Wostok 1
WOSTOK 1
Erster bemannter Raumflug
Erster sowjetischer Raumflug |
Startbasis: Baikonur LC1 (heute Kasachstan) |
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Rufzeichen: Kedr Masse: 4730 kg Apogäum: 315 km Perigäum: 169 km Zurückgelegte Strecke: 41.000 km |
26 km SW von Engels (heute Russland) Flugdauer: 0,075 Tage |
| Zwei Monate nach dem Start des ersten künstlichen Erdsatelliten SPUTNIK 1 wird im Moskauer Entwicklungsinstitut OKB-1 eine Abteilung für Studien zur Durchführung von bemannten Weltraumflügen geschaffen. Erstes Ziel der Arbeitsgruppe ist die Entwicklung einer kugelförmigen Kapsel, die mit der Interkontinentalrakete R-7 gestartet werden soll. Da den sowjetischen Wissenschaftlern bekannt ist, dass sie mit diesem Projekt in Rivalität zu einer entsprechenden Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika steht, die ebenfalls mit der Vorbereitung eines bemannten Weltraumfluges beauftragt wurde, genießt die Beschleunigung der Entwicklung hohe Priorität. | |
| In der Sowjetunion beginnt man mit der Suche nach geeigneten Kandidaten für das bemannte Weltraumprogramm. Unterstützt wird die Auswahl durch die Abteilung für Weltraummedizin, welche vom Chef der sowjetischen Luftstreitkräfte, Konstantin Werschinin, einem großen Befürworter und Unterstützer der Raumfahrt, unter Leitung von Prof. Wladimir Jasdowski eingerichtet wird. Mehr als 3000 Piloten sollen von der „Kommission für das Thema Nr. 6“, die Tarnbezeichnungen sind aufgrund der strikten Geheimhaltung des gesamten Weltraumprogramms nötig, im Laufe des Jahres 1959 überprüft und bis auf 400 Mann aus der Liste gestrichen werden. Den Ausschlag für die Rekrutierung gibt ein kritischer Blick in die Akten der Piloten. So muss jeder Aspirant ein „reines“ Verhältnis zur Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) haben sowie eine „saubere“ Biographie vorweisen können. Das bemannte Raumfahrtprogramm, so ist man sich sicher, ist ein ideales Mittel, um nicht nur den Menschen in der Sowjetunion, sondern auf der ganzen Welt, die Leistungsfähigkeit des kommunistischen Gedankens klar unter Beweis zu stellen. Aus diesem Grund sucht man nach Menschen mit "einwandfreier" Vergangenheit, die sich für Propagandazwecke nutzen lassen können. | |
| Auf der Suche nach geeigneten Kandidaten für das bemannte Weltraumprogramm ist die Anzahl der Kandidaten von anfangs 3000 Piloten auf nur noch 400 Auserwählten geschrumpft, die nun in Gruppen zu je 20 Mann aufgeteilt und nach Moskau eingeladen werden, wo sie eingehender von Mitarbeitern der geheimen "Kommission für das Thema Nr. 6" untersucht werden sollen. | |
| In der geheimen "Kommission für das Thema Nr. 6", einer Tarnbezeichnung für die Auswahl von Kandidaten für das sowjetische Raumfahrtprogramm, bleiben von 400 Bewerbern im Herbst 1959 noch 30 Anwärter übrig. Die meisten von ihnen disqualifizierten sich für das Projekt durch den Mangel an Ausdauer. Von den letzten 30 Kandidaten sollen innerhalb eines Monats noch zehn gestrichen werden. Allen der anfänglich 3000 Bewerber wird auch jetzt noch der eigentliche Zweck der Untersuchungen verschwiegen, da man kein Risiko eingehen will und man durch das Bekanntwerden der Bemühungen um baldmögliche Erfolge die nationale Sicherheit und das internationale Prestige bedroht sieht. | |
| Da eine Ausweitung des gesamten bemannten sowjetischen Weltraumprogramms abzusehen ist, beschließt des Zentralkomitees der KPdSU die Gründung eines zentralen Kosmonauten-Ausbildungszentrums. | |
Nach einem ein Jahr andauernden Auswahlverfahren entscheiden sich die Mitglieder der geheimen "Kommission für das Thema Nr. 6", einer Tarnbezeichnung für die Auswahl von Kandidaten für das sowjetische Raumfahrtprogramm, für die Besetzung der ersten Kosmonautengruppe, die aus 20 Piloten besteht:
Beljajew ist als Major mit 34 Jahren der ranghöchste und älteste Kandidat, Oberleutnant Bondarenko mit 23 Jahren der Jüngste. Leutnant Leonow hat den niedrigsten Rang. Mit Rafikow als der Ausnahme stammen alle Kandidaten aus der Russischen oder aus der Ukrainischen Sowjetrepublik. | |
| Die im Vormonat ausgewählten 20 Kosmonauten-Anwärter der Sowjetunion beginnen eine Art "Grundtraining" auf dem Moskauer Zentralflughafen "M.W.Frunse". Der theoretische Unterricht besteht hauptsächlich aus Lektionen in Physik, Himmelsmechanik, Raketentechnik und Biologie, speziell Medizin. Die Ausbildung wird geleitet von Raumfahrttheoretikern, Raketenwissenschaftlern und Konstrukteuren vom OKB-1. Kurioserweise befinden sich unter den Ausbildern auch einige, welche selbst Interesse daran haben, Kosmonauten zu werden, so beispielsweise Oleg Makarow, Alexej Jelissejew und Konstantin Feoktistow. Die praktische Ausbildung besteht aus Fallschirmspringen, Flügen mit der MiG-15, Parabelflügen mit einer Tupolew Tu-104, aber auch aus nervenzehrenden Aufenthalten in isolierten Druckkabinen (Barokammern). Die Raumfahrer werden auf Schritt und Tritt überwacht und jeder Mangel wird von den Ausbildern protokolliert, die psychische und physische Verfassung während des Trainings genau verfolgen. Da zu diesem Zeitpunkt noch keine Erkenntnisse über die Einflüsse der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Organismus vorliegen, wird man später viele Trainingseinheiten als anachronistisch und unnötig ansehen. | |
| Vom sowjetischen Kosmodrom Baikonur aus wird der erste Prototyp eines WOSTOK-Raumschiffes mit einer modifizierten R-7-Interkontinentalrakete unbemannt gestartet. Ein Versuch, den Wiedereintritt des Raumfahrzeuges einzuleiten, misslingt. | |
Das sowjetische bemannte Raumflugprogramm verläuft weiterhin planmäßig, die Ausbildung der Kosmonauten schreitet voran und das Fluggerät ist fertiggestellt. Es wird vorgeschlagen, bis zum Ende des Jahres das Zeitalter der Präsenz des Menschen im Weltraum einzuläuten. Aus den 20 Kosmonauten-Anwärtern werden sechs in die engere Wahl gezogen, am ersten WOSTOK-Flug teilzunehmen, es sind:
Die 14 restlichen Anwärter scheiden zwar damit nicht aus dem Trainingsprogramm aus, werden jedoch nicht speziell im WOSTOK-Simulator ausgebildet, der im Juli zur Verfügung stehen soll. | |
| In der Sowjetunion beschließen die zuständigen Regierungsbeauftragten, dass der Abschluss des Testprogramms für das aus drei separaten Modulen bestehende WOSTOK-Raumschiff, mit dem ein Mensch in den Weltraum befördert werden soll, für das Ende des laufenden Jahres vorgesehen ist. | |
| Die sechs Kosmonautenanwärter für den ersten bemannten sowjetischen Raumflug, Gagarin, Kartaschow, Nikolajew, Popowitsch, Titow und Warlamow, besuchen das Herstellerwerk der WOSTOK-Kapsel in Kuibyschew (heute Samara), wo sie zum ersten Mal ihr Raumschiff zu Gesicht bekommen und von Sergej Koroljow, dem Chefkonstrukteur, persönlich eingewiesen werden. | |
| Nach dem Beschluss des Zentralkomitees der KPdSU zur Gründung eines zentralen Kosmonauten-Ausbildungszentrum vom Januar wird die grundlegende Infrastruktur in Swjosdny Gorodok (Sternenstädtchen), 40 Kilometer nordöstlich von Moskau eingeweiht. Die Kosmonauten können hier weit besser vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen, ihr Training absolvieren. Das ZPK (Zentr Podgotowki Kosmonawtow, später Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrum) ist von jetzt an das Zentrum der Bemühungen um einen bemannten Raumflug und die Trainingseinheiten werden intensiviert, um den Kreis der möglichen zukünftigen Kosmonauten weiter einzugrenzen. Der erste Chef des ZPK wird Oberst Jewgeni Karpow, die Kosmonautenausbildung leitet Nikolai Kamanin, aufgrund seiner Verdienste als Pilot bereits "Held der Sowjetunion". | |
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Ein Erlass des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) sieht den Abschluss des Testprogramms für das aus drei separaten Modulen bestehende WOSTOK-Raumschiff für Ende 1960 vor. | |
| Bei Kosmonautenanwärter und Mitglieder der Gruppe der "letzten Sechs" Anatoli Kartschatow wird nach einem Zentrifugentest ein Gefäßriss in der Wirbelsäule diagnostiziert. Er wird durch seinen Kollegen Grigori Neljubow ersetzt und vorerst zurückgestellt. | |
Nur eine Woche nach dem tragischen Zentrifugenunfall des Kosmonautenanwärters Anatoli Kartschatow verletzt sich Walentin Warlamow, der wie Kartschatow zu den "letzten Sechs" der Auswahl für den ersten sowjetischen bemannten Weltraumflug gehört, bei einem Badeausflug infolge eines Kopfsprungs an der Halswirbelsäule und wird durch Waleri Bykowski ersetzt. Die Auswahl der Astronauten für den ersten Weltraumflug umfasst demzufolge nun folgende Anwärter:
Walentin Warlamow scheidet infolge seines Badeunfalls aus dem Kosmonautenteam aus und ist als Ausbilder im Fach Astronavigation vorgesehen. | |
| Eine Sonderkommission ermittelt anhand der Ergebnisse der bisherigen Tests der sechs Kosmonautenanwärter für den ersten bemannten Raumflug der Sowjetunion die aussichtsreichsten drei: Juri Gagarin, German Titow und Grigori Neljubow. Gagarin gilt für alle als Favorit; so schreibt ein Ausschuss aus Luftwaffenärzten über Gagarins Charakter: "Bescheiden; (…) hoher Grad an intellektueller Entwicklung in Juri offenkundig; fantastisches Gedächtnis; (…) eine gut entwickelte Vorstellungskraft; schnelle Reaktionen; ausdauernd; bereitet sich akribisch auf seine Aktivitäten und Trainingsaufgaben vor; (…) wirkt, als ob er das Leben besser versteht als viele seiner Freunde." | |
| Als erste Lebewesen kehren im Rahmen der SPUTNIK-5-Mission, die tags zuvor in das Weltall geschossenen Hunde „Belka“ und „Strelka“ in ihrer Landekapsel wohlbehalten auf sowjetische Erde zurück. Es konnte die Reaktion der Hunde auf die Schwerelosigkeit untersucht werden. Die Mission wurde mit einem verbesserten Raumschiff durchgeführt. | |
| Einige der führenden sowjetischen Chefkonstrukteure auf dem Gebiet der Raumfahrt schlagen in einem geheimen Memorandum für das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) vor, ein Raumfahrzeug für einen bemannten Start im Dezember 1960 vorzubereiten. | |
| Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) genehmigt den im September von führenden sowjetischen Chefkonstrukteuren eingereichten Vorschlag für einen bemannten Start eines Menschen in den Weltraum noch in diesem Jahr mit der Begründung, dass diese Mission eine "besondere Bedeutung" für die Sowjetunion habe. | |
| Bei einer verheerenden Explosion einer militärischen Interkontinentalrakete auf dem sowjetischen Weltraumbahnhof Baikonur sterben mindestens 126 Menschen. Verantwortlich für diese Katastrophe ist der Hauptmarschall der Artillerie und Chef der strategischen Raketentruppen, Mitrofan Nedelin, der selbst bei der Katastrophe ums Leben kommt. Die Startvorbereitungen wurden am Vortag wegen Problemen mit der Elektronik zunächst abgebrochen, mussten aber auf Befehl Nedelins wieder aufgenommen werden. Am 24. Oktober um 1930 Uhr soll der Start erfolgen. Vermutlich um die berechtigten Sicherheitsbedenken seiner Untergebenen wegen eines Treibstofflecks zu zerstreuen und Druck auf sie auszuüben, platziert sich Nedelin gegen 1840 Uhr demonstrativ acht Meter von der Rakete entfernt auf einem Stuhl. Andere Militärangehörige und Techniker sehen sich dadurch gezwungen, den sicheren Bunker zu verlassen und sich neben ihn zu stellen. Die autonome bordeigene Energieversorgung ist bereits aktiviert und ein Teil der Pyromembranen im Treibstoffsystem geöffnet, da sich der vorhergehende Abbruch innerhalb der Ein-Stunden-Bereitschaft ereignete. Zum Zünden der Rakete ist nur noch ein Drehschalter zu betätigen, der sich zu diesem Zeitpunkt wegen eines vorhergegangenen Tests in der Position "Nach-Start" befindet. Ein Mitarbeiter versucht, den Schalter auf die Position "Vor-Start" zu bringen, und passiert dabei die Schalterstellung "Manuelles Zünden" der zweiten Stufe. Während einer normalen Startvorbereitung würde die Stromversorgung der Rakete abgeschaltet und der Schaltvorgang ohne Wirkung sein. Verhängnisvollerweise führt dies aber nun zur unbeabsichtigten Aktivierung eines elektropneumatischen Ventils, das zur Regulierung des Drucks der Startbehälter dient. Jetzt zündet das Marschtriebwerk der zweiten Stufe. Es zerreißt die Tanks der darunterliegenden ersten Stufe. Der Treibstoff UDMH und die Salpetersäure vermischen sich und es kommt zu einer Explosion, in deren Folge innerhalb von 90 Sekunden 124 Tonnen Treibstoff verbrennen. Die Anzahl der Toten wird erst Anfang der 1990er Jahre bekannt gegeben werden, unter ihnen sind 57 hohe Militärs. Der Kommandant des Kosmodroms Baikonur, Generalleutnant Alexej Schumilin, nennt angeblich im Februar 1997 anlässlich der deutsch-russischen Weltraummission Mir 97 die Zahl 154. Es gibt aber noch andere Behauptungen, die zwischen 92 und 200 Todesopfern schwanken. Von Nedelin, der sich unmittelbar neben der Rakete befand, werden nur die Überreste seines Ordens Held der Sowjetunion und Uniformteile gefunden. Unter den Todesopfern sind, neben Nedelin, auch namhafte Wissenschaftler wie Jangels Stellvertreter Berlin und Konzewoj, sowie Firsow, der Chefkonstrukteur des OKB-692 Boris Konopljow, der stellvertretende Vorsitzende des Staatlichen Komitees der UdSSR für Verteidigungstechnik Lew Grischin und der stellvertretende Kommandant des Startplatzes, Nossow. Als Ursache des Unglücks werden unsachgemäße Handhabung der defekten und bereits betankten Rakete unter Zeitdruck und wesentlich beschleunigte Zeitpläne angenommen. Entgegen dem vorliegenden technischen Plan erfolgten die Reparaturarbeiten auf ausdrücklichen Befehl Nedelins hin bei aktiviertem Bordenergiesystem. Die Untersuchungskommission wird später auf eine offizielle persönliche Schuldzuweisung verzichten. Der Tod zahlreicher Spezialisten und der Verlust des Startplatzes verzögern den geplanten Fortgang des sowjetischen Raketenprogramms, insbesondere des ersten bemannten Raumfluges. Der Konstrukteur der Rakete, Michail Jangel, überlebt das Unglück unverletzt. Zum Zeitpunkt der Explosion hielt er sich gemeinsam mit Kollegen außerhalb des Gefahrenbereichs in einer Raucherzone auf. Eine der wenigen noch beachteten Sicherheitsmaßnahmen, das Rauchverbot in der Nähe der Rakete, rettet ihm das Leben. Als Jangel kurz nach dem Unfall Chruschtschow in einem Telefongespräch über den Tod Nedelins und der anderen zahlreichen Opfer berichtet, fragt ihn dieser: „Wie kommt es, dass Sie überlebt haben?“ | |
| Aus mehreren Gründen, zum Beispiel aufgrund des Verlustes eines Teils des Startkomplexes bei der Katastrophe im Vormonat, zum Teil aber auch wegen des vorgesehenen Starts der ersten sowjetischen Venus-Sonde VENERA 1, der deswegen Priorität besitzt, weil es Monate dauern würde, bis wieder ein günstiges Startfenster geöffnet würde, wird beschlossen, den Start des ersten Menschen in den Weltraum auf frühestens März 1961 zu verschieben. | |
| Der erfolgreiche Flug von SPUTNIK 5 wird mit KORABL-SPUTNIK 3 wiederholt. Wieder sind zwei Hunde an Bord des Raumschiffes, das den Flug eines Menschen simulieren soll. KORABL-SPUTNIK 3 verlässt beim Wiedereintritt die korrekte Umlaufbahn. Da die Hunde Pscholka und Muschka sowie das Raumfahrzeug verloren sind, wird der Selbstzerstörungsmechanismus ausgelöst. | |
| Wegen einer Störung in der Oberstufe der Trägerrakete endet eine weitere Raumfahrtmission mit einer zweiköpfigen Hundebesatzung mit einer Notlandung in Sibirien. Die Hunde an Bord, Kometa und Schutka, können zwei Tage nach der Notlandung gerettet werden. | |
| Die sechs Kosmonautenanwärter, aus denen der erste sowjetische Raumfahrer ermittelt werden wird, erhalten den Titel "Flieger-Kosmonaut", dürfen sich jedoch öffentlich nicht so nennen, da man auch die Mitglieder der Kosmonautengruppe zur Verschwiegenheit nach außen verpflichtete. Immer noch wird aus den Sechs der Kandidat gesucht, der einerseits die besten Testresultate aufweisen kann, andererseits aber auch mit Charme und Charakter für die Propagandamaschinerie verwertbar erscheint. | |
| Konstantin Feoktistow, ein Gruppenleiter im Entwicklungsinstitut OKB-1, stellt zusammen mit seinem Assistenten Oleg Makarow eine Reihe von Anweisungen für den noch nicht benannten Kosmonauten zusammen, die sowohl die geplanten Missionsphasen als auch verschiedene Notsituationen abdecken. Die Möglichkeiten für den Kosmonauten, die wichtigsten Systeme selber zu kontrollieren, werden begrenzt; wichtige Abschnitte wie die Bremszündung gegen Ende des Fluges werden vollständig automatisiert. | |
| Erstmals wird die bemannte Version des WOSTOK-Raumschiffes erfolgreich eingesetzt. Im Raumfahrzeug KORABL-SPUTNIK 4 befindet sich neben dem Hund Tschernuschka eine Testpuppe mit einem Druckanzug, der beim Personal den Spitznamen "Iwan Iwanowitsch" erhält. An Bord befindet sich außerdem eine Maus und ein Meerschweinchen. | |
| Das sowjetische Kosmonautenteam reist zum Kosmodrom Tjuratam (Baikonur), um parallel mit den Vorbereitungen für die letzte unbemannte Korabl-Sputnik-Mission bei einer gemeinsamen Trainingseinheit in der Montagehalle unter anderem das Anlegen der SK-1-Raumanzüge und den Einstieg in die WOSTOK-Kapsel zu proben. | |
Das aus 20 Piloten bestehende sowjetische Kosmonautenkollektiv hat noch vor dem Start eines ersten Kosmonauten in den Weltraum mit Walentin Bondarenko das erste Todesopfer zu beklagen. Er wurde 1960 für den Einsatz bei einem Weltraumflug mit dem Wostok-Raumschiff ausgewählt und gehörte der sogenannten „Kosmonautengruppe Nr. 1“ an. Bei seiner Ankunft im Sternenstädtchen, dem Ausbildungszentrum der sowjetischen Kosmonauten, war er mit einem Alter von 23 Jahren der jüngste Mann, der jemals zum Training für einen Raumflug ausgewählt wurde. Heute wird Bondarenko im Zuge der Vorbereitungen Opfer eines tödlichen Unfalls. Am Ende eines planmäßigen zehntägigen Trainingsaufenthaltes in einer Druckkabine im Moskauer Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin legt er die an seinem Körper befestigten medizinischen Sensoren ab und wischt die Stellen, an denen sie befestigt waren, mit in Alkohol getränkten Wattebäuschen ab. Fahrlässigerweise wirft er anschließend einen benutzten Wattebausch einfach zur Seite. Dieser fällt dabei auf eine offene, heiße Heizspirale – eine gravierende Sicherheitslücke, die erst durch diesen Vorfall aufgedeckt werden wird – und entzündet sich. Wegen der reinen Sauerstoffatmosphäre in der hermetisch verschlossenen Kabine greift das Feuer in Sekundenschnelle auf Bondarenkos wollenen Trainingsanzug über. Aufgrund des hohen Druckunterschiedes kann die Kabine nicht sofort geöffnet werden. Als dies schließlich gelingt, hat Bondarenko bereits 90-prozentige Verbrennungen erlitten. Er wird – begleitet von Juri Gagarin – in ein Krankenhaus gebracht, wo er acht Stunden später stirbt. Er hinterlässt eine Frau und einen Sohn. Beigesetzt wird er in seiner Heimatstadt Charkiw. In der Sowjetunion blieb auch dieser Unfall – und damit auch Bondarenko selbst – von den sowjetischen Medien unerwähnt. Der Vorfall wird streng geheim gehalten, um das Image der sowjetischen Raumfahrt nicht aufs Spiel zu setzen. | |
| Mit der Mission KORABL-SPUTNIK 5 wird der geplante erste von Menschen bemannte Raumflug der Menschheit zum letzten Mal geprobt. Wie geplant absolviert das Raumschiff eine Erdumkreisung und tritt über der Sowjetunion in die dichteren Schichten der Atmosphäre wieder ein. Der Kosmonautendummy "Iwan Iwanowitsch", eine Puppe, wird kurz vor der Landung mit einem Schleudersitz aus der Kapsel gesprengt und landet mit seinem eigenen automatischen Fallschirm. Aufgrund miserabler Wetterbedingungen kann die Kapsel erst 24 Stunden nach der Landung unter einer 1,50 Meter hohen Schneedecke nordöstlich von Ischewsk in Udmurtien gefunden werden. Einige Dorfbewohner, die beobachten, wie die täuschend echt aussehende Kosmonautenpuppe abtransportiert wird, nehmen an, dass es sich hier um einen echten Menschen mit offenbar schweren Verletzungen handelt. Der Flug von KORABL-SPUTNIK 5 stößt die Tür in den Weltraum weit auf. | |
| Nach dem erfolgreichen Abschluss des Testflugs KORABL-SPUTNIK 5 sendet die staatliche Kommission, der die Beaufsichtigung des Wostok-Programms obliegt, ein formales Dokument an die Kommunistische Partei der Sowjetunion, in welchem sie die Genehmigung für einen bemannten Start beantragt. Das streng geheime Memorandum, das unter der Leitung von Konstantin Rudnew bei einer Sitzung in Moskau ausgearbeitet hat, spricht von einer Erdumkreisung und einer anschließenden Landung in einem Korridor zwischen den Städten Rostow, Kuibyschew und Perm. Weiterhin wird festgelegt, entgegen der sonst üblichen Geheimhaltung der sowjetischen Raumfahrtaktivitäten, die erste TASS-Meldung über den Start direkt nach dem Eintreten in die Erdumlaufbahn zu veröffentlichen. Sollte das Raumschiff wegen einer zu geringen Geschwindigkeit der Trägerrakete im Pazifik notlanden, würde dies ebenfalls durch die TASS bekanntgegeben, um die Bergung des Kosmonauten zu „erleichtern“. Das Raumfahrzeug soll in der öffentlichen Presse die vorher geheime Bezeichnung "Wostok" bekommen. | |
| Der Chef der Kosmonautenausbildung, General Nikolai Kamanin, gibt in einem Vier-Augen-Gespräch mit Juri Gagarin diesem zu verstehen, dass er sich Hoffnung machen darf, als erster Mensch ins Weltall zu fliegen. Gagarin zeichnet sich in allen Disziplinen dadurch aus, immer zur Leistungsspitze zu gehören und keine Gebiete zu haben, auf denen er schwächelt. Gleichzeitig besitzt er zwar einen starken, aber keinesfalls einen arroganten Charakter, wie es beispielsweise bei Grigori Neljubow, dem zweiten Ersatzmann von Wostok 1, der Fall ist. Da die Psychologen annehmen, dass Neljubow es mental kaum verkraften könne, nicht der Erste zu sein, bekommt dieser auf Anordnung Kamanins keine weitere Flugnominierung. | |
| Der größte Teil der Startmannschaft trifft im sowjetischen Kosmodrom Tjuratam-Baikonur ein. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion erteilt die Genehmigung für den Start von WOSTOK 1 zwischen dem 10. und dem 20. April 1961. | |
| In Tjuratam findet die erste Sitzung der vollen staatlichen Kommission statt, bei der unter anderem Bedenken über die Einsatzfähigkeit der Lufttrockner an Bord der Wostok-Kapsel besprochen werden. Langzeittests haben ergeben, dass aus den fraglichen Einheiten bei einem längeren Flug eine Salzlösung austreten könnte. Aufgrund der vorgesehenen Flugdauer von nur eineinhalb Stunden entschließt sich das Komitee, das System im jetzigen Zustand zu belassen. | |
| Der Kosmonautenanwärter Anatoli Kartaschow, der zu der sechsköpfigen Auswahl gehörte, aus denen der erste Kosmonaut der Sowjetunion ausgewählt werden sollte, jedoch am 16.07.1960 bei einem Zentrifugentest einen Gefäßriss der Wirbelsäule erlitt, scheidet aus dem aktiven Kosmonautendienst aus, nachdem er als dienstuntauglich eingestuft wurde. Kartaschow plant seine Rückkehr in die sowjetischen Luftstreitkräfte. | |
| Ein staatliches Komitee unter dem Vorsitz von Konstantin Rudnew trifft bei einem Treffen in Tjuratam die endgültige Entscheidung für den Einsatz Juri Gagarins als Pilot des WOSTOK-1-Fluges. Die Kommission billigt damit den Vorschlag Nikolai Kamanins, Gagarin auszuwählen, einstimmig. Im Fall von gesundheitlichen Problemen vor dem Start würde Gagarin von German Titow ersetzt worden, dessen Ersatzmann wiederum Grigori Neljubow ist. Die restlichen Mitglieder der Kosmonautengruppe werden unterstützende Aufgaben, wie die Tätigkeit als Verbindungssprecher zwischen den Bodenstationen und Gagarin an Bord von WOSTOK 1, übernehmen. Außerdem werden die Missionsdauer von einer Erdumkreisung sowie die Bahnhöhe von 180 bis 230 Kilometern bestätigt. Die Festlegung des ersten bemannten Raumfluges auf nur eine Erdumkreisung erfolgt deswegen, weil ein Tier während des Testprogramms Symptome der Raumkrankheit gezeigt hatte. Des Weiteren wurden mehrere Notfallprozeduren entwickelt, die die Sicherheit des Kosmonauten gewährleisten sollten. So wählte man für das Raumschiff beispielsweise eine Umlaufbahn, die im Falle einer Fehlfunktion der Bremstriebwerke einen natürlichen Wiedereintritt nach zwei bis sieben Tagen gewährleistet. In der Kapsel befinden sich außerdem ein Vorrat an Wasser und Nahrung für zehn Tage sowie ein Sender, mit dem die Landestelle des Raumfahrers bestimmt werden kann. Falls die Landung auf nichtsowjetischem Boden erfolgen würde, wird der Kosmonaut laut einer Mitteilung an das Zentralkomitee der UdSSR mit „angemessenen Instruktionen“ ausgestattet. Die bemannte Variante des Wostok-Raumschiffs besitzt keinen Selbstzerstörungsmechanismus. Wegen der höheren Anforderungen eines bemannten Flugs wurde das Netzwerk aus Bahnverfolgungspunkten, das sich über die gesamte sowjetische Landmasse erstreckte, auf 13 Stationen erweitert. Daneben betreibt das sowjetische Raumfahrtprogramm eine Flotte von Marineschiffen, da man sich sträubte, wie die USA Bodenstationen im Ausland zu errichten. Jeder der Bahnverfolgungspunkte kann die Kommunikation mit dem Raumschiff im Orbit für etwa fünf bis zehn Minuten aufrechterhalten, wenn sich die Kapsel in einer Entfernung von weniger als 2000 Kilometern befindet. Das Nervenzentrum für WOSTOK 1 liegt in einem Vorort von Moskau, wo sich das Kontrollzentrum auf dem Gelände des militärischen Forschungsinstitut NII-4 befand. Für die Zusammenstellung der Bergungstruppen für den gelandeten Kosmonauten ist eine Einheit der Luftwaffe verantwortlich, der eine Flotte aus 25 Flugzeugen und 10 Helikoptern untersteht. | |
| Der letzte Zusammentritt der Kommission vor dem Start erfolgt am Morgen und ist in erster Linie eine Formsache für die sowjetische Presse. Am selben Tag wird die Wostok-Trägerrakete zur Startrampe 1 gebracht, von welcher bereits SPUTNIK 1 gestartet wurde. Darüber hinaus berechnen Ingenieure die exakte Startzeit (09:07 Uhr Moskauer Zeit am 12. April 1961). | |
| Der Kosmonautenanwärter Anatoli Kartaschow, der aufgrund eines Zentrifugenunfalls aus medizinischen Gründen das Kosmonautenteam verlassen musste, wird wieder als Pilot der sowjetischen Luftstreitkräfte aufgenommen. | |
| In den beiden Jahren hat sich die erste Kosmonautengruppe der Sowjetunion deutlich dezimiert. Nach dem Tod von Bondarenko und den Verletzungen von Kartaschow und Warlamow wurden vier Kandidaten aus disziplinarischen Gründen aus der Gruppe ausgeschlossen: Neljubow, Anikejew, Filatjew und Rafikow. Somit sind von den ursprünglich 20 Kandidaten noch 13 übrig. Von ihnen warteten acht noch auf ihren ersten Raumflug. | |
| Grigori Neljubow, Ersatzkosmonaut beim ersten sowjetischen Raumflug des Kosmonauten Juri Gagarin, wird an der Bahnstation Ippalitowka in Sibirien von einem Zug erfasst und getötet. Ob es Selbstmord oder ein Unfall war, lässt sich nicht klären. Aufgrund nächtlicher Alkoholexzesse war Neljubow 1962 oder 1963 aus dem Kosmonautenteam entlassen und in den Fernen Osten strafversetzt worden. |
... zum Weiterlesen ...
- https://de.wikipedia.org/wiki/Erste_Kosmonautengruppe_der_Sowjetunion
- https://de.wikipedia.org/wiki/Grigori_Grigorjewitsch_Neljubow
- https://de.wikipedia.org/wiki/Wostok_1
- http://www.astronautix.com/flights/vostok1.htm
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