Wostok 1: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Oteripedia
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Zeile 20: Zeile 20:
 
|width="300pt"| <center>'''Ersatzbesatzung:''' <br> [[Datei:German Titow.jpg|thumb|150px|center|'''German Stepanowitsch Titow''' <br> * 1935 in der Region Altai, Russland]]</center>
 
|width="300pt"| <center>'''Ersatzbesatzung:''' <br> [[Datei:German Titow.jpg|thumb|150px|center|'''German Stepanowitsch Titow''' <br> * 1935 in der Region Altai, Russland]]</center>
 
|width="300pt"| <center>'''Ersatzbesatzung:''' <br> [[Datei:Grigori Neljubow.jpg|thumb|150px|center|'''Grigori Grigorjewitsch Neljubow''' <br> * 1934 auf der Krim, Ukraine]]</center>
 
|width="300pt"| <center>'''Ersatzbesatzung:''' <br> [[Datei:Grigori Neljubow.jpg|thumb|150px|center|'''Grigori Grigorjewitsch Neljubow''' <br> * 1934 auf der Krim, Ukraine]]</center>
|-
 
|width="300pt"| <center>  </center>
 
|width="300pt"| <center>  </center>
 
|width="300pt"| <center>  </center>
 
|width="300pt"| <center> Nächster Raumflug: '''[[WOSTOK 2]] </center>
 
|width="300pt"| <center> Nächster sowjetischer Raumflug: '''[[WOSTOK 2]] </center>
 
 
|}
 
|}
 
{| class="wikitable" | style="color:blue;background-color:#ffffcc;" cellpadding="5" cellspacing="0" border="2"
 
{| class="wikitable" | style="color:blue;background-color:#ffffcc;" cellpadding="5" cellspacing="0" border="2"
Zeile 33: Zeile 27:
 
| <center>'''[[12.1957|Dezember 1957]]'''</center> || Zwei Monate nach dem Start des ersten künstlichen Erdsatelliten SPUTNIK 1 wird im Moskauer Entwicklungsinstitut OKB-1 eine Abteilung für Studien zur Durchführung von bemannten Weltraumflügen geschaffen. Erstes Ziel der Arbeitsgruppe ist die Entwicklung einer kugelförmigen Kapsel, die mit der Interkontinentalrakete R-7 gestartet werden soll. Da den sowjetischen Wissenschaftlern bekannt ist, dass sie mit diesem Projekt in Rivalität zu einer entsprechenden Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika steht, die ebenfalls mit der Vorbereitung eines bemannten Weltraumfluges beauftragt wurde, genießt die Beschleunigung der Entwicklung hohe Priorität. <br>
 
| <center>'''[[12.1957|Dezember 1957]]'''</center> || Zwei Monate nach dem Start des ersten künstlichen Erdsatelliten SPUTNIK 1 wird im Moskauer Entwicklungsinstitut OKB-1 eine Abteilung für Studien zur Durchführung von bemannten Weltraumflügen geschaffen. Erstes Ziel der Arbeitsgruppe ist die Entwicklung einer kugelförmigen Kapsel, die mit der Interkontinentalrakete R-7 gestartet werden soll. Da den sowjetischen Wissenschaftlern bekannt ist, dass sie mit diesem Projekt in Rivalität zu einer entsprechenden Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika steht, die ebenfalls mit der Vorbereitung eines bemannten Weltraumfluges beauftragt wurde, genießt die Beschleunigung der Entwicklung hohe Priorität. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
| <center>'''[[Chronik 1959|Anfang 1959]]''' </center> || [[Datei:KPdSU.jpg|thumb|Emblem der KPdSU]] In der Sowjetunion beginnt man mit der Suche nach geeigneten Kandidaten für das bemannte Weltraumprogramm. Unterstützt wird die Auswahl durch die Abteilung für Weltraummedizin, welche vom Chef der sowjetischen Luftstreitkräfte, Konstantin Werschinin, einem großen Befürworter und Unterstützer der Raumfahrt, unter Leitung von Prof. Wladimir Jasdowski eingerichtet wird. Mehr als 3000 Piloten sollen von der „Kommission für das Thema Nr. 6“, die Tarnbezeichnungen sind aufgrund der strikten Geheimhaltung des gesamten Weltraumprogramms nötig, im Laufe des Jahres 1959 überprüft und bis auf 400 Mann aus der Liste gestrichen werden. Den Ausschlag für die Rekrutierung gibt ein kritischer Blick in die Akten der Piloten. So muss jeder Aspirant ein „reines“ Verhältnis zur Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) haben sowie eine „saubere“ Biographie vorweisen können. Das bemannte Raumfahrtprogramm, so ist man sich sicher, ist ein ideales Mittel, um nicht nur den Menschen in der Sowjetunion, sondern auf der ganzen Welt, die Leistungsfähigkeit des kommunistischen Gedankens klar unter Beweis zu stellen. Aus diesem Grund sucht man nach Menschen mit "einwandfreier" Vergangenheit, die sich für Propagandazwecke nutzen lassen können. <br>
+
| <center>'''[[Chronik 1959|Anfang 1959]]''' </center> || [[Datei:KPdSU.jpg|thumb|150px|Emblem der KPdSU]] In der Sowjetunion beginnt man mit der Suche nach geeigneten Kandidaten für das bemannte Weltraumprogramm. Unterstützt wird die Auswahl durch die Abteilung für Weltraummedizin, welche vom Chef der sowjetischen Luftstreitkräfte, Konstantin Werschinin, einem großen Befürworter und Unterstützer der Raumfahrt, unter Leitung von Prof. Wladimir Jasdowski eingerichtet wird. Mehr als 3000 Piloten sollen von der „Kommission für das Thema Nr. 6“, die Tarnbezeichnungen sind aufgrund der strikten Geheimhaltung des gesamten Weltraumprogramms nötig, im Laufe des Jahres 1959 überprüft und bis auf 400 Mann aus der Liste gestrichen werden. Den Ausschlag für die Rekrutierung gibt ein kritischer Blick in die Akten der Piloten. So muss jeder Aspirant ein „reines“ Verhältnis zur Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) haben sowie eine „saubere“ Biographie vorweisen können. Das bemannte Raumfahrtprogramm, so ist man sich sicher, ist ein ideales Mittel, um nicht nur den Menschen in der Sowjetunion, sondern auf der ganzen Welt, die Leistungsfähigkeit des kommunistischen Gedankens klar unter Beweis zu stellen. Aus diesem Grund sucht man nach Menschen mit "einwandfreier" Vergangenheit, die sich für Propagandazwecke nutzen lassen können. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center>'''[[Chronik 09.1959|Herbst 1959]]'''</center> || Auf der Suche nach geeigneten Kandidaten für das bemannte Weltraumprogramm ist die Anzahl der Kandidaten von anfangs 3000 Piloten auf nur noch 400 Auserwählten geschrumpft, die nun in Gruppen zu je 20 Mann aufgeteilt und nach Moskau eingeladen werden, wo sie eingehender von Mitarbeitern der geheimen "Kommission für das Thema Nr. 6" untersucht werden sollen. <br>
 
| <center>'''[[Chronik 09.1959|Herbst 1959]]'''</center> || Auf der Suche nach geeigneten Kandidaten für das bemannte Weltraumprogramm ist die Anzahl der Kandidaten von anfangs 3000 Piloten auf nur noch 400 Auserwählten geschrumpft, die nun in Gruppen zu je 20 Mann aufgeteilt und nach Moskau eingeladen werden, wo sie eingehender von Mitarbeitern der geheimen "Kommission für das Thema Nr. 6" untersucht werden sollen. <br>
Zeile 49: Zeile 43:
 
| <center>'''[[Chronik 10.1960|11.10.1960]]'''</center> || Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) genehmigt den im September von führenden sowjetischen Chefkonstrukteuren eingereichten Vorschlag für einen bemannten Start eines Menschen in den Weltraum noch in diesem Jahr mit der Begründung, dass diese Mission eine "besondere Bedeutung" für die Sowjetunion habe. <br>
 
| <center>'''[[Chronik 10.1960|11.10.1960]]'''</center> || Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) genehmigt den im September von führenden sowjetischen Chefkonstrukteuren eingereichten Vorschlag für einen bemannten Start eines Menschen in den Weltraum noch in diesem Jahr mit der Begründung, dass diese Mission eine "besondere Bedeutung" für die Sowjetunion habe. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
| <center>'''[[Chronik 10.1960|24.10.1960]]''' </center> || [[Datei:Mitrofan Nedelin.jpg|thumb|Mitrofan Nedelin, der Verantwortliche der größten Katastrophe der Raumfahrt]] Bei einer verheerenden Explosion einer militärischen Interkontinentalrakete auf dem sowjetischen Weltraumbahnhof Baikonur sterben mindestens 126 Menschen. Verantwortlich für diese Katastrophe ist der Hauptmarschall der Artillerie und Chef der strategischen Raketentruppen, Mitrofan Nedelin, der selbst bei der Katastrophe ums Leben kommt. Die Startvorbereitungen wurden am Vortag wegen Problemen mit der Elektronik zunächst abgebrochen, mussten aber auf Befehl Nedelins wieder aufgenommen werden. Am 24. Oktober um 1930 Uhr soll der Start erfolgen. Vermutlich um die berechtigten Sicherheitsbedenken seiner Untergebenen wegen eines Treibstofflecks zu zerstreuen und Druck auf sie auszuüben, platziert sich Nedelin gegen 1840 Uhr demonstrativ acht Meter von der Rakete entfernt auf einem Stuhl. Andere Militärangehörige und Techniker sehen sich dadurch gezwungen, den sicheren Bunker zu verlassen und sich neben ihn zu stellen. Die autonome bordeigene Energieversorgung ist bereits aktiviert und ein Teil der Pyromembranen im Treibstoffsystem geöffnet, da sich der vorhergehende Abbruch innerhalb der Ein-Stunden-Bereitschaft ereignete. Zum Zünden der Rakete ist nur noch ein Drehschalter zu betätigen, der sich zu diesem Zeitpunkt wegen eines vorhergegangenen Tests in der Position "Nach-Start" befindet. Ein Mitarbeiter versucht, den Schalter auf die Position "Vor-Start" zu bringen, und passiert dabei die Schalterstellung "Manuelles Zünden" der zweiten Stufe. Während einer normalen Startvorbereitung würde die Stromversorgung der Rakete abgeschaltet und der Schaltvorgang ohne Wirkung sein. Verhängnisvollerweise führt dies aber nun zur unbeabsichtigten Aktivierung eines elektropneumatischen Ventils, das zur Regulierung des Drucks der Startbehälter dient. Jetzt zündet das Marschtriebwerk der zweiten Stufe. Es zerreißt die Tanks der darunterliegenden ersten Stufe. Der Treibstoff UDMH und die Salpetersäure vermischen sich und es kommt zu einer Explosion, in deren Folge innerhalb von 90 Sekunden 124 Tonnen Treibstoff verbrennen. Die Anzahl der Toten wird erst Anfang der 1990er Jahre bekannt gegeben werden, unter ihnen sind 57 hohe Militärs. Der Kommandant des Kosmodroms Baikonur, Generalleutnant Alexej Schumilin, nennt angeblich im Februar 1997 anlässlich der deutsch-russischen Weltraummission Mir 97 die Zahl 154. Es gibt aber noch andere Behauptungen, die zwischen 92 und 200 Todesopfern schwanken. Von Nedelin, der sich unmittelbar neben der Rakete befand, werden nur die Überreste seines Ordens Held der Sowjetunion und Uniformteile gefunden. Unter den Todesopfern sind, neben Nedelin, auch namhafte Wissenschaftler wie Jangels Stellvertreter Berlin und Konzewoj, sowie Firsow, der Chefkonstrukteur des OKB-692 Boris Konopljow, der stellvertretende Vorsitzende des Staatlichen Komitees der UdSSR für Verteidigungstechnik Lew Grischin und der stellvertretende Kommandant des Startplatzes, Nossow. Als Ursache des Unglücks werden unsachgemäße Handhabung der defekten und bereits betankten Rakete unter Zeitdruck und wesentlich beschleunigte Zeitpläne angenommen. Entgegen dem vorliegenden technischen Plan erfolgten die Reparaturarbeiten auf ausdrücklichen Befehl Nedelins hin bei aktiviertem Bordenergiesystem. Die Untersuchungskommission wird später auf eine offizielle persönliche Schuldzuweisung verzichten. Der Tod zahlreicher Spezialisten und der Verlust des Startplatzes verzögern den geplanten Fortgang des sowjetischen Raketenprogramms, insbesondere des ersten bemannten Raumfluges. Der Konstrukteur der Rakete, Michail Jangel, überlebt das Unglück unverletzt. Zum Zeitpunkt der Explosion hielt er sich gemeinsam mit Kollegen außerhalb des Gefahrenbereichs in einer Raucherzone auf. Eine der wenigen noch beachteten Sicherheitsmaßnahmen, das Rauchverbot in der Nähe der Rakete, rettet ihm das Leben. Als Jangel kurz nach dem Unfall Chruschtschow in einem Telefongespräch über den Tod Nedelins und der anderen zahlreichen Opfer berichtet, fragte ihn dieser: „Wie kommt es, dass Sie überlebt haben?“ <br>
+
| <center>'''[[Chronik 10.1960|24.10.1960]]''' </center> || [[Datei:Mitrofan Nedelin.jpg|thumb|150px|Mitrofan Nedelin, der Verantwortliche der größten Katastrophe der Raumfahrt]] Bei einer verheerenden Explosion einer militärischen Interkontinentalrakete auf dem sowjetischen Weltraumbahnhof Baikonur sterben mindestens 126 Menschen. Verantwortlich für diese Katastrophe ist der Hauptmarschall der Artillerie und Chef der strategischen Raketentruppen, Mitrofan Nedelin, der selbst bei der Katastrophe ums Leben kommt. Die Startvorbereitungen wurden am Vortag wegen Problemen mit der Elektronik zunächst abgebrochen, mussten aber auf Befehl Nedelins wieder aufgenommen werden. Am 24. Oktober um 1930 Uhr soll der Start erfolgen. Vermutlich um die berechtigten Sicherheitsbedenken seiner Untergebenen wegen eines Treibstofflecks zu zerstreuen und Druck auf sie auszuüben, platziert sich Nedelin gegen 1840 Uhr demonstrativ acht Meter von der Rakete entfernt auf einem Stuhl. Andere Militärangehörige und Techniker sehen sich dadurch gezwungen, den sicheren Bunker zu verlassen und sich neben ihn zu stellen. Die autonome bordeigene Energieversorgung ist bereits aktiviert und ein Teil der Pyromembranen im Treibstoffsystem geöffnet, da sich der vorhergehende Abbruch innerhalb der Ein-Stunden-Bereitschaft ereignete. Zum Zünden der Rakete ist nur noch ein Drehschalter zu betätigen, der sich zu diesem Zeitpunkt wegen eines vorhergegangenen Tests in der Position "Nach-Start" befindet. Ein Mitarbeiter versucht, den Schalter auf die Position "Vor-Start" zu bringen, und passiert dabei die Schalterstellung "Manuelles Zünden" der zweiten Stufe. Während einer normalen Startvorbereitung würde die Stromversorgung der Rakete abgeschaltet und der Schaltvorgang ohne Wirkung sein. Verhängnisvollerweise führt dies aber nun zur unbeabsichtigten Aktivierung eines elektropneumatischen Ventils, das zur Regulierung des Drucks der Startbehälter dient. Jetzt zündet das Marschtriebwerk der zweiten Stufe. Es zerreißt die Tanks der darunterliegenden ersten Stufe. Der Treibstoff UDMH und die Salpetersäure vermischen sich und es kommt zu einer Explosion, in deren Folge innerhalb von 90 Sekunden 124 Tonnen Treibstoff verbrennen. Die Anzahl der Toten wird erst Anfang der 1990er Jahre bekannt gegeben werden, unter ihnen sind 57 hohe Militärs. Der Kommandant des Kosmodroms Baikonur, Generalleutnant Alexej Schumilin, nennt angeblich im Februar 1997 anlässlich der deutsch-russischen Weltraummission Mir 97 die Zahl 154. Es gibt aber noch andere Behauptungen, die zwischen 92 und 200 Todesopfern schwanken. Von Nedelin, der sich unmittelbar neben der Rakete befand, werden nur die Überreste seines Ordens Held der Sowjetunion und Uniformteile gefunden. Unter den Todesopfern sind, neben Nedelin, auch namhafte Wissenschaftler wie Jangels Stellvertreter Berlin und Konzewoj, sowie Firsow, der Chefkonstrukteur des OKB-692 Boris Konopljow, der stellvertretende Vorsitzende des Staatlichen Komitees der UdSSR für Verteidigungstechnik Lew Grischin und der stellvertretende Kommandant des Startplatzes, Nossow. Als Ursache des Unglücks werden unsachgemäße Handhabung der defekten und bereits betankten Rakete unter Zeitdruck und wesentlich beschleunigte Zeitpläne angenommen. Entgegen dem vorliegenden technischen Plan erfolgten die Reparaturarbeiten auf ausdrücklichen Befehl Nedelins hin bei aktiviertem Bordenergiesystem. Die Untersuchungskommission wird später auf eine offizielle persönliche Schuldzuweisung verzichten. Der Tod zahlreicher Spezialisten und der Verlust des Startplatzes verzögern den geplanten Fortgang des sowjetischen Raketenprogramms, insbesondere des ersten bemannten Raumfluges. Der Konstrukteur der Rakete, Michail Jangel, überlebt das Unglück unverletzt. Zum Zeitpunkt der Explosion hielt er sich gemeinsam mit Kollegen außerhalb des Gefahrenbereichs in einer Raucherzone auf. Eine der wenigen noch beachteten Sicherheitsmaßnahmen, das Rauchverbot in der Nähe der Rakete, rettet ihm das Leben. Als Jangel kurz nach dem Unfall Chruschtschow in einem Telefongespräch über den Tod Nedelins und der anderen zahlreichen Opfer berichtet, fragte ihn dieser: „Wie kommt es, dass Sie überlebt haben?“ <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center>'''[[Chronik 11.1960|November 1960]]'''</center> || Aus mehreren Gründen, zum Beispiel aufgrund des Verlustes eines Teils des Startkomplexes bei der Katastrophe im Vormonat, zum Teil aber auch wegen des vorgesehenen Starts der ersten sowjetischen Venus-Sonde VENERA 1, der deswegen Priorität besitzt, weil es Monate dauern würde, bis wieder ein günstiges Startfenster geöffnet würde, wird beschlossen, den Start des ersten Menschen in den Weltraum auf frühestens März 1961 zu verschieben. <br>
 
| <center>'''[[Chronik 11.1960|November 1960]]'''</center> || Aus mehreren Gründen, zum Beispiel aufgrund des Verlustes eines Teils des Startkomplexes bei der Katastrophe im Vormonat, zum Teil aber auch wegen des vorgesehenen Starts der ersten sowjetischen Venus-Sonde VENERA 1, der deswegen Priorität besitzt, weil es Monate dauern würde, bis wieder ein günstiges Startfenster geöffnet würde, wird beschlossen, den Start des ersten Menschen in den Weltraum auf frühestens März 1961 zu verschieben. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
| <center>'''[[Chronik 12.1960|02.12.1960]]''' </center> || [[Datei:Pscholka und Muschka.jpg|thumb|Pscholka und Muschka werden Opfer des Weltraumprogramms]]Der erfolgreiche Flug von SPUTNIK 5 wird mit KORABL-SPUTNIK 3 wiederholt. Wieder sind zwei Hunde an Bord des Raumschiffes, das den Flug eines Menschen simulieren soll. KORABL-SPUTNIK 3 verlässt beim Wiedereintritt die korrekte Umlaufbahn. Da die Hunde Pscholka und Muschka sowie das Raumfahrzeug verloren sind, wird der Selbstzerstörungsmechanismus ausgelöst. <br>
+
| <center>'''[[Chronik 12.1960|02.12.1960]]''' </center> || [[Datei:Pscholka und Muschka.jpg|thumb|150px|Pscholka und Muschka werden Opfer des Weltraumprogramms]]Der erfolgreiche Flug von SPUTNIK 5 wird mit KORABL-SPUTNIK 3 wiederholt. Wieder sind zwei Hunde an Bord des Raumschiffes, das den Flug eines Menschen simulieren soll. KORABL-SPUTNIK 3 verlässt beim Wiedereintritt die korrekte Umlaufbahn. Da die Hunde Pscholka und Muschka sowie das Raumfahrzeug verloren sind, wird der Selbstzerstörungsmechanismus ausgelöst. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
| <center>'''[[Chronik 12.1960|22.12.1960]]''' </center> ||[[Datei:Kometa und Schutka.jpg|thumb|Kometa und Schutka werden Gagarins Wegbereiter in den Kosmos]] Wegen einer Störung in der Oberstufe der Trägerrakete endet eine weitere Raumfahrtmission mit einer zweiköpfigen Hundebesatzung mit einer Notlandung in Sibirien. Die Hunde an Bord, Kometa und Schutka, können zwei Tage nach der Notlandung gerettet werden. <br>
+
| <center>'''[[Chronik 12.1960|22.12.1960]]''' </center> ||[[Datei:Kometa und Schutka.jpg|thumb|150px|Kometa und Schutka werden Gagarins Wegbereiter in den Kosmos]] Wegen einer Störung in der Oberstufe der Trägerrakete endet eine weitere Raumfahrtmission mit einer zweiköpfigen Hundebesatzung mit einer Notlandung in Sibirien. Die Hunde an Bord, Kometa und Schutka, können zwei Tage nach der Notlandung gerettet werden. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center>'''[[Chronik 03.1961|09.03.1961]]'''</center> || Erstmals wird die bemannte Version des WOSTOK-Raumschiffes erfolgreich eingesetzt. Im Raumfahrzeug KORABL-SPUTNIK 4 befindet sich neben dem Hund Tschernuschka eine Testpuppe mit einem Druckanzug, der beim Personal den Spitznamen "Iwan Iwanowitsch" erhält. An Bord befindet sich außerdem eine Maus und ein Meerschweinchen. <br>
 
| <center>'''[[Chronik 03.1961|09.03.1961]]'''</center> || Erstmals wird die bemannte Version des WOSTOK-Raumschiffes erfolgreich eingesetzt. Im Raumfahrzeug KORABL-SPUTNIK 4 befindet sich neben dem Hund Tschernuschka eine Testpuppe mit einem Druckanzug, der beim Personal den Spitznamen "Iwan Iwanowitsch" erhält. An Bord befindet sich außerdem eine Maus und ein Meerschweinchen. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
| <center>'''[[Chronik 03.1961|23.03.1961]]''' </center> || [[Datei:Walentin Bondarenko.jpg|thumb|Walentin Bondarenko, * 1937 in Charkow, Ukraine, wird der erste Raumfahrer, der seinen Beruf mit dem Leben bezahlt]] Das aus 20 Piloten bestehende sowjetische Kosmonautenkollektiv hat noch vor dem Start eines ersten Kosmonauten in den Weltraum mit Walentin Bondarenko das erste Todesopfer zu beklagen. Er wurde 1960 für den Einsatz bei einem Weltraumflug mit dem Wostok-Raumschiff ausgewählt und gehörte der sogenannten „Kosmonautengruppe Nr. 1“ an. Bei seiner Ankunft im Sternenstädtchen, dem Ausbildungszentrum der sowjetischen Kosmonauten, war er mit einem Alter von 23 Jahren der jüngste Mann, der jemals zum Training für einen Raumflug ausgewählt wurde. Heute wird Bondarenko im Zuge der Vorbereitungen Opfer eines tödlichen Unfalls. Am Ende eines planmäßigen zehntägigen Trainingsaufenthaltes in einer Druckkabine im Moskauer Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin legt er die an seinem Körper befestigten medizinischen Sensoren ab und wischt die Stellen, an denen sie befestigt waren, mit in Alkohol getränkten Wattebäuschen ab. Fahrlässigerweise wirft er anschließend einen benutzten Wattebausch einfach zur Seite. Dieser fällt dabei auf eine offene, heiße Heizspirale – eine gravierende Sicherheitslücke, die erst durch diesen Vorfall aufgedeckt werden wird – und entzündet sich. Wegen der reinen Sauerstoffatmosphäre in der hermetisch verschlossenen Kabine greift das Feuer in Sekundenschnelle auf Bondarenkos wollenen Trainingsanzug über. Aufgrund des hohen Druckunterschiedes kann die Kabine nicht sofort geöffnet werden. Als dies schließlich gelingt, hat Bondarenko bereits 90-prozentige Verbrennungen erlitten. Er wird – begleitet von Juri Gagarin – in ein Krankenhaus gebracht, wo er acht Stunden später stirbt. Er hinterlässt eine Frau und einen Sohn. Beigesetzt wird er in seiner Heimatstadt Charkiw. In der Sowjetunion blieb auch dieser Unfall – und damit auch Bondarenko selbst – von den sowjetischen Medien unerwähnt. Der Vorfall wird streng geheim gehalten, um das Image der sowjetischen Raumfahrt nicht aufs Spiel zu setzen. <br>
+
| <center>'''[[Chronik 03.1961|23.03.1961]]''' </center> || [[Datei:Walentin Bondarenko.jpg|thumb|150px|Walentin Bondarenko, * 1937 in Charkow, Ukraine, wird der erste Raumfahrer, der seinen Beruf mit dem Leben bezahlt]] Das aus 20 Piloten bestehende sowjetische Kosmonautenkollektiv hat noch vor dem Start eines ersten Kosmonauten in den Weltraum mit Walentin Bondarenko das erste Todesopfer zu beklagen. Er wurde 1960 für den Einsatz bei einem Weltraumflug mit dem Wostok-Raumschiff ausgewählt und gehörte der sogenannten „Kosmonautengruppe Nr. 1“ an. Bei seiner Ankunft im Sternenstädtchen, dem Ausbildungszentrum der sowjetischen Kosmonauten, war er mit einem Alter von 23 Jahren der jüngste Mann, der jemals zum Training für einen Raumflug ausgewählt wurde. Heute wird Bondarenko im Zuge der Vorbereitungen Opfer eines tödlichen Unfalls. Am Ende eines planmäßigen zehntägigen Trainingsaufenthaltes in einer Druckkabine im Moskauer Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin legt er die an seinem Körper befestigten medizinischen Sensoren ab und wischt die Stellen, an denen sie befestigt waren, mit in Alkohol getränkten Wattebäuschen ab. Fahrlässigerweise wirft er anschließend einen benutzten Wattebausch einfach zur Seite. Dieser fällt dabei auf eine offene, heiße Heizspirale – eine gravierende Sicherheitslücke, die erst durch diesen Vorfall aufgedeckt werden wird – und entzündet sich. Wegen der reinen Sauerstoffatmosphäre in der hermetisch verschlossenen Kabine greift das Feuer in Sekundenschnelle auf Bondarenkos wollenen Trainingsanzug über. Aufgrund des hohen Druckunterschiedes kann die Kabine nicht sofort geöffnet werden. Als dies schließlich gelingt, hat Bondarenko bereits 90-prozentige Verbrennungen erlitten. Er wird – begleitet von Juri Gagarin – in ein Krankenhaus gebracht, wo er acht Stunden später stirbt. Er hinterlässt eine Frau und einen Sohn. Beigesetzt wird er in seiner Heimatstadt Charkiw. In der Sowjetunion blieb auch dieser Unfall – und damit auch Bondarenko selbst – von den sowjetischen Medien unerwähnt. Der Vorfall wird streng geheim gehalten, um das Image der sowjetischen Raumfahrt nicht aufs Spiel zu setzen. <br>
 
|- valign="top"
 
|- valign="top"
 
| <center>'''[[Chronik 03.1961|25.03.1961]]'''</center> || Mit der Mission KORABL-SPUTNIK 5 wird der geplante erste von Menschen bemannte Raumflug der Menschheit zum letzten Mal geprobt. Wie geplant absolviert das Raumschiff eine Erdumkreisung und tritt über der Sowjetunion in die dichteren Schichten der Atmosphäre wieder ein. Der Kosmonautendummy "Iwan Iwanowitsch", eine Puppe, wird kurz vor der Landung mit einem Schleudersitz aus der Kapsel gesprengt und landet mit seinem eigenen automatischen Fallschirm. Aufgrund miserabler Wetterbedingungen kann die Kapsel erst 24 Stunden nach der Landung unter einer 1,50 Meter hohen Schneedecke nordöstlich von Ischewsk in Udmurtien gefunden werden. Einige Dorfbewohner, die beobachten, wie die täuschend echt aussehende Kosmonautenpuppe abtransportiert wird, nehmen an, dass es sich hier um einen echten Menschen mit offenbar schweren Verletzungen handelt. Der Flug von KORABL-SPUTNIK 5 stößt die Tür in den Weltraum weit auf. <br>
 
| <center>'''[[Chronik 03.1961|25.03.1961]]'''</center> || Mit der Mission KORABL-SPUTNIK 5 wird der geplante erste von Menschen bemannte Raumflug der Menschheit zum letzten Mal geprobt. Wie geplant absolviert das Raumschiff eine Erdumkreisung und tritt über der Sowjetunion in die dichteren Schichten der Atmosphäre wieder ein. Der Kosmonautendummy "Iwan Iwanowitsch", eine Puppe, wird kurz vor der Landung mit einem Schleudersitz aus der Kapsel gesprengt und landet mit seinem eigenen automatischen Fallschirm. Aufgrund miserabler Wetterbedingungen kann die Kapsel erst 24 Stunden nach der Landung unter einer 1,50 Meter hohen Schneedecke nordöstlich von Ischewsk in Udmurtien gefunden werden. Einige Dorfbewohner, die beobachten, wie die täuschend echt aussehende Kosmonautenpuppe abtransportiert wird, nehmen an, dass es sich hier um einen echten Menschen mit offenbar schweren Verletzungen handelt. Der Flug von KORABL-SPUTNIK 5 stößt die Tür in den Weltraum weit auf. <br>
Zeile 67: Zeile 61:
 
{| style="color:blue;background-color:#ffffcc;" cellpadding="10" cellspacing="0" border="8"
 
{| style="color:blue;background-color:#ffffcc;" cellpadding="10" cellspacing="0" border="8"
 
|-
 
|-
|width="300pt"| <center>[[Datei:UdSSR.gif|thumb|center]] </center>
+
|width="300pt"| <center>[[Datei:UdSSR.gif|thumb|150px|center]] </center>
|width="300pt"| <center>[[Datei:Patch Wostok 2.jpg|thumb|center]]</center>
+
|width="300pt"| <center>[[Datei:Patch Wostok 2.jpg|thumb|150px|center]]</center>
 
|width="300pt"| <center> Nächster Raumflug: '''[[WOSTOK 2]] </center>
 
|width="300pt"| <center> Nächster Raumflug: '''[[WOSTOK 2]] </center>
 
|width="300pt"| <center> Nächster sowjetischer Raumflug: '''[[WOSTOK 2]] </center>
 
|width="300pt"| <center> Nächster sowjetischer Raumflug: '''[[WOSTOK 2]] </center>

Version vom 3. Januar 2017, 15:05 Uhr

WOSTOK 1

Erster bemannter Raumflug

UdSSR.gif
Erster bemannter Raumflug
Erster sowjetischer Raumflug
Start: 12.04.1961, 0607 UTC
Startbasis: Baikonur LC1
(heute Kasachstan)
Besatzung:
Juri Alexejewitsch Gagarin
* 1934 im Oblast Wladimir, Russland
Patch Wostok 1.jpg
WOSTOK 1
Rufzeichen: Kedr
Masse: 4730 kg
Apogäum: 315 km
Perigäum: 169 km
Zurückgelegte Strecke: 41.000 km
Landung: 12.04.1961, 0755 UTC
26 km SW von Engels
(heute Russland)
Flugdauer: 0,075 Tage
Ersatzbesatzung:
German Stepanowitsch Titow
* 1935 in der Region Altai, Russland
Ersatzbesatzung:
Grigori Grigorjewitsch Neljubow
* 1934 auf der Krim, Ukraine
Zeitraum
Chronologie der Mission WOSTOK 1
Dezember 1957
Zwei Monate nach dem Start des ersten künstlichen Erdsatelliten SPUTNIK 1 wird im Moskauer Entwicklungsinstitut OKB-1 eine Abteilung für Studien zur Durchführung von bemannten Weltraumflügen geschaffen. Erstes Ziel der Arbeitsgruppe ist die Entwicklung einer kugelförmigen Kapsel, die mit der Interkontinentalrakete R-7 gestartet werden soll. Da den sowjetischen Wissenschaftlern bekannt ist, dass sie mit diesem Projekt in Rivalität zu einer entsprechenden Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika steht, die ebenfalls mit der Vorbereitung eines bemannten Weltraumfluges beauftragt wurde, genießt die Beschleunigung der Entwicklung hohe Priorität.
Anfang 1959
Emblem der KPdSU
In der Sowjetunion beginnt man mit der Suche nach geeigneten Kandidaten für das bemannte Weltraumprogramm. Unterstützt wird die Auswahl durch die Abteilung für Weltraummedizin, welche vom Chef der sowjetischen Luftstreitkräfte, Konstantin Werschinin, einem großen Befürworter und Unterstützer der Raumfahrt, unter Leitung von Prof. Wladimir Jasdowski eingerichtet wird. Mehr als 3000 Piloten sollen von der „Kommission für das Thema Nr. 6“, die Tarnbezeichnungen sind aufgrund der strikten Geheimhaltung des gesamten Weltraumprogramms nötig, im Laufe des Jahres 1959 überprüft und bis auf 400 Mann aus der Liste gestrichen werden. Den Ausschlag für die Rekrutierung gibt ein kritischer Blick in die Akten der Piloten. So muss jeder Aspirant ein „reines“ Verhältnis zur Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) haben sowie eine „saubere“ Biographie vorweisen können. Das bemannte Raumfahrtprogramm, so ist man sich sicher, ist ein ideales Mittel, um nicht nur den Menschen in der Sowjetunion, sondern auf der ganzen Welt, die Leistungsfähigkeit des kommunistischen Gedankens klar unter Beweis zu stellen. Aus diesem Grund sucht man nach Menschen mit "einwandfreier" Vergangenheit, die sich für Propagandazwecke nutzen lassen können.
Herbst 1959
Auf der Suche nach geeigneten Kandidaten für das bemannte Weltraumprogramm ist die Anzahl der Kandidaten von anfangs 3000 Piloten auf nur noch 400 Auserwählten geschrumpft, die nun in Gruppen zu je 20 Mann aufgeteilt und nach Moskau eingeladen werden, wo sie eingehender von Mitarbeitern der geheimen "Kommission für das Thema Nr. 6" untersucht werden sollen.
Januar 1960
In der geheimen "Kommission für das Thema Nr. 6", einer Tarnbezeichnung für die Auswahl von Kandidaten für das sowjetische Raumfahrtprogramm, bleiben von 400 Bewerbern im Herbst 1959 noch 30 Anwärter übrig. Die meisten von ihnen disqualifizierten sich für das Projekt durch den Mangel an Ausdauer. Von den letzten 30 Kandidaten sollen innerhalb eines Monats noch zehn gestrichen werden. Allen der anfänglich 3000 Bewerber wird auch jetzt noch der eigentliche Zweck der Untersuchungen verschwiegen, da man kein Risiko eingehen will und man durch das Bekanntwerden der Bemühungen um baldmögliche Erfolge die nationale Sicherheit und das internationale Prestige bedroht sieht.
15.05.1960
Vom sowjetischen Kosmodrom Baikonur aus wird der erste Prototyp eines WOSTOK-Raumschiffes mit einer modifizierten R-7-Interkontinentalrakete unbemannt gestartet. Ein Versuch, den Wiedereintritt des Raumfahrzeuges einzuleiten, misslingt.
04.06.1960
In der Sowjetunion beschließen die zuständigen Regierungsbeauftragten, dass der Abschluss des Testprogramms für das aus drei separaten Modulen bestehende WOSTOK-Raumschiff, mit dem ein Mensch in den Weltraum befördert werden soll, für das Ende des laufenden Jahres vorgesehen ist.
20.08.1960
Als erste Lebewesen kehren im Rahmen der SPUTNIK-5-Mission, die tags zuvor in das Weltall geschossenen Hunde „Belka“ und „Strelka“ in ihrer Landekapsel wohlbehalten auf sowjetische Erde zurück. Es konnte die Reaktion der Hunde auf die Schwerelosigkeit untersucht werden. Die Mission wurde mit einem verbesserten Raumschiff durchgeführt.
September 1960
Einige der führenden sowjetischen Chefkonstrukteure auf dem Gebiet der Raumfahrt schlagen in einem geheimen Memorandum für das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) vor, ein Raumfahrzeug für einen bemannten Start im Dezember 1960 vorzubereiten.
11.10.1960
Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) genehmigt den im September von führenden sowjetischen Chefkonstrukteuren eingereichten Vorschlag für einen bemannten Start eines Menschen in den Weltraum noch in diesem Jahr mit der Begründung, dass diese Mission eine "besondere Bedeutung" für die Sowjetunion habe.
24.10.1960
Mitrofan Nedelin, der Verantwortliche der größten Katastrophe der Raumfahrt
Bei einer verheerenden Explosion einer militärischen Interkontinentalrakete auf dem sowjetischen Weltraumbahnhof Baikonur sterben mindestens 126 Menschen. Verantwortlich für diese Katastrophe ist der Hauptmarschall der Artillerie und Chef der strategischen Raketentruppen, Mitrofan Nedelin, der selbst bei der Katastrophe ums Leben kommt. Die Startvorbereitungen wurden am Vortag wegen Problemen mit der Elektronik zunächst abgebrochen, mussten aber auf Befehl Nedelins wieder aufgenommen werden. Am 24. Oktober um 1930 Uhr soll der Start erfolgen. Vermutlich um die berechtigten Sicherheitsbedenken seiner Untergebenen wegen eines Treibstofflecks zu zerstreuen und Druck auf sie auszuüben, platziert sich Nedelin gegen 1840 Uhr demonstrativ acht Meter von der Rakete entfernt auf einem Stuhl. Andere Militärangehörige und Techniker sehen sich dadurch gezwungen, den sicheren Bunker zu verlassen und sich neben ihn zu stellen. Die autonome bordeigene Energieversorgung ist bereits aktiviert und ein Teil der Pyromembranen im Treibstoffsystem geöffnet, da sich der vorhergehende Abbruch innerhalb der Ein-Stunden-Bereitschaft ereignete. Zum Zünden der Rakete ist nur noch ein Drehschalter zu betätigen, der sich zu diesem Zeitpunkt wegen eines vorhergegangenen Tests in der Position "Nach-Start" befindet. Ein Mitarbeiter versucht, den Schalter auf die Position "Vor-Start" zu bringen, und passiert dabei die Schalterstellung "Manuelles Zünden" der zweiten Stufe. Während einer normalen Startvorbereitung würde die Stromversorgung der Rakete abgeschaltet und der Schaltvorgang ohne Wirkung sein. Verhängnisvollerweise führt dies aber nun zur unbeabsichtigten Aktivierung eines elektropneumatischen Ventils, das zur Regulierung des Drucks der Startbehälter dient. Jetzt zündet das Marschtriebwerk der zweiten Stufe. Es zerreißt die Tanks der darunterliegenden ersten Stufe. Der Treibstoff UDMH und die Salpetersäure vermischen sich und es kommt zu einer Explosion, in deren Folge innerhalb von 90 Sekunden 124 Tonnen Treibstoff verbrennen. Die Anzahl der Toten wird erst Anfang der 1990er Jahre bekannt gegeben werden, unter ihnen sind 57 hohe Militärs. Der Kommandant des Kosmodroms Baikonur, Generalleutnant Alexej Schumilin, nennt angeblich im Februar 1997 anlässlich der deutsch-russischen Weltraummission Mir 97 die Zahl 154. Es gibt aber noch andere Behauptungen, die zwischen 92 und 200 Todesopfern schwanken. Von Nedelin, der sich unmittelbar neben der Rakete befand, werden nur die Überreste seines Ordens Held der Sowjetunion und Uniformteile gefunden. Unter den Todesopfern sind, neben Nedelin, auch namhafte Wissenschaftler wie Jangels Stellvertreter Berlin und Konzewoj, sowie Firsow, der Chefkonstrukteur des OKB-692 Boris Konopljow, der stellvertretende Vorsitzende des Staatlichen Komitees der UdSSR für Verteidigungstechnik Lew Grischin und der stellvertretende Kommandant des Startplatzes, Nossow. Als Ursache des Unglücks werden unsachgemäße Handhabung der defekten und bereits betankten Rakete unter Zeitdruck und wesentlich beschleunigte Zeitpläne angenommen. Entgegen dem vorliegenden technischen Plan erfolgten die Reparaturarbeiten auf ausdrücklichen Befehl Nedelins hin bei aktiviertem Bordenergiesystem. Die Untersuchungskommission wird später auf eine offizielle persönliche Schuldzuweisung verzichten. Der Tod zahlreicher Spezialisten und der Verlust des Startplatzes verzögern den geplanten Fortgang des sowjetischen Raketenprogramms, insbesondere des ersten bemannten Raumfluges. Der Konstrukteur der Rakete, Michail Jangel, überlebt das Unglück unverletzt. Zum Zeitpunkt der Explosion hielt er sich gemeinsam mit Kollegen außerhalb des Gefahrenbereichs in einer Raucherzone auf. Eine der wenigen noch beachteten Sicherheitsmaßnahmen, das Rauchverbot in der Nähe der Rakete, rettet ihm das Leben. Als Jangel kurz nach dem Unfall Chruschtschow in einem Telefongespräch über den Tod Nedelins und der anderen zahlreichen Opfer berichtet, fragte ihn dieser: „Wie kommt es, dass Sie überlebt haben?“
November 1960
Aus mehreren Gründen, zum Beispiel aufgrund des Verlustes eines Teils des Startkomplexes bei der Katastrophe im Vormonat, zum Teil aber auch wegen des vorgesehenen Starts der ersten sowjetischen Venus-Sonde VENERA 1, der deswegen Priorität besitzt, weil es Monate dauern würde, bis wieder ein günstiges Startfenster geöffnet würde, wird beschlossen, den Start des ersten Menschen in den Weltraum auf frühestens März 1961 zu verschieben.
02.12.1960
Pscholka und Muschka werden Opfer des Weltraumprogramms
Der erfolgreiche Flug von SPUTNIK 5 wird mit KORABL-SPUTNIK 3 wiederholt. Wieder sind zwei Hunde an Bord des Raumschiffes, das den Flug eines Menschen simulieren soll. KORABL-SPUTNIK 3 verlässt beim Wiedereintritt die korrekte Umlaufbahn. Da die Hunde Pscholka und Muschka sowie das Raumfahrzeug verloren sind, wird der Selbstzerstörungsmechanismus ausgelöst.
22.12.1960
Kometa und Schutka werden Gagarins Wegbereiter in den Kosmos
Wegen einer Störung in der Oberstufe der Trägerrakete endet eine weitere Raumfahrtmission mit einer zweiköpfigen Hundebesatzung mit einer Notlandung in Sibirien. Die Hunde an Bord, Kometa und Schutka, können zwei Tage nach der Notlandung gerettet werden.
09.03.1961
Erstmals wird die bemannte Version des WOSTOK-Raumschiffes erfolgreich eingesetzt. Im Raumfahrzeug KORABL-SPUTNIK 4 befindet sich neben dem Hund Tschernuschka eine Testpuppe mit einem Druckanzug, der beim Personal den Spitznamen "Iwan Iwanowitsch" erhält. An Bord befindet sich außerdem eine Maus und ein Meerschweinchen.
23.03.1961
Walentin Bondarenko, * 1937 in Charkow, Ukraine, wird der erste Raumfahrer, der seinen Beruf mit dem Leben bezahlt
Das aus 20 Piloten bestehende sowjetische Kosmonautenkollektiv hat noch vor dem Start eines ersten Kosmonauten in den Weltraum mit Walentin Bondarenko das erste Todesopfer zu beklagen. Er wurde 1960 für den Einsatz bei einem Weltraumflug mit dem Wostok-Raumschiff ausgewählt und gehörte der sogenannten „Kosmonautengruppe Nr. 1“ an. Bei seiner Ankunft im Sternenstädtchen, dem Ausbildungszentrum der sowjetischen Kosmonauten, war er mit einem Alter von 23 Jahren der jüngste Mann, der jemals zum Training für einen Raumflug ausgewählt wurde. Heute wird Bondarenko im Zuge der Vorbereitungen Opfer eines tödlichen Unfalls. Am Ende eines planmäßigen zehntägigen Trainingsaufenthaltes in einer Druckkabine im Moskauer Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin legt er die an seinem Körper befestigten medizinischen Sensoren ab und wischt die Stellen, an denen sie befestigt waren, mit in Alkohol getränkten Wattebäuschen ab. Fahrlässigerweise wirft er anschließend einen benutzten Wattebausch einfach zur Seite. Dieser fällt dabei auf eine offene, heiße Heizspirale – eine gravierende Sicherheitslücke, die erst durch diesen Vorfall aufgedeckt werden wird – und entzündet sich. Wegen der reinen Sauerstoffatmosphäre in der hermetisch verschlossenen Kabine greift das Feuer in Sekundenschnelle auf Bondarenkos wollenen Trainingsanzug über. Aufgrund des hohen Druckunterschiedes kann die Kabine nicht sofort geöffnet werden. Als dies schließlich gelingt, hat Bondarenko bereits 90-prozentige Verbrennungen erlitten. Er wird – begleitet von Juri Gagarin – in ein Krankenhaus gebracht, wo er acht Stunden später stirbt. Er hinterlässt eine Frau und einen Sohn. Beigesetzt wird er in seiner Heimatstadt Charkiw. In der Sowjetunion blieb auch dieser Unfall – und damit auch Bondarenko selbst – von den sowjetischen Medien unerwähnt. Der Vorfall wird streng geheim gehalten, um das Image der sowjetischen Raumfahrt nicht aufs Spiel zu setzen.
25.03.1961
Mit der Mission KORABL-SPUTNIK 5 wird der geplante erste von Menschen bemannte Raumflug der Menschheit zum letzten Mal geprobt. Wie geplant absolviert das Raumschiff eine Erdumkreisung und tritt über der Sowjetunion in die dichteren Schichten der Atmosphäre wieder ein. Der Kosmonautendummy "Iwan Iwanowitsch", eine Puppe, wird kurz vor der Landung mit einem Schleudersitz aus der Kapsel gesprengt und landet mit seinem eigenen automatischen Fallschirm. Aufgrund miserabler Wetterbedingungen kann die Kapsel erst 24 Stunden nach der Landung unter einer 1,50 Meter hohen Schneedecke nordöstlich von Ischewsk in Udmurtien gefunden werden. Einige Dorfbewohner, die beobachten, wie die täuschend echt aussehende Kosmonautenpuppe abtransportiert wird, nehmen an, dass es sich hier um einen echten Menschen mit offenbar schweren Verletzungen handelt. Der Flug von KORABL-SPUTNIK 5 stößt die Tür in den Weltraum weit auf.
UdSSR.gif
Patch Wostok 2.jpg
Nächster Raumflug: WOSTOK 2
Nächster sowjetischer Raumflug: WOSTOK 2
Weblinks

... zum Weiterlesen ...

Proximity
Home
Jahreschroniken