Formel 1 - 1903: Unterschied zwischen den Versionen
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=='''Nach desaströsem Ausgang verbietet Frankreich Autorennen auf nicht abgesperrten Straßen'''== | =='''Nach desaströsem Ausgang verbietet Frankreich Autorennen auf nicht abgesperrten Straßen'''== | ||
| − | =='''Eine deutsche Marke ist erstmals unter den ersten Drei der inoffiziellen | + | =='''Eine deutsche Marke ist erstmals unter den ersten Drei der inoffiziellen Konstrukteurswertung'''== |
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Für die inoffizielle Weltmeisterschaft der Autorennfahrer werden lediglich die Rennen mit internationaler Beteiligung aufgeführt, die später als "Grand Prix" oder "Grande Épreuve" bezeichnet werden. <br> | Für die inoffizielle Weltmeisterschaft der Autorennfahrer werden lediglich die Rennen mit internationaler Beteiligung aufgeführt, die später als "Grand Prix" oder "Grande Épreuve" bezeichnet werden. <br> | ||
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| + | | style="width:30%; text-align:center;" | <br><br>[[Datei:Frankreich.png|40px]] <br><br> [[Datei:1903 Panhard et Levassor.jpg|thumb|center|300px|'''Markensieger 1903: Panhard & Levassor''']] | ||
| + | | style="width:20%; text-align:center;" | <br><br>[[Datei:Frankreich.png|40px]] <br><br> [[Datei:Léonce Girardot.jpg|thumb|center|150px|'''Léonce Girardot, erfolgreichster Fahrer aller Zeiten''']] | ||
| + | | style="width:20%; text-align:center;" | <br><br>[[Datei:Belgien.png|40px]] <br><br> [[Datei:Arthur Duray.jpg|thumb|center|150px|'''Arthur Duray, schnellster Mensch der Welt''']] | ||
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| <center> '''[[Chronik 1903.07|02.07.1903]]''' </center> || <center> '''527''' </center> || [[Datei:Großbritannien.png|25px]] '''Gordon Bennett Trophy''' <br> '''Rund um Athy (Irland)''' || [[Datei:Belgien.png|25px]] '''Camille Jenatzy''' auf Mercedes | | <center> '''[[Chronik 1903.07|02.07.1903]]''' </center> || <center> '''527''' </center> || [[Datei:Großbritannien.png|25px]] '''Gordon Bennett Trophy''' <br> '''Rund um Athy (Irland)''' || [[Datei:Belgien.png|25px]] '''Camille Jenatzy''' auf Mercedes | ||
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| [[Datei:Frankreich.png|40px]] '''[[Französische Republik 1903|Französische Republik]]''' <br> | | [[Datei:Frankreich.png|40px]] '''[[Französische Republik 1903|Französische Republik]]''' <br> | ||
| − | Baron von Zuylen, der Präsident des französischen Automobilclubs ACF und König Alfons von Spanien treffen den französischen Premierminister Émile Combes, um über das nach dem Autorennen von Paris nach Berlin im Jahre 1901 durch den französischen Innenminister Waldeck-Rousseau verhängte Verbot weiterer Autorennen in Frankreich zu sprechen. Dem Baron und dem König gelingt es, den Widerstand des Premiers zu überwinden, indem von Zuylen erklärt, dass die Straßen tatsächlich öffentlich seien und die Öffentlichkeit die Rennen wolle und dass viele örtliche Vertreter unbedingt ein Rennen durch ihre Stadt führen wollten. | + | Baron von Zuylen, der Präsident des französischen Automobilclubs ACF und König Alfons von Spanien treffen den französischen Premierminister Émile Combes, um über das nach dem Autorennen von Paris nach Berlin im Jahre 1901 durch den französischen Innenminister Waldeck-Rousseau verhängte Verbot weiterer Autorennen in Frankreich zu sprechen. Dem Baron und dem König gelingt es, den Widerstand des Premiers zu überwinden, indem von Zuylen erklärt, dass die Straßen tatsächlich öffentlich seien und die Öffentlichkeit die Rennen wolle und dass viele örtliche Vertreter unbedingt ein Rennen durch ihre Stadt führen wollten. Darüberhinaus unterstützen viele französische Automobilhersteller den Antrag, da sie durch ihre 25.000 Arbeiter momentan allein im Export 16 Millionen Francs pro Jahr einnehmen. Eine Werbung für ihre Marken durch Autorennen wären nötig, um ihre Einnahmen weiterhin zu steigern. Sowohl der französische Ministerrat als auch der Präsident unterstützen nunmehr die Veranstaltung, die am 24. Mai um 0330 Uhr in Versailles starten soll. Das Rennen soll über 1307 Kilometer gehen und in drei Etappen verlaufen: Versailles-Bordeaux (552 km), Bordeaux-Vitoría (335 km) und Vitoría-Madrid (420 km). Die Regeln wurden bereits in den drei größten französischen Motorsportzeitschriften "France Automobile", "La Locomotion" und "La Vie Automobile" veröffentlicht. Das Reglement sieht vor, dass das Starterfeld in vier Gewichtsklassen unterteilt wird, und zwar 1) unter 250 kg, 2) 250 bis 400 kg, 3) 400 bis 650 kg und 4) 650 bis 1000 kg. Das Gewicht wird ermittelt ohne Fahrer, Kraftstoff, Batterien, Öl, Ersatzteile, Werkzeuge, Lebensmittel und Wasser, Fahrergepäck, Scheinwerfer- und Lichtkabelbäume, Hupen und eventuellen externen Anlassern. Für alle Wagen muss ein Startgeld gezahlt werden, das je nach Gewicht zwischen 50 und 400 Francs liegt. Die beiden schwereren Klassen sollen einen Fahrer und einen Mechaniker haben, während die beiden leichteren Klassen nur einen Fahrer erfordern. Die Startreihenfolge soll nach dem Zufallsprinzip zwischen den in den ersten 30 Tagen eingeschriebenen Fahrzeugen und nach dem 15. Februar eingeschriebenen Fahrern ausgelost. Wie bei vielen Rennen zuvor sollen die Autos einzeln mit einer Verzögerung von zwei Minuten losfahren. Eine „Parc fermé“-Regel wird eingeführt: Am Ende jeder Rennetappe müssen die Autos von einem Kommissar in geschlossene Boxen gebracht werden, wo keine Reparaturen oder Wartungsarbeiten erlaubt sind. Etwaige Nachtankungen oder Reparaturen müssen während der Rennzeit durchgeführt werden. Auf dem Weg zum streng bewachten Abstellplatz sollen die Autos in einer Parade die Städte durchqueren, begleitet von einem Rennleiter auf einem Fahrrad, der die genaue Zeit der Überfahrt aufzeichnen soll, die später von der Gesamtzeit des Fahrers abgezogen wird. Die Zeitaufzeichnungen werden auf Zeitzettel geschrieben und in versiegelten Metallboxen an jedem Auto aufbewahrt. Während die Etappe von Versailles nach Bordeaux eine tragende Säule des Straßenrennens ist (der Gordon-Bennett-Cup wurde 1901 dort ausgetragen), ist die Etappe von Bordeaux nach Vitoría unsicherer: Sie ist voller scharfer Kurven, Anstiege, schmaler Brücken, Bahnübergänge und Steinstraßen, aber auch mit langen, asphaltierten Strecken, auf denen hohe Geschwindigkeiten möglich sind. <br> |
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|- style="background-color:#D3D3D3;" | |- style="background-color:#D3D3D3;" | ||
| − | | align="center" | '''[[Chronik 1903.05|24.05.1903]]''' | + | | align="center" | '''[[Chronik 1903.05-III|24.05.1903]]''' |
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| − | | [[Datei:Frankreich.png|40px]] '''[[Französische Republik 1903|Französische Republik]]''' | + | | [[Datei:Frankreich.png|40px]] '''[[Französische Republik 1903|Französische Republik]]''' <br> |
| − | '''AUTORENNEN PARIS - MADRID | + | In Paris wird das '''AUTORENNEN PARIS - MADRID''' gestartet, das später die Bezeichnung '''VIIIe Grand Prix de l'ACF''' erhalten wird. Es sollen heute 550 Kilometer als Straßenrennen zurückgelegt werden.''' <br> |
| − | [[Datei: | + | [[Datei:Fernand Gabriel.jpg|thumb|150px|''Der Sieger Fernand Gabriel'']] Am Morgen um 0330 Uhr soll das Autorennen von Paris nach Madrid in "Les Jardins de Versailles" gestartet werden. Es waren 315 Rennfahrer eingeschrieben, aber nur 224 von ihnen stehen nunmehr an der Startlinie: 88 Autos der schwersten Klasse (650-1000 kg), 49 Autos zwischen 400 und 650 kg, 33 Voiturettes unter 400 kg und 54 Motorräder. Viele berühmte Rennfahrer und Marken nehmen am Rennen teil. René de Knyff, Henri und Maurice Farman, Pierre de Crawhez und Charles S. Rolls fahren auf Panhard-Levassor. den mächtigen 4-Zylinder-Autos mit 70 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von 130 km/h. <br> |
Henri Fournier, William K. Vanderbilt, Fernand Gabriel und Baron de Forest sind für die Marke Mors eingeschrieben, die einen gewagten, neuen, luftgekühlten Motor auf den klassischen Bateau-Rahmen präsentiert. Das Auto ist mit 90 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von fast 140 km/h sehr leistungsstark. <br> | Henri Fournier, William K. Vanderbilt, Fernand Gabriel und Baron de Forest sind für die Marke Mors eingeschrieben, die einen gewagten, neuen, luftgekühlten Motor auf den klassischen Bateau-Rahmen präsentiert. Das Auto ist mit 90 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von fast 140 km/h sehr leistungsstark. <br> | ||
Mercedes setzt elf Autos mit einer Leistung von 60 bis 90 PS ein. De Dietrich und viele andere französische Marken wie Gobron Billiè, Napier und CGV meiden die leichtesten Klassen und fahren nur mit ihren stärksten und schwersten Modellen. Die kleinsten Autos dieser Marken befinden sich noch immer in den Händen von Amateuren und privaten Rennfahrern. Weitere französische Marken sind Darracq, De Dion-Bouton, Clément-Bayard, Richard und Décauville. <br> | Mercedes setzt elf Autos mit einer Leistung von 60 bis 90 PS ein. De Dietrich und viele andere französische Marken wie Gobron Billiè, Napier und CGV meiden die leichtesten Klassen und fahren nur mit ihren stärksten und schwersten Modellen. Die kleinsten Autos dieser Marken befinden sich noch immer in den Händen von Amateuren und privaten Rennfahrern. Weitere französische Marken sind Darracq, De Dion-Bouton, Clément-Bayard, Richard und Décauville. <br> | ||
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Die Anzahl der zur Ordnung der Menschenmenge eingesetzten Soldaten erweist sich als unzureichend, und die Menschen strömen auf die Straßen. Der erste Rennfahrer, der losfährt ist der inoffizielle amtierende Co-Weltmeister Charles Jarrott mit seinem Mechaniker Bianchi in einem 1000 kg schweren und 45 PS starken De Dietrich. Er versucht, auf 40 Meilen pro Stunde zu bremsen, um den Leuten Zeit zu geben, die Straße zu verlassen, aber die Situation wird nur schlimmer, denn jetzt denken die Zuschauer, dass sie einfach mehr Zeit haben, die Strecke zu verlassen, bevor sie von einem Auto erfasst werden. Inzwischen startet René de Knyff auf seinem Panhard-Levassor, gefolgt von Louis Renault in einem 650 kg schweren Renault mit 30 PS. Als nächstes folgen Théry auf einem Décauville (640 kg, 24 PS), ein weiterer De Diétrich, ein Mors, ein Panhard und ein leichter Passy Thellier (400 kg, 16 PS). Der Start dauert bis 0645 Uhr, also fast drei Stunden. <br> | Die Anzahl der zur Ordnung der Menschenmenge eingesetzten Soldaten erweist sich als unzureichend, und die Menschen strömen auf die Straßen. Der erste Rennfahrer, der losfährt ist der inoffizielle amtierende Co-Weltmeister Charles Jarrott mit seinem Mechaniker Bianchi in einem 1000 kg schweren und 45 PS starken De Dietrich. Er versucht, auf 40 Meilen pro Stunde zu bremsen, um den Leuten Zeit zu geben, die Straße zu verlassen, aber die Situation wird nur schlimmer, denn jetzt denken die Zuschauer, dass sie einfach mehr Zeit haben, die Strecke zu verlassen, bevor sie von einem Auto erfasst werden. Inzwischen startet René de Knyff auf seinem Panhard-Levassor, gefolgt von Louis Renault in einem 650 kg schweren Renault mit 30 PS. Als nächstes folgen Théry auf einem Décauville (640 kg, 24 PS), ein weiterer De Diétrich, ein Mors, ein Panhard und ein leichter Passy Thellier (400 kg, 16 PS). Der Start dauert bis 0645 Uhr, also fast drei Stunden. <br> | ||
Das Rennen erweist sich für die Fahrer als sehr schwierig: Die Gefahren durch die Menschenmenge kommen zu der dichten Staubwolke hinzu, die die Autos aufwirbeln. Das Wetter war in den letzten zwei Wochen trocken und Staub bedeckt die Straßen. Nur auf dem ersten Kilometer der Straße wurde von den Beamten eine Verwässerung vorgenommen, und die jetzt kürzer als vorher geplante Verzögerung zwischen den Autos verschlimmert das Problem. Die Sicht verringert sich auf wenige Meter und die Menschen stehen weiterhin mitten auf der Straße, um die Autos zu sehen, was zu einer dauerhaften Gefahr für alle Beteiligten wird. Nach dem ersten Kontrollpunkt in Rambouillet und dem zweiten in Chartres wird die Menschenmenge weniger dicht. Kurz nach Rambouillet kann Louis Renault mit seinem wilden Rennstil sowohl De Knyff als auch Jarrott überholen, die um den ersten Platz kämpfen, aber eine umsichtigere Haltung einnehmen, um dem Gedränge auszuweichen. Mit Abstand folgen Thery und Stead, während Jenatzys Mercedes und Gabriels Mors eine unglaubliche Aufholjagd anführen, 25 Autos überholen und sich einen Platz unter den ersten zehn Fahrern sichern. Eine weitere, unglaubliche Leistung gelingt Marcel Renault, der auf dem 60. Platz startet, es aber schafft, am Kontrollpunkt von Poitiers fast die Spitze des Rennens zu erreichen. Außerhalb der Spitzenplätze kommt es den ganzen Tag über zu Unfällen: Autos prallen gegen Bäume und werden zerstört, sie überschlagen sich und fangen Feuer, Achsen brechen und unerfahrene Fahrer verunglücken auf den unebenen Straßen. <br> | Das Rennen erweist sich für die Fahrer als sehr schwierig: Die Gefahren durch die Menschenmenge kommen zu der dichten Staubwolke hinzu, die die Autos aufwirbeln. Das Wetter war in den letzten zwei Wochen trocken und Staub bedeckt die Straßen. Nur auf dem ersten Kilometer der Straße wurde von den Beamten eine Verwässerung vorgenommen, und die jetzt kürzer als vorher geplante Verzögerung zwischen den Autos verschlimmert das Problem. Die Sicht verringert sich auf wenige Meter und die Menschen stehen weiterhin mitten auf der Straße, um die Autos zu sehen, was zu einer dauerhaften Gefahr für alle Beteiligten wird. Nach dem ersten Kontrollpunkt in Rambouillet und dem zweiten in Chartres wird die Menschenmenge weniger dicht. Kurz nach Rambouillet kann Louis Renault mit seinem wilden Rennstil sowohl De Knyff als auch Jarrott überholen, die um den ersten Platz kämpfen, aber eine umsichtigere Haltung einnehmen, um dem Gedränge auszuweichen. Mit Abstand folgen Thery und Stead, während Jenatzys Mercedes und Gabriels Mors eine unglaubliche Aufholjagd anführen, 25 Autos überholen und sich einen Platz unter den ersten zehn Fahrern sichern. Eine weitere, unglaubliche Leistung gelingt Marcel Renault, der auf dem 60. Platz startet, es aber schafft, am Kontrollpunkt von Poitiers fast die Spitze des Rennens zu erreichen. Außerhalb der Spitzenplätze kommt es den ganzen Tag über zu Unfällen: Autos prallen gegen Bäume und werden zerstört, sie überschlagen sich und fangen Feuer, Achsen brechen und unerfahrene Fahrer verunglücken auf den unebenen Straßen. <br> | ||
| − | Louis Renault erreicht Bordeaux am Mittag als Erster, während Jarrott, der mit einer defekten Kupplung startete und mit mechanischen Problemen an Motor und Auspuff zu kämpfen hatte, eine halbe Stunde später | + | Louis Renault erreicht Bordeaux am Mittag als Erster, während Jarrott, der mit einer defekten Kupplung startete und mit mechanischen Problemen an Motor und Auspuff zu kämpfen hatte, eine halbe Stunde später eintraf, gefolgt von Gabriel, Salleron, Baras, de Crawhez, Warden, Rougier, Jenatzy und Voigt. Alle Fahrer sind körperlich erschöpft: Die schweren Fahrzeuge erfordern beim Manövrieren viel Kraft. Der Staub verursacht ihnen Augenschmerzen, und viele von ihnen haben Probleme mit den Motoren und verbrennen sich beim Reparieren die Hände. Gabriel, der als 168. abreiste und als Dritter ins Ziel kommt, wird später bei der Auszählung der Zeitzettel als Sieger gekürt werden. <br> |
| − | Einige große Namen erklären, die nächste Etappe nicht mehr fahren zu wollen, und nach und nach treffen schlechte Nachrichten in Bordeaux ein. Über den Mors von Vanderbilt wird bekannt, dass ein Zylinder gebrochen ist und er das Rennen aufgeben muss. Der Mercedes des Baron de Caters prallte gegen einen Baum, der Fahrer blieb aber unverletzt und repariert wahrscheinlich das Auto, um weiterfahren zu können. Die Rennfahrerin Camille du Gast (Crespin) belegte in ihrem 30 PS starken De Dietrich den 8. Platz, bis sie anhielt, um ihrem verunglückten Mitfahrer Phil Stead zu helfen. Sie belegt den 77. Platz. Charles Jarrott, der mit | + | Einige große Namen erklären, die nächste Etappe nicht mehr fahren zu wollen, und nach und nach treffen schlechte Nachrichten in Bordeaux ein. Über den Mors von Vanderbilt wird bekannt, dass ein Zylinder gebrochen ist und er das Rennen aufgeben muss. Der Mercedes des Baron de Caters prallte gegen einen Baum, der Fahrer blieb aber unverletzt und repariert wahrscheinlich das Auto, um weiterfahren zu können. Die Rennfahrerin Camille du Gast (Crespin) belegte in ihrem 30 PS starken De Dietrich den 8. Platz, bis sie anhielt, um ihrem verunglückten Mitfahrer ET Stead (Phil Stead) zu helfen. Sie belegt den 77. Platz. Charles Jarrott, der mit seiner de Dietrich den vierten Gesamtrang belegt, behauptet, dass Stead gestorben wäre, wenn du Gast nicht angehalten und ihm das Leben gerettet hätte. Die Nachricht, dass in Ablis eine Frau von einem Auto angefahren und verletzt worden sei, erweist sich später als falsch. <br> |
Nachdem Marcel Renault als überfällig gemeldet wurde, trifft die Nachricht ein, dass er in Couhé Vérac einen Unfall hatte und ins Hospital gebracht wurde. Porters Wolseley wurde an einem Bahnübergang zerstört, wo die Schranke unerwartet niederging. Das Auto prallte dagegen und überschlug sich, wobei sein Mechaniker ums Leben kam. Georges Richard prallte in Angoulême gegen einen Baum, als er versuchte, einem mitten auf der Straße stehenden Bauern auszuweichen, und es kam die Nachricht, dass Brunhot in Châtellerault Tourands Zuschauer angefahren hatte, als er einem Kind auswich, das die Straße überquerte. Ein Soldat namens Dupuy intervenierte und rettete das Kind, wurde jedoch getötet und das Auto verlor die Kontrolle, wodurch ein Zuschauer getötet wurde. Weiter südlich kam ein anderes Auto von der Straße ab und fuhr in eine Gruppe von Zuschauern; in der Menschenmenge sollen zwei Menschen getötet worden sein. <br> | Nachdem Marcel Renault als überfällig gemeldet wurde, trifft die Nachricht ein, dass er in Couhé Vérac einen Unfall hatte und ins Hospital gebracht wurde. Porters Wolseley wurde an einem Bahnübergang zerstört, wo die Schranke unerwartet niederging. Das Auto prallte dagegen und überschlug sich, wobei sein Mechaniker ums Leben kam. Georges Richard prallte in Angoulême gegen einen Baum, als er versuchte, einem mitten auf der Straße stehenden Bauern auszuweichen, und es kam die Nachricht, dass Brunhot in Châtellerault Tourands Zuschauer angefahren hatte, als er einem Kind auswich, das die Straße überquerte. Ein Soldat namens Dupuy intervenierte und rettete das Kind, wurde jedoch getötet und das Auto verlor die Kontrolle, wodurch ein Zuschauer getötet wurde. Weiter südlich kam ein anderes Auto von der Straße ab und fuhr in eine Gruppe von Zuschauern; in der Menschenmenge sollen zwei Menschen getötet worden sein. <br> | ||
| − | Es wird schließlich bekannt, dass ET Stead im riesigen De Dietrich beim Überholen eines anderen Autos in Saint-Pierre-du-Palais die Kontrolle verlor und | + | Es wird schließlich bekannt, dass ET Stead (Phil Stead) im riesigen De Dietrich beim Überholen eines anderen Autos in Saint-Pierre-du-Palais die Kontrolle verlor und wurde verletzt. Er wurde von der einzigen weiblichen Teilnehmerin, Camille du Gast, gerettet und notversorgt. Der dritte von Loraine Barrow gefahrene De Dietrich prallte gegen einen Baum und soll in die Luft geflogen sein, wobei der Fahrer verletzt und der Mechaniker getötet wurde. Barrow war bereits vor dem Rennen gesundheitlich angeschlagen, musste aber dennoch starten, da das Reglement einen Fahrerwechsel verbot. <br> |
Rolls‘ Panhard-Levassor, Mayhews Napier, Maurice Farmans Panhard, die Wolseleys von Herbert Austin und Sidney Girling, Béconnais‘ Darracq hatten alle große technische Probleme und müssen aufgeben. Insgesamt war die Hälfte der Autos verunglückt oder ausgefallen, und es wird vermutet, dass mindestens zwölf Menschen ums Leben kamen und über 100 verletzt wurden. Die tatsächliche Zahl lag niedriger, mit acht Toten, drei Zuschauern und fünf Rennfahrern. Das Rennen wird in Frankreich als "la course hecatombe" und in Großbritannien als "the race to death" bezeichnet. Der Sieger Fernand Gabriel legte die Strecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 105 km/h zurück. <br> | Rolls‘ Panhard-Levassor, Mayhews Napier, Maurice Farmans Panhard, die Wolseleys von Herbert Austin und Sidney Girling, Béconnais‘ Darracq hatten alle große technische Probleme und müssen aufgeben. Insgesamt war die Hälfte der Autos verunglückt oder ausgefallen, und es wird vermutet, dass mindestens zwölf Menschen ums Leben kamen und über 100 verletzt wurden. Die tatsächliche Zahl lag niedriger, mit acht Toten, drei Zuschauern und fünf Rennfahrern. Das Rennen wird in Frankreich als "la course hecatombe" und in Großbritannien als "the race to death" bezeichnet. Der Sieger Fernand Gabriel legte die Strecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 105 km/h zurück. <br> | ||
Das Ergebnis des Rennens: <br> | Das Ergebnis des Rennens: <br> | ||
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! Pos. | ! Pos. | ||
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! Zeit | ! Zeit | ||
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| '''1''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Fernand Gabriel''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Mors''' || '''5h14m31s''' || 10 || 10 | | '''1''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Fernand Gabriel''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Mors''' || '''5h14m31s''' || 10 || 10 | ||
| − | |- bgcolor="# | + | |- bgcolor="#DCE5E5" |
| '''2''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Louis Renault''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Renault''' (light car) || '''5h29m39s''' || 9 || 9 | | '''2''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Louis Renault''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Renault''' (light car) || '''5h29m39s''' || 9 || 9 | ||
| − | |- bgcolor="# | + | |- bgcolor="#FFDAB9" |
| '''3''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Jacques Salleron''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Mors''' || '''5h47m02s''' || 8 || 8 | | '''3''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Jacques Salleron''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Mors''' || '''5h47m02s''' || 8 || 8 | ||
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| '''5''' || align="left" | [[Datei:Belgien.png|25px]] '''Baron Pierre de Crawhez''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Panhard''' || '''5h54m11s''' || 6 || 6 | | '''5''' || align="left" | [[Datei:Belgien.png|25px]] '''Baron Pierre de Crawhez''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Panhard''' || '''5h54m11s''' || 6 || 6 | ||
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| − | | '''6''' || align="left" | [[Datei: | + | | '''6''' || align="left" | [[Datei:USA 1896-1908.png|25px]] '''John B. Warden''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''Mercedes''' || '''5h55m31s''' || 5 || 5 |
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| '''7''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''Carl Voigt''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''CGV''' || '''5h57m49s''' || 4 || 4 | | '''7''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''Carl Voigt''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''CGV''' || '''5h57m49s''' || 4 || 4 | ||
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| '''12''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Mouter''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''de Dietrich''' || '''6h18m54s''' || || | | '''12''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Mouter''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''de Dietrich''' || '''6h18m54s''' || || | ||
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| '''15''' || align="left" | [[Datei:Weiße Flagge.png|25px]] '''Max''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''Mercedes''' || '''6h38m35s''' || || | | '''15''' || align="left" | [[Datei:Weiße Flagge.png|25px]] '''Max''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''Mercedes''' || '''6h38m35s''' || || | ||
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| − | | '''17''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Hubert le Blon''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] ''' | + | | '''17''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Hubert le Blon''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Serpolet''' || '''6h44m16s''' || || |
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| '''18''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''G. Berteaux''' || align="left" |[[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Panhard ''' || '''~6h45m''' || || | | '''18''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''G. Berteaux''' || align="left" |[[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Panhard ''' || '''~6h45m''' || || | ||
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... und weitere 80 Wagen. Der Letzte, Rulot auf Serpollet, kommt nach 20h57m04s ins Ziel. Die einzige weibliche Teilnehmerin, Madame du Gast, die mit einem de Dietrich unterwegs ist, kommt als 77. Wagen nach 10h51m07s ins Ziel. <br> | ... und weitere 80 Wagen. Der Letzte, Rulot auf Serpollet, kommt nach 20h57m04s ins Ziel. Die einzige weibliche Teilnehmerin, Madame du Gast, die mit einem de Dietrich unterwegs ist, kommt als 77. Wagen nach 10h51m07s ins Ziel. <br> | ||
| − | + | Das französische Parlament reagiert heftig auf die Nachricht von den zahlreichen Unfällen. Ein außerordentlicher Ministerrat wird einberufen, und die Beamten werden angewiesen, das Rennen in Bordeaux abzubrechen. Eine Überführung der Autos an die Grenze, um von dort aus nach Madrid weiterzufahren, kommt nicht in Frage, da der spanische König jetzt dafür die Genehmigung verweigert. Somit wird das Rennen in Bordeaux offiziell für beendet erklärt. Die Wagen werden beschlagnahmt und von Pferden zum Bahnhof geschleppt, wo sie mit dem Zug zu weiteren Untersuchungen nach Paris transport werden soll. Diese Maßnahme wird nötig, weil die Regierung selbst das Starten der Motoren ohne Ausnahme verboten hat. <br> | |
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|- style="background-color:#D3D3D3;" | |- style="background-color:#D3D3D3;" | ||
| − | | align="center" | '''[[Chronik 1903.05|26.05.1903]]''' | + | | align="center" | '''[[Chronik 1903.05-III|26.05.1903]]''' |
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| − | | | + | | [[Datei:Frankreich.png|40px]] '''[[Französische Republik 1903|Französische Republik]]''' <br> |
| − | + | 48 Stunden nach seinem Unfall in der Region Poitou-Charentes bei Bordeaux erliegt der junge französische Rennfahrer Marcel Renault seinen schweren Verletzungen; er war nicht mehr aus der Bewusstlosigkeit erwacht. Zeitungen und Experten erklären den „Tod des Autorennsports“. Man geht allgemein davon aus, dass keine anderen Rennen in der Zukunft mehr erlauft werden. Die Auswirkungen des Rennens erstrecken sich auch auf die Automobilvorschriften. Es werden Anträge zum Verbot von Geschwindigkeitsüberschreitungen mit Autos über 40 km/h (25 mph) eingereicht, und einige fordern, diese Limitierung auch bei Rennen durchzusetzen. Während einige Zeitungen, wie zum Beispiel "Le Temps", die Katastrophe auf demagogische Weise ausnutzen, um die Automode und die Rennwelt anzugreifen, versuchen andere (wie zum Beispiel "La Presse"), das Problem herunterzuspielen, indem sie behaupten, dass es sich lediglich um drei „unfreiwillige“ Opfer, die Zuschauer, handelt, die auf dem „Altar des Fortschritts“ geopfert wurden. "La Liberté" lehnt die Forderung nach einem Verbot von Sportrennen ab, da der Automobilbau eine Quelle des französischen Stolzes sei und die sozialistische "Petite République" das Auto als Mittel zur Stärkung der Massen verteidigt. "Le Matin" unterstützt die zuerst vom Marquis de Dion geäußerte Meinung, dass Geschwindigkeitsrennen sowohl als Werbegag als auch als Testfeld für technologische Verbesserungen nutzlos seien. Die einzigen sinnvollen Rennen seien die Langstrecken- und Kraftstoffeffizienzrennen. An der Meinung, dass Rennwagen mit ihren überdimensionierten Motoren und extremen Lösungen nur sehr wenig mit gewöhnlichen Nutzfahrzeugen gemeinsam haben, ist wohl etwas Wahres dran. Ein Fachmagazin, "L'Auto", versucht, einen Konsens über ein neues Regelwerk für Sportrennen zu erzielen; weniger Fahrer und Autos, Klassen basierend auf Geschwindigkeit und Leistung (nicht nur Gewicht) und das Publikum weit entfernt von der Rennstrecke. Die erste faire und maßgebliche Analyse stammte von "La Locomotion Automobile", die die Ursachen der Katastrophe ermittelte. Das Massaker war auf mehrere gleichzeitige Faktoren zurückzuführen: <br> | |
* Geschwindigkeit. Die Autos fuhren mit einer Geschwindigkeit von über 140 km/h, eine Geschwindigkeit, die selbst die schnellsten Züge derzeit nicht erreichen. | * Geschwindigkeit. Die Autos fuhren mit einer Geschwindigkeit von über 140 km/h, eine Geschwindigkeit, die selbst die schnellsten Züge derzeit nicht erreichen. | ||
* Staub, der die Fahrbedingungen verschlechterte und direkte Ursache für einige Unfälle war. | * Staub, der die Fahrbedingungen verschlechterte und direkte Ursache für einige Unfälle war. | ||
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* Die Organisation wird für schlechte Entscheidungen verantwortlich gemacht. Die zufällige Startreihenfolge war ein Chaos, da schnellere und stärkere Autos mit langsameren und kleineren Autos gemischt waren, was zu vielen unnötigen Überholmanövern führte. Einige Fahrer (wie Mouter im De Dietrich) schafften es, fast 80 Plätze vorzurücken, nur weil sie weit hinten starteten und viele Kleinwagen und Amateurfahrer vor sich hatten. Der Abstand zwischen den Starts wurde auf nur eine Minute verkürzt, was das Staubproblem verschlimmerte und zu einer zufälligen Einmischung von Motorrädern, Voiturettes und Rennwagen führte. | * Die Organisation wird für schlechte Entscheidungen verantwortlich gemacht. Die zufällige Startreihenfolge war ein Chaos, da schnellere und stärkere Autos mit langsameren und kleineren Autos gemischt waren, was zu vielen unnötigen Überholmanövern führte. Einige Fahrer (wie Mouter im De Dietrich) schafften es, fast 80 Plätze vorzurücken, nur weil sie weit hinten starteten und viele Kleinwagen und Amateurfahrer vor sich hatten. Der Abstand zwischen den Starts wurde auf nur eine Minute verkürzt, was das Staubproblem verschlimmerte und zu einer zufälligen Einmischung von Motorrädern, Voiturettes und Rennwagen führte. | ||
* Auch die Regelung, die einen Fahrerwechsel vor dem Rennstart verbietet, steht auf dem Prüfstand. Einige Fahrer, darunter auch Marcel Renault, hätten an der Startlinie gesundheitliche Probleme gehabt, mussten aber dennoch antreten, weil die Marken ein Fahrzeug nicht ausmustern konnten und ein Fahrerwechsel nicht erlaubt war. <br> | * Auch die Regelung, die einen Fahrerwechsel vor dem Rennstart verbietet, steht auf dem Prüfstand. Einige Fahrer, darunter auch Marcel Renault, hätten an der Startlinie gesundheitliche Probleme gehabt, mussten aber dennoch antreten, weil die Marken ein Fahrzeug nicht ausmustern konnten und ein Fahrerwechsel nicht erlaubt war. <br> | ||
| − | Das Londoner Wochenmagazin „The Car“ überprüfte die Todesangaben, stellte fest, dass es sich bei einigen davon nur um Gerüchte handelte, und untersuchte die tatsächlichen Ursachen. Bei dem Unfall in Angoulême, bei dem ein Soldat und ein Zuschauer ums Leben kamen, wurde festgestellt, dass das Kind schuld war, das die Straße überquert hatte, nachdem es seinen Eltern entkommen war. Der Unfall an der Bahnkreuzung, der Porter widerfuhr, war ein Verschulden der Organisation, da die Kreuzung nicht bewacht wurde. Die vorherrschende Hypothese über einen Kontrollverlust aufgrund eines mechanischen Versagens wurde verworfen. Barrows Auto explodierte nicht, sondern es traf einen Hund, während es einem anderen Hund auswich, und prallte gegen einen Baum, explodierte aber nicht und brannte nicht. Die Idee eines explodierenden Motors fand großen Anklang bei der Öffentlichkeit, war aber ein Produkt von Unwissenheit und Hype. | + | Das Londoner Wochenmagazin „The Car“ überprüfte die Todesangaben, stellte fest, dass es sich bei einigen davon nur um Gerüchte handelte, und untersuchte die tatsächlichen Ursachen. Bei dem Unfall in Angoulême, bei dem ein Soldat und ein Zuschauer ums Leben kamen, wurde festgestellt, dass das Kind schuld war, das die Straße überquert hatte, nachdem es seinen Eltern entkommen war. Der Unfall an der Bahnkreuzung, der Porter widerfuhr, war ein Verschulden der Organisation, da die Kreuzung nicht bewacht wurde. Die vorherrschende Hypothese über einen Kontrollverlust aufgrund eines mechanischen Versagens wurde verworfen. Barrows Auto explodierte nicht, sondern es traf einen Hund, während es einem anderen Hund auswich, und prallte gegen einen Baum, explodierte aber nicht und brannte nicht. Die Idee eines explodierenden Motors fand großen Anklang bei der Öffentlichkeit, war aber ein Produkt von Unwissenheit und Hype. <br> |
| − | + | Die Unfälle von Marcel Renault und Stead waren die einzigen echten Rennunfälle und waren beide darauf zurückzuführen, dass übermäßiger Staub die Sicht beim Überholen beeinträchtigte. Die Schuld wurde den Beamten und den Regeln zugeschrieben, und die Zahl der Todesopfer wurde angesichts dieser Prämissen als überraschend niedrig eingeschätzt. <br> | |
| − | + | Dem französischen Premierminister Émile Combes wird eine Mitschuld vorgeworfen, weil er sich bereit erklärt hatte, das Rennen fortzusetzen. Er versucht zu erklären, dass er nicht wusste, dass Autos so schnell und gefährlich sein können. Er behauptet, gegen jede Beschränkung der Automobilhersteller zu sein, und sowohl das Parlament als auch der Senat stimmen einer formellen Abstimmung zur Unterstützung seiner Entscheidung zu. <br> | |
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| align="center" | '''[[Chronik 1903.05-III|Ende Mai 1903]]''' | | align="center" | '''[[Chronik 1903.05-III|Ende Mai 1903]]''' | ||
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| − | | [[Datei:Frankreich.png|40px]] '''[[Französische Republik 1903|Französische Republik]]''' <br> | + | | [[Datei:Frankreich.png|40px]] '''[[Französische Republik 1903|Französische Republik]]''' <br> |
| − | + | Nur wenige Tage nach der Katastrophe verlieren die Zeitungen das Interesse am Rennen Paris–Madrid. Auf den Sportseiten drehte sich alles um ein weiteres Rennen, am folgenden 22. Juni auf der Rennstrecke in den Ardennen. <br> | |
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{| class="wikitable" | {| class="wikitable" | ||
|- style="background-color:#D3D3D3;" | |- style="background-color:#D3D3D3;" | ||
| − | | align="center" | '''[[Chronik 1903.06- | + | | align="center" | '''[[Chronik 1903.06-III|22.06.1903]]''' |
|- | |- | ||
| − | | [[Datei: | + | | [[Datei:Belgien.png|70px]] '''[[Königreich Belgien 1903|Königreich Belgien]]''' [[Datei:Frankreich.png|40px]] '''[[Französische Republik 1903|Französische Republik]]''' <br> |
| − | + | Das nächste '''ARDENNEN-AUTORENNEN BASTOGNE''' findet auf 512,05 Kilometern Straße statt. Es werden auf einem temporär geschlossenen Kurs sechs Runden mit einer jeweiligen Länge von 85,34 Kilometern gefahren. Die schweren Autos tragen ihr Rennen am Morgen, die leichten am Nachmittag aus, danach werden die besten Zeiten für die Gesamttabelle bekanntgegeben. Sieger des Rennens wird der belgische Baron Pierre de Crawhez auf Panhard, der auch mit 56m16s die schnellste Runde fährt, was 91,004 km/h beträgt. Das Ergebnis des Rennens: <br> | |
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|- class="hintergrundfarbe5" | |- class="hintergrundfarbe5" | ||
! Pos. | ! Pos. | ||
! Fahrer | ! Fahrer | ||
| − | ! | + | ! Konstrukteur |
! Zeit | ! Zeit | ||
! Punkte | ! Punkte | ||
| − | ! (inoffizielle) <br> | + | ! (inoffizielle) <br> Konstrukteurspunkte |
| − | |- bgcolor="# | + | |- bgcolor="#F7F6A8" |
| − | | '''1''' || align="left" | [[Datei:Belgien.png|25px]] '''Baron Pierre de Crawhez''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Panhard''' || '''5h52m08s''' || 10+1 || 10 | + | | '''1''' || align="left" | [[Datei:Belgien.png|25px]] '''Baron Pierre de Crawhez''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Panhard''' || '''5h52m08s''' || 10+1 || 10 |
| − | |- bgcolor="# | + | |- bgcolor="#DCE5E5" |
| '''2''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Léonce Girardot''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''CGV''' || '''6h12m12s''' || 9 || 9 | | '''2''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Léonce Girardot''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''CGV''' || '''6h12m12s''' || 9 || 9 | ||
| − | |- bgcolor="# | + | |- bgcolor="#FFDAB9" |
| '''3''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''René de Brou''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''de Dietrich''' || '''6h24m29s''' || 8 || 8 | | '''3''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''René de Brou''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''de Dietrich''' || '''6h24m29s''' || 8 || 8 | ||
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| '''4''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Paul Baras''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Darracq''' (light car) || '''6h30m38s''' || 7 || 7 | | '''4''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Paul Baras''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Darracq''' (light car) || '''6h30m38s''' || 7 || 7 | ||
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| − | | '''5''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Hubert le Blon''' || align="left" |[[Datei:Frankreich.png|25px]] ''' | + | | '''5''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Hubert le Blon''' || align="left" |[[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Serpolet''' || '''6h31m03s''' || 6 || 6 |
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| '''6''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Henri Béconnais''' || align="left" |[[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Darracq''' || '''6h48m05s''' || 5 || 5 | | '''6''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Henri Béconnais''' || align="left" |[[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Darracq''' || '''6h48m05s''' || 5 || 5 | ||
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| '''11''' || align="left" | [[Datei:Niederlande.png|25px]] '''Jacques Guders''' || align="left" | [[Datei:Niederlande.png|25px]] '''Pipe''' || '''7h10m18s''' || || | | '''11''' || align="left" | [[Datei:Niederlande.png|25px]] '''Jacques Guders''' || align="left" | [[Datei:Niederlande.png|25px]] '''Pipe''' || '''7h10m18s''' || || | ||
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| − | | '''12''' || align="left" | [[Datei:Weiße Flagge.png|25px]] ''' | + | | '''12''' || align="left" | [[Datei:Weiße Flagge.png|25px]] '''Osmont''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Darracq''' (light car) || '''7h16m30s''' || || |
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| '''13''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Victor Hémery''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Darracq''' (light car) || '''7h33m48s''' || || | | '''13''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Victor Hémery''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Darracq''' (light car) || '''7h33m48s''' || || | ||
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| '''18''' || align="left" | [[Datei:Niederlande.png|25px]] '''Van der Poele''' || align="left" |[[Datei:Niederlande.png|25px]] '''Pipe''' || '''11h25m48s''' || || | | '''18''' || align="left" | [[Datei:Niederlande.png|25px]] '''Van der Poele''' || align="left" |[[Datei:Niederlande.png|25px]] '''Pipe''' || '''11h25m48s''' || || | ||
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| − | Zwanzig Fahrer | + | Zwanzig Fahrer erreichen das Ziel nicht, darunter Etienne und Francois Giraud auf CGV wegen Ausfalls in der 1. Runde, William K. Vanderbilt auf Mors wegen Problemen mit dem Zylinderkopf ihres Mors in der Runde 1, George Heath auf Panhard in der 2. Runde, Charles Jarrott auf de Dietrich in der 2. Runde sowie Louis Rigolly und Arthur Duray auf Gobron-Brillié in der 2. Runde. 22 gemeldete Fahrer hatten das Rennen erst gar nicht angetreten, darunter Baron Pierre de Caters und Camille Jenatzy auf Mercedes, Ettore Bugatti auf de Dietrich, Charles Rolls auf Panhard und Vincenzo Lancia auf FIAT. <br> |
| − | 22 Fahrer | ||
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{| class="wikitable" | {| class="wikitable" | ||
|- style="background-color:#D3D3D3;" | |- style="background-color:#D3D3D3;" | ||
| − | | | + | | align="center" | '''[[Chronik 1903.07|02.07.1903]]''' |
|- | |- | ||
| − | + | | [[Datei:Großbritannien.png|70px]] '''[[Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland 1903|Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland]]''' [[Datei:Belgien.png|70px]] '''[[Königreich Belgien 1903|Königreich Belgien]]''' <br> | |
| − | + | [[Datei:Camille Jenatzy.jpg|thumb|150px|''Der Sieger der Trophy ist Camille Jenatzy'']] In Irland findet das erste internationale Autorennen gleich unter zwei Bezeichnungen statt: Das '''AUTORENNEN RUND UM ATHY (IRLAND)''' soll auch als die '''IV. GORDON BENNETT TROPHY''' in die Geschichte eingehen. Das Rennen hat eine Länge von 527,04 km, der Sieger soll ein Preisgeld von 8000 Britischen Pfund erhalten. [[Datei:Map Gordon Bennett Trophy 1903.jpg|450px|right|'''Streckenplan für die Gordon Bennett Trophy 1903''']] Der Gordon Bennett Cup 1903, offiziell "IV Coupe Internationale" genannt, ein Autorennen, das auf dem Athy Circuit mit gesperrten Straßen in Irland stattfand. Das Rennen bestand aus sieben Runden – abwechselnd sechs Runden über einen kürzeren Kurs westlich von Athy und einen längeren Kurs östlich, bevor eine letzte Runde auf dem längeren Kurs folgt, sodass die Gesamtdistanz 527 km (327,5 Meilen) beträgt. Ein britischer Teilnehmer, Selwyn Edge, hatte die vorherige Ausgabe des Rennens gewonnen, was bedeutete, dass die Rechte zur Ausrichtung des Rennens an den Automobile Club of Britain and Ireland gefallen waren. Auch der "Automobile Club of Great Britain and Ireland" wollte, dass das Rennen auf den britischen Inseln ausgetragen wird, und sein Sekretär Claude Johnson schlug Irland als Austragungsort vor, da Rennen auf britischen öffentlichen Straßen illegal sind. Der Herausgeber der "Dublin Motor News", Richard J. Mecredy, schlug ein Gebiet in der Grafschaft Kildare vor, und Briefe wurden an 102 irische Abgeordnete, 90 irische Kollegen, 300 Zeitungen, 34 Vorsitzende von Kreis- und Gemeinderäten, 34 Kreissekretäre, 26 Bürgermeister, 41 Eisenbahngesellschaften, 460 Hoteliers, 13 Prominente sowie an den Bischof von Kildare und Leighlin, Patrick Foley, geschickt, der sich dafür aussprach. Lokale Gesetze mussten angepasst werden, daher wurde am 27. März 1903 das „Light Locomotives (Ireland) Bill“ verabschiedet. Kildare und andere Gemeinderäte machten auf ihre Gebiete aufmerksam, während County Laois erklärte, dass während des geplanten Rennens alle Einrichtungen bereitgestellt und die Straßen den Autofahrern zur Verfügung gestellt würden. Schließlich wurde Kildare ausgewählt, unter anderem mit der Begründung, dass die Geradheit der Straßen ein Sicherheitsvorteil sei. Als Kompliment an Irland entschied sich das britische Team, dort in Autos in Kleeblattgrün anzutreten, das so als britisches Renngrün bekannt wurde; auch der siegreiche britische Napier von 1902 war olivgrün gestrichen. Die britische Regierung verabschiedete ein Gesetz, das die Durchführung des Rennens auf Straßen in Irland erlaubt. Großbritannien soll versuchen, den Gordon Bennett Cup gegen Automarken aus Frankreich, Deutschland und den USA zu verteidigen, und jede Firma vertritt ihr Land mit drei Teilnehmern: Die Firmen dürfen auf der ganzen Welt nach Rennfahrern suchen; da Belgien keine konkurrenzfähige Autoindustrie besitzt und sich daher nicht am Gordon Bennett Cup beteiligt, startet Camille Jenatzy für das Deutsche Kaiserreich. Die Mannschaften bestehen aus folgenden Personen: <br> | |
| − | '''AUTORENNEN RUND UM ATHY (IRLAND) | + | * Deutsches Kaiserreich: Mercedes. Fahrer: Jenatzy (BEL), de Caters (BEL), Foxhall-Keene (USA). |
| − | + | * Französische Republik: Panhard und Mors. Fahrer: de Knyff (FRA), Farman (FRA), Gabriel (FRA). | |
| − | + | * Vereinigtes Königreich: Napier. Fahrer: Edge (GBR), Jarrott (GBR), Stocks (GBR). | |
| − | + | * USA: Winton und Peerless. Fahrer: Owen (USA), Winton (USA), Mooers (USA). <br> | |
| − | + | Seit dem Autorennen Paris-Bordeaux im Jahr 1901, bei der mindestens acht Menschen ums Leben kamen, und schweren Unfällen während des Rennens Paris-Madrid am 24. Mai 1903, bei dem mehr als 200 Autos über eine Distanz von 800 Meilen (1.287 km) gegeneinander antreten sollten, herrschte in der Öffentlichkeit erhebliche Besorgnis über die Sicherheit. Das Rennen musste jedoch in Bordeaux abgebrochen werden, weil es so viele Unfälle gegeben hatte. Um diese Befürchtungen zu zerstreuen, wurde das Rennen 1903 auf einer geschlossenen Strecke ausgetragen, die sorgfältig für die Veranstaltung vorbereitet worden war, und wurde von 7000 Polizisten, unterstützt von Truppen und Vereinskommissaren, mit strikten Anweisungen organisiert, um Zuschauer von den Straßen und Kurven fernzuhalten. Die Route bestand aus zwei Schleifen in Form einer Acht, die erste war eine 52 Meilen (84 km) lange Schleife, einschließlich Kilcullen, The Curragh, Kildare, Monasterevin, Stradbally, Athy, gefolgt von einer 40 Meilen (64 km) langen Schleife durch Castledermot, Carlow und erneut Athy. Das Rennen beginn an der Kreuzung Ballyshannon (53,0853°N 6,82°W) in der Nähe von Calverstown auf der heutigen N78 in Richtung Norden, dann der N9 nach Norden folgend; die N7 nach Westen; die N80 nach Süden; die N78 wieder nach Norden; die N9 nach Süden; die N80 nach Norden; die N78 wieder nach Norden. Der offizielle Zeitnehmer des Rennens ist Mr. Woolen vom "Automobile Club of Great Britain and Ireland". Einundneunzig Chronographen für die Zeitmessung des Rennens wurden von der anglo-schweizerischen Firma Stauffer Son & Co. aus La Chaux-de-Fonds und London geliefert. Die Teilnehmer sollen im Sieben-Minuten-Takt gestartet werden und müssen den Rennkommissaren auf den Fahrrädern durch die „Kontrollzonen“ in jeder Stadt folgen. | |
| − | [[Datei: | + | * '''Die schnellste Runde auf der kürzeren Runde fährt James Foxhall Keene auf Mercedes mit 83,870 km/h''' |
| − | Der Gordon Bennett Cup 1903, offiziell | + | * '''Die schnellste Runde auf der längeren Runde fährt Fernand Gabriel auf Mors mit 83,042 km/h''' |
| − | + | * Das Ergebnis des Rennens: <br> | |
| − | Als | ||
| − | Die Mannschaften: | ||
| − | * Deutsches Kaiserreich: Mercedes | ||
| − | * Französische Republik: Panhard | ||
| − | * Vereinigtes Königreich: Napier | ||
| − | * USA: Winton | ||
| − | |||
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| − | * | ||
{| class="wikitable" style="text-align:center" | {| class="wikitable" style="text-align:center" | ||
|- class="hintergrundfarbe5" | |- class="hintergrundfarbe5" | ||
! Pos. | ! Pos. | ||
! Fahrer | ! Fahrer | ||
| − | ! | + | ! Konstrukteur |
! Zeit | ! Zeit | ||
! Punkte | ! Punkte | ||
| − | ! (inoffizielle) <br> | + | ! (inoffizielle) <br> Konstrukteurspunkte |
| − | |- bgcolor="# | + | |- bgcolor="#F7F6A8" |
| '''1''' || align="left" | [[Datei:Belgien.png|25px]] '''Camille Jenatzy''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''Mercedes''' || '''6h39m00s''' || 10 || 10 | | '''1''' || align="left" | [[Datei:Belgien.png|25px]] '''Camille Jenatzy''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''Mercedes''' || '''6h39m00s''' || 10 || 10 | ||
| − | |- bgcolor="# | + | |- bgcolor="#DCE5E5" |
| '''2''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''René de Knyff''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Panhard''' || '''6h50m40s''' || 9 || 9 | | '''2''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''René de Knyff''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Panhard''' || '''6h50m40s''' || 9 || 9 | ||
| − | |- bgcolor="# | + | |- bgcolor="#FFDAB9" |
| '''3''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Henri Farman''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Panhard''' || '''6h51m44s''' || 8 || 8 | | '''3''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Henri Farman''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Panhard''' || '''6h51m44s''' || 8 || 8 | ||
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| − | | '''4''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Fernand Gabriel''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Mors''' || '''7h11m33s''' || 7+1 || 7 | + | | '''4''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Fernand Gabriel''' || align="left" | [[Datei:Frankreich.png|25px]] '''Mors''' || '''7h11m33s''' || 7+1 || 7 |
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| − | | '''DSQ''' || align="left" | [[Datei:Großbritannien.png|25px]] '''Selwyn Edge''' || align="left" | [[Datei:Großbritannien.png|25px]] '''Napier''' || '''9h18m48s''' || 0 Grund | + | | '''DSQ''' || align="left" | [[Datei:Großbritannien.png|25px]] '''Selwyn Edge''' || align="left" | [[Datei:Großbritannien.png|25px]] '''Napier''' || '''9h18m48s''' || 0 Grund Hilfe von Außen || |
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| − | | '''RET''' || align="left" | [[Datei:Belgien.png|25px]] '''Pierre de Caters''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''Mercedes''' || ''' | + | | '''RET''' || align="left" | [[Datei:Belgien.png|25px]] '''Pierre de Caters''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''Mercedes''' || '''-''' || 0 Grund Achsbruch || |
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| − | | '''RET''' || align="left" | [[Datei:USA 1896-1908.png|25px]] '''Percy Owen''' || align="left" | [[Datei:USA 1896-1908.png|25px]] '''Winton''' || ''' | + | | '''RET''' || align="left" | [[Datei:USA 1896-1908.png|25px]] '''Percy Owen''' || align="left" | [[Datei:USA 1896-1908.png|25px]] '''Winton''' || '''-''' || 0 Grund unbekannt || |
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| − | | '''RET''' || align="left" | [[Datei:USA 1896-1908.png|25px]] '''Alexander Winton''' || align="left" | [[Datei:USA 1896-1908.png|25px]] '''Winton''' || ''' | + | | '''RET''' || align="left" | [[Datei:USA 1896-1908.png|25px]] '''Alexander Winton''' || align="left" | [[Datei:USA 1896-1908.png|25px]] '''Winton''' || '''-''' || 0 Grund unbekannt || |
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| − | | '''RET''' || align="left" | [[Datei:USA 1896-1908.png|25px]] '''James Foxhall-Keene''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''Mercedes''' || ''' | + | | '''RET''' || align="left" | [[Datei:USA 1896-1908.png|25px]] '''James Foxhall-Keene''' || align="left" | [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] '''Mercedes''' || '''-''' || 0+1 Grund Achsbruch || |
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| + | Mit Alexander Wintons Bullett ist zum ersten Mal ein Achtzylinder-Rennwagen bei einem bedeutenden Rennen mit dabei, der allerdings ebenso wie die beiden anderen Vertreter des amerikanischen Teams mit dem Feld nicht mithalten kann. Deutlich besser schlagen sich zunächst die Briten, müssen sich dann aber aufgrund von Unfällen und Defekten auch aus der Spitzengruppe verabschieden. Das Rennen entwickelt sich in Folge zu einem Zweikampf zwischen dem deutschen und dem französischen Team, in dem jedoch der für den Deutschen Automobilclub fahrende Belgier Camille Jenatzy auf Mercedes seinen Vorsprung kontinuierlich ausbauen kann, um am Ende nach über sechseinhalb Stunden Fahrzeit mit einem Schnitt von knapp 77 km/h und mit nur 11 Minuten Vorsprung vor Henri Farman auf Panhard & Levassor zu gewinnen. Es war dies der erste Sieg für eine deutsche Marke bei einem großen Rennen. Dabei hatte das deutsche Team sogar statt der ursprünglich vorgesehenen 90-PS-Rennwagen nach einem Werksbrand im Juni 1903 im Cannstatter DMG-Werk mit von Privatbesitzern zurückgekauften oder ausgeliehenen 60-PS-Modellen aus dem Vorjahr antreten müssen. Der Siegerwagen von Jenatzy stammte vom US-amerikanischen Enthusiasten Clarence Gray Dinsmore. <br> | ||
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Bei einem Rekordversuch im belgischen Oostende erreicht der Belgier Arthur Duray auf einem "Gobron-Brillié Paris-Madrid" mit Verbrennungsmotor eine Geschwindigkeit von 134,32 km/h, was einer Steigerung gegenüber dem letzten Rekord von 10,19 km/h entspricht, der am 17. November des Vorjahrs aufgestellt wurde. <br> | Bei einem Rekordversuch im belgischen Oostende erreicht der Belgier Arthur Duray auf einem "Gobron-Brillié Paris-Madrid" mit Verbrennungsmotor eine Geschwindigkeit von 134,32 km/h, was einer Steigerung gegenüber dem letzten Rekord von 10,19 km/h entspricht, der am 17. November des Vorjahrs aufgestellt wurde. <br> | ||
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Bei einem erneuten Rekordversuch im belgischen Oostende erreicht der Belgier Arthur Duray auf einem "Gobron-Brillié Paris-Madrid" mit Verbrennungsmotor eine Geschwindigkeit von 136,36 km/h, was einer Steigerung gegenüber dem letzten Rekord von 2,04 km/h entspricht, der am 17. Juli aufgestellt wurde. Auch dieser Rekord wurde von Arthur Duray aufgestellt. <br> | Bei einem erneuten Rekordversuch im belgischen Oostende erreicht der Belgier Arthur Duray auf einem "Gobron-Brillié Paris-Madrid" mit Verbrennungsmotor eine Geschwindigkeit von 136,36 km/h, was einer Steigerung gegenüber dem letzten Rekord von 2,04 km/h entspricht, der am 17. Juli aufgestellt wurde. Auch dieser Rekord wurde von Arthur Duray aufgestellt. <br> | ||
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| − | + | ! colspan="5" style="font-size:120%; font-weight:bold;" | '''Die erfolgreichsten Autorennfahrer 1898-1903''' | |
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'''Inoffizielle Wertung der Fahrer der bisherigen Compétitions oder Épreuves im Automobilsport seit 1899 (Top 20)<br> | '''Inoffizielle Wertung der Fahrer der bisherigen Compétitions oder Épreuves im Automobilsport seit 1899 (Top 20)<br> | ||
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| − | {| class="wikitable" style="text-align:center; | + | ''' Motorwertung aller Compétitions oder Épreuves im Automobilsport des Jahres 1903''' <br> |
| − | |- style=" | + | Unangefochtene Siegerin der inoffiziellen Motorwertung des Jahres 1903 bleibt die französische Firma Panhard, auch wenn der Abstand zu den weiteren Plätzen kleiner geworden ist. Mit Mercedes und de Dietrich holen sich zwei deutsche Firmen nennenswerte Punkte in der Gesamtwertung und C.G.V. verdreifacht seine Punktezahl im Vergleich zum Vorjahr. Mit Mercedes holt sich erstmals ein deutscher Hersteller einen Podiumsplatz in der Gesamtwertung der Motoren''' <br> |
| − | + | {| class="wikitable" style="background-color:#fff8c6; border:4px solid #d4af37; text-align:center; margin:auto;" cellpadding="6" cellspacing="0" | |
| − | |- | + | |- |
| − | | | + | ! colspan="5" style="font-size:120%; font-weight:bold;" | '''Die erfolgreichsten Motoren des Jahres 1903''' |
| − | [[Datei:Logo Panhard.png| | + | |- |
| − | <br>''' | + | | [[Datei:Frankreich.png|40px]] || [[Datei:Frankreich.png|40px]] || [[Datei:Deutsches Reich.png|25px]] |
| − | <br> | + | |- |
| − | | | + | | valign="top" | [[Datei:Logo Panhard 1891-1907.png|160px]]<br>'''Panhard'''<br>'''35 Punkte''' |
| − | [[Datei:Logo Mors.png| | + | | valign="top" | [[Datei:Logo Mors.png|120px]]<br>'''Mors'''<br>'''26 Punkte''' |
| − | <br>''' | + | | valign="top" | [[Datei:Logo Mercedes 1902-1909.png|150px]]<br>'''Mercedes'''<br>'''19 Punkte''' |
| − | <br> | ||
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| − | [[Datei:Logo Mercedes 1902-1909.png|150px]] | ||
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| + | |- | ||
| + | ! colspan="5" style="font-size:120%; font-weight:bold;" | '''Die erfolgreichsten Motoren im Automobilsport im Zeitraum 1898-1903''' | ||
| + | |- | ||
| + | | [[Datei:Frankreich.png|40px]] || [[Datei:Frankreich.png|40px]] || [[Datei:Frankreich.png|40px]] | ||
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| + | | valign="top" | [[Datei:Logo Panhard 1891-1907.png|160px]]<br>'''Panhard'''<br>'''288 Punkte''' | ||
| + | | valign="top" | [[Datei:Logo Mors.png|120px]]<br>'''Mors'''<br>'''175 Punkte''' | ||
| + | | valign="top" | [[Datei:Logo Darracq 1902-1920.png|150px]]<br>'''Darracq'''<br>'''57 Punkte''' | ||
| + | |} | ||
{| class="wikitable" style="text-align:right;" | {| class="wikitable" style="text-align:right;" | ||
! style="text-align:center;" | '''Rang''' !! '''LandMotor''' !! '''Motor''' !! '''1898/99''' !! '''1900''' !! '''1901''' !! '''1902''' !! '''1903''' !! '''Punkte''' !! '''Prozent''' | ! style="text-align:center;" | '''Rang''' !! '''LandMotor''' !! '''Motor''' !! '''1898/99''' !! '''1900''' !! '''1901''' !! '''1902''' !! '''1903''' !! '''Punkte''' !! '''Prozent''' | ||
Aktuelle Version vom 26. November 2025, 09:55 Uhr
DIE FORMEL 1 IM JAHRE 1903
Nach desaströsem Ausgang verbietet Frankreich Autorennen auf nicht abgesperrten Straßen
Eine deutsche Marke ist erstmals unter den ersten Drei der inoffiziellen Konstrukteurswertung
Für die inoffizielle Weltmeisterschaft der Autorennfahrer werden lediglich die Rennen mit internationaler Beteiligung aufgeführt, die später als "Grand Prix" oder "Grande Épreuve" bezeichnet werden.
| Ereignisse der inoffiziellen Automobil-Weltmeisterschaft 1903 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Bisherige inoffizielle Weltmeisterschaften | Aktuelle Geschwindigkeitsrekorde für Landfahrzeuge |
|---|---|
| Geschichte der Formel 1 : 1894 / 1895 / 1896 / 1897 / 1898 / 1899 / 1900 / 1901 / 1902 |
seit 17.11.1902 124,13 km/h |
(bis 1949 inoffiziell) | |||
| Datum | Länge km | Bezeichnung und Ort | Sieger |
|---|---|---|---|
(VIII. Grand Prix de l'A.C.F.) |
|||
Rund um Bastogne |
|||
Rund um Athy (Irland) |
|||
| 17.02.1903 |
Baron von Zuylen, der Präsident des französischen Automobilclubs ACF und König Alfons von Spanien treffen den französischen Premierminister Émile Combes, um über das nach dem Autorennen von Paris nach Berlin im Jahre 1901 durch den französischen Innenminister Waldeck-Rousseau verhängte Verbot weiterer Autorennen in Frankreich zu sprechen. Dem Baron und dem König gelingt es, den Widerstand des Premiers zu überwinden, indem von Zuylen erklärt, dass die Straßen tatsächlich öffentlich seien und die Öffentlichkeit die Rennen wolle und dass viele örtliche Vertreter unbedingt ein Rennen durch ihre Stadt führen wollten. Darüberhinaus unterstützen viele französische Automobilhersteller den Antrag, da sie durch ihre 25.000 Arbeiter momentan allein im Export 16 Millionen Francs pro Jahr einnehmen. Eine Werbung für ihre Marken durch Autorennen wären nötig, um ihre Einnahmen weiterhin zu steigern. Sowohl der französische Ministerrat als auch der Präsident unterstützen nunmehr die Veranstaltung, die am 24. Mai um 0330 Uhr in Versailles starten soll. Das Rennen soll über 1307 Kilometer gehen und in drei Etappen verlaufen: Versailles-Bordeaux (552 km), Bordeaux-Vitoría (335 km) und Vitoría-Madrid (420 km). Die Regeln wurden bereits in den drei größten französischen Motorsportzeitschriften "France Automobile", "La Locomotion" und "La Vie Automobile" veröffentlicht. Das Reglement sieht vor, dass das Starterfeld in vier Gewichtsklassen unterteilt wird, und zwar 1) unter 250 kg, 2) 250 bis 400 kg, 3) 400 bis 650 kg und 4) 650 bis 1000 kg. Das Gewicht wird ermittelt ohne Fahrer, Kraftstoff, Batterien, Öl, Ersatzteile, Werkzeuge, Lebensmittel und Wasser, Fahrergepäck, Scheinwerfer- und Lichtkabelbäume, Hupen und eventuellen externen Anlassern. Für alle Wagen muss ein Startgeld gezahlt werden, das je nach Gewicht zwischen 50 und 400 Francs liegt. Die beiden schwereren Klassen sollen einen Fahrer und einen Mechaniker haben, während die beiden leichteren Klassen nur einen Fahrer erfordern. Die Startreihenfolge soll nach dem Zufallsprinzip zwischen den in den ersten 30 Tagen eingeschriebenen Fahrzeugen und nach dem 15. Februar eingeschriebenen Fahrern ausgelost. Wie bei vielen Rennen zuvor sollen die Autos einzeln mit einer Verzögerung von zwei Minuten losfahren. Eine „Parc fermé“-Regel wird eingeführt: Am Ende jeder Rennetappe müssen die Autos von einem Kommissar in geschlossene Boxen gebracht werden, wo keine Reparaturen oder Wartungsarbeiten erlaubt sind. Etwaige Nachtankungen oder Reparaturen müssen während der Rennzeit durchgeführt werden. Auf dem Weg zum streng bewachten Abstellplatz sollen die Autos in einer Parade die Städte durchqueren, begleitet von einem Rennleiter auf einem Fahrrad, der die genaue Zeit der Überfahrt aufzeichnen soll, die später von der Gesamtzeit des Fahrers abgezogen wird. Die Zeitaufzeichnungen werden auf Zeitzettel geschrieben und in versiegelten Metallboxen an jedem Auto aufbewahrt. Während die Etappe von Versailles nach Bordeaux eine tragende Säule des Straßenrennens ist (der Gordon-Bennett-Cup wurde 1901 dort ausgetragen), ist die Etappe von Bordeaux nach Vitoría unsicherer: Sie ist voller scharfer Kurven, Anstiege, schmaler Brücken, Bahnübergänge und Steinstraßen, aber auch mit langen, asphaltierten Strecken, auf denen hohe Geschwindigkeiten möglich sind. |
| 24.05.1903 |
In Paris wird das AUTORENNEN PARIS - MADRID gestartet, das später die Bezeichnung VIIIe Grand Prix de l'ACF erhalten wird. Es sollen heute 550 Kilometer als Straßenrennen zurückgelegt werden. Henri Fournier, William K. Vanderbilt, Fernand Gabriel und Baron de Forest sind für die Marke Mors eingeschrieben, die einen gewagten, neuen, luftgekühlten Motor auf den klassischen Bateau-Rahmen präsentiert. Das Auto ist mit 90 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von fast 140 km/h sehr leistungsstark. ... und weitere 80 Wagen. Der Letzte, Rulot auf Serpollet, kommt nach 20h57m04s ins Ziel. Die einzige weibliche Teilnehmerin, Madame du Gast, die mit einem de Dietrich unterwegs ist, kommt als 77. Wagen nach 10h51m07s ins Ziel. |
| 26.05.1903 |
48 Stunden nach seinem Unfall in der Region Poitou-Charentes bei Bordeaux erliegt der junge französische Rennfahrer Marcel Renault seinen schweren Verletzungen; er war nicht mehr aus der Bewusstlosigkeit erwacht. Zeitungen und Experten erklären den „Tod des Autorennsports“. Man geht allgemein davon aus, dass keine anderen Rennen in der Zukunft mehr erlauft werden. Die Auswirkungen des Rennens erstrecken sich auch auf die Automobilvorschriften. Es werden Anträge zum Verbot von Geschwindigkeitsüberschreitungen mit Autos über 40 km/h (25 mph) eingereicht, und einige fordern, diese Limitierung auch bei Rennen durchzusetzen. Während einige Zeitungen, wie zum Beispiel "Le Temps", die Katastrophe auf demagogische Weise ausnutzen, um die Automode und die Rennwelt anzugreifen, versuchen andere (wie zum Beispiel "La Presse"), das Problem herunterzuspielen, indem sie behaupten, dass es sich lediglich um drei „unfreiwillige“ Opfer, die Zuschauer, handelt, die auf dem „Altar des Fortschritts“ geopfert wurden. "La Liberté" lehnt die Forderung nach einem Verbot von Sportrennen ab, da der Automobilbau eine Quelle des französischen Stolzes sei und die sozialistische "Petite République" das Auto als Mittel zur Stärkung der Massen verteidigt. "Le Matin" unterstützt die zuerst vom Marquis de Dion geäußerte Meinung, dass Geschwindigkeitsrennen sowohl als Werbegag als auch als Testfeld für technologische Verbesserungen nutzlos seien. Die einzigen sinnvollen Rennen seien die Langstrecken- und Kraftstoffeffizienzrennen. An der Meinung, dass Rennwagen mit ihren überdimensionierten Motoren und extremen Lösungen nur sehr wenig mit gewöhnlichen Nutzfahrzeugen gemeinsam haben, ist wohl etwas Wahres dran. Ein Fachmagazin, "L'Auto", versucht, einen Konsens über ein neues Regelwerk für Sportrennen zu erzielen; weniger Fahrer und Autos, Klassen basierend auf Geschwindigkeit und Leistung (nicht nur Gewicht) und das Publikum weit entfernt von der Rennstrecke. Die erste faire und maßgebliche Analyse stammte von "La Locomotion Automobile", die die Ursachen der Katastrophe ermittelte. Das Massaker war auf mehrere gleichzeitige Faktoren zurückzuführen:
Das Londoner Wochenmagazin „The Car“ überprüfte die Todesangaben, stellte fest, dass es sich bei einigen davon nur um Gerüchte handelte, und untersuchte die tatsächlichen Ursachen. Bei dem Unfall in Angoulême, bei dem ein Soldat und ein Zuschauer ums Leben kamen, wurde festgestellt, dass das Kind schuld war, das die Straße überquert hatte, nachdem es seinen Eltern entkommen war. Der Unfall an der Bahnkreuzung, der Porter widerfuhr, war ein Verschulden der Organisation, da die Kreuzung nicht bewacht wurde. Die vorherrschende Hypothese über einen Kontrollverlust aufgrund eines mechanischen Versagens wurde verworfen. Barrows Auto explodierte nicht, sondern es traf einen Hund, während es einem anderen Hund auswich, und prallte gegen einen Baum, explodierte aber nicht und brannte nicht. Die Idee eines explodierenden Motors fand großen Anklang bei der Öffentlichkeit, war aber ein Produkt von Unwissenheit und Hype. |
| Ende Mai 1903 |
Nur wenige Tage nach der Katastrophe verlieren die Zeitungen das Interesse am Rennen Paris–Madrid. Auf den Sportseiten drehte sich alles um ein weiteres Rennen, am folgenden 22. Juni auf der Rennstrecke in den Ardennen. |
| 22.06.1903 |
Das nächste ARDENNEN-AUTORENNEN BASTOGNE findet auf 512,05 Kilometern Straße statt. Es werden auf einem temporär geschlossenen Kurs sechs Runden mit einer jeweiligen Länge von 85,34 Kilometern gefahren. Die schweren Autos tragen ihr Rennen am Morgen, die leichten am Nachmittag aus, danach werden die besten Zeiten für die Gesamttabelle bekanntgegeben. Sieger des Rennens wird der belgische Baron Pierre de Crawhez auf Panhard, der auch mit 56m16s die schnellste Runde fährt, was 91,004 km/h beträgt. Das Ergebnis des Rennens: Zwanzig Fahrer erreichen das Ziel nicht, darunter Etienne und Francois Giraud auf CGV wegen Ausfalls in der 1. Runde, William K. Vanderbilt auf Mors wegen Problemen mit dem Zylinderkopf ihres Mors in der Runde 1, George Heath auf Panhard in der 2. Runde, Charles Jarrott auf de Dietrich in der 2. Runde sowie Louis Rigolly und Arthur Duray auf Gobron-Brillié in der 2. Runde. 22 gemeldete Fahrer hatten das Rennen erst gar nicht angetreten, darunter Baron Pierre de Caters und Camille Jenatzy auf Mercedes, Ettore Bugatti auf de Dietrich, Charles Rolls auf Panhard und Vincenzo Lancia auf FIAT. |
| 02.07.1903 |
In Irland findet das erste internationale Autorennen gleich unter zwei Bezeichnungen statt: Das AUTORENNEN RUND UM ATHY (IRLAND) soll auch als die IV. GORDON BENNETT TROPHY in die Geschichte eingehen. Das Rennen hat eine Länge von 527,04 km, der Sieger soll ein Preisgeld von 8000 Britischen Pfund erhalten. Der Gordon Bennett Cup 1903, offiziell "IV Coupe Internationale" genannt, ein Autorennen, das auf dem Athy Circuit mit gesperrten Straßen in Irland stattfand. Das Rennen bestand aus sieben Runden – abwechselnd sechs Runden über einen kürzeren Kurs westlich von Athy und einen längeren Kurs östlich, bevor eine letzte Runde auf dem längeren Kurs folgt, sodass die Gesamtdistanz 527 km (327,5 Meilen) beträgt. Ein britischer Teilnehmer, Selwyn Edge, hatte die vorherige Ausgabe des Rennens gewonnen, was bedeutete, dass die Rechte zur Ausrichtung des Rennens an den Automobile Club of Britain and Ireland gefallen waren. Auch der "Automobile Club of Great Britain and Ireland" wollte, dass das Rennen auf den britischen Inseln ausgetragen wird, und sein Sekretär Claude Johnson schlug Irland als Austragungsort vor, da Rennen auf britischen öffentlichen Straßen illegal sind. Der Herausgeber der "Dublin Motor News", Richard J. Mecredy, schlug ein Gebiet in der Grafschaft Kildare vor, und Briefe wurden an 102 irische Abgeordnete, 90 irische Kollegen, 300 Zeitungen, 34 Vorsitzende von Kreis- und Gemeinderäten, 34 Kreissekretäre, 26 Bürgermeister, 41 Eisenbahngesellschaften, 460 Hoteliers, 13 Prominente sowie an den Bischof von Kildare und Leighlin, Patrick Foley, geschickt, der sich dafür aussprach. Lokale Gesetze mussten angepasst werden, daher wurde am 27. März 1903 das „Light Locomotives (Ireland) Bill“ verabschiedet. Kildare und andere Gemeinderäte machten auf ihre Gebiete aufmerksam, während County Laois erklärte, dass während des geplanten Rennens alle Einrichtungen bereitgestellt und die Straßen den Autofahrern zur Verfügung gestellt würden. Schließlich wurde Kildare ausgewählt, unter anderem mit der Begründung, dass die Geradheit der Straßen ein Sicherheitsvorteil sei. Als Kompliment an Irland entschied sich das britische Team, dort in Autos in Kleeblattgrün anzutreten, das so als britisches Renngrün bekannt wurde; auch der siegreiche britische Napier von 1902 war olivgrün gestrichen. Die britische Regierung verabschiedete ein Gesetz, das die Durchführung des Rennens auf Straßen in Irland erlaubt. Großbritannien soll versuchen, den Gordon Bennett Cup gegen Automarken aus Frankreich, Deutschland und den USA zu verteidigen, und jede Firma vertritt ihr Land mit drei Teilnehmern: Die Firmen dürfen auf der ganzen Welt nach Rennfahrern suchen; da Belgien keine konkurrenzfähige Autoindustrie besitzt und sich daher nicht am Gordon Bennett Cup beteiligt, startet Camille Jenatzy für das Deutsche Kaiserreich. Die Mannschaften bestehen aus folgenden Personen:
Seit dem Autorennen Paris-Bordeaux im Jahr 1901, bei der mindestens acht Menschen ums Leben kamen, und schweren Unfällen während des Rennens Paris-Madrid am 24. Mai 1903, bei dem mehr als 200 Autos über eine Distanz von 800 Meilen (1.287 km) gegeneinander antreten sollten, herrschte in der Öffentlichkeit erhebliche Besorgnis über die Sicherheit. Das Rennen musste jedoch in Bordeaux abgebrochen werden, weil es so viele Unfälle gegeben hatte. Um diese Befürchtungen zu zerstreuen, wurde das Rennen 1903 auf einer geschlossenen Strecke ausgetragen, die sorgfältig für die Veranstaltung vorbereitet worden war, und wurde von 7000 Polizisten, unterstützt von Truppen und Vereinskommissaren, mit strikten Anweisungen organisiert, um Zuschauer von den Straßen und Kurven fernzuhalten. Die Route bestand aus zwei Schleifen in Form einer Acht, die erste war eine 52 Meilen (84 km) lange Schleife, einschließlich Kilcullen, The Curragh, Kildare, Monasterevin, Stradbally, Athy, gefolgt von einer 40 Meilen (64 km) langen Schleife durch Castledermot, Carlow und erneut Athy. Das Rennen beginn an der Kreuzung Ballyshannon (53,0853°N 6,82°W) in der Nähe von Calverstown auf der heutigen N78 in Richtung Norden, dann der N9 nach Norden folgend; die N7 nach Westen; die N80 nach Süden; die N78 wieder nach Norden; die N9 nach Süden; die N80 nach Norden; die N78 wieder nach Norden. Der offizielle Zeitnehmer des Rennens ist Mr. Woolen vom "Automobile Club of Great Britain and Ireland". Einundneunzig Chronographen für die Zeitmessung des Rennens wurden von der anglo-schweizerischen Firma Stauffer Son & Co. aus La Chaux-de-Fonds und London geliefert. Die Teilnehmer sollen im Sieben-Minuten-Takt gestartet werden und müssen den Rennkommissaren auf den Fahrrädern durch die „Kontrollzonen“ in jeder Stadt folgen.
Mit Alexander Wintons Bullett ist zum ersten Mal ein Achtzylinder-Rennwagen bei einem bedeutenden Rennen mit dabei, der allerdings ebenso wie die beiden anderen Vertreter des amerikanischen Teams mit dem Feld nicht mithalten kann. Deutlich besser schlagen sich zunächst die Briten, müssen sich dann aber aufgrund von Unfällen und Defekten auch aus der Spitzengruppe verabschieden. Das Rennen entwickelt sich in Folge zu einem Zweikampf zwischen dem deutschen und dem französischen Team, in dem jedoch der für den Deutschen Automobilclub fahrende Belgier Camille Jenatzy auf Mercedes seinen Vorsprung kontinuierlich ausbauen kann, um am Ende nach über sechseinhalb Stunden Fahrzeit mit einem Schnitt von knapp 77 km/h und mit nur 11 Minuten Vorsprung vor Henri Farman auf Panhard & Levassor zu gewinnen. Es war dies der erste Sieg für eine deutsche Marke bei einem großen Rennen. Dabei hatte das deutsche Team sogar statt der ursprünglich vorgesehenen 90-PS-Rennwagen nach einem Werksbrand im Juni 1903 im Cannstatter DMG-Werk mit von Privatbesitzern zurückgekauften oder ausgeliehenen 60-PS-Modellen aus dem Vorjahr antreten müssen. Der Siegerwagen von Jenatzy stammte vom US-amerikanischen Enthusiasten Clarence Gray Dinsmore. |
| 17.07.1903 |
Bei einem Rekordversuch im belgischen Oostende erreicht der Belgier Arthur Duray auf einem "Gobron-Brillié Paris-Madrid" mit Verbrennungsmotor eine Geschwindigkeit von 134,32 km/h, was einer Steigerung gegenüber dem letzten Rekord von 10,19 km/h entspricht, der am 17. November des Vorjahrs aufgestellt wurde. |
| 05.11.1903 |
Bei einem erneuten Rekordversuch im belgischen Oostende erreicht der Belgier Arthur Duray auf einem "Gobron-Brillié Paris-Madrid" mit Verbrennungsmotor eine Geschwindigkeit von 136,36 km/h, was einer Steigerung gegenüber dem letzten Rekord von 2,04 km/h entspricht, der am 17. Juli aufgestellt wurde. Auch dieser Rekord wurde von Arthur Duray aufgestellt. |
| 31.12.1903 |
Ansatz einer gerechten Punktevergabe für die inoffizielle Weltmeisterschaft bei Oteripedia!:
Um über die Jahrzehnte hinweg einen Vergleich der besten Fahrer und der besten Motoren zu realisieren, ist mangels einer offiziellen Wertung eine inoffizielle nötig. Die "ewige Wertung" bei Oteripedia erfolgt so:
- Gewertet werden nur internationale Rennen, bei denen Fahrer aus mindestens drei Nationen in die Wertung kommen.
- Mindestdistanz für Wertung: 100 Kilometer.
- Fahrzeuge wie Tricycles und Quadricycles werden nicht berücksichtigt.
- Punktevergabe:
- Platz 1 bis 10 linear von 10 bis 1 Punkt
- Wenn weniger als 10 Fahrzeuge ins Ziel kommen oder die Reihenfolge nicht bekannt ist, werden die entsprechenden Punkte nicht vergeben.
- Etappensiege bei Langstreckenrennen: +1 Punkt pro Etappensieg
- Schnellste Runde (ab Einführung von Rundrennen): +1 Punkt, ungeachtet der Platzierung
- Pole Position (ab Einführung von Qualifikationsrunden): +1 Punkt
- Bei Fahrerwechseln werden die Punkte gleichmäßig geteilt, unabhängig von der zurückgelegten Distanz. Beispiel: Zwei Fahrer teilen sich Platz 10 → jeder erhält 0,5 Punkte
- Motorwertung
- Es zählt ausschließlich der Motorhersteller, nicht das Chassis oder das Team.
- Von jedem Motorenhersteller kommen die besten drei Platzierungen eines Rennens in die Wertung.
- Weitere Fahrzeuge desselben Motor-Herstellers werden nicht berücksichtigt.
- Zusätzlich erhält der Motorhersteller je einen Punkt für jede schnellste Runde und jeden Etappensieg, analog zur Punktevergabe bei Geschwindigkeitsweltrekorden.
- Nationenwertung
Punkte der Fahrer fließen in die Nationenwertung entsprechend der kommunizierten Staatsangehörigkeit.
| Die erfolgreichsten Autorennfahrer des Jahres 1903 | ||||
|---|---|---|---|---|
![]() Fernand Gabriel 18 Punkte |
![]() Pierre de Crawhez 17 Punkte |
Camille Jenatzy 10 Punkte | ||
Inoffizielle Nationenwertung aller Compétitions oder Épreuves im Automobilgeschehen des Jahres 1903
Unangefochten in der inoffiziellen Nationenwertung des Jahres 1902 bleibt Frankreich. In diesem Jahr kommen nur Rennfahrer aus drei Nationen bei allen Rennen unter die ersten Zehn eines Rennens.
| Die erfolgreichsten Autorennfahrer 1898-1903 | ||||
|---|---|---|---|---|
Léonce Girardot 59 Punkte |
René de Knyff 40 Punkte |
Henri Farman 38 Punkte | ||
Inoffizielle Wertung der Fahrer der bisherigen Compétitions oder Épreuves im Automobilsport seit 1899 (Top 20)
1899-1903 - Inoffizielle "ewige" Gesamtwertung aller Sieger von Rennen der höchsten Klasse im Automobilsport (die sechs erfolgreichsten Fahrer mit mindestens zwei Siegen)
Alle drei Wettbewerbe werden durch neue Sieger gewonnen, daher bleibt diese Tabelle mit der aus dem Vorjahr identisch.
| Platz | Fahrer | Zeitraum | Gesamt |
|---|---|---|---|
| 1 | 1899-1900 | 2 | |
| 1901-1902 | 2 |
1899-1903 - Inoffizielle "ewige" Gesamtwertung aller Podien von Rennen der höchsten Klasse im Automobilsport (die acht erfolgreichsten Fahrer)
Ein weiteres Mal bauen die drei Erstplatzierten ihren Vorsprung aus.
Fahrer-Wertung der Länder der bisherigen Compétitions oder Épreuves im Automobilsport seit 1899
Motorwertung aller Compétitions oder Épreuves im Automobilsport des Jahres 1903
Unangefochtene Siegerin der inoffiziellen Motorwertung des Jahres 1903 bleibt die französische Firma Panhard, auch wenn der Abstand zu den weiteren Plätzen kleiner geworden ist. Mit Mercedes und de Dietrich holen sich zwei deutsche Firmen nennenswerte Punkte in der Gesamtwertung und C.G.V. verdreifacht seine Punktezahl im Vergleich zum Vorjahr. Mit Mercedes holt sich erstmals ein deutscher Hersteller einen Podiumsplatz in der Gesamtwertung der Motoren
| Die erfolgreichsten Motoren des Jahres 1903 | ||||
|---|---|---|---|---|
Panhard 35 Punkte |
Mors 26 Punkte |
Mercedes 19 Punkte | ||
| Die erfolgreichsten Motoren im Automobilsport im Zeitraum 1898-1903 | ||||
|---|---|---|---|---|
Panhard 288 Punkte |
Mors 175 Punkte |
Darracq 57 Punkte | ||
| Rang | LandMotor | Motor | 1898/99 | 1900 | 1901 | 1902 | 1903 | Punkte | Prozent |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | FRA | Panhard | 94 | 41 | 53 | 64 | 36 | 288 | 36,6 |
| 2 | FRA | Mors | 73 | 9 | 46 | 21 | 26 | 175 | 33,4 |
| 3 | FRA | Darracq | 0 | 0 | 17 | 27 | 13 | 57 | 7,3 |
| 4 | DEU | Mercedes | 0 | 0 | 19 | 14 | 19 | 52 | 6,6 |
| 5 | FRA | Renault | 3 | 0 | 13 | 22 | 9 | 47 | 6,0 |
| 6 | FRA | Peugeot | 19 | 22 | 0 | 0 | 0 | 41 | 5,2 |
| 7 | FRA | C.G.V. | 0 | 0 | 0 | 5 | 15 | 20 | 2,5 |
| 8 | FRA | Rochet-Schneider | 0 | 0 | 18 | 0 | 0 | 18 | 2,3 |
| 9 | DEU | de Dietrich | 0 | 0 | 0 | 0 | 15 | 15 | 1,9 |
| 10 | FRA | Gobron-Brillié | 0 | 0 | 0 | 9 | 6 | 15 | 1,9 |
| 11 | FRA | Serpollet | 0 | 0 | 0 | 6 | 6 | 12 | 1,5 |
| 12 | FRA | Bollée | 10 | 0 | 0 | 0 | 0 | 10 | 1,3 |
| FRA | Vallée | 10 | 0 | 0 | 0 | 0 | 10 | 1,3 | |
| 14 | FRA | Bolide | 5 | 0 | 0 | 0 | 0 | 5 | 0,6 |
| ITA | FIAT | 0 | 4 | 0 | 0 | 1 | 5 | 0,6 | |
| 16 | BEL | CGA | 3 | 0 | 0 | 0 | 0 | 3 | 0,4 |
| FRA | Clément-Bayard | 0 | 0 | 0 | 3 | 0 | 3 | 0,4 | |
| FRA | Germain | 0 | 0 | 0 | 0 | 3 | 3 | 0,4 | |
| FRA | Jeantaud | 3 | 0 | 0 | 0 | 0 | 3 | 0,4 | |
| ITA | Marchand | 0 | 3 | 0 | 0 | 0 | 3 | 0,4 | |
| 21 | GBR | Napier | 0 | 0 | 0 | 1 | 0 | 1 | 0,1 |
Inoffizielle Wertung der Motoren der bisherigen Compétitions oder Épreuves im Automobilsport seit 1899

