Deutscher Bund 1822

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Das Wappen der Hauptstadt Frankfurt


DEUTSCHER BUND

CHRONIK DES JAHRES 1822

Hauptstadt: Frankfurt am Main


Der Staatsrat Preußens Karl August Freiherr von Hardenberg stirbt

Im preußischen Doberan wird das erste Galopprennen in Europa ausgetragen



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Die wichtigsten Persönlichkeiten des Deutschen Bundes dieses Jahres
(nach Geburtsjahr geordnet)
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Chronik des Deutschen Bundes des Jahres 1822
Januar 1822 - Februar 1822 - März 1822 - April 1822 - Mai 1822 - Juni 1822 - Juli 1822 - August 1822 - September 1822 - Oktober 1822 - November 1822 - Dezember 1822
1822
fortlaufende Ereignisse
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Januar 1822
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01.01.1822
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Deutscher Bund
Die wichtigsten Politiker des Deutschen Bundes am Anfang des Jahres
Wappen Frankfurt.jpg Funktion Name seit Dauer
Franz II.jpg
Präsident des Deutschen Bundes
Kaiser Franz I. von Österreich
(* 1768 Florenz)
20.06.1815
6y06m12d
Johann Rudolf von Buol-Schauenstein.jpg
Präsidialgesandter
Graf Johann Anton Rudolf von Buol-Schauenstein
(* 1763 Wien)
16.12.1815
6y00m16d
Metternich.jpg
Staatsminister Österreichs
Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein
(* 1773 Koblenz)
08.10.1809
12y02m25d
Friedrich Wilhelm III.jpg
König von Preußen
Friedrich Wilhelm III.
(* 1770 Potsdam)
16.11.1797
24y01m16d
Karl August von Hardenberg.jpg
Präsident des Staatsrates
von Preußen
Karl August Freiherr von Hardenberg
(* 1750 Essenrode/Braunschweig)
Apr 1804-Feb 1806 Staatsminister,
26.04.-14.07.1807 Staatsminister, 04.06.1810 Staatsrat
13y11m18d
1822
(ohne genaues Datum)
Wappen Frankfurt.gif Baden 1803-1848.jpg
Februar 1822
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März 1822
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April 1822
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Mai 1822
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Juni 1822
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Staatsratspräsident Karl August Freiherr von Hardenberg
Deutscher Bund / Königreich Preußen

Der preußische Präsident des Staatsrates Karl August Freiherr von Hardenberg erkrankt auf einem Kongress in Verona. Diese Krankheit zwingt ihn, vom Kanzleramt zurückzutreten. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. In höchsten Staatsämtern (als Staatsminister und als Präsident des Staatsrates) war Freiherr von Hardenberg insgesamt 14 Jahre, 3 Monate und 3 Tage Mitglied der Regierung Preußens.

19.06.1822
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Adelberdt von der Recke-Volmerstein
Deutscher Bund / Königreich Preußen

Da immer mehr Waisenkinder den Weg in die von den Grafen Werner und Adelberdt von der Recke-Volmerstein geschaffene Einrichtung in der Nähe des Gutes Overdyck bei Bochum suchen, kaufte Graf Adelberdt die Trappistenabtei Düsselthal in der Nähe von Düsseldorf, in die er heute mit 44 Kindern auf Leiterwagen übersiedelt. Theils um den häuslichen Bedarf an Früchten und Cerealien zu befriedigen, theils um seinen Zöglingen ein Feld nützlicher Thätigkeit eröffnen zu können, dotierte der Gründer sein Düsselthal mit 480 Morgen zugekauften Landes. Dies ist der Beginn der Rettungsanstalt Düsseltal für Waisenkinder (der späteren Graf-Recke-Stiftung). Die "Rettungsanstalt Düsselthal" für Waisen- und Straßenkinder ist eine der ersten Anstalten dieser Art in Deutschland. Das Kloster war ursprünglich im Jahre 1707 ein Geschenk Jan Wellems an die Zisterzienser, die aus Mönchenwerth vor dem Hochwasser des Rheins geflohen waren. Die „Speckermönche“ (deren Warenzeichen mit Schnupftabak gefüllte „Speckermönchsdosen“ waren) fühlten sich in Flingern so wohl, dass sie über dem Eingangstor ihres später Düsselthal genannten Klosters die Inschrift anbrachten: „Wir leben ohne Sorge“.

Juli 1822
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August 1822
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September 1822
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16.09.1822
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Geheimer Staatsminister Otto von Voß
Deutscher Bund / Königreich Preußen

Als Nachfolger des schwer erkrankten preußischen Präsidenten des Staatsrates Karl August Freiherr von Hardenberg wird der Geheime Staatsminister Otto Carl Friedrich von Voß berufen. Der neue höchste Beamte des preußischen Staates wird den Titel "Vizepräsident des Ministeriums und des preußischen Staatsrates" tragen. Otto von Voß entstammt einem mecklenburgischen Adelsgeschlecht. Nach dem Tod des Vaters (1784) übernahm er von diesem als Majoratsherr Buch, Karow und Birkholz. Zugleich kaufte er sich vom General von Bülow die vom Vater innegehabte Havelberger Dompropstei. Der Dom zu Havelberg wurde fortan sein Lieblingsaufenthalt. 1786 trat er wieder in den Staatsdienst als Präsident der Kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer und 1789 als Staatsminister im Generaldirektorium mit dem Department Neumark, Neuchatel und später Magdeburg und Halberstadt. 1793 wurde er erster Provinzialminister der neu erworbenen Provinz Südpreußen. 1795 erwarb er die Magdeburger Domherrenkurie.[1] Von 1795 bis 1798 übernahm der schlesische Provinzialminister Karl Georg Heinrich von Hoym diese Aufgabe. Ab 1798 wurde aber wieder Voß mit den Amtsgeschäften betraut und blieb im Amt, bis Südpreußen im Vierten Koalitionskrieg 1806 von feindlichen Truppen besetzt wurde. Nach dem Tod seines Schwiegervaters erhielt er 1800 das Palais Marschall in der Wilhelmstraße in Berlin (heutige Voßstraße auf diesem Gelände, benannt nach einem seiner Verwandten). Am 20. Februar 1808 wurde er als königlicher Kommissar entlassen. Danach lebte von Voß zurückgezogen, zum Teil in Buch. Er verwaltete seine Güter Buch, Karow, Wartenberg, Flotow, Stavenow (bei Perleberg) und Trossin und hatte eine große Sammlung an Musikalien und an alten Musikinstrumenten. Erst seit dem Vorjahr, als das Vertrauen des Königs zu Hardenbergs Geschäftsleitung zu sinken begann, wurde von Voß wieder zu wichtigen Beratungen hinzugezogen.

Die aktuell wichtigsten Politiker des Deutschen Bundes
Wappen Frankfurt.gif Funktion Name seit Jahre
Franz II.jpg
Präsident des Deutschen Bundes
Kaiser Franz I. von Österreich
(* 1768 Florenz)
20.06.1815
7y02m28d
Johann Rudolf von Buol-Schauenstein.jpg
Präsidialgesandter
Graf Johann Anton Rudolf von Buol-Schauenstein
(* 1763 Wien)
16.12.1815
6y09m01d
Metternich.jpg
Staatsminister Österreichs
Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein
(* 1773 Koblenz)
08.10.1809
12y11m09d
Friedrich Wilhelm III.jpg
König von Preußen
Friedrich Wilhelm III.
(* 1770 Potsdam)
16.11.1797
24y10m01d
Otto von Voss.jpg
Staatsrat von Preußen
Otto Karl Friedrich von Voß
(* 1755 Berlin)
16.09.1822
-
Oktober 1822
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November 1822
Wappen Frankfurt.jpg
Der ehemalige Staatsrat Preußens Karl August Freiherr von Hardenberg stirbt
26.11.1822
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Staatsratspräsident Karl August Freiherr von Hardenberg
Deutscher Bund / Königreich Preußen

Der vor fünf Monaten auf Reisen erkrankte ehemalige Kanzler Preußens, Karl August Freiherr von Hardenberg, (* 31.05.1750 in Essenrode bei Braunschweig) stirbt in Genua im Alter von 72 Jahren. Fürst von Hardenberg war ein preußischer Staatsmann, der dem kurhannoverschen Adelsgeschlecht derer von Hardenberg entstammte. Er war preußischer Außenminister von 1804 bis 1806 und Staatskanzler von 1810 bis 1822; 1814 wurde er für seine Verdienste in den Fürstenstand erhoben. Von Hardenberg wurde als Sohn des Obersten Christian Ludwig von Hardenberg und seiner Frau Anna Sophia Ehrengart (geborene von Bülow aus Essenrode, Schwester von Friedrich Ernst von Bülow) geboren. Zum Zeitpunkt der Geburt waren sein Vater 49 und seine Mutter 19 Jahre alt. Karl August war das älteste von acht Kindern. Dieser Aspekt beeinflusste ihn sein Leben lang. Die Erziehung Karl Augusts lag während der ersten Jahre in der Hand seiner Erzieherin Gavell, die auch schon seine Mutter erzogen hatte. Der Erziehungsplan richtete sich nach den Gewohnheiten der Zeit und seines Standes. Man sprach Französisch, und vom sechsten Lebensjahr an lernte Hardenberg auch Latein. Der Hofmeister Wedekind übernahm nun die Erziehung. Hardenberg besuchte das Pageninstitut in Hannover, wo sich sein erster Freundeskreis gleichaltriger Kinder aus den ersten Familien des Kurfürstentums Hannover bildete. Karl August genoss jedoch eine für einen jungen Adligen ungewöhnlich fortschrittliche und aufgeklärte Erziehung. Sein Traum war der Staatsdienst. Er entschloss sich also, Jura zu studieren, und schrieb sich mit 16 Jahren zum Wintersemester 1766/1767 in der Universität Göttingen ein und blieb vier Semester in Göttingen. Dort war er zunächst Mitglied des Studentenordens Ordre de l'Esperance und wurde am 23. Mai 1768 in die Göttinger Freimaurerloge Augusta zu den drei Flammen aufgenommen. Im selben Jahr siedelte er mit einem neuen Hofmeister (Johann Friedrich Gervinus) nach Leipzig über, um neben Rechtswissenschaften auch ein Jahr Belles Lettres zu studieren. Dort lernte er den jungen Johann Wolfgang von Goethe kennen. Im Jahre 1770 bekam Hardenberg eine Auditorenstelle. Auditor war der Name für eine Hilfskraft am Gericht, in etwa entsprechend dem heutigen Referendar. Schon im Januar 1771, ein halbes Jahr nach Amtsantritt, wurde er in die Finanzverwaltung des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg versetzt. Doch völlig überraschend starb Hardenbergs Förderer Burchard Christian von Behr. Dessen Nachfolger Benedict von Bremer brachte seine eigenen Schützlinge mit. Erbost beschwerte sich Hardenberg bei König Georg III. in London, der ihm nahelegte, eine Reise durch Europa anzutreten, um seinen Horizont zu erweitern. Am 15. Juli 1772 trat Hardenberg zu seiner Grand Tour an und besuchte mehrere deutsche Fürstenhöfe, das Reichskammergericht in Wetzlar und den Reichstag in Regensburg. Am 23. November 1773 wurde er dann zum Kammerrat ernannt, und am 8. Juni 1774 heiratete er die 15-jährige Christiane von Reventlow. Der Sohn Christian Heinrich August von Hardenberg-Reventlow kam 1775 zur Welt, die Tochter Lucia Anna Wilhelmine Christina von Hardenberg-Reventlow am 9. April 1776. Am 13. Januar 1780 veröffentlichte er eine Denkschrift zur Reform der hannoverschen Verwaltung. Am 15. Februar 1781 zog Hardenberg mit seiner Frau nach London, um den Kurfürsten für seine Reform einzunehmen. 1778 und 1781 hielt er sich in London auf, wo sich eine Affäre zwischen seiner Frau Christiane und dem Prinzen von Wales (dem späteren George IV.) entwickelte. Da der Skandal öffentlich zu werden drohte, reichte Hardenberg am 28. September 1781 sein Abschiedsgesuch ein. Am 30. Mai wurde er zum herzoglich-braunschweigischen Geheimen Rat ernannt. Hardenberg hatte anfangs Aussichten, leitender Minister im Fürstentum zu werden. Mit seinem neuen Dienstherren Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel stimmte er in vielen Grundsatzfragen überein. Er legte auch hier eine Denkschrift zur Verwaltungsmodernisierung vor. Er vertrat in einem Gutachten die Ansicht, dass die Reichsstände das Recht hätten, sich gegen den Kaiser zu stellen, sollte dieser gegen Reichsrecht verstoßen. In Braunschweig-Wolfenbüttel trat er für einen Beitritt des Herzogtums zum preußisch dominierten Fürstenbund ein. Seit 1786 war er Leiter eines neu eingerichteten weltlichen Schulkollegiums. Er orientierte sich bei der Reform des Schulwesens an Johann Heinrich Campe und Johann Heinrich Pestalozzi und strebte die Trennung von Schule und Landeskirche an. Insgesamt konnte er sich indes gegen den Widerstand der Stände mit seinen Plänen nicht durchsetzen. Er selbst musste 1790 das weltliche Schuldirektorium wieder aufheben. Hardenbergs Frau Christiane ließ sich 1788 von ihm scheiden und er heiratete am 9. Juni 1788 die seinetwegen geschiedene Sophie von Lenthe. Dadurch wurde er für Braunschweig untragbar. Hardenberg bekam das Angebot, in den preußischen Dienst zu treten, und ging als leitender Minister zum Markgrafen von Ansbach und Bayreuth (Karl Alexander von Brandenburg-Ansbach). Hintergrund war, dass dieser beabsichtigte, zurückzutreten und seinen Besitz an die preußische Linie der Hohenzollern zu übergeben. Nach dem Rücktritt des Markgrafen ging Ansbach-Bayreuth als Provinz in den Besitz der preußischen Krone über. Hardenberg leitete die Eingliederung der Provinz als preußischer Minister. Er hatte durchgesetzt, dass er direkt dem König und nicht der preußischen Verwaltung unterstellt wurde. Dadurch konnte er das Gebiet als selbständige Provinz weitgehend ohne Eingriffe von außen regieren. Wie ein Vizekönig hielt er Hof in Ansbach, Triesdorf und Bayreuth. Die Eingliederung in den preußischen Staat war sehr schwierig, lagen die beiden Gebiete doch in einer Gemengelage mit anderen Territorien. Es gab Enklaven und Exklaven, teilweise überschnitten sich auch hoheitliche Rechte. Hardenberg scheute sich nicht, die Rechte von Reichsrittern und anderen Adeligen des Reiches zu verletzen und ihre Privilegien entgegen des Reichsrechts aufzuheben. Er erzwang den Austausch von Gebieten mit dem Ziel, ein klar abgegrenztes preußisches Gebiet zu schaffen. Im Inneren wurde das Recht des Adels aufgehoben, sich in Streitfällen mit dem Landesherren an den Kaiser zu wenden. Hardenberg setzte notfalls auch militärischen Druck ein, um seine Ziele durchzusetzen. Mit Hilfe von heimlich finanzierten Zeitungen versuchte er, die öffentliche Meinung zu seinen Gunsten zu beeinflussen und erwies sich in diesem Punkt als einer der ersten Wegbereiter der Pressepolitik. Zu diesem Zweck beschäftigte er zunächst Wilhelm Ludwig Wekhrlin, der ab August 1792 die zwei Mal wöchentlich erscheinenden Ansbachischen Blätter herausgab, jedoch bereits im November desselben Jahres starb. 1796 erschien kurzzeitig die propagandistische Volkszeitung, herausgegeben von Hardenbergs Mitarbeiter Theodor von Kretschmann. Schließlich rekrutierte der Minister Ende 1796 den braunschweigischen Schriftsteller, Kaufmann und Englandreisenden Simson Alexander David, der sich den Namen Karl Julius Lange gegeben hatte und betont aufklärerische Positionen vertrat. Er erregte mit seiner Deutschen Reichs- und Staatszeitung für den Geschäfts- und Weltmann ab Januar 1797 sehr viel Aufsehen, da das Blatt de facto zensurfrei in Nürnberg, später in Erlangen erschien und durch die geheime Protektion von Hardenberg etliche Beleidigungsklagen und Beschwerden unbeschadet überstand. Zeitgenössische Beobachter bescheinigten der Zeitung, in der prominente, demokratisch gesinnte Autoren schrieben, "echten Oppositionsgeist". Vor allem der fränkische Landadel, die Kirchen und Österreich wurden, inspiriert von Hardenberg, heftig attackiert. Erst im Mai 1799 musste Lange das Blatt einstellen und floh nach kurzer Inhaftierung ins damals dänische Altona in die Emigration. Hardenberg unterstützte den eigenwilligen Journalisten dort weiterhin insgeheim finanziell und sorgte ab Ende 1803 für dessen erneute Beschäftigung in Berlin. In Ansbach-Bayreuth konnte Hardenberg seine früheren Pläne zu einer grundlegenden Verwaltungsreform umsetzen. Es wurden vier Fachministerien für Justiz, Inneres, Krieg und Finanzen eingerichtet. Zahlreiche Beamte, die unter ihm dienten, spielten später eine wichtige Rolle bei den Reformen auf der Ebene des Zentralstaates. Andere, die nicht mit nach Berlin gingen, gehörten zu den Verwaltungsmodernisierern in Bayern, zu dem Ansbach-Bayreuth später fiel. Zu den bekannten Mitarbeitern gehörten etwa Alexander von Humboldt, Friedrich Leopold von Kircheisen, Karl vom Stein zum Altenstein oder Friedrich von Schuckmann. Im Rahmen des ersten Koalitionskrieges wurden ihm zunehmend auch außenpolitische Aufgaben übertragen. Er sprach sich für einen klaren Kriegskurs gegen Frankreich und für ein Bündnis mit Großbritannien und den Niederlanden aus. 1795 war Hardenberg Mitunterzeichner des Friedens von Basel mit Frankreich. Zwar musste das linke Rheinufer aufgegeben werden, aber Hardenberg versuchte dennoch, die preußische Position zu stärken. Er erreichte die Schaffung einer Neutralitätslinie. Auch wenn diese nicht so weit war, wie von ihm gehofft, führte sie doch dazu, dass Preußen und der norddeutsche Raum etwa zehn Jahre Frieden hatten, während Österreich und Süddeutschland weiterhin im Krieg waren. In Ansbach-Bayreuth versuchte er unterdessen durch Gebietserwerb die preußische Stellung im Süden Deutschlands zu stärken. Es gelang allerdings weder der Erwerb von Nürnberg noch der der Hochstifte Würzburg und Bamberg. 1798 wurde Hardenberg nach Berlin beordert, weil man ihm Verschwendung vorwarf. Seine Selbständigkeit in der Verwaltung Ansbachs wurde eingeschränkt, die Verwaltungsreformen mussten teilweise zurückgenommen und an den Stand des restlichen Preußens angepasst werden. 1803 erlangte er das Vertrauen des Königs Friedrich Wilhelm III. und wurde zum Minister für auswärtige Angelegenheiten ernannt, 1804 wurde er offiziell Außenminister. Er nutzte seinen steigenden Einfluss, um als Gegenleistung für die Neutralität Preußens Gebietsgewinne in Westfalen und Mitteldeutschland zu erzielen. Da er nicht mit der Politik des Königs gegenüber Frankreich übereinstimmte, trat er 1806 auf Drängen Napoleons zurück. Dieser Vorgang machte ihn in der deutschen Freiheits- und Nationalbewegung zu einer populären Gestalt. Im April 1807 wurde Hardenberg auf Betreiben des russischen Zaren Alexander I. als leitender Minister wieder mit allen inneren und äußeren Angelegenheiten betraut. In dieser Funktion sprach er sich offen für einen gemeinsamen russisch-preußischen Kampf gegen Napoleon aus. Als Bedingung nach dem Frieden von Tilsit im Juli 1807 musste Hardenberg auf Befehl Napoleons wieder zurücktreten. Am 17. Juni 1807 heiratete Hardenberg in dritter Ehe unbeachtet von der Öffentlichkeit Charlotte Schönemann (* 1. März 1772), mit der er bereits mehrere Jahre zusammengelebt hatte. Die Berufung von Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein 1807 beeinflusste er von seinem Exil-Aufenthalt Riga aus entscheidend mit, ebenso dessen Entlassung 1808 durch seine Braunsberger Denkschrift vom 12. November 1808. In der Rigaer Denkschrift „Über die Reorganisation des Preußischen Staats“ vom 12. September 1807, die er im Auftrag des Königs verfasste, entwickelte er Reformvorschläge, die eine Monarchie mit Freiheitsrechten und demokratischen Elementen ermöglichen sollten. Er empfahl seinem König, sich nicht auf die Legitimität seines Hauses als Gewähr für Preußens Zukunft zu verlassen, sondern im Kampf mit Napoleon – mit Vorsicht – auch auf das erwachende deutsche Nationalgefühl zu setzen: „Bei der immer drohender werdenden und nicht aus den Augen zu verlierenden Gefahr, dass Napoleon die Vernichtung Preußens beabsichtige, ist Bearbeitung und Benutzung des Nationalgeistes allerdings äußerst wichtig.“ Als er 1810 die Entlassung des Kabinetts von Karl vom Stein zum Altenstein erreichte, gelang es von Hardenberg, am 4. Juni mit Billigung Napoleons zum preußischen Staatskanzler ernannt zu werden. In dieser Funktion bündelte Hardenberg eine bis dahin nicht erreichte Machtfülle in einer Person: Neben dem Außen- und Innen- übernahm er auch das Finanzressort. Die durch vom Stein begonnenen und unter Altenstein ins Stocken gekommenen Preußischen Reformen setzte er fort, konnte sich aber wie Altenstein nicht gegen die restaurativen Kräfte durchsetzen. Sein Hauptziel, die Einführung einer Verfassung und die Mitbestimmung des Bürgertums, konnte er nicht erreichen. Das Finanzedikt vom 27. Oktober 1810 war der Beginn der Hardenbergschen Reformen, 1811 folgten das Regulierungsedikt, das Gewerbesteuergesetz, das die Gewerbefreiheit festschrieb, die Bauernbefreiung und 1812 die Emanzipation der Juden. Er trat für einen liberalen Verfassungsstaat ein, wie er ihn schon in seiner Rigaer Denkschrift gefordert hatte, lehnte im Gegensatz zu Stein aber die Schaffung eines deutschen Nationalstaats ab. Eine Steuerreform und die Schaffung einer repräsentativen Vertretung plante Hardenberg ebenfalls, scheiterte damit aber am Widerstand des konservativen Adels. Den russischen Bestrebungen um ein Bündnis gegen Napoleon gegenüber verhielt sich Hardenberg zunächst abwartend. Erst nachdem die Armee Napoleons Ende 1812 in Russland zusammengebrochen war, wurde er in dieser Hinsicht aktiv. Den preußisch-russischen Vertrag von Kalisch, in dem eine gemeinsame Erhebung gegen Napoleon vereinbart wurde, vermittelte er als Verhandlungsführer auf preußischer Seite, zusammen mit vom Stein, der den russischen Zaren vertrat. Er unterzeichnete 1813 für Preußen auch die Allianzverträge von Teplitz mit Russland und Österreich. Zusammen mit Wilhelm von Humboldt und vom Stein entwickelte er 1814 einen Entwurf für eine Bundesverfassung. Am 3. Juni desselben Jahres erhob ihn Friedrich Wilhelm III. in Paris in den Fürstenstand und schenkte ihm die Standesherrschaft über das Amt Quilitz, welches in Neu-Hardenberg umbenannt wurde. 1820–23 baute Karl Friedrich Schinkel das ursprünglich barocke Schloss im Auftrag des Fürsten klassizistisch um. Auf dem Wiener Kongress gelang es ihm 1815, Preußen erheblichen Gebietszuwachs zu sichern, und er etablierte nach 1815 in den gewonnenen Gebieten eine neu organisierte Verwaltung (Provinz Sachsen). Er konnte dem König das Versprechen abringen, eine Verfassung zu erlassen, eine Verfassungskommission wurde allerdings erst 1817 einberufen. 1819 entwarf er eine landständische Verfassung für Preußen, die allerdings nicht umgesetzt wurde. Nach den Karlsbader Beschlüssen 1819 schwand Hardenbergs Einfluss langsam. Dennoch gilt er aufgrund der Effektivität seiner Reformen und der Wirkung auf zahlreiche benachbarte Länder als einer der großen Staatsreformer Europas des 19. Jahrhunderts.

Dezember 1822
Wappen Frankfurt.jpg

31.12.1822
Wappen Frankfurt.jpg
Deutscher Bund
Die wichtigsten Politiker des Deutschen Bundes am Ende des Jahres
Wappen Frankfurt.jpg Funktion Name seit Dauer
Franz II.jpg
Präsident des Deutschen Bundes
Kaiser Franz I. von Österreich
(* 1768 Florenz)
20.06.1815
7y06m11d
Johann Rudolf von Buol-Schauenstein.jpg
Präsidialgesandter
Graf Johann Anton Rudolf von Buol-Schauenstein
(* 1763 Wien)
16.12.1815
7y00m15d
Metternich.jpg
Staatsminister Österreichs
Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein
(* 1773 Koblenz)
08.10.1809
13y02m24d
Friedrich Wilhelm III.jpg
König von Preußen
Friedrich Wilhelm III.
(* 1770 Potsdam)
16.11.1797
25y01m15d
Otto von Voss.jpg
Staatsrat von Preußen
Otto Karl Friedrich von Voß
(* 1755 Berlin)
16.09.1822
3m16d
Die obersten Verwaltungsbeamten des Deutschen Bundes mit der längsten Amtszeit
Funktion und Amtszeit Name und Herkunft Jahre im Amt
Karl August von Hardenberg.jpg
Staatsrat Preußens
1804-1806
1807, 1810-1822
Karl August Freiherr von Hardenberg
(* 1750 Essenrode/Braunschweig)
14y03m03d
Metternich.jpg
Staatsminister Österreichs
seit 1809
Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein
(* 1773 Koblenz)
13y02m24d
Johann Rudolf von Buol-Schauenstein.jpg
Präsidialgesandter
seit 1815
Graf Johann Anton Rudolf von Buol-Schauenstein
(* 1763 Wien)
7y00m15d
Chronik des Deutschen Bundes des Jahres 1822
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