuen Österreich normale wirtschaftliche Verhältnisse herbeizuführen. Allerdings darf man sich nach den schweren Zerstörungen, die der Krieg im Gefolge hatte, nicht verhehlen, dass der Aufschwung nicht in wenigen Monaten, sondern erst in jahrelanger, mühevoller Arbeit erzielt werden kann." Nach einer Mitteilung des Ernährungsamtes werden neuerlich Erdäpfel ausgegeben. 20. Juni 1945 Königreich Italien Das Kabinett Bonomi macht einem neuen Kabinett unter Partisanenführer Ferruccio Parri Platz, in welchem de Gasperi das Außenministerium übernimmt. In der britischen Besatzungszone werden die Regierungsbezirke Aachen, Düsseldorf und Köln zur Nordrheinprovinz zusammengefaßt. In Moskau tritt die Reparationskommission der Vereinigte Staaten von Amerika (USA), Großbritanniens und der Sowjetunion zu einer dreitägigen Konferenz über Deutschland zusammen. Australische Streitkräfte landen an der Nordküste Borneos. Die Vollmilchabgabe für Kinder von einem bis drei Jahren wird mit sofortiger Wirkung von einem Achtel- auf einen Viertelliter erhöht. Die Rathaus-Korrespondenz ruft die Bevölkerung auf, Wahrnehmungen über den Verbleib von - dringend benötigten - verschleppten Spezialfahrzeugen der Gemeinde Wien zu melden. Das "Neue Österreich" widmet der Aktion eines städtischen Vermessungsbeamten einen umfangreichen Bericht, der für die Beteiligung seines Bezirkes an der Kirschenernte in Wiesen gesorgt hat. Im Resselpark auf dem Karlsplatz, dem Zentrum des Schleichhandels, führt die Polizei mit Unterstützung russischer Militärpolizei regelmäßig Razzien durch, bei denen jedoch wegen des gut funktionierenden Warnsystems fast nur "kleine Fische" hängen bleiben. Um das Monatseinkommen eines Facharbeiters oder eines Gemeindebediensteten von 150 Reichsmark kann man sich "im Schleich" 4 kg Brot, 1/4 kg Schmalz oder 30 Zigaretten kaufen.
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