Norddeutscher Bund 1867

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Norddeutscher Bund.gif
Wappen des Norddeutscher Bund
Wilhelm I.
(* 1797 Berlin)
König von Preußen
Otto von Bismarck
(* 1815 Schönhausen bei Stendal)
Ministerpräsident

NORDDEUTSCHER BUND

Chronik des Jahres 1867
Hauptstadt: Berlin
...

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12.02.1867
Norddeutscher Bund.gif Norddeutscher Bund

Im Gebiet des Norddeutschen Bundes finden die Wahlen zum konstituierenden Reichstag statt. In jedem der insgesamt 297 Wahlkreise wird nach absolutem Mehrheitswahlrecht ein Abgeordneter gewählt. Wenn kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht, wird eine Stichwahl zwischen den beiden bestplatzierten Kandidaten durchgeführt. In der folgenden Tabelle werden die Anzahl der gewählten Abgeordneten und ihre Parteistellung im neuen Reichstag angegeben. Die Unterstützer der Politik Otto von Bismarcks, also Freikonservative, Nationalliberale und weitere rechtsliberale Kräfte erhalten eine deutliche Mehrheit der Sitze. Besonders in den 1866 von Preußen annektierten Provinzen Schleswig-Holstein und Hannover erzielen bundesstaatlich-konstitutionelle Kandidaten Wahlerfolge. Die Sächsische Volkspartei, eine Vorläuferorganisation der Sozialdemokratie, zieht mit zwei Abgeordneten ins Parlament ein. Aufgrund unvollständiger Dokumentation der Stimmergebnisse gibt es in der Fachliteratur keine überlieferte Aufschlüsselung des Gesamtergebnisses nach Stimmen und Prozenten. Die folgende Tabelle gibt die Anzahl der für die einzelnen Parteien gewählten Abgeordneten an, wie sie in den zeitgenössischen Reichstagshandbüchern aufgeführt sind:

Politische Richtung Partei Sitze
Konservative Konservative Partei (KP) (nur in Preußen) 59
Freikonservative Vereinigung (FKV) 39
fraktionslose Konservative   8
Liberale Nationalliberale Partei (NLP) 80
Zentrumsfraktion (Altliberale)1) 27
Freie Vereinigung (FV) 14
Deutsche Fortschrittspartei (DFP)2) 19
fraktionslose Liberale 11
Bundesstaatlich-Konstitutionelle Vereinigung (BKV) 18
Arbeiterparteien Sächsische Volkspartei (SVP) 2
Minderheiten Polen 13
Dänen 2
Sonstige   5
Gesamt 297

1) Nicht zu verwechseln mit der Zentrumsfraktion in den Reichstagen des Deutschen Kaiserreichs
2) Die Abgeordneten der DFP firmierten im Reichstag als Fraktion der Linken
Vgl. Klaus Erich Pollmann: Parlamentarismus im Norddeutschen Bund 1867–1870 (Handbuch der Geschichte des deutschen Parlamentarismus). Droste, Düsseldorf 1985, ISBN 3-7700-5130-0, S. 167)

24.02.1867
König Wilhelm I. von Preußen
August Bebel, einer der ersten beiden Sozialdemokraten im Reichstag
Norddeutscher Bund.gif Norddeutscher Bund

König Wilhelm I. von Preußen eröffnet mit einer eindrucksvollen Thronrede die konstituierende Sitzung des Reichstages des Norddeutschen Bundes. Die Mehrheit des Reichstags bilden Konservative und Nationalliberale; letztere hatten sich 1866 von der Fortschrittspartei getrennt, weil sie die nationale Politik Bismarcks zu unterstützen entschlossen waren. Mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht gehören die ersten Sozialdemokraten dem Reichstag des Norddeutschen Bundes an. Während der Reichstag die Kompetenz des Bundes in mehreren Punkten erweitert und seine eignen Rechte genauer präzisiert, behaupteten die Regierungen ihren Standpunkt in der Militärfrage (Normierung der Präsenzstärke mit 1 Prozent der Bevölkerung und Bewilligung der Kosten bis 31. Dezember 1871) und in der Diätenfrage (Fortfall jeder Entschädigung für die Reichstagsabgeordneten).

19.03.1867
Norddeutscher Bund.gif Norddeutscher Bund / Königreich Preußen / Großherzogtum Luxemburg / Französisches Kaiserreich / Großherzogtum Baden / Königreich Württemberg / Königreich Bayern / Königreich der Niederlande

Der König der Niederlande gibt die Absicht bekannt, das Großherzogtum Luxemburg an das Französische Kaiserreich verkaufen zu wollen. Preußen, das noch eine Garnison in der Festung Luxemburg unterhält, verweigert seine Zustimmung und beantwortet die französischen Kriegsdrohungen mit der allgemeinen Veröffentlichung der geheimen Bündnisse des Norddeutschen Bundes mit den süddeutschen Staaten. Durch die mutmaßliche Übermacht der verbündeten deutschen Staaten verzichtet Frankreich auf weitere Androhungen eines Krieges gegen Preußen.

16.04.1867
Norddeutscher Bund.gif Norddeutscher Bund

Der Reichstag nimmt die vom Reichstag ausgearbeitete Verfassung des Norddeutschen Bundes mit einer Mehrheit von 230 gegen 53 Stimmen (meist von der Fortschrittspartei) an.

11.05.1867
Norddeutscher Bund / Königreich Preußen / Großherzogtum Luxemburg / Französisches Kaiserreich / Königreich der Niederlande / Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland

Im "Londoner Protokoll" wird die Räumung Luxemburg durch preußische Truppen und die Neutralität des Landes vereinbart. Hierdurch wird die entstandene Krise zwischen Frankreich und Preußen endgültig beigelegt.

24.06.1867
Norddeutscher Bund.gif Norddeutscher Bund

Die am 16. April vom Reichstag verabschiedete Verfassung des Norddeutschen Bundes wird verkündet; sie soll am 1. Juli in Kraft treten.

01.07.1867
Norddeutscher Bund.gif Norddeutscher Bund

Die Verfassung des Norddeutschen Bundes tritt in Kraft. Sie erklärt den Norddeutschen Bund zu einem Bundesstaat im Sinne eines föderalen Gesamtstaates. Es ist der erste föderativ organisierte deutsche Staat und damit die geschichtliche Vorstufe der mit der Deutschen Reichsgründung verwirklichten deutschen Nationalstaatsbildung. Das Präsidium des Bundes, der Krone Preußens erblich übertragen, besitzt das Recht, Krieg zu erklären, Frieden, Verträge und Bündnisse zu schließen, den Bund nach außen zu vertreten, das Haupt der Exekutive, den Bundeskanzler, zu ernennen und Bundesrat und Reichstag einzuberufen. Der Bundesrat besteht aus den Bevollmächtigten der 22 verbündeten Staaten und zählt 43 Stimmen (davon Preußen 17); er hat das Recht der Vorberatung und Genehmigung aller Gesetze. Der Reichstag geht aus allgemeinen direkten Wahlen hervor (ein Abgeordneter auf 100.000 Seelen) und hat die Rechte und Stellung der Volksvertretung eines konstitutionellen Staatswesens. Die Bundesgesetzgebung erstreckt sich auf das gesamte Verkehrs-, Handels-, Münz- und Zollwesen sowie wichtige Rechtsgebiete, lässt dagegen die innere Verwaltung der Einzelstaaten möglichst unberührt; doch gehen die Bundesgesetze stets den Landesgesetzen vor. Jeder Bürger des Landes hat nunmehr in jedem Bundesland den Status eines Inländers und ist demgemäß zum festen Wohnsitz, zum Gewerbebetrieb, zu öffentlichen Ämtern, zur Erwerbung von Grundstücken, zur Erlangung des Staatsbürgerrechts und zum Genuss aller sonstigen bürgerlichen Rechte unter denselben Voraussetzungen wie der bisherige Einheimische zuzulassen, auch in Betreff der Rechtsverfolgung und des Rechtsschutzes demselben gleich zu behandeln, Kriegsmarine und Heeresverfassung sind einheitlich, der König von Preußen ist offizieller Bundesfeldherr.

14.07.1867
Norddeutscher Bund.gif Norddeutscher Bund

Fürst Otto von Bismarck wird erster Kanzler des Norddeutschen Bundes, dessen Verfassung mit ihrem allgemeinen und gleichen Wahlrecht weitgehend auf seine eigenen Entwürfe zurückgeht.

26.07.1867
Norddeutscher Bund.gif Norddeutscher Bund

König Wilhelm von Preußen übernimmt die Präsidentschaft des Norddeutschen Bundes

10.08.1867
Norddeutscher Bund.gif Norddeutscher Bund

Diese sind die Bevollmächtigten des Deutschen Reiches, die den "Bundesrat des Norddeutschen Bundes" bilden:
Königreich Preußen:

  • Generalleutnant Eugen Anton Theophil von Podbielski, Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements
  • Generalleutnant Julius von Rieben, Direktor des Marineministeriums; abkommandiert am 4. September 1867
  • Wirklich Geheimer Rat Johann Friedrich von Pommer-Esche, General-Steuerdirektor
  • Wirklich Geheimer Ober-Finanzrat Günther, Ministerialdirektor
  • Wirklich Geheimer Oberregierungsrat Rudolph von Delbrück, Ministerialdirektor
  • Generalpostdirektor Karl Ludwig Richard von Philipsborn
  • Geheimer Oberjustizrat Heinrich Eduard von Pape
  • Vizeadmiral Eduard von Jachmann

Königreich Sachsen:

  • Richard Freiherr von Friesen, Finanz- und Außenminister
  • Geheimer Rat Dr. Albert Christian Weinlig, Ministerialdirektor im Innenministerium
  • Geheimer Finanzrat Julius Hans von Thümmel
  • Oberst von Brandenstein, Militärbevollmächtigter in Berlin

Großherzogtum Hessen und bei Rhein:

  • Geheimer Legationsrat Karl von Hofmann

Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin:

  • Staatsrat von Müller
  • Generalmajor von Bilgner

Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach:

  • Wirklich Geheimer Rat Dr. Christian Bernhard von Watzdorf, Staatsminister

Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz:

  • Bernhard Ernst von Bülow, Ministerpräsident; abkommandiert am 4. September 1867
  • August Otto Ernst Freiherr von Örtzen auf Klokow, Kammerherr und Drost

Oldenburg (Land)|Großherzogtum Oldenburg:

  • Staatsrat Buchholtz

Herzogtum Braunschweig-Lüneburg:

  • Asche Burckhard Carl Ferdinand von Campe, Staatsminister
  • Geheimer Legationsrat von Liebe

Herzogtum Sachsen-Meiningen und Hildburghausen:

  • Wirklich Geheimer Rat Graf von Beust; abkommandiert 23. September 1867
  • Anton Ferdinand Freiherr von Krosigk, Staatsminister

Herzogtum Sachsen-Altenburg:

  • Friedrich Leopold Wolf Ludwig Wendelin von Gerstenbergk, Edler von Zech, Staatsminister

Herzogtümer Sachsen-Coburg und Gotha:

  • Wirklich Geheimer Rat Camillo Richard Freiherr von Seebach, Staatsminister

Herzogtum Anhalt:

  • Dr. Carl Friedrich Ferdinand Sintenis, Ministerpräsident

Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt:

  • Staatsminister von Bertrab

Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen:

  • Staatsminister von Wolffersdorff

Fürstentum Waldeck-Pyrmont:

  • Geheimer Regierungsrat Ludwig Klapp

Fürstentum Reuß ältere Linie:

  • Regierungspräsident Dr. Herrmann

Fürstentum Reuß jüngere Linie:

  • Staatsminister von Harbou

Fürstentum Schaumburg-Lippe:

  • Geheimer Regierungsrat Höcker

Fürstentum Lippe:

  • Kabinettsminister von Oheimb

Freie und Hansestadt Lübeck:

  • Senator Dr. Theodor Curtius (Lübeck)

Freie Hansestadt Bremen:

  • Senator Otto Gildemeister

Freie und Hansestadt Hamburg:

  • Dr. Gustav Heinrich Kirchenpauer
15.08.1867
Norddeutscher Bund.gif Norddeutscher Bund

Der Bundesrat tritt in Berlin zusammen.

31.08.1867
Norddeutscher Bund.gif Norddeutscher Bund

Da der "konstituierende Bundesrat" mit der Verabschiedung der Verfassung seine Arbeit erfolgreich erledigt hat, werden nunmehr ordentliche Wahlen zum Reichstag abgehalten: Wieder wird in jedem der insgesamt 297 Wahlkreise nach absolutem Mehrheitswahlrecht ein Abgeordneter gewählt. Wenn kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichte, wurde eine Stichwahl zwischen den beiden bestplatzierten Kandidaten durchgeführt. In den folgenden Tabellen werden die gewählten Abgeordneten und ihre Parteistellung im Reichstag angegeben.

Politische Richtung Partei Sitze
Konservative Konservative Partei (KP) (nur in Preußen) 66 (+7)
Freikonservative Vereinigung (FKV) 34 (-5)
fraktionslose Konservative   7 (−1)
Liberale Nationalliberale Partei (NLP) 81 (+1)
Zentrumsfraktion (Altliberale)1)   15 (−12)
Freie Vereinigung (FV) 13 (-1)
Deutsche Fortschrittspartei (DFP)   29 (+10)
fraktionslose Liberale   9 (−2)
Bundesstaatlich-Konstitutionelle Vereinigung (BKV) 21 (+3)
Arbeiterparteien Sächsische Volkspartei (SVP)   3 (+1)
Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein (ADAV)   2 (+2)
Lassallescher Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein (LADAV)   1 (+1)
Minderheiten Polen 11 (-2)
Dänen   1 (−1)
Sonstige   4 (−1)
Gesamt 297

1) Nicht zu verwechseln mit der Zentrumsfraktion in den Reichstagen des Deutschen Kaiserreichs.

10.09.1867
Norddeutscher Bund.gif Norddeutscher Bund

Der erste Reichstag des Norddeutschen Bundes wird eröffnet.

1867
EREIGNISSE DES JAHRES OHNE GENAUES DATUM
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Adelberdt von der Recke-Volmerstein
Deutscher Bund / Königreich Preußen

Graf Adelberdt von der Recke-Volmerstein, der Gründer der "Rettungsanstalt Düsseltal für Waisenkinder" und des in Schlesien beheimateten "Deutschen Samariter-Ordensstift für behinderte und kranke Kinder", gründet in Anlehnung an ähnlich arbeitende Anstalt in Bethel bei Bielefeld nur wenig später auch eine Diakonissenanstalt in Kraschnitz, die unter dem Namen Schlesisches Bethel bekannt wird. Zuvor übergab er bereits 1863 die Grundherrschaft Kraschnitz an seinen Sohn Leopold übergeben.

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