Leopold I. (HRR)

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Biografie

LEOPOLD I. (HRR)

* 9. Juni 1640 in Wien, † 5. Mai 1705 in Wien

Leopold I. (HRR)
  • Geboren als Leopold Ignatius Joseph Balthasar Felician von Habsburg
  • Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
  • Erzherzog von Österreich
  • König von Ungarn
  • König von Böhmen
  • König von Kroatien und Slawonien
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09.06.1640 - Der spätere deutsche Kaiser Leopold I. wird als Leopold Ignatius Joseph Balthasar Felician in Wien geboren. Er ist der Sohn Kaiser Ferdinands III. und der spanischen Infantin Maria Anna. Sein älterer Bruder ist Ferdinand, der spätere römisch-deutsche König Ferdinand IV.; sein Großvater väterlicherseits, Kaiser Ferdinand II., verheiratet mit Maria Anna von Bayern, und seine Großmutter mütterlicherseits, Margarete von Österreich, Gemahlin des spanischen Königs Philipp III., sind Geschwister. Familiär eng verbunden ist er auch mit dem fast gleichaltrigen späteren französischen König Louis XIV., seinem lebenslangen Rivalen. Sie sind Cousins über ihre spanischen Mütter und werden später Schwäger über ihre jeweiligen spanischen Ehefrauen sein. Leopold ist von Anfang an für eine geistliche Laufbahn vorgesehen (zur Macht nicht geboren). Er soll Bischof von Passau werden. Daher wird ihm eine hervorragende Bildung zuteil. Seine Erziehung wird er durch Johann Ferdinand Graf Porzia sowie die Jesuiten Christoph Miller und Johann Eberhard Neidhardt erhalten. Seine Erziehung wird in ihm einen barocken Katholizismus prägen. Zunächst wird er auch stark gegenreformatorische Neigungen entwickeln.

09.07.1654 - Der römisch-deutsche König Ferdinand IV., älterer Bruder von Leopold, stirbt in Wien an Pocken. Leopold wird mit erst 14 Jahren dessen Erbe. Der französische Minister Mazarin wird eine Kandidatur Louis' XIV. ins Spiel bringen und hierzu eine kostspielige und aufwändige Werbung im Reich betreiben, ebenso verlangen Schweden, Kurbrandenburg, Kursachsen und die Kurpfalz die Kandidatur eines Protestanten. Diese Anliegen werden allerdings erst wirksam werden nach dem Tod des römisch-deutschen Kaisers Ferdinand III., dem Vater Leopolds.

27.06.1655 - Kronprinz Leopold wird in der St.-Martins-Kirche in Preßburg zum König von Ungarn gekrönt, obwohl im Haus Habsburg die Thronfolge Leopolds noch umstritten ist.

14.09.1656 - Kronprinz Leopold, seit dem Vorjahr König von Ungarn, wird im St.-Veits-Dom in Prag auch zum König von Böhmen gekrönt.

02.04.1657 - Der römisch-deutsche Kaiser und König Ferdinand III. stirbt in Wien. Kronprinz Leopold, der bereits zum König von Ungarn und von Böhmen gekrönt wurde, übernimmt als Erzherzog von Österreich die Regierung in den österreichischen Erblanden. Außerdem beginnen langwierige Verhandlungen mit den Kurfürsten gegen den französischen König Louis XIV. und dessen Kandidaten für das Amt des deutschen Königs, des Herzoges Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg sowie Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich und Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern, die ebenfalls ihr Interesse an diesem Amt bekunden.

18.07.1658 - Nach einem Interregnum von fünf Vierteljahren erfolgt in Frankfurt am Main die Königswahl des Kronprinzen Leopold, dem der Vorzug vor seinen Gegenkandidaten Herzog Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg sowie Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich und Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern gegeben wird.

31.07.1658 - Leopold I. wird im Kaiserdom St. Bartholomäus in Frankfurt am Mein zum römisch-deutschen Kaiser und König gekrönt. Der Kaiser wird sich vor allem auf den Hof stützen. Im Winter wird Kaiser Leopold den größten Teil der Zeit in der Hofburg in Wien verbringen, den Frühling in Laxenburg, den Sommer in Favorita und den Herbst auf Schloss Kaiserebersdorf verleben. Der Hof ist wiederum eng mit den zentralen Behörden verbunden. Geprägt wird er von der Hocharistokratie aus Österreich und Böhmen. Ähnlich wie der Hof in Versailles soll er so den Hochadel anziehen. Die Regierungsstellen und das Militär bieten zudem attraktive Positionen, um auch den Reichsadel nach Wien zu ziehen. Der Hof folgt dem spanischen Hofzeremoniell, deren barocke Pracht sich etwa in großen Festen entfaltet.

1663 - Die Verbindung von Kirche und Staat in der Regierungszeit Kaiser Leopolds I. findet unter anderem ihren Ausdruck darin, dass der Kaiser den heiligen Leopold III. zum österreichischen Landespatron macht. Seine Fahrten nach Klosterneuburg ähneln von jetzt an Staatswallfahrten. Die absolutistischen Tendenzen haben jedoch auch ihre Grenzen. So können sich die ständischen Gremien in den verschiedenen Habsburger Gebieten behaupten.

1665 - Nach dem Tod Fürst Sigismunds Franz fallen Tirol und die Vorlande an den Kaiser Leopold I., was seine Position in der Reichspolitik stärken wird.

12.12.1666 -

  • Im Zuge der Eheschließung des Kaisers Leopold I. mit Margarita Theresa von Spanien, seiner Nichte, beginnt ein Festreigen, der fast ein Jahr anhalten soll.
  • Mit dem Kommerzkollegium schafft Kaiser Leopold I. in Wien eine wirtschaftliche Zentralorganisation. Diese ist zuständig für die Überwachung des Handels-, Gewerbe- und Zollwesens. Der Einrichtung gehören Beamte und Vertreter der Kaufleute an; sie wird Vorbild für vergleichbare Organisationen in anderen deutschen Territorien.

12.07.1668 - Anlässlich des Geburtstages der Kaiserin Margarita Theresa wird die Oper „Il Pomo d’oro“ (der goldene Apfel) von Antonio Cesti zwei Tage lang jeweils fünf Stunden uraufgeführt. Für dieses „festa teatrale“ wurde eigens ein Komödienhaus nach Vorbild Venedigs erbaut. Die Oper selbst ist ein Höhepunkt der Kultur des Barock. Neben Antonio Cesti sind mehrere namhafte Komponisten wie Johann Heinrich Schmelzer und der Kaiser selbst, der zwei Szenen vertonte, sowie der Librettist Francesco Sbarra und andere daran beteiligt. Gleichzeitig ist die Oper ein Beispiel für den Prunk und die Verschwendungssucht des Hofes: Sie kostet insgesamt 100.000 Gulden. Der Kaiserhof ist wie der Kaiser selbst vom katholischen Geist geprägt. Der Kaiser hat offenbar keine außerehelichen Affären. Mätressen wie am französischen Hof gibt es nicht. Starken Einfluss haben verschiedene Geistliche wie der Jesuit und spätere Bischof Emerich Sinelli, der Kapuziner Marco d’Aviano, der Franziskaner Christoph de Royas y Spinola und der Augustiner Abraham a Sancta Clara.

10.12.1668 - Kaiser Leopold I. entlässt ohne Vorankündigung seinen führenden Minister Johann Weikhard Fürst von Auersperg, da er diesen verdächtigt, Geheimverhandlungen mit Frankreich geführt zu haben, in dem die Teilung der spanischen Monarchie vorangetrieben werden soll. Fürst von Auersperg wird vom Hof verbannt, das über ihn verhängte Todesurteil wird allerdings nicht vollstreckt. Für seinen Verrat hatte ihm König Louis XIV. als Gegenleistung die Kardinalswürde versprochen.

1671 - Zur Bekämpfung der wachsenden Zahl der Armen in der Stadt Wien lässt Kaiser Leopold I. ein Zucht- und Arbeitshaus erbauen.

1672 - Der Hof Kaiser Leopolds I. umfasst inklusive der zentralen Regierungsbehörden 1966 Personen. Hundert Jahre zuvor waren es nur 531 Personen gewesen. In der selben Zeit verfünffachten sich die Kosten.

16.10.1674 - Kaiser Leopold I. enthebt den Präsidenten des Hofkriegsrates und Obersthofmeister des Geheimen Rates (Erster Minister) Wenzel Eusebius von Lobkowicz seines Amtes, lässt dessen Geld und Wertpapiere beschlagnahmen und ihn ohne öffentlichen Prozess wegen Hochverrats auf seine Güter in Raudnitz verbannen. Eine kaiserliche Untersuchungskommission stellte fest, dass von Lobkowicz zugunsten der Franzosen im Vorjahr den Erzbischof von Mainz gebeten haben soll, den kaiserlichen Truppen den Rheinübergang zu verwehren und wohl auch geheime Schreiben des Kaisers Leopold I. an die Franzosen weitergab. Die Vermeidung eines Prozesses ist wohl als ein Gnadenakt des Kaisers anzusehen, da neben der öffentlichen Bloßstellung eines der höchsten kaiserlichen Amtsträger ein Todesurteil wegen Hochverrats zu erwarten gewesen wäre. Nach der Entlassung zweier Erster Minister innerhalb von sechs Jahren beschließt der Kaiser, die Richtlinien der Politik von nun an selbst zu bestimmt. Es gibt keine leitenden Minister mehr. Sein nächster Kanzler, Johann Paul Hocher, und seine Nachfolger, sind bürgerliche Aufsteiger. Ein wichtiger diplomatischer Helfer in der Politik gegen Frankreich wird Franz von Lisola. Da durch die Vielzahl der Mitglieder der Geheime Rat (frühe Bezeichnung für "Kabinett") kaum noch funktionsfähig ist, wird Leopold als vorwiegend außenpolitisches Beratungsgremium die Geheime Konferenz einrichten. Später werden auch Fachkommissionen eingerichtet. Sein Regierungshandeln war durchaus mit der Art und Weise Louis' XIV. zu vergleichen.

1678 - Wien wird von einer Pestepidemie heimgesucht.

1679 -

  • Die seit dem Vorjahr in Wien wütende Pestepidemie fordert 50.000 Menschenleben.
  • In sozialer Hinsicht verstärkt sich der Druck der adeligen Grundherren auf die Bauern. Der Kaiser versucht durch den „Tractatus de iuribus incorporalibus“ regulierend einzugreifen. Dieses Traktat wird 70 Jahre lang die Grundlage für die Beziehung zwischen den Grundherren und den Bauern regeln. Für die Bauern bringt es bessere Rechtssicherheit, gleichzeitig könnten die Grundherren weiterhin unbegrenzten Arbeitseinsatz von ihren Bauern verlangen.

1683 - Der Kapuziner Marco d'Aviano, der großen Einfluss am kaiserlichen Hof hat, predigt während der Türkenkriege erfolgreich mobilisierend im Sinne der früheren Kreuzzüge.

1691 - Auf Befehl Kaiser Leopolds I. entsteht in Wien ein Großarmenhaus.

1696 - Sechs Jahre nach der Fertigstellung des auf Befehl Kaiser Leopolds I. in Wien entstandenen Großarmenhauses sind dort bereits 1000 Personen untergebracht.

1700 - Kaiser Leopold I. betreibt eine gegenreformatorische Politik, die auf Unterdrückung des vor allem in Ungarn starken Protestantismus ausgerichtet ist. Von den regionalen Behörden und Ständen teilweise unterschiedlich gehandhabt, wird in allen Habsburger Ländern Druck auf die verbliebenen Protestanten ausgeübt, zum Katholizismus zu konvertieren. In Böhmen kann der Protestantismus nur im Untergrund weiter bestehen. In Schlesien sinkt die Zahl der protestantischen Gotteshäuser auf 220 gesunken, während ihre Zahl hundert Jahre zuvor noch 1400 betrug.

1703 - Der Zusammenbruch der Bank von Samuel Oppenheimer im Zuge antisemitischer Ausschreitungen führt zum Staatsbankrott im Erzherzogtum Österreich. Der Staat reagiert mit der Gründung einer staatlichen Bank „Banco del Giro“ und die Herausgabe einer ersten Form von Papiergeld („Giro-Zeddel“).

1705 - Die vor zwei Jahren in Wien gegründete staatliche "Banco del Giro" wird bereits nach zwei Jahren an die Stadt Wien übergeben. Aus ihr wird die „Wiener Stadtbank“ entstehen.


Leopold I.
(Heiliges Römisches Reich)
Vorgänger Amt Nachfolger
Ferdinand III. (HRR)
1637-1657
Römisch-Deutscher Kaiser
1658-1705
Joseph I.
1705-1711
Ferdinand IV. (HRR)
1653-1654
Römisch-Deutscher König
1658-1705
Joseph I.
1705-1711
Ferdinand III. (HRR)
1637-1657
Erzherzog von Österreich
1657-1705
Joseph I.
1705-1711
Ferdinand III. (HRR)
1626-1657
König von Ungarn
1655-1705
Joseph I.
1705-1711
Ferdinand III. (HRR)
1627-1657
König von Böhmen
1656-1705
Joseph I.
1705-1711
Ferdinand III. (HRR)
1637-1657
König von Kroatien und Slawonien
1657-1705
Joseph I.
1705-1711

Quellen: