Karl August von Hardenberg
KARL AUGUST FÜRST VON HARDENBERG
* 31. Mai 1750 in Essenrode, † 26. November 1822 in Genua
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31.05.1750 - Karl August von Hardenberg wird als Sohn des Obersten Christian Ludwig von Hardenberg und seiner Frau Anna Sophia Ehrengart (geborene von Bülow aus Essenrode, Schwester von Friedrich Ernst von Bülow) geboren. Zum Zeitpunkt der Geburt ist sein Vater 49 und seine Mutter 19 Jahre alt. Karl August ist das älteste von acht Kindern. Dieser Aspekt wird ihn sein Leben lang beeinflussen. Die Erziehung Karl Augusts liegt während der ersten Jahre in der Hand seiner Erzieherin Gavell, die auch schon seine Mutter erzogen hat. Der Erziehungsplan richtet sich nach den Gewohnheiten der Zeit und seines Standes. Man spricht französisch.
1756 - Vom sechsten Lebensjahr an lernt von Hardenberg auch Latein. Der Hofmeister Wedekind übernimmt nun die Erziehung. Hardenberg besucht das private Lyzeum des Ludwig Wilhelm Ballhorn in Hannover, wo sich sein erster Freundeskreis gleichaltriger Kinder aus den ersten Familien des Kurfürstentums Hannover bildete. Karl August genießt jedoch eine für einen jungen Adligen ungewöhnlich fortschrittliche und aufgeklärte Erziehung.
1766 - Der Berufswunsch von Hardenbergs ist eine Tätigkeit im Staatsdienst. Er entschließt sich also, Jura zu studieren, und schreibt sich mit 16 Jahren zum Wintersemester 1766/1767 in der Universität Göttingen ein.
1768 - Von Hardenberg siedelt mit einem dem neuen Hofmeister Johann Friedrich Gervinus nach Leipzig über, um neben Rechtswissenschaften auch ein Jahr Belles Lettres zu studieren. Dort lernt er den jungen Johann Wolfgang von Goethe kennen.
1770 - Von Hardenberg erhält eine Auditorenstelle. Auditor ist die Bezeichnung für eine Hilfskraft am Gericht, in etwa entsprechend dem heutigen Referendar.
Januar 1771 - Ein halbes Jahr nach Amtsantritt wird von Hardenberg in die Finanzverwaltung des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg versetzt.
26.12.1771 - Völlig überraschend stirbt von Hardenbergs Förderer Burchard Christian von Behr.
Anfang 1772 - Mit dem Tod Burchard Christian von Behrs mangelt es von Hardenberg an einem Förderer und Mentor in der Finanzverwaltung des Kurfürstentums. Der Nachfolger des Verstorbenen, Benedict von Bremer, bringt seine eigenen Schützlinge mit. Erbost beschwert sich von Hardenberg bei König George III. in London, der ihm nahelegt, eine Reise durch Europa anzutreten, um seinen Horizont zu erweitern.
15.07.1772 - Von Hardenberg tritt zu seiner "Grand Tour" an und besucht mehrere deutsche Fürstenhöfe, das Reichskammergericht in Wetzlar und den Reichstag in Regensburg.
1773 - Von Hardenberg besucht die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen, auch "Vereinigte Niederlande" genannt, und Großbritannien.
23.11.1773 - Von Hardenberg wird zum Kammerrat ernannt
08.06.1774 - Von Hardenberg heiratet die 15jährige begüterte dänische Gräfin Christiane Friederike Juliane von Reventlow, Tochter des dänischen Kammerherren Christian Detlev von Reventlow (* 01.11.1735, † 10.02.1759) und der Ida Lucia Scheel von Plessen. Auf diese Weise wird von Hardenberg königlich dänischer Kammerherr und legt sich den Doppelnamen Hardenberg-Reventlow zu. Zum Vermögen, dessen Nießbrauch von Hardenberg jetzt zusteht, gehört auch Schloss Krenkerup auf Lolland in Dänemark, wo von Hardenberg mehrfach den Sommer verbringen und zur Jagd gehen wird. Gleichzeitig immer noch Kammerrat in Hannover, muss von Hardenberg ausgiebige Revisionsreisen durch das Kurfürstentum unternehmen.
1775 - Den Eheleuten Von Hardenberg-Reventlow wird der Sohn Christian Heinrich August von Hardenberg-Reventlow geboren.
09.04.1776 - Den Eheleuten Von Hardenberg-Reventlow wird die Tochter Lucia Anna Wilhelmie Christina von Hardenberg-Reventlow geboren.
[[Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg 1778|1778] - Von Hardenberg hält sich einige Zeit in London auf.
13.01.1780 - Von Hardenberg veröffentlicht eine Denkschrift zur Reform der hannoverschen Verwaltung, die auf eine Durchrationalisierung der Verwaltung Kurhannovers abzielen. Er macht sich auch Gedanken über das Zusammengehen mit Preußen.
15.02.1781 - Von Hardenberg zieht mit seiner Frau Christiane Reventlow nach London, um den Kurfürsten, der gleichzeitig König von Großbritannien ist, für seine Reform einzunehmen. Hier entwickelt sich eine Affäre zwischen seiner Frau Christiane und dem Prinzen von Wales (dem späteren George IV.).
30.05.1781 - Von Hardenberg wird zum herzoglich-braunschweigischen Wirklichen Geheimen Rat (vergleichbar mit einem Minister) ernannt. Er wird fortan mit "Exzellenz" angesprochen.
28.09.1781 - Da die Affäre zwischen seiner Frau Christiane und dem Prinzen von Wales öffentlich zu werden droht, reicht von Hardenberg am Hof in London sein Abschiedsgesuch ein.
1782 - Von Hardenberg hat anfangs Aussichten, leitender Minister im Fürstentum von Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig zu werden. Mit seinem neuen Dienstherren Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel stimmt er in vielen Grundsatzfragen überein. Er legt auch hier eine Denkschrift zur Verwaltungsmodernisierung vor. Er vertritt in einem Gutachten die Ansicht, dass die Reichsstände das Recht hätten, sich gegen den Kaiser zu stellen, sollte dieser gegen Reichsrecht verstoßen. In Braunschweig-Wolfenbüttel tritt er für einen Beitritt des Herzogtums zum preußisch dominierten Fürstenbund ein.
28.05.1786 - Von Hardenberg legt dem Fürsten eine Reformdenkschrift vor, in der er eine Verwaltungsreform vorschlägt. Künftig sollen drei Fachminister an die Spitze der ausführenden Behörden treten und eine enge Verbindung zwischen dem Conseil des Fürsten und der Bürokratie herstellen. In einem reichsrechtlichen Gutachten, das der Herzog bei ihm angefordert hat, führt von Hardenberg aus, dass die Reichsstände das Recht zu Verträgen gegen Kaiser und Reich besäßen, wenn der Kaiser gegen die Fundamentalgesetze des Reiches verstoße. Von jetzt an wird von Hardenberg in die Verhandlungen über den von Preußen geführten Fürstenbund eingeweiht. In einem weiteren Reformprojekt schließlich dem Fürsten von Braunschweig vor, dem landeskirchlichen Konsistorium die Schulaufsicht im Herzogtum zu nehmen und diese einem neu zu gründenden Schuldirektorium zu übertragen, dessen Chef er schließlich selbst wird. Das Direktorium soll dazu dienen, das Bildungswesen im Geist der Aufklärung, wie er von den Pädagogen Johann Heinrich Campe und Johann Heinrich Pestalozzi vertreten wird, umzugestalten. Von Hardenberg strebt die Trennung von Schule und Landeskirche an.
1. Hälfte 1788 - Das Ehepaar Von Hardenberg-Reventlow lässt sich scheiden.
09.06.1788 - Von Hardenberg heiratet seine Jugendfreundin Sophie von Hasberg (geschiedene von Lenthe), die sich von einem seiner besten Freunde, dem Staats- und Konferenzminister Ernst von Lenthe, scheiden ließ, um von Hardenberg heiraten zu können. Sophie ist die Tochter des kurfürstlichen Land- und Schatzrates Georg Albrecht von Hasberg und der Freiin Hedwig Dorothea Friedrike Löw von Steinfurth. Durch die Scheidung und schnelle Wiederheirat wird von Hardenberg für Braunschweig untragbar. Unzufriedenheit mit den braunschweigischen politischen Verhältnissen und das Aufsehen der Scheidung lassen es von Hardenberg geraten erscheinen, sich nach einer neuen Stellung umzusehen.
1790 - Da von Hardenberg sich gegen den Widerstand der Stände mit seinen Plänen eines weltlichen Schulkollegiums nicht durchsetzen kann, wird er vom Fürsten aufgefordert, das Schulprojekt wieder aufzuheben.
1790 - Friedrich Anton von Heynitz, ein Pate von Hardenbergs, vermittelt die Berufung in den Dienst König Friedrich Wilhelms II. von Preußen, der einen Minister sucht, dem er die Verwaltung der Markgrafschaften Ansbach und Bayreuth übertragen kann. Von Hardenberg bekommt das Angebot, in den preußischen Dienst zu treten und geht als leitender Minister zum Markgrafen Karl Alexander von Brandenburg-Ansbach nach Ansbach und Bayreuth. Hintergrund ist, dass dieser beabsichtigt, zurückzutreten und seinen Besitz an die preußische Linie der Hohenzollern zu übergeben.
16.01.1791 - Markgraf Karl Alexander von Brandenburg-Ansbach tritt in einem Geheimvertrag seine Fürstentümer an Preußen ab, da er kinderlos ist und Preußen nach seinem Tode sowieso Erbe würde (Passus im Vertragswerk des Friedens von Teschen vom 13. Mai 1779). Der Vertrag wurde von dem seit 1790 in Ansbach tätigen Minister Karl August Freiherr von Hardenberg arrangiert. Preußen zahlt dem Markgrafen als Entschädigung vertragsgemäß eine jährliche Leibrente von 300.000 Gulden und gliedert die beiden Fürstentümer als Verwaltungsgebiet Ansbach-Bayreuth in sein Herrschaftsgebiet ein. Von Hardenberg leitet die Eingliederung der Provinz als preußischer Minister. Er hat durchgesetzt, dass er direkt dem König und nicht der preußischen Verwaltung unterstellt wird. Dadurch kann er das Gebiet als selbständige Provinz weitgehend ohne Eingriffe von außen regieren. Wie ein Vizekönig hält er Hof in Ansbach, Triesdorf und Bayreuth.
August 1792 - Die Eingliederung der neuen Provinz Ansbach und Bayreuth in den preußischen Staat gestaltet sich für von Hardenberg sehr schwierig, liegen die beiden Gebiete doch in einer Gemengelage mit anderen Territorien. Es gibt Enklaven und Exklaven, teilweise überschneiden sich auch hoheitliche Rechte. Hardenberg scheut sich nicht, die Rechte von Reichsrittern und anderen Adeligen des Reiches zu verletzen und ihre Privilegien entgegen dem Reichsrecht aufzuheben. Er erzwingt den Austausch von Gebieten mit dem Ziel, ein klar abgegrenztes preußisches Gebiet zu schaffen. Im Inneren wird das Recht des Adels aufgehoben, sich in Streitfällen mit dem Landesherren an den Kaiser zu wenden. Von Hardenberg setzt notfalls auch militärischen Druck ein, um seine Ziele durchzusetzen. Mit Hilfe von heimlich finanzierten Zeitungen versucht er, die öffentliche Meinung zu seinen Gunsten zu beeinflussen und erweist sich in diesem Punkt als einer der ersten Wegbereiter der Pressepolitik. Zu diesem Zweck beschäftigt er zunächst Wilhelm Ludwig Wekhrlin, der ab sofort die zweimal wöchentlich erscheinenden Ansbachischen Blätter herausgibt
November 1792 - Von Hardenbergs protegierter Journalist Wilhelm Ludwig Wekhrlin stirbt.
05.04.1795 - Von Hardenbergs wird Mitunterzeichner des Friedens von Basel mit Frankreich. Zwar muss das linke Rheinufer aufgegeben werden, aber Hardenberg versucht dennoch, die preußische Position zu stärken. Er erreicht die Schaffung einer Neutralitätslinie. Auch wenn diese nicht so weit ist, wie von ihm gehofft, führt sie doch dazu, dass Preußen und der norddeutsche Raum auf lange Sicht Frieden haben können, während Österreich und Süddeutschland weiterhin im Krieg stehen. In Ansbach-Bayreuth versucht er unterdessen durch Gebietserwerb die preußische Stellung im Süden Deutschlands zu stärken. Es gelingt allerdings weder der Erwerb von Nürnberg noch der der Hochstifte Würzburg und Bamberg.
1796 - In Ansbach-Bayreuth kann von Hardenberg seine früheren Pläne zu einer grundlegenden Verwaltungsreform umsetzen. Es werden Fachministerien für Justiz, Inneres, Krieg und Finanzen eingerichtet. Zahlreiche Beamte, die jetzt unter ihm dienen, werden später eine wichtige Rolle bei den Reformen auf der Ebene des Zentralstaates spielen. Andere, die nicht mit nach Berlin gehen werden, werden zu den Verwaltungsmodernisierern in Bayern, zu dem Ansbach-Bayreuth später fallen wird, gehören. Zu den bekannten Mitarbeitern gehören Alexander von Humboldt, Friedrich Leopold von Kircheisen, Karl vom Stein zum Altenstein und Friedrich von Schuckmann. Im Rahmen des ersten Koalitionskrieges werden von Hardenberg zunehmend auch außenpolitische Aufgaben übertragen. Er spricht sich für einen klaren Kriegskurs gegen Frankreich und für ein Bündnis mit Großbritannien und den Niederlanden aus. Von Hardenbergs Mitarbeiter Theodor von Kretschmann gibt kurzzeitig die propagandistische Volkszeitung heraus.
Ende 1796 - Von Hardenberg rekrutiert den braunschweigischen Schriftsteller, Kaufmann und Englandreisenden Simson Alexander David, der sich den Namen Karl Julius Lange gibt und betont aufklärerische Positionen vertritt.
Januar 1797 - Karl Julius Lange erregt mit seiner "Deutschen Reichs- und Staatszeitung für den Geschäfts- und Weltmann" sehr viel Aufsehen, da das Blatt de facto zensurfrei in Nürnberg, später in Erlangen erschien und durch die geheime Protektion von Hardenberg etliche Beleidigungsklagen und Beschwerden unbeschadet überstand. Zeitgenössische Beobachter bescheinigten der Zeitung, in der prominente, demokratisch gesinnte Autoren schrieben, "echten Oppositionsgeist". Vor allem der fränkische Landadel, die Kirchen und Österreich wurden, inspiriert von Hardenberg, heftig attackiert.
1798 - Von Hardenberg wird nach Berlin beordert, weil man ihm Verschwendung vorwirft. Seine Selbstständigkeit in der Verwaltung Ansbachs wird eingeschränkt, die Verwaltungsreformen müssen teilweise zurückgenommen und an den Stand des restlichen Preußens angepasst werden.
Mai 1799 - Karl Julius Lange muss die Herausgabe seiner "Deutschen Reichs- und Staatszeitung für den Geschäfts- und Weltmann" einstellen und flieht nach kurzer Inhaftierung ins dänische Altona in die Emigration. Von Hardenberg unterstützt den eigenwilligen Journalisten dort weiterhin insgeheim finanziell.
1803 - Von Hardenberg erlangt das Vertrauen des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen und wird zu einem der Minister für auswärtige Angelegenheiten ernannt.
April 1804 - Von Hardenberg wird offiziell alleiniger Minister für auswärtige Angelegenheiten. Er nutzt seinen steigenden Einfluss, um als Gegenleistung für die Neutralität Preußens Gebietsgewinne in Westfalen und Mitteldeutschland zu erzielen.
Februar 1806 - Da er nicht mit der Politik des preußischen Königs gegenüber Frankreich übereinstimmt, tritt von Hardenberg auf Drängen Napoléons zurück. Dieser Vorgang macht ihn in der deutschen Freiheits- und Nationalbewegung zu einer populären Gestalt.
April 1807 - Von Hardenberg wird auf Betreiben des russischen Zaren Alexander I. als leitender Minister wieder mit allen inneren und äußeren Angelegenheiten betraut. In dieser Funktion spricht er sich offen für einen gemeinsamen russisch-preußischen Kampf gegen Napoléon aus.
17.06.1807 - Von Hardenberg heiratet in dritter Ehe in aller Heimlichkeit Charlotte Schöneknecht (auch: Schönemann; * 1. März 1772), mit der er bereits mehrere Jahre zusammenlebt. Seine dritte Gemahlin ist eine Tochter des Zeugmachers Johann Friedrich Schöneknecht und der Eleonore Maria Schlichting.
Juli 1807 - Als Bedingung nach dem Frieden von Tilsit muss von Hardenberg auf Befehl Napoléons wieder von seinem Ministeramt zurücktreten und reist nach Riga. Die Berufung von Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein 1807 beeinflusste er von seinem Exil-Aufenthalt Riga aus entscheidend mit.
12.09.1807 - In Riga gibt von Hardenberg die im Auftrag des preußischen Königs verfasste Denkschrift „Über die Reorganisation des Preußischen Staats“ heraus. Hier entwickelt er Reformvorschläge, die eine Monarchie mit Freiheitsrechten und demokratischen Elementen ermöglichen sollen. Er empfiehlt seinem König, sich nicht auf die Legitimität seines Hauses als Gewähr für Preußens Zukunft zu verlassen, sondern im Kampf mit Napoléon – mit Vorsicht – auch auf das erwachende deutsche Nationalgefühl zu setzen: „Bei der immer drohender werdenden und nicht aus den Augen zu verlierenden Gefahr, daß Napoléon die Vernichtung Preußens beabsichtige, ist Bearbeitung und Benutzung des Nationalgeistes allerdings äußerst wichtig.“
12.11.1808 - In der von ihm gefassten "Braunsberger Denkschrift" regt von Hardenberg die Entlassung des von ihm im Vorjahr vorgeschlagenen Staatsministers Karl vom und zum Stein an.
04.06.1810 - Von Hardenberg erreicht die Entlassung des Kabinetts von Karl vom Stein zum Altenstein. Es gelingt ihm auch, mit der Billigung Napoléons zum preußischen Staatskanzler ernannt zu werden. In dieser Funktion bündelt Hardenberg eine bis dahin nicht erreichte Machtfülle in einer Person: Neben dem Außen- und Innen- übernimmt er auch das Finanzressort. Die durch vom Stein begonnenen und unter von Altenstein ins Stocken gekommenen Preußischen Reformen setzt er fort, kann sich aber wie Altenstein nicht gegen die restaurativen Kräfte durchsetzen. Sein Hauptziel, die Einführung einer Verfassung und die Mitbestimmung des Bürgertums, kann er nicht erreichen.
27.10.1810 - Das verkündete Finanzedikt ist der Beginn der Hardenbergschen Reformen.
1811 - Innerhalb der Hardenbergschen Reformen werden das Regulierungsedikt, das Gewerbesteuergesetz, das die Gewerbefreiheit festschreibt sowie Maßnahmen zur Bauernbefreiung verkündet.
1812 - Von Hardenberg und König Friedrich Wilhelm III. verkünden die vollständige Emanzipation der jüdischen Bevölkerung. Von Hardenberg tritt für einen liberalen Verfassungsstaat ein, wie er ihn schon in seiner Rigaer Denkschrift gefordert hat, lehnt im Gegensatz zu vom Stein aber die Schaffung eines deutschen Nationalstaats ab. Eine Steuerreform und die Schaffung einer repräsentativen Vertretung plant von Hardenberg ebenfalls, scheitert damit jedoch am Widerstand des konservativen Adels. Den russischen Bestrebungen um ein Bündnis gegen Napoléon gegenüber verhält sich von Hardenberg zunächst abwartend.
Ende 1812 - Nachdem die Armee Napoléons in Russland ein Desaster erlebte, wird von Hardenberg bezüglich der Schaffung eines neuen Bündnisses gegen Napoléon wieder aktiv. Den preußisch-russischen Vertrag von Kalisch, in dem eine gemeinsame Erhebung gegen Napoleon vereinbart wird, vermittelte er als Verhandlungsführer auf preußischer Seite, zusammen mit vom Stein, der den russischen Zaren vertritt.
1813 - Von Hardenberg unterzeichnet für Preußen die Allianzverträge von Teplitz mit Russland und mit Österreich.
1814 - Zusammen mit Wilhelm von Humboldt und Freiherr vom Stein entwickelt von Hardenberg einen Entwurf für eine Bundesverfassung.
03.06.1814 - König Friedrich Wilhelm III. von Preußen erhebt von Hardenberg in Paris in den Fürstenstand und schenkt ihm die Standesherrschaft über das Amt Quilitz, welches in Neuhardenberg umbenannt werden soll.
1815 - Auf dem Wiener Kongress gelingt es von Hardenberg, Preußen erheblichen Gebietszuwachs zu sichern, und er plant die unverzügliche Etablierung neu organisierter Verwaltungen in den gewonnenen Gebieten. Er kann dem König das Versprechen abringen, eine Verfassung zu erlassen.
1817 - König Friedrich Wilhelm III. von Preußen beruft eine Verfassungskommission ein.
1819 - Nach den Karlsbader Beschlüssen schwindet von Hardenbergs Einfluss langsam; er entwirft eine landständische Verfassung für Preußen, die allerdings nicht umgesetzt wird.
1820 - Der Star-Architekt Preußens Karl Friedrich Schinkel beginnt das ursprünglich barocke Schloss in Neuhardenberg im Auftrag des Fürsten von Hardenberg klassizistisch umzubauen; die Renovierung wird fast vier Jahre in Anspruch nehmen.
1822 - Von Hardenberg erkrankt nach einem Kongress in Verona und stirbt kurz darauf. Wegen der Effektivität seiner Reformen und der Wirkung auf zahlreiche benachbarte Länder gilt er als einer der großen Staatsreformer des 19. Jahrhunderts. Sein Leichnam ruht auf der Rückseite der Schinkelkirche in Neuhardenberg.
1865 - In Charlottenburg wird eine Straße nach Hardenberg benannt.
1958 - In Charlottenburg wird ein Platz nach Hardenberg benannt.
Quellen: [1]