Friedrich Wilhelm III.

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Biografie

FRIEDRICH WILHELM III. VON PREUSSEN

Friedrich Wilhelm von Hohenzollern

* 3. August 1770 in Potsdam, † 7. Juni 1840 in Berlin

Friedrich Wilhelm III.
  • Kronprinz von Preußen seit Geburt (1770)
  • Markgraf von Brandenburg (1797)
  • Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches (1797)
  • König von Preußen (1797)
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Preußen 1823-1863.png

03.08.1770 - Dem Thronfolger des preußischen Königs, Friedrich Wilhelm (II.) und seiner Gemahlin Friederike von Hessen-Darmstadt wird ihr erstes Kind, Friedrich Wilhelm, geboren. Friedrich II. der Große ist der Großonkel des Kindes. Der "Alte Fritz" befindet sich noch auf dem Thron und nimmt Anteil an der zu erwartenden Fortsetzung der evangelischen Dynastie in Preußen.

1780 - Friedrich Wilhelm gilt als verschlossenes, schüchternes und zurückhaltendes Kind. Die Eigenart des Kronprinzen erklärt sich nicht zuletzt daraus, dass der königliche Vater sich wenig um ihn kümmerte. Wesentlich mehr Aufmerksamkeit widmete er seinem „Lieblingssohn“ Alexander von der Mark, der allerdings in jungen Jahren verstirbt. Diesen Sohn hat der König mit seiner Mätresse Wilhelmine Encke gezeugt, die er schließlich zur Gräfin Wilhelmine von Lichtenau erheben wird. Das Verhältnis Friedrich Wilhelms zu seinem Vater war auch deswegen gespannt. Auch als Erwachsener wird Friedrich Wilhelm III. ein eher trockenes und nüchternes Wesen sein. Legendär wird die charakteristische Kürze seiner Redeweise. Besonders das Weglassen der Personalpronomina wird Vorbild für die knappe preußische Militärsprache werden.

22.12.1793 - Die beiden Prinzessinen aus Mecklenburg-Strelitz treffen in der festlich geschmückten Stadt Berlin ein. Ein kleines, weißgekleidetes Mädchen begrüßt die Prinzessinnen mit einem Gedicht, Luise hebt das Kind hoch, küsst es – und reagiert erkennbar verständnislos, als man ihr sagt, dass ein solches Verhalten ihrer hohen Stellung nicht angemessen sei. Dieser Vorfall, vielfach weitererzählt, gibt den ersten Anstoß zur außerordentlichen Beliebtheit Luises bei der Berliner Bevölkerung.

24.12.1793 - Der preußische Thronfolger Friedrich Wilhelm (III.) heiratet Luise zu Mecklenburg-Strelitz nach altem Hofzeremoniell im Weißen Saal des Berliner Schlosses. Die Zuneigung dieser Frau wird dem Kronprinzen, der bisher wenig Liebe erfahren hat, zu einer glücklichen Erfahrung. Das Paar pflegt einfache, in diesen Kreisen ungewöhnliche Umgangsformen. Man duzt sich und spricht voneinander als von „meinem Mann“ und „meiner Frau“. Spaziergänge ohne Gefolge auf der Straße Unter den Linden, Besuche von Volksbelustigungen wie des Berliner Weihnachtsmarktes und dem „Stralauer Fischzug“ entsprechen offensichtlich ihren persönlichen Neigungen und werden von der Bevölkerung beifällig zur Kenntnis genommen.

07.10.1794 - Dem preußischen Kronprinzenpaar Friedrich Wilhelm und Luise von Preußen bleiben vorerst Nachkommen versagt, als Luise die Totgeburt ihres ersten Kindes, einer Tochter, erleidet.

Erstes Halbjahr 1795 - Im Kronprinzenpalais entsteht die berühmte "Prinzessinengruppe" des Bildhauers Gottfried Schadow, von König Friedrich Wilhelm II. in Auftrag gegeben. Der Künstler hatte vorübergehend einen Arbeitsraum im Kronprinzenpalais, sah die Schwestern häufig und durfte sogar „nach der Natur“ ihre Maße nehmen. Luises Mann, der Kronprinz, ist allerdings mit der natürlichen, trotz reichlichen Faltenwurfs recht körperbetonten Darstellung unzufrieden. Zudem hat sich die inzwischen verwitwete Friederike noch im Trauerjahr schwängern lassen und, „in höchster Eile“ verheiratet, den Hof und Berlin verlassen müssen.

15.10.1795 - Dem preußischen Kronprinzenpaar Friedrich Wilhelm und Luise von Preußen wird ein Jahr nach der Totgeburt einer Tochter ein Kronprinz geschenkt. Der Junge erhält den Namen Friedrich Wilhelm.

22.03.1797 - Nur eineinhalb Jahre nach der Geburt des Kronprinzen Friedrich Wilhelm wird dem Kronprinzenpaar Friedrich Wilhelm und Luise von Preußen ein weiterer Prinz geboren, der den Namen Wilhelm erhält.

09.11.1797 - König Friedrich Wilhelm II. überlässt seinem Sohn, dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm III., die Regierungsgeschäfte, da er dazu aufgrund von Atemnot und Bewegungsunfähigkeit nicht mehr in der Lage ist.

16.11.1797 - König Friedrich Wilhelm II. stirbt während eines Krampfanfalls morgens um 0858 Uhr im Alter von 53 Jahren im Marmorpalais. Noch an diesem Morgen erfährt der Kronprinz Friedrich Wilhelm III. in Berlin durch einen Boten, dass sein Vater im Sterben liegt. Auf dem Weg zum Marmorpalais in Potsdam begegnet dem Kronprinzen der königliche Kabinettsrat von Bischoffwerder, der die Nachricht vom Tod des Königs nach Berlin tragen soll. Friedrich Wilhelm III. versucht unverzüglich, der Monarchie in Preußen eine neue Richtung zu geben. Er verfügt eine Begrenzung der offiziellen festlichen Huldigung des neuen Königs, zum Einen, weil sein Vater ihm 48 Millionen Taler Staatsschulden hinterließ und zum Anderen, weil er sich von seinem Vorgänger, der eine sehr prachtvolle höfische Repräsentation pflegte, bewusst abzugrenzen. So sollen lediglich Huldigungsfeste in Berlin und in Königsberg stattfinden. In Königsberg sollen zwei Reden des neuen Königs, eine in deutsch und die andere in polnisch, verlesen werden. Zu den Festtagen in Königsberg werden 3000 Gäste geladen.

Dezember 1797 - Angewidert vom moralischen Zerfall am Hofe seines Vaters (Intrigen einer kleinen Hofclique, Affären des königlichen Vaters, der am Ende mit drei Frauen zugleich verheiratet war), ist der neue König von Preußen Friedrich Wilhelm III. bemüht, die Sittlichkeit im Königshaus wiederherzustellen. Er fordert die Mätresse seines Vaters, Wilhelmine Enke, die vom Vater den Titel „Wilhelmine von Lichtenau“ erhielt auf, die königlichen Gebäude mit ihren Kindern zu verlassen. Wilhelmine war von 1769 bis 1782 die Mätresse des Königs und danach bis zu seinem Tode dessen engste Vertraute und Beraterin, mit dem sie sechs Kinder hat.

Frühjahr 1798 - Albrecht Daniel Thaer, der Polywissenschaftler und Mediziner, der seit 18 Jahren Mitarbeiter der Landwirtschaftsgesellschaft von Celle ist, berichtet im ersten von drei Bänden über den beeindruckenden Stand der englischen Landwirtschaft. Der Band hat den Titel: „Einleitung zur Kenntniß der englischen Landwirthschaft und ihrer neueren praktischen und theoretischen Fortschritte, in Rücksicht auf Vervollkommnung deutscher Landwirthschaft für denkende Landwirthe und Cameralisten“. Diesen Band sendet Thaer auch an den preußischen König Friedrich Wilhelm III., der sich umgehend für die Zusendung bedankt und in seinem Schreiben die „Wichtigkeit des Akkerbaues in Beziehung auf individuelle und gemeine Wohlfarth“ und in Verbindung mit „den Vorzügen der englischen Landwirthschaft“ betont. Er erklärt auch dem Wissenschaftler aus Celle, dass er selbst die Landwirtschaft in Preußen auf einer „geringen Stufe“ sähe.

13.03.1798 - König Friedrich Wilhelm III. von Preußen wirft der Mätresse seines verstorbenen Vaters König Friedrich Wilhelm II. in einer Kabinettsorder vor, „die wichtigsten wie die geringsten Regierungsangelegenheiten von ihren landesverderblichen Einfluss abhängig gemacht (zu) haben“. Allerdings werden die königlichen Untersuchungen keinen einzigen Beweis dafür liefern, dass Enke in die Politik Friedrich Wilhelms II. eingegriffen hat. König Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Königin Luise, leben weiterhin im Kronprinzenpalais. Das Berliner Stadtschloss erscheint dem jungen König viel zu imposant und wird nur zu seltenen, repräsentativen Staatsakten wie der Huldigungsfestlichkeit genutzt. Anders als seine Vorgänger zieht er eine klare Trennlinie zwischen Privatleben und öffentlicher Funktion. Sein relativ schlichter, fast bürgerlicher Lebensstil findet in der Öffentlichkeit positiven Anklang.

13.10.1798 - In einem Edikt weist der König von Preußen die Finanzkommission an, „auf die Heranziehung des Adels zur Grundsteuer Bedacht zu nehmen.“ Es geht Friedrich Wilhelm III. um eine Erhöhung der Grundsteuer, die der Adel an den Staat zahlt. Ein hoher Beamter versteht dieses Edikt falsch und veröffentlicht die königliche Order, woraufhin die preußischen Landstände protestieren.

1799 - König Friedrich Wilhelm III. von Preußen erteilt den Befehl, die Leibeigenschaft auf den königlichen Landgütern abzuschaffen. Allerdings treffen die guten Absichten des Königs auf zähen Widerstand aus dem General-Ober-Finanz-Kriegs- und Domainendirektorium, kurz Generaldirektorium, da die adeligen Gutsherren befürchten, dass die Bauern ihrer Landgüter rebellieren könnten. Die Bemühungen des Königs geraten ins Stocken.

1800 - Auf persönliche Einladung des Königs kommt der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland nach Berlin. König Friedrich Wilhelm III. bestimmt ihn zum Leibarzt des Königshauses und zum ersten Arzt der Berliner Charité.

1803 - Eine Deklaration König Friedrich Wilhelms III. bestimmt, dass alle Kinder aus konfessionsverschiedenen Ehen im Bekenntnis des Vaters zu erziehen.

1804 - Nach 1803 beginnt König Friedrich Wilhelm III. damit, die Bedenken des Generaldirektoriums zu ignorieren und befiehlt den Abbau der Frondienste der Bauern auf seinen Landgütern.

15.02.1806 - Da er nicht mit der Politik des preußischen Königs gegenüber Frankreich übereinstimmt, tritt von Hardenberg auf Drängen Napoléons zurück. Dieser Vorgang macht ihn in der deutschen Freiheits- und Nationalbewegung zu einer populären Gestalt. Die unglückliche Schaukelpolitik Preußens zwischen Ost und West wird von von Hardenberg, vom Stein und einigen Mitstreitern auch auf den Regierungsstil zurückgeführt. Anders als vom Stein verzichtet von Hardenberg jedoch darauf, den König in Denkschriften über seine Umgebung aufzuklären, sondern sucht Einfluss über die Königin Luise zu nehmen, die ihm sehr gewogen ist.

06.08.1806 - Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches führt der preußische König Friedrich Wilhelm III. seine Reichstitel "Kurfürst und Erzkämmerer des Reiches" zunächst weiter.

09.08.1806 - König Friedrich Wilhelm III. befiehlt die Mobilmachung seiner Armee, nachdem sich Provokationen Frankreichs häuften.

11.08.1806 - König Friedrich Wilhelm III. verfügt die Gründung der ersten preußischen Blindenanstalt.

27.09.1806 - König Friedrich Wilhelm III. stellt dem französischen Kaiser Napoléon I. ein Ultimatum, in dem er den Kaiser auffordert, mit dem Rückzug seiner Truppen hinter den Rhein zu beginnen. Die Schaffung des Rheinbundes, so lässt das Ultimatum erkennen, haben den Frieden von Basel und die preußische Neutralitätszone in Norddeutschland ad absurdum geführt. Der König bezichtigt Napoléon also des Vertragsbruches. Im Ultimatum heißt es wörtlich: „Der König erwartet von der Rechtschaffenheit Seiner Kaiserlichen Majestät: 1. dass die französischen Truppen, die kein begründeter Anspruch nach Deutschland ruft, unverzüglich wieder den Rhein überschreiten […]“.

Anfang Oktober 1806 - Kaiser Napoléon reagiert nicht auf das Ultimatum, antwortet jedoch dem Brief Friedrich Wilhelms III. Er gibt darin zu verstehen, dass Frankreich Preußen militärisch überlegen sei: „Glauben Sie mir, ich habe so mächtige Streitkräfte, daß alle die Ihrigen den Sieg nicht lange schwankend machen können! Warum aber so viel Blut vergießen? Zu welchem Zweck? Ich spreche zu Eurer Majestät, genau so wie ich zum Kaiser Alexander vor der Schlacht von Austerlitz gesprochen habe (…) Aber Sire, Eure Majestät wird besiegt werden! Sie werden die Ruhe ihrer Tage, das Leben Ihrer Untertanen preisgeben, ohne auch nur den kleinsten Grund zu Ihrer Entschuldigung vorbringen zu können! Heute stehen Sie noch unbescholten da und können mit mir auf eines Ihres Ranges würdige Weise unterhandeln, aber noch ehe ein Monat vergeht, wird ihre Lage eine andere sein.“

09.10.1806 - Ein Tag nach Ablaufen des preußischen Ultimatums, erklärt der französische Kaiser Napoléon Preußen den Krieg. Zwar überträgt Friedrich Wilhelm III. dem Herzog von Braunschweig, Karl Wilhelm Ferdinand, den Oberbefehl über die preußischen Truppen, doch reißt weder dieser noch der König die Leitung des Feldzuges an sich. Napoléon dagegen kann schneller reagieren. Er lässt seine Truppen von Würzburg aus nach Thüringen marschieren.

10.10.1806 - In der Schlacht bei Saalfeld fällt der am preußischen Hof einflussreiche Prinz Louis Ferdinand, ein Neffe Friedrichs II.

14.10.1806 - Bei der Schlacht zwischen französischen und preußischen Truppen bei Jena und Auerstedt wird das Heer des preußischen Königs vernichtend geschlagen. Friedrich Wilhelm III. gelingt es kaum noch, sich selbst in Sicherheit zu bringen. Er findet Weimar, wohin er sich zuerst wenden wollte, schon von den Franzosen besetzt. Immer wieder muss er – geführt von ortskundigen Bewohnern der Gegend – die Richtung wechseln, um den vorrückenden Truppen Napoléons zu entkommen. Als er schließlich in Sömmerda ankommt, hat er 26 Stunden ununterbrochen ohne Verpflegung im Sattel gesessen. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt wurde die Quadriga des Brandenburger Tors auf Weisung von Napoleon als Kriegsbeute nach Paris gebracht. In Paris wird geplant, die Quadriga des Brandenburger Tors entweder auf den späteren Arc de Triomphe oder Porte Saint-Denis zu platzieren. Friedrich Wilhelm musste mit Frau und Kindern bis nach Memel in Ostpreußen fliehen, in den nordöstlichsten Zipfel des Landes.

03.01.1807 - Der preußische Finanz- und Handelsminister Heinrich Friedrich Karl vom und zu Stein will Preußen dagegen nach dem Vorbild des napoleonischen Code civil umformen: Bauernbefreiung, Gleichheit vor dem Gesetz, Schutz von Eigentum und Religionsfreiheit. Auf dieser Grundlage könne der Staat loyale Bürger für sich gewinnen und revolutionäre Kräfte, wie sie die Französische Revolution demonstriert hatte, bändigen. Als Heinrich Friedrich Karl vom und zu Stein vorschlägt, die aus Günstlingen des Königs bestehende Kabinettregierung durch ein Ministerium zu ersetzen, schreibt ihm Friedrich Wilhelm III.: „Aus allem diesem habe ich mit großem Leidwesen ersehen müssen, daß Sie als widerspenstiger, trotziger, hartnäckiger und ungehorsamer Staatsdiener anzusehen (sind), der auf sein Genie und Talent pochend, weit entfernt (davon ist), das Beste des Staates im Auge zu haben, nur durch Kapricien geleitet, aus Leidenschaft und aus persönlichem Hass und Erbitterung handelt.“

07.02.1807 - Die französische Armee wird von russischen Streitkräften in der Schlacht bei Preußisch-Eylau zurückgeschlagen. Von diesem Rückschlag ernüchtert, bietet Kaiser Napoléon Friedrich Wilhelm III. einen Waffenstillstand an, demzufolge Preußen lediglich auf seine Gebiete westlich der Elbe verzichten muss. Der preußische König lehnt jedoch ab, da er hofft, dass weitere russische Angriffe die Waagschale zugunsten Preußens neigen werden. Eine weitere russische Verstärkung bleibt jedoch aus und Napoléon schlägt die russische Armee in der Schlacht bei Friedland vernichtend.

26.04.1807 - Nach einem Intermezzo mit dem Obersten Zastrow als Außenminister wird von Hardenberg, auch auf Betreiben des russischen Zaren Alexander I., zum Ersten Kabinettsminister ernannt, dem der König weitreichende Vollmachten verleiht, und der auch wieder für die Außen- und Innenpolitik zuständig ist. In dieser Funktion spricht er sich offen für einen gemeinsamen russisch-preußischen Kampf gegen Napoléon aus.

14.06.1807 - Der russische Zar Alexander I. muss den französischen Kaiser Napoléon um Waffenstillstand bitten. Damit bricht er sein Versprechen gegenüber Friedrich Wilhelm III., nicht mit Frankreich zu verhandeln. Zum Treffen Napoléons mit dem Zaren in Tilsit wird der preußische König nicht eingeladen. Napoléon legte es auf die völlige Demütigung des Königs an. Friedrich Wilhelm III. muss stundenlang am Ufer der Memel, umgeben von russischen Offizieren und eingewickelt in einen russischen Mantel, auf die Ergebnisse des Vertrages warten.

15.06.1807 - Einen Tag nach der Verhandlung mit dem russischen Zaren lädt Napoléon Friedrich Wilhelm III. zu sich. Zunächst lässt Napoleon den König im Vorzimmer warten, dann weigert er sich, dem König seine Pläne für Preußen mitzuteilen. Stattdessen wird der König von Napoléon über dessen militärische Fehler belehrt.

09.07.1807 - Der französische Kaiser Napoléon diktiert im Frieden von Tilsit die Bedingungen für Preußen. Preußen verliert alle Gebiete westlich der Elbe und aus der Zweiten und Dritten Polnischen Teilung. Teilweise aus den von Preußen abgetrennten Territorien entstehen das Herzogtum Warschau und das Königreich Westphalen, die zu französischen Vasallen werden und Preußens Einfluss weiter eindämmen. Preußen verliert die Hälfte seines Territoriums und wird zu einer hoch verschuldeten Mittelmacht abgestiegen. Als Bedingung nach dem Frieden von Tilsit muss von Hardenberg auf Befehl Napoléons, für den er "untragbar" ist und der ihn zu einem "Feind Frankreichs" erklärt hat, wieder von seinem Ministeramt zurücktreten und reist nach Riga. Die Berufung von Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein 1807 beeinflusste er von seinem Exil-Aufenthalt Riga aus entscheidend mit.

12.09.1807 - In Riga gibt Kanzler Karl August von Hardenberg die im Auftrag des preußischen Königs verfasste Denkschrift „Über die Reorganisation des Preußischen Staats“ heraus. Hier entwickelt er Reformvorschläge, die eine Monarchie mit Freiheitsrechten und demokratischen Elementen ermöglichen sollen. Er empfiehlt seinem König, sich nicht auf die Legitimität seines Hauses als Gewähr für Preußens Zukunft zu verlassen, sondern im Kampf mit Napoléon – mit Vorsicht – auch auf das erwachende deutsche Nationalgefühl zu setzen: „Bei der immer drohender werdenden und nicht aus den Augen zu verlierenden Gefahr, daß Napoléon die Vernichtung Preußens beabsichtige, ist Bearbeitung und Benutzung des Nationalgeistes allerdings äußerst wichtig.“

August 1807 - König Friedrich Wilhelm III. ist gezwungen zu erkennen, dass der militärische, politische und wirtschaftliche Zusammenbruch Preußens nur durch radikale Reformen überwunden werden kann. So lässt er es zu, dass ein Führungskader aus Ministern und Beamten eine Reihe von Regierungsedikten erlassen, die Preußen zu einem modernen Staat machen sollen. Die sogenannten „Preußischen Reformen“ werden vom Freiherrn vom Stein, von Karl August von Hardenberg, Wilhelm von Humboldt und Militärs wie Gerhard von Scharnhorst und August Graf Neidhardt von Gneisenau vorangetrieben. Der König soll künftig nicht mehr im Stil eines absolutistischen Herrschers, sondern vielmehr seine Verantwortung an Spitzenbeamte, die ihre Gebiete mit einer gewissen Eigenständigkeit bearbeiteten, delegieren. Dabei geht es sowohl um die Fachressorts als auch um die Leitung neu gebildeter Provinzen. Dem König obliegen die grundlegenden Entscheidungen, die Umsetzung ins Detail soll den Ressorts überlassen werden. Die Fachleute beraten den König, der zwischen ihnen moderiert und Entscheidungen trifft. Die Staatsreformer werden vom König in einigen Punkten ausgebremst, da Friedrich Wilhelm III. eine Balance zwischen Adel und aufstrebendem Bürgertum wahren will.

09.10.1807 - Der König von Preußen verkündet das "Oktoberedikt", mit dem die Leibeigenschaft der Bauern und Frondienste aufgehoben werden. Berufsfreiheit und freier Eigentumserwerb werden staatlich garantiert. Damit können Bauern in die Städte ziehen, Stadtbewohner Landbesitz erwerben und Adelige bürgerliche Berufe ergreifen. Stein gelingt es, Friedrich Wilhelm III. davon zu überzeugen, sein Kabinett aus persönlichen Beratern aufzulösen und an dessen Stelle Ministerien zu setzen.

11.11.1808 - Von Hardenberg trifft sich heimlich mit dem preußischen König in der Nähe von Königsberg und rät ihm, sich vom Freiherrn vom Stein zu trennen. Vom Stein hat jedoch Aufstandspläne gegen Napoléon ventiliert, was dessen Spitzeln bekannt wurde.

12.11.1808 - In der von ihm gefassten "Braunsberger Denkschrift" regt von Hardenberg die Entlassung des von ihm im Vorjahr vorgeschlagenen Staatsministers Karl vom und zum Stein an und schlägt dem König eine neue Ministerliste vor, in dem von Hardenbergs Lieblingsschüler aus der fränkischen Zeit, Karl Sigmund Freiherr vom Stein zum Altenstein, das Finanzressort erhalten soll. Es entstehen ein Justizministerium, ein Kriegsministerium, ein Finanzministerium, ein Außenministerium und Innenministerium. Mit der Abschaffung einer doppelten Beratung des Königs (durch Minister und durch Räte) sollen Rivalitäten zwischen Ministern und Beratern vermieden werden. Die Bürokratisierung schränkt jedoch auch die Macht Friedrich Wilhelms ein. So versucht Stein den König sogar davon zu überreden, dass Dekrete nur dann gültig seien, wenn sie die Unterschriften der fünf Minister trügen.

19.11.1808 - König Friedrich Wilhelm III. setzt die sogenannten Städteordnung in Kraft. Die preußischen Städte werden darin als vom Staat zu unterscheidende, eigenständige Korporationen angesehen. Örtliche Angelegenheiten sollen durch die kommunale Selbstverwaltung der Bürger selbstverantwortlich organisiert werden. Auch hier beugt sich der König letztlich dem Drängen des Freiherrn vom Stein.

1809 -

  • Drei Jahre nach Ende des Heiligen Römischen Reiches legt König Friedrich Wilhelm III. seine früheren Reichstitel "Kurfürst und Erzkämmerer des Reiches" endgültig ab. Um der Bevölkerung zu demonstrieren, dass die "alten Zöpfe" nun abgeschnitten werden, lässt der König neue Münzen mit seinem Portrait prägen. Während sein Porträt auf Münzen bis zum Jahr 1809 noch mit friderizianischen Zopf dargestellt wurde, trägt er auf den neuen Prägungen die moderne Frisur des Biedermeiers. Mit der Abbildung auf Münzen wird die Darstellung des Königs mit der neuen Frisur hoheitlich legitimiert.
  • Der König von Preußen leitet umfassende Bildungsreformen in Preußen ein und überträgt Wilhelm von Humboldt die Gründung der Alma Mater Berolinensis, die "Universität Berlin".
  • Die Ausplünderung Preußens durch die Franzosen und die endlose Verlängerung der Besatzung nach dem Friedensschluss führen zu einer immer mehr von Hass gegen die Besatzer erfüllten Stimmung.
  • Friedrich Wilhelm III. verweigert sich dem Drängen der Reformer und des romantischen Dichters Heinrich von Kleist, sich dem neuen Feldzug des österreichischen Kaisers Franz I. gegen Napoléon anzuschließen, obwohl die Österreicher bei der Schlacht bei Aspern Napoléon seine erste große Niederlage beibrachten. Weil dieser Anfangserfolg jedoch nicht ausgenutzt wurde, wird der preußische König in seinem Glauben bestärkt, dass die Österreicher nicht dazu fähig sind, Napoléon wirklich zu besiegen. Friedrich Wilhelms Strategie besteht darin, jeden Schritt zu vermeiden, der die völlige Auflösung des Königreiches nach sich ziehen könnte. Der König äußert sich dazu: „Eine politische Existenz, sie sey noch so klein, ist dennoch immer beßer als keine und dann, so ändert die Zeit vieles in der Welt, mithin bleibt auch in diesem Fall Hoffnung für die Zukunft: nicht so aber, wenn Preußen aus der Reihe der Staaten gänzlich ausscheiden müsste, welches sehr wahrscheinlich der Fall seyn möchte, wenn es zu früh alles aufs Spiel setzen wollte.“

15.12.1809 - König Friedrich Wilhelm III. verlässt mit 36 Kutschen seine ostpreußische Residenz in Königsberg, nachdem der französische Kaiser Napoléon den Fünften Koalitionskrieg siegreich beendete und dem preußischen König die Rückkehr nach berlin genehmigte.

23.12.1809 - König Friedrich Wilhelm III. reitet feierlich an der Spitze seiner Truppen in Berlin ein. Am Bernauer Tor wird er vom Berliner Oberbürgermeister begrüßt. Der Jubel in Berlin bleibt jedoch angesichts der österreichischen Niederlage im Fünften Koalitionskrieg verhalten. Friedrich Wilhelm III. schrieb über die Stimmung während seines Einzuges: „Die Innigkeit und Ruhe, welche bei meiner Rückkehr Mich hier empfangen haben, gereichen den Bewohnern Berlins und den Polizei-Einrichtungen zur größten Ehre.“

1810 - König Friedrich Wilhelm III. ernennt Karl Friedrich Schinkel zum Oberbauassessor der Berliner Oberbaudeputation ernannt. In dieser Position wird Schinel für alle öffentlichen Bauwerke Preußens verantwortlich, deren Kostenvoranschlag über 500 Taler beträgt. Als Schüler bei David Gilly hat Schinkel gelernt, dass eingehaltene Kostenpläne unabdingbar sind, wenn man das Vertrauen des Königs behalten will. Wegen der königlichen Sparmaßnahmen wird Schinkel seine zuweilen ausgreifenden Projekte oft nicht realisieren können.

April 1810 - Zum Gedenken an die Rückkehr des Königs Friedrich Wilhelm III. nach Berlin am 23. Dezember des Vorjahres wird das Bernauer Tor in "Königstor" umbenannt.

04.06.1810 - Von Hardenberg erreicht die Entlassung des Kabinetts von Dohna-Altenstein. Es gelingt ihm auch, mit der Billigung Napoléons zum preußischen Staatskanzler ernannt zu werden. In dieser Funktion bündelt Hardenberg eine bis dahin nicht erreichte Machtfülle in einer Person: Neben dem Außen- und Innen- übernimmt er auch das Finanzressort. Die durch vom Stein begonnenen und unter von Altenstein ins Stocken gekommenen Preußischen Reformen setzt er fort, kann sich aber wie Altenstein nicht gegen die restaurativen Kräfte durchsetzen. Sein Hauptziel, die Einführung einer Verfassung und die Mitbestimmung des Bürgertums, kann er nicht erreichen.

19.07.1810 - Königin Luise von Preußen, die Gemahlin des Königs Friedrich Wilhelm III., stirbt im Alter von 34 Jahren auf Schloss Hohenzieritz in Mecklenburg-Strelitz. Von den zehn Kindern, die sie geboren hat, leben noch sieben. Vier Stunden vor ihrem Tod treffen ihr Ehemann sowie ihre beiden ältesten Söhne ein. Bei der Obduktion ergibt sich, dass ein Lungenflügel der Königin zerstört war, auch findet man eine Geschwulst im Herzen. Gräfin Voß schreibt dazu in ihr Tagebuch: „Die Ärzte sagen, der Polyp im Herzen sei eine Folge zu großen und anhaltenden Kummers.“

30.07.1810 - Die verstorbene Königin Luise von Preußen wird im Berliner Dom beigesetzt. Diese Ruhestätte ist nur vorübergehend, da für ihre sterblichen Überreste im Park des Schlosses Charlottenburg ein Mausoleum errichtet wird, das von König Friedrich Wilhelm III. selbst entworfen wird. Die Architekten dieses Bauwerkes sind Heinrich Gentz und Karl Friedrich Schinkel. Nach dem Tod der Königin gewinnt eine reaktionäre Kamarilla Einfluss auf den König. De facto bedeutet dieser politisch einflussreiche Zirkel um den König die Rückkehr zu einer Kabinettsregierung, wie sie der Freiherr vom Stein 1807 abschaffen wollte. Die Kamarilla setzte sich aus dem früheren Prediger Jean Pierre Frédéric Ancillon, Sophie Marie Gräfin von Voß und Wilhelm Ludwig Georg Graf zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein zusammen.

27.10.1810 - Friedrich Wilhelm III. ernennt Karl August von Hardenberg zum Staatskanzler, der verspricht, die französischen Forderungen nach Zahlung einer Kriegsentschädigung durch eine radikale Reform der Staatsfinanzen zu begleichen. Die Staatsschulden betragen 66 Millionen Taler, fast doppelt so viel wie vor 1806. Papiergeld, Kreditaufnahmen und Wertminderungen der Münzen verschärfen die wirtschaftliche Krise Preußens weiter. Die Steuerlast wikrd von Karl August von Hardenberg durch eine Verbrauchssteuer gleichmäßig verteilt. Gewerbefreiheit soll eingeführt und die Zünfte abgeschafft werden. Das von von Hardenberg selbst formulierte "Edikt über die Finanzen des Staats und die neuen Einrichtungen wegen der Abgaben u.s.w." stellt den Beginn der Hardenbergschen Reformen dar; es lässt erkennen, mit welcher Energie von Hardenberg jetzt das napoleonische Konzept einer Bündelung aller Kräfte und Kompetenzen in einer Hand - hinter der Fassade des weiter bestehenden monarchischen Absolutismus - auf Preußen anzuwenden gedenkt: Er erlässt nun die von ihm umgearbeitete "Verordnung über die veränderte Verfassung aller obersten Staatsbehörden".

1811 -

  • Innerhalb der Hardenbergschen Reformen werden das Regulierungsedikt, das Gewerbesteuergesetz, das die Gewerbefreiheit festschreibt sowie Maßnahmen zur Bauernbefreiung verkündet. Von zentraler Bedeutung ist die im Finanzedikt vom Oktober 1810 angekündigte "vollkommene Gewerbe-Freiheit". Sie erscheint als die Voraussetzung, um ein stetiges Wirtschaftswachstum in Gang zu setzen, das wiederum für die Überwindung der Finanzmisere und die Wiederherstellung einer Handlungsfähigkeit des Staates erforderlich erscheint. Ebenfalls findet sich im Finanzedikt das erste der so genannten "Verfassungsversprechen" des Königs von Preußen. Im neuen bürgerlichen Zeitalter soll nur der Staat dauerhaft Zugang zu finanziellen Ressourcen erhalten, der in irgendeiner Form von Parlamentarismus seinen Steuerzahlern sowie den Zeichnern seiner Staatsanleihen Einblick in sein Finanzgebaren gewähren muss.
  • In Breslau wird die Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität gegründet.
  • Unter der Leitung des Ministers von Altenstein wird die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn gegründet.

Mindestens ebenso wichtig sind die Reformen des Schulwesens in seinen verschiedenen Stufen. Außerdem wird die Berufsausbildung verbessert sowie die Ausbildung von Fachleuten und Unternehmern der gerade entstehenden Industrie.

Sommer 1811 - Mit der militärischen Aufrüstung innerhalb der letzten beiden Jahre verstößt Preußen gegen den Friedensvertrag von Tilsit.

14.09.1811 -

  • Von Hardenberg veröffentlicht das Regulierungsedikt und das "Edikt zur Beförderung der Land- Cultur". Im Regulierungsedikt wird vorgezeichnet, wie die Bauern, die die Verfügung über ihr Land mit ihren Gutsherren bislang hatten teilen müssen, zu freien Eigentümern ihres Bodens werden können.
  • Der französische Kaiser Napoléon fordert den sofortigen Stopp der preußischen Rekrutierungen und Ausbesserungen von Festungen. König Friedrich Wilhelm III. setzt sich gegen die Meinung seiner Militärs durch und gab Napoléons Drängen nach. Gebhard Leberecht von Blücher, der vom König verlangte, Berlin zu verlassen und sich Napoléon zu widersetzen, wird von seinem Kommando abberufen.

19.11.1811 - Friedrich Wilhelm III. von Preußen setzt eine Order, die sogenannte Städteordnung in Kraft. Die preußischen Städte wurden darin als vom Staat zu unterscheidende, eigenständige Korporationen angesehen. Örtliche Angelegenheiten sollten durch die kommunale Selbstverwaltung der Bürger selbstverantwortlich organisiert werden. Auch hier beugte sich der König letztlich dem Drängen des Freiherrn vom Stein.

24.02.1812 - Der französische Kaiser Napoléon zwingt den preußischen König in ein offensives Militärbündnis gegen Russland. Der Allianzvertrag kommt auch aus dem Grunde zustande, da die bislang mit Preußen verbündeten Russen sich nach der Meinung des preußischen Königs nicht so verhalten haben, wie man es von einem Vertrauen erweckenden Verbündeten erwartete. Preußen muss ein Truppenkontingent von 12.000 Mann für die Grande Armée stellen. Auf dem Weg nach Russland marschiert die Grande Armee durch das Königreich. Die ostpreußische Bevölkerung hat Einquartierungen zu erleiden und muss ohne Gegenleistung die 300.000 Soldaten Napoleons versorgen. Gegenüber der Zivilbevölkerung kommt es zu Plünderungen, Prügel und Erpressungen. Selbst die preußischen Festungen und Munitionsdepots öffnen sich dem französischen Oberbefehl.

11.03.1812 - Von Hardenberg und König Friedrich Wilhelm III. verkünden die vollständige Emanzipation der jüdischen Bevölkerung, die etwa 30.000 Menschen beträgt. Hier ziehen Beide die Konsequenz aus der Tatsache, dass in eine Gesellschaft, in der die Ständeschranken aufgehoben werden, auch für eine sonderständische Gruppe, wie sie die Juden bislang darstellte, als Gruppe kein Platz mehr ist und infolgedessen geboten ist, die Juden zu Staatsbürgern zu machen. Von Hardenberg tritt für einen liberalen Verfassungsstaat ein, wie er ihn schon in seiner Rigaer Denkschrift gefordert hat, lehnt im Gegensatz zu vom Stein aber die Schaffung eines deutschen Nationalstaats ab. Eine Steuerreform und die Schaffung einer repräsentativen Vertretung plant von Hardenberg ebenfalls, scheitert damit jedoch am Widerstand des konservativen Adels. Den russischen Bestrebungen um ein Bündnis gegen Napoléon gegenüber verhält sich von Hardenberg zunächst abwartend.

14.09.1812 - Zar Alexander I. zog seine Truppen zurück und zwang die Grande Armee zu einem Gewaltmarsch, bei dem der französische Nachschub nicht mehr hinterher kam. Mit dem Brand von Moskau bricht die Versorgung der Armee vollends zusammen. Napoléon befiehlt den Rückzug aus Moskau. Geschwächt durch den russischen Winter und Partisanenangriffen kehren von ursprünglich 600.000 Soldaten nur 40.000 zurück. In Berlin sehen Offiziere und Minister nun die Möglichkeit, Napoléons Herrschaft abzuschütteln. Doch Friedrich Wilhelm III. hält zunächst noch am Bündnis mit Frankreich fest.

15.12.1812 - Der französische Kaiser Napoléon fordert von Preußen eine Aufstockung des Hilfskontingents. Da der preußische König am Bündnis mit Frankreich immer noch festhält, entspricht er dieser Aufforderung. Nachdem die Armee Napoléons in Russland ein Desaster erlebte, wird Staatskanzler Karl August von Hardenberg wegen einer Schaffung eines neuen Bündnisses gegen Napoléon wieder aktiv. Den preußisch-russischen Vertrag von Kalisch, in dem eine gemeinsame Erhebung gegen Napoleon vereinbart wird, vermittelte er als Verhandlungsführer auf preußischer Seite, zusammen mit vom Stein, der den russischen Zaren vertritt.

02.01.1813 - Staatskanzler von Hardenberg erfährt, dass der preußische General Yorck in Tauroggen die Neutralisierung des an Frankreichs Seite im Krieg gegen Russland stehenden preußischen Korps vereinbart hat. Yorck drängt den König dazu, weiter zu gehen und sich gegen Napoléon zu wenden. Erst als feststeht, dass Russland nach Erreichen der schlesischen Grenze bereit wäre, den Krieg fortzusetzen, kann sich auch ein preußischer Entschluss bilden, in diesen Krieg mit aller Macht einzutreten.

25.01.1813 - Den Franzosen gelingt es an Oder und Weichsel mehrere Festungen zu halten. In dieser Situation wird Berlin, der Aufenthaltsort des Königs, von den Franzosen bedroht. König Friedrich Wilhelm III. trifft mit seinem 70 Personen umfassenden Gefolge im schlesischen Breslau ein und entgeht so der französischen Kriegsgefangenschaft.

28.01.1813 - König Friedrich Wilhelm III. beruft in Breslau eine Rüstungskommission ein, der führende Generäle wie Gerhard von Scharnhorst, Karl Georg Albrecht Ernst von Hake, August Neidhardt von Gneisenau und Gebhard Leberecht von Blücher angehören.

09.02.1813 - Unter Beeinflussung der Rüstungskommission stimmt Friedrich Wilhelm III. einem Kernstück der Militärreform zu, der er sich jahrelang verweigert hat und ruft für die Dauer des Krieges eine allgemeine Wehrpflicht aus, von der sich keine Gesellschaftsschicht freikaufen darf. Somit wird Preußen relativ schnell in die Lage versetzt, ein Heer von 300.000 Soldaten aufzustellen. Die Wehrpflicht wird entgegen der ursprünglichen Absicht des Königs auch nach den Befreiungskriegen nicht wieder abgeschafft werden.

27.02.1813 - Auf Druck des Zaren und seiner eigenen Untertanen wechselt König Friedrich Wilhelm III. die Fronten. Zwar verzichtet er im Vertrag von Kalisch auf weitergehende polnische Gebietsansprüche, doch garantiert ihm Zar Alexander I. im Gegenzug, dass Preußen die geographischen und finanziellen Bedingungen von vor 1806 wieder erlangen soll. Der Vertrag von Kalisch bedeutet ein offizielles Militärbündnis zwischen Preußen und Russland.

10.03.1813 - König Friedrich Wilhelm III. stiftet zum Geburtstag der 1810 verstorbenen Königin Luise erstmals den Orden des Eisernen Kreuzes. Seine verstorbene Frau wird posthum die erste Ordensempfängerin. Das Kreuz, entworfen von Karl Friedrich Schinkel, schafft erstmals eine Auszeichnung für alle Ränge, auch für die einfachen Soldaten.

16.03.1813 - König Friedrich Wilhelm III. erklärt Frankreich den Krieg.

20.03.1813 - Historische Bedeutung erlangt der von Friedrich Wilhelm III. herausgegebene Aufruf „An Mein Volk“ in der Breslauer Schlesischen privilegierten Zeitung. In dem Aufruf rechtfertigt ein preußischer Regent erstmals vor seinen Untertanen seine Politik. Zugleich ruft er sein Volk dazu auf, sich gegen die französische „Fremdherrschaft“ zu erheben, jede einzelne Provinz: „Brandenburger, Preußen, Schlesier, Pommern, Litthauer! Ihr wisst was Ihr seit sieben Jahren zu erdulden habt, Ihr wisst was euer trauriges Loos ist, wenn wir den beginnenden Kampf nicht ehrenvoll enden. Erinnert Euch an die Vorzeit, an den großen Kurfürsten, den großen Friedrich. Bleibt eingedenk der Güter die unter ihnen unsere Vorfahren blutig erkämpften […]“ Der Aufruf zieht Parallelen zu konservativ motivierten Rebellionen wie dem Tiroler Volksaufstand von 1808. Viele deutsche Fürsten, darunter auch Friedrich Wilhelm III., fürchten, dass Volksaufstände einen revolutionären Charakter entwickeln könnten. Abgesehen von den Herzogtümern Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin stehen zu Beginn des Befreiungskrieges noch alle Rheinbundstaaten auf französischer Seite. Napoléon verfügt damit noch immer über eine relativ stabile Vormachtstellung in Mitteleuropa.

02.05.1813 - An der Schlacht von Großgörschen nimmt König Friedrich Wilhelm III. auf einem weißen Araberhengst reitend persönlich teil. Er muss sich jedoch zurückziehen, da es Napoléon gelingt, die russischen und preußischen Linien zu durchbrechen. Die Schlacht bei Großgörschen endet nicht zuletzt wegen der mit Frankreich weiterhin verbündeten Rheinbundstaaten mit einem Sieg Napoléons. Nach der Schlacht bei Bautzen muss sich die preußische Armee sogar von Sachsen nach Schlesien zurückziehen.

04.06.1813 - Der französische Kaiser Napoléon schließt mit König Friedrich Wilhelm III. und Zar Alexander I. den auf sechs Wochen befristeten Waffenstillstand von Pläswitz. Der Entourage des preußischen Königs wird sich bewusst, dass das russisch-preußisch Militärbündnis ohne Österreich nicht in der Lage ist, Napoléon zu besiegen.

27.06.1813 - In der geheimen Konvention von Reichenbach zwischen König Friedrich Wilhelm III., Zar Alexander I. und dem österreichischen Diplomaten Klemens Wenzel Lothar von Metternich, verpflichtet sich Österreich, der preußisch-russischen Koalition dann beizutreten, wenn Napoléon nicht die Preußen vorgelegten Bedingungen akzeptiert. Friedrich Wilhelm III. stimmt sogar Gesprächen zwischen Napoléon und dem österreichischen Diplomaten zu. Sollte Napoléon sich hinter den Rhein zurückziehen und den Rheinbund auflösen, so die Formulierung des preußischen Königs, werde er Napoléons Herrschaft anerkennen.

10.08.1813 - Der Waffenstillstand zwischen Frankreich auf der einen und Preußen und Russland auf der anderen Seite läuft aus. Wegen Protesten in Frankreich gegen weitere Rekrutierungen war es Napoléon im Zeitraum des Waffenstillstandes nicht möglich, seine Truppenstärke wesentlich zu vergrößern. Preußens Truppenstärke entspricht dagegen 6 Prozent der Bevölkerung.

19.10.1813 - Der französische Kaiser Napoléon und seine Verbündeten werden in der Völkerschlacht bei Leipzig vernichtend geschlagen. Friedrich Wilhelm III., Alexander I. und Franz I. von Österreich beobachten vom 158 Meter hohen, später so genannten Monarchenhügel bei Meusdorf aus das Schlachtfeld von Leipzig. Bis auf den König von Sachsen treten nun alle deutschen Fürsten aus dem Rheinbund aus. In der Folge muss sich Napoléon hinter den Rhein zurückziehen. Im Verbund mit den Russen, Österreichern und Schweden werden nun die Preußen, die unter Blücher die Russen mit sich zogen, die treibende Kraft bei der geplanten Verfolgung Napoléons bis nach Paris.

31.03.1814 - König Friedrich Wilhelm III. zieht durch den Porte Saint-Denis in Paris ein. In Paris befiehlt er, die Quadriga des Brandenburger Tors unverzüglich nach Berlin zurückzuführen. Die Fahrt der mit insgesamt 32 Pferden bespannten sechs Wagen, die 15 schwere Kisten trugen, dauerte über zwei Monate; seit der Ankunft auf rechtsrheinischem Gebiet in Düsseldorf glich sie einem Triumphzug. Auf Wunsch des Königs, der als Symbol des Sieges das Eiserne Kreuz berücksichtigt wissen wollte, entwarf Schinkel ein neues Emblem für die Siegesgöttin. Sie trägt jetzt ein Eisernes Kreuz in einem Eichenkranz mit auffliegendem preußischen Adler darüber.

30.05.1814 - Nach der Unterzeichnung des Ersten Friedensvertrages von Paris reisen König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und weitere Staatsmänner der Siegermächte nach London.

03.06.1814 - König Friedrich Wilhelm III. von Preußen erhebt auf der Reise nach London seinen Staatskanzler Karl August von Hardenberg in den erblichen Fürstenstand. Das Diplom für diese Ernennung wurde bereits in Paris ausgestellt.

07.08.1814 - König Friedrich Wilhelm III. kehrt nach Berlin zurück. Bei seinem Eintreffen fällt die Verhüllung der wieder nach Berlin geschafften Quadriga auf dem Brandenburger Tor. Nach den Befreiungskriegen wird Friedrich Wilhelm III. in Preußen als „Vater des Vaterlandes“ gefeiert, zum Beispiel wenn er später in Berlin fast täglich im Theater erscheinen wird.

25.08.1814 - Nach Berlin heimgekehrt, empfängt von Hardenberg den Besuch seines Sohnes Christian, der als Bevollmächtigter des Königs von Dänemark mit ihm den Frieden zwischen Preußen und Dänemark abschließt, auch "Hardenbergscher Familienfrieden" genannt. Kurz darauf bricht von Hardenberg nach Wien auf, um zusammen mit Wilhelm von Humboldt Preußen auf dem dortigen Kongress zu vertreten.

11.11.1814 - Auf dem Wiener Kongress macht König Friedrich Wilhelm III. den Fürsten von Hardenberg zum erblichen Standesherrn auf den Gütern Quilitz, Rosenthal und der ehemaligen Kommende Lietzen, die unter dem Namen Neuhardenberg zusammengefasst werden.

11.03.1815 - König Friedrich Wilhelm III. erlässt die „Order zur Neubefestigung der Stadt Coblenz und der Festung Ehrenbreitstein“. Gemeinsam mit der Festung Köln soll die Festung Koblenz den Mittelrhein sichern. Koblenz und Ehrenbreitstein sollen bis 1832 befestigt und mit einem Gürtel von selbstständigen vorgeschobenen Festungswerken umgeben werden, die nach modernen Erkenntnissen, der so genannten „Neupreußischen“ oder „Neudeutschen Befestigungsmanier“ gebaut werden, wobei die Festung Ehrenbreitstein das Hauptwerk werden soll. Friedrich Wilhelm III. garantiert der Rheinprovinz die Beibehaltung des französischen Code Civil. Er verzichtet damit auf die Einführung des Allgemeinen Landrechts für die Preußischen Staaten in der neuen Provinz. Preußen fordert auf dem Wiener Kongress im Osten die nördliche Hälfte Sachsens (mit der Festungsstadt Torgau und der Lutherstadt Wittenberg), den schwedischen Teil Vorpommerns (mit der Insel Rügen) und das Großherzogtum Posen. Ursprünglich war es das Ziel des preußischen Königs, das ganze Königreich Sachsen seinem Staat einzuverleiben und damit ein zusammenhängendes preußisches Territorium im Osten zu schaffen.

Mai 1815 - Auf dem Wiener Kongress gelingt es von Hardenberg, Preußen erheblichen Gebietszuwachs zu sichern, und er plant die unverzügliche Etablierung neu organisierter Verwaltungen in den gewonnenen Gebieten. Der ebenfalls teilnehmende preußische König legt sich in Wien auf eine blinde Unterstützung des Zaren Alexander I. fest und von Hardenberg muss sich von diesem zurechtweisen lassen. Den schließlichen Kompromiss in der polnisch-sächsischen Streitfrage handelt er dennoch mit dem britischen Außenminister Lord Castlereagh aus. Um nicht neben den süddeutschen Staaten mit leeren Händen dastehen zu müssen, will von Hardenberg in Wien auch den Entwurf einer preußischen Verfassung ausarbeiten lassen, muss sich aber schließlich damit begnügen, dem König ein neues Verfassungsversprechen abzuringen. Mit dem territorialen Gewinn der preußischen Westprovinzen (Provinz Westfalen und Rheinprovinz) wächst die Zahl der Katholiken in Preußen auf 4 Millionen an. Dieser Umstand bereitet im mehrheitlich protestantischen Preußen ein Integrationsproblem. Die katholische Bewegung des Ultramontanismus betrachtet die Kirche als Gebilde, in dessen Belange sich Staaten wie Preußen nicht einzumischen haben.

22.05.1815 - König Friedrich Wilhelm III. lässt "eine Verordnung über die zu bildende Repräsententation des Volkes" ausarbeiten. Es geht hier um die Frage der Umwandlung Preußens in eine konstitutionelle Monarchie.

09.06.1815 - Der preußische Staatskanzler Karl August von Hardenberg unterzeichnet die Wiener Kongress-Akte und kehrt in seine Heimat zurück.

26.09.1815 - König Friedrich Wilhelm III., Zar Alexander I. und Kaiser Franz I. von Österreich unterzeichnen die Gründungserklärung der Heiligen Allianz. Mit der Heiligen Allianz versprechen die drei Ostmächte sich Beistand und Interventionen im Falle revolutionärer Ereignisse. Die Allianz wurde ein wirkungsvolles Instrument zur Unterdrückung liberaler Bestrebungen. Die Politik der Heiligen Allianz ist zwar reaktionär und restaurativ, aber sie verschafft Kerneuropa, das seit der Französischen Revolution bis zur Schlacht von Waterloo immer wieder von Kriegen überzogen wurde, eine lange Friedensperiode. Außenpolitisch verfolgt Friedrich Wilhelm III. weiter jene Ideen, mit denen er schon als junger König angetreten ist, Neutralität und Frieden.

1817 - König Friedrich Wilhelm III. von Preußen beruft eine Verfassungskommission ein. Ferner versucht er, durch die neu gegründete (protestantische) Union zugleich den religiösen Sinn zu heben und die Einheit der protestantischen Konfessionen in der Evangelischen Kirche in Preußen zu erzielen, wobei er dies zunächst auf friedlichem Wege versucht. Hartnäckiger Widerstand, vor allem in den neuen sächsischen Landesteilen, wird ihn zu Zwangsmaßregeln, etwa zur Inhaftierung von Pfarrern, zur Beschlagnahme lutherischer Kirchen, Enteignung von Grundbesitz, wie die Entstehung der evangelisch-lutherischen (altlutherischen) Kirche und der Agendenstreit belegen.

1818 - Das von Staatskanzler von Hardenberg vorgelegte und vom preußischen Staatsrat beratene Zollgesetz wird verabschiedet; es schafft eine einheitliche Zollaußengrenze, während die Binnenzölle in Preußen aufgehoben werden. Von Hardenbergs Vorlage wird eine wichtige Voraussetzung des späteren Zollvereins darstellen.

01.08.1819 - König Friedrich Wilhelm III. trifft mit dem österreichischen Kanzler Metternich in Teplitz zusammen, um in Vorbereitung zu den Karlsbader Beschlüssen eine gemeinsame Bundespolitik zwischen Preußen und Österreich abzustimmen. In Teplitz stimmt der preußische König mit Metternich darin überein, Presse, Universitäten und Landtage schärfer überwachen zu wollen.

20.08.1819 - Mit den Karlsbader Beschlüssen lässt es Friedrich Wilhelm III. zu, dass missliebige Professoren entlassen, Burschenschaften verboten sowie alle Bücher, Zeitschriften und Zeitungen unter 320 Seiten zitiert werden.

31.12.1819 - Herausragende Persönlichkeiten des Kabinetts wie Wilhelm von Humboldt und Carl Friedrich von Beyme, die gegen die Karlsbader Beschlüsse protestierten, werden durch den König entlassen. Historiker sprechen später hier von der sogenannten Demagogenverfolgung.

17.01.1820 - Im Staatsschuldengesetz bringt von Hardenberg ein weiteres königliches Verfassungsversprechen unter. Weitere Schulden sollen nur noch unter Zustimmung neu zu berufener "Reichsstände" aufgenommen werden können.

1820 - Der Star-Architekt Preußens Karl Friedrich Schinkel beginnt das ursprünglich barocke Schloss in Neuhardenberg im Auftrag des Fürsten von Hardenberg klassizistisch umzubauen; die Renovierung wird fast vier Jahre in Anspruch nehmen. Von Hardenberg nimmt am europäischen Kongress von Troppau teil.

1821 - Dank Friedrich Wilhelm III. kommt der Prozess der wirtschaftlichen Modernisierung in Preußen zügiger voran als in Russland und in Österreich. Bei der beginnenden Industrialisierung spielt das vom König unter der Leitung von Christian Peter Wilhelm Beuth gegründete Gewerbeinstitut Berlin eine Schlüsselrolle. Das Institut vermittelt vor allem die für den praktischen Gewerbebetrieb nötigen technischen Kenntnisse. Es machte neue Technologien zugänglich, indem es aus England, Frankreich und Belgien technologisches Wissen beschaffte und Maschinen nachbaut. Für das Gewerbe und die junge Industrie wird der aus Cleve stammende, preußische Rheinländer Beuth ein einflussreicher Förderer. Das sehr vergrößerte, aber territorial ungünstig verteilte neue Preußen kann seine wirtschaftliche Vernetzung, beispielsweise durch den Bau von Straßen und Chausseen vorantreiben.

11.06.1821 - König Friedrich Wilhelm III. teilt von Hardenberg mit, dass er sich statt mit Reichsständen vorläufig mit ständischen Repräsentationen für die einzelnen Provinzen begnügen wolle. Die Zusammenberufung der Reichsstände wird demzufolge auf unbestimmte Zeit verschoben.

1823 - In Preußen werden die Provinzialstände eingeführt, immerhin die ersten Regionalparlamente, aber eben keine „Reichsstände“. Durch Quoten in jedem Stand kann der einheimische Adel jeden Vorschlag blockieren.

09.11.1824 - König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, der seit 14 Jahren Witwer ist, heiratet die Gräfin Auguste von Harrach in morganatischer Ehe. Die Verbindung mit der Gräfin für den 54jährigen Monarchen problematisch, da die Gräfin nicht aus einem regierenden Hause stammt, 30 Jahre jünger und überdies katholisch ist. Auguste wird politisch nicht in Erscheinung treten. Die Trauung findet in der Schlosskapelle von Charlottenburg statt und Auguste erhält die Titel "Fürstin von Liegnitz und Gräfin von Hohenzollern". Zitiert wird der König mit den Worten: Eine Königin darf es nicht sein; eine Luise bekomme ich nicht wieder. Das Paar wohnte zunächst in einem Hotel Unter den Linden und Karl August Varnhagen von Ense berichtet: Unser König hat sich vorgestern verheiratet. Wie ein Donnerschlag traf die Nachricht unter die Leute, und die meisten verweigerten ihr allen Glauben. Auguste ist zunächst eine Außenseiterin am Berliner Hof und rangiert wegen der morganatischen Ehe im Hofprotokoll hinter den jüngsten Prinzen und Prinzessinnen des Hauses.

07.05.1824 - Der Komponist Ludwig van Beethoven, gebürtig im damals kurkölnischen Bonn, gibt im Wiener Kärntnertortheater ein Konzert zur Uraufführung der 9. Sinfonie in d-Moll op. 125. Er erklärt, dass er seine neunte Sinfonie "in höchster Ehrfurcht" dem König Friedrich Wilhelm III. von Preußen widme.

17.08.1825 - Eine von König Friedrich Wilhelm III. angeregte Kabinettsorder überträgt die aus dem Jahre 1803 stammende Bestimmung, dass alle Kinder aus konfessionsverschiedenen Ehen im Bekenntnis des Vaters zu erziehen seien, auf die seit zehn Jahren zu Preußen gehörenden Westgebiete, wo sich Ehen zwischen evangelischen Militärangehörigen oder beamten mit katholischen Rheinländerinnen häufen. Den katholischen Priestern wird verboten, das Versprechen der katholischen Kindererziehung gemaß des kanonischen Rechts der römisch-katholischen Kirche als Voraussetzung für die feierliche Einsegnung zu fordern. Widrigenfalls gelten diese Ehen als zivilrechtlich ungültig. Die den Preußen ohnehin reserviert begegnende Bevölkerung der Westprovinz empfindet diese Bestimmung als bewussten Versuch der Protestantisierung. Episkopat und Kurie wagen keinen Widerstand und üben stillschweigende Duldung. Es gibt jedoch auch sich widersetzende Priester, die sich auf ihr Gewissen und die in der Bundesakte garantierte Kirchenfreiheit berufen.

1826 - Auf Befehl Königs Friedrich Wilhelm III. beginnt die Restaurierung des Magdeburger Doms.

25.05.1826 - Die Gemahlin des preußischen Königs Auguste Fürstin von Liegnitz und Gräfin von Hohenzollern tritt zum protestantischen Glauben über.

1827 - König Friedrich Wilhelm III. ernennt Karl Wilhelm Wach zu seinem Hofmaler und stattet ihn mit einem Lagerhaus aus, das sich in der Folge zu einer bedeutenden Malerschule entwickeln wird.

1828 - Die im Jahre 1809 gegründete "Universität Berlin" heißt von nun an nach ihrem Gründer "Friedrich-Wilhelms-Universität".

August 1830 - Aus machtpolitischen Gründen weigert sich Friedrich Wilhelm III., beim Ausbruch der französischen Julirevolution von 1830 militärisch einzugreifen. Der revolutionäre Funke springt von Paris aus auch auf Teile des Deutschen Bundes über.

20.09.1830 - In Berlin kommt es zur sogenannten Schneiderrevolution, einer Auseinandersetzung zwischen Handwerkern und Polizeikräften. Obwohl Friedrich Wilhelm III. maßgeblich an der folgenden Verhaftungswelle beteiligt ist, werden die Berliner diese Geschehnisse lediglich den königlichen Beratern und Ministern anlasten. Den König titulierten sie weiterhin mit den Beinamen "der Gerechte" und "der Gutmütige". Dennoch kann die Schneiderrevolution nicht darüber hinwegtäuschen, dass Regierung und Bevölkerung sich zunehmend zu entfremden beginnen.

01.01.1834 - Der Deutsche Zollverein als Zusammenschluss von Staaten des Deutschen Bundes für den Bereich der Zoll- und Handelspolitik tritt in Kraft. König Friedrich Wilhelm III. förderte die Gründung des Deutschen Zollvereins, dessen erste Schritte auf das Jahr 1790 zurückgehen. Neben Preußen gehören Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Bayern, Württembertg, Sachsen und der Zoll- und Handelsverein der Thüringischen Staaten dazu.

20.11.1837 - Auf Befehl des preußischen Königs wird der im Vorjahr in sein Amt eingeführte neue Erzbischof von Köln Clemens August Droste zu Vischering verhaftet und zusammen mit seinem Sekretär Eduard Michelis in Minden unter Hausarrest gestellt. Der Erzbischof hatte bereits kurz nach seiner Inthronisierung der seit 1825 in ganz Preußen geltenden königlichen Anordnung widersprochen, dass Kinder aus konfessionsverschiedenen Ehen im Bekenntnis ihres Vaters zu erziehen seien, weil dies dem katholischen Kanon, der vorsieht, dass alle Nachkommen konfessionsverschiedener Ehen römisch-katholisch erzogen werden sollen, widerspricht. Nun soll der Erzbischof so lange arrestiert werden, bis er die Anordnung des Königs befolge. Der laute Protest des Papstes Gregorius XVI. mit ungewöhnlich scharfen Formulierungen gegen diese Vorgehensweise lässt nicht lange auf sich warten. Das Kölner Domkapitel stellt sich allerdings nicht hinter den Erzbischof, sondern wird in einem Bericht an die Kurie schwere Vorwürfe gegen den Oberhirten wegen seines unkonzilianten Verhaltens erheben und die mit ihrer Haltung allerdings nur eine Minderheitenmeinung der deutschen Katholiken darstellen.

1838 - König Friedrich Wilhelm III. stimmt Planungen für den Ausbau der Eisenbahn zunächst nur widerstrebend zu. Anlässlich der Eröffnung der Berlin-Potsdamer Eisenbahnstrecke äußert er sich angeblich so: ... alles soll Karriere gehen, die Ruhe und Gemütlichkeit leiden darunter. Kann mir keine große Seligkeit davon versprechen, ein paar Stunden früher von Berlin in Potsdam zu sein. Zeit wird’s lehren.

1839 - König Friedrich Wilhelm III. nutzt trotz seiner Vorbehalte gegen die neue Technik auf seinen letzten Reisen nach Potsdam die Eisenbahnlinie. Außerdem bewilligt er in seinem Testament eine Million Taler für eine preußische Ost-West-Eisenbahn. August Borsig beginnt zur gleichen Zeit mit dem Bau seiner ersten Lokomotive.

17.04.1839 - Aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes des seit eineinhalb Jahren wegen seines Widerstandes in der Frage der religiösen Erziehung von Kindern konfessionsverschiedener Ehen arrestierte Erzbischof Clemens August Droste zu Vischering wird mit Erlaubnis des preußischen Königs aus der Haft entlassen, um anschließend zurückgezogen in Münster zu leben.

07.06.1840 - König Friedrich Wilhelm III. stirbt. Seine letzte Ruhestätte wird er im Mausoleum im Park von Schloss Charlottenburg an der Seite seiner ersten Gemahlin Luise finden. Christian Daniel Rauch, der ihn so oft porträtiert hat, stellt ihn in einem Marmorbild auf dem Sarkophag liegend neben dem Sarkophag seiner Frau dar. Nachfolger des Königs wird sein ältester Sohn Friedrich Wilhelm IV.; in den letzten Monaten konnte sich die Gemahlin des verstorbenen Königs Auguste Gräfin von Liegnitz zwar der Achtung der Familie versichern, als sie den kranken König pflegte, darf aber wegen des niedrigen Ranges im Hofprotokoll nicht an der Trauerfeier für ihren Ehemann im Berliner Dom teilnehmen.

Zweite Hälfte 1840 - Als eine seiner ersten Regierungshandlungen legt der neue preußische König Friedrich Wilhelm IV. den Religionsstreit mit der katholischen Kirche wegen der religiösen Erziehung der Kinder konfessionsverschiedener Eltern bei und erkennt im Sinne seines Programms eines Bündnisses von Thron und Altar rasch nach und verziechet auf zentrale staatliche Rechte. Die Rückkehr des von seinem Vater für eineinhalb Jahre inhaftierten Erzbischofs von Köln, der zurzeit im Exil in Münster lebt, lässt der neue König jedoch nicht zu.

1845 - Auf dem Wilhelmsplatz in Potsdam (heute Platz der Einheit) wird ein aus Spenden von Potsdamer Bürgern finanziertes Bronzedenkmal Friedrich Wilhelms III. eingeweiht. Das von dem Berliner Bildhauer August Kiß geschaffene Denkmal zeigt den König zu Fuß in Generalsuniform mit Mantel und unbedecktem Haupt.

03.08.1849 - Im südlichen Großen Tiergarten, ganz in der Nähe des Denkmals der Königin Luise, wird ein 6,50 Meter hohes Standbild Friedrich Wilhelms III., das von dem Bildhauer Friedrich Drake geschaffen wurde, aufgestellt. Es stellt den König in einfacher Kleidung dar, die Inschrift lautet: Ihrem Könige Friedrich Wilhelm III. Die dankbaren Einwohner Berlins 1849. Das Denkmal entstand als Dank für die Verschönerung des Tiergartens, die vom König veranlasst wurde. Finanziert wurde es durch Spenden aus allen Teilen der Bevölkerung. Die Reliefs am Sockel versinnbildlichen einen Lobgesang auf den Tiergarten.

1851 - Als König Friedrich Wilhelm IV. mit Friedrich August Stüler ein Zentrum für Kunst und Wissenschaft in Königsberg plant, errichten die dankbaren Preußen, die Stände der Provinz Preußen, Friedrich Wilhelm III. bereits vor dem Neubau der Universität ein bronzenes Reiterstandbild. Modelliert von August Kiß und gegossen aus erbeuteten französischen Geschützen, zeigt die fünf Meter hohe Figur den lorbeerbekränzten König im Purpurmantel. Sie erhebt sich auf einem sechs Meter hohen Sockel, geschmückt mit sechs Frauenfiguren die Glauben, Tapferkeit, Gerechtigkeit, Liebe, Friede und Weisheit darstellen. Das Denkmal gilt als das repräsentativste der Stadt.

1860 - Die Bürger Kolbergs errichten Friedrich Wilhelm III., der die Stadt wegen ihres erfolgreichen Widerstands gegen die französische Belagerung im Jahre 1807 besonders förderte, vor dem Rathaus ein von Friedrich Drake geschaffenes Standbild. Es zeigt auf hohem Podest den barhäuptigen König, mit der Rechten seinen Hermelinmantel raffend, die Linke gestützt auf ein Schwert, in angedeuteter Schrittstellung.

1861 - In Breslau wird in der Nähe des Neuen Rathauses ein Reiterstandbild zu Ehren Friedrich Wilhelms III. aufgestellt.

05.06.1873 - Auguste Gräfin von Harrach (* 1800 in Dresden), von 1824 bis zu dessen Tod im Jahre 1840 Gemahlin des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., stirbt während eines Kuraufenthaltes in Bad Homburg. Sie lebte als Fürstin Liegnitz als Witwe mit einer ausreichenden Apanage ausgestattet weiterhin im Berliner Prinzessinnenpalais. Am Eingang des Parks von Sanssouci in Potsdam ließ sie sich von Albert Dietrich Schadow die Villa Liegnitz umbauen und in Vevey am Genfersee bewohnte sie die Villa Auguste. Bei vielen Reisen, die Auguste unternahm, besuchte sie neben der Schweiz auch Florenz, Rom und England. Den Hohenzollern gilt ihre Ehe mit dem König als morganatische Ehe.

30.03.1901 - Für die Siegesallee in Berlin schafft der Bildhauer Gustav Eberlein in der Denkmalgruppe 30 ein Marmorstandbild Friedrich Wilhelms III., das heute enthüllt wird. Auf Wunsch Kaiser Wilhelms II., dem Auftraggeber der Monumentalallee, zeigt Eberlein den König in schlanker Offiziersgestalt als jungen Mann, der gern das fast bürgerliche Familienleben im Sommersitz Paretz genoss.


Die Ämter von Friedrich Wilhelm III. von Preußen
Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich Wilhelm II.
1786-1797
König von Preußen
1797-1840
Friedrich Wilhelm IV.
1840-1861
Friedrich Wilhelm II.
1786-1797
Kurfürst von Brandenburg
1797-1806
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Quellen: