Freiherr von Stein zum Altenstein

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Biografie

KARL SIGMUND FRANZ FREIHERR VON STEIN ZUM ALTENSTEIN

* 1. Oktober 1770 in Schalkhausen/Ansbach, † 14. Mai 1840 in Berlin

Karl Sigmund Franz Freiherr vom Stein zum Altenstein
  • Preußischer Staatsminister für Finanzen
  • Preußischer Staatsminister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus)
  • In seine Amtszeit fällt die Ausdehnung der Schulpflicht auf das ganze Königreich
  • Gemeinsam mit Wilhelm von Humboldt holt er gestohlene Kunstschätze aus Frankreich zurück
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01.10.1770 - Karl von Stein zum Altenstein wird in Schalkhausen bei Ansbach in eine alteingesessene fränkische Adelsfamilie hineingeboren, deren Stammburg Altenstein zwischen Ebern und Maroldsweisach auf einem Höhenzug liegt. Er ist der Sohn des markgräflichen Husaren-Rittmeisters und Kammerherrn Friedrich Ernst Freiherr vom Stein zum Altenstein aus der Linie zu Ostheim vor der Rhön und dessen zweiter Ehefrau Juliana Philippina Wilhelmina Freiin von Adelsheim, gesessen zu Schloss Obermögersheim, geboren. Nach seiner Ausbildung am Gymnasium von Ansbach sowie im Pagenkorps wird er in Erlangen studieren.

1790 - Karl von Stein zum Altenstein studiert in Göttingen und wird später nach Jena überwechseln.

1793 - Karl von Stein zum Altenstein tritt in Ansbach als Referendar in die preußische Kriegs- und Domänenkammer ein. Sein Vorgesetzter Karl August von Hardenberg erkennt schnell sein staatsmännisches Talent und fördert ihn nach Kräften.

1799 - Karl von Stein zum Altenstein siedelt mit seinem Vorgesetzten Karl August von Hardenberg nach Berlin über, wo er für ihn als Ministerialrat arbeitet und später Geheimer Oberfinanzrat im Generaldirektorium wird.

1805 - Die Gattin Karl von Stein zum Altensteins stirbt nach kurzer Ehe an der Schwindsucht. Sie hinterlässt einen gemeinsamen Sohn.

1806 - Nachdem Preußen den vierten Koalitionskrieg gege Frankreich in der Schlacht bei Jena und Auerstedt verloren hat, wechselt Karl von Stein zum Altenstein wiederum mit Karl August von Hardenberg nach Tilsit, um mit diesem an den preußischen Reformen zu arbeiten.

1807 - Nach dem Rücktritt Karl August von Hardenberg von seinem Ministeramt wird Karl von Stein zum Altenstein Mitglied der Immediatcommission, die zwischenzeitlich die obere Leitung der inneren und der Finanzverwaltung führen soll.

September 1807 - Karl von Stein zum Altenstein geht nach Riga, wohin sich Karl August von Hardenberg zurückgezogen hat, und unterstützt diesen bei der Ausarbeitung des von König Friedrich Wilhelm III. geforderten Planes für die Neuordnung des preußischen Staates. Eine zu diesem Zwecke verfasste Denkschrift Altensteins wird von Hardenberg als Grundlage seiner Ausführungen benutzen und mit denselben dem König übersandt werden. Karl von Stein zum Altenstein begründet zunächst die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Umgestaltung und fordert die Abschaffung aller Vorrechte des Adels, der nur als eine Auszeichnung der Geburt bestehen bleiben soll. Die Erbuntertänigkeit bezeichnet er als einen Schandfleck des Staates und wundert sich, daß dieselbe so lange habe bestehen können. Inbetreff der Gewerbe verlangt er, dass jedem der möglichst freie Gebrauch seiner persönlichen Kräfte, seines Besitzes, seiner Hände und seines Kopfes gestattet werde. Die Zünfte erscheinen ihm als schädliche Monopole, die den Fortschritt des Handwerks hindern. Das Heer bedürfe einer völligen Umgestaltung. Die bisherigen Landstände seien zu beseitigen; statt ihrer müsse eine Repräsentation des Volkes gebildet werden, die, in passender Weise abgestuft, den Kreisvorstehern, den Verwaltungskammern und den Ministern dem König mit beratender Stimme zur Seite stehen könne; die Verwaltung der Gemeinden müsse ausschließlich durch von den Einwohnern erwählte Beamte geführt werden. Aus dem weiteren Inhalt der umfassenden Denkschrift geht hervor, welch große Bedeutung von Stein zum Altenstein darauf legt, daß die geistige Kraft des Volkes gehoben werde. Gerade hierin erblickt er ein wesentliches Mittel, die Erhebung gegen Frankreich und den künftigen Sieg über dasselbe vorzubereiten. Er schreibt: Es liegt in der als leitendes Princip angenommenen höchsten Idee des Staates, daß er den höchsten Werth auf echte Wissenschaft und schöne Kunst lege. Frankreich, bei einer untergeordneten, auf bloße Kraftäußerung gerichteten Tendenz, kann die Wissenschaft und Kunst nicht von diesem reinen Standpunkt betrachten ... Die Wissenschaft und Kunst wird sich dereinst rächen, indem sie sich der höheren Tendenz anschließt und dieser den Sieg versichert. Preußen muß dieses benutzen In diesem Sinne müssten namentlich die Universitäten umgestaltet werden. Besser als mehrere kleine sei eine in der Hauptstadt zu errichtende große Universität, auf die der Staat alle erforderlichen Mittel verwende. Diese Denkschrift ist wohl das bedeutendste Schriftstück, das aus Altensteins Feder geflossen ist, man wird sie auch als ein Programm dessen ansehen können, was er selbst auszuführen wünscht. Zunächst wird er nur zur Mitarbeit berufen. Als eine der schwierigsten Aufgabe erscheint ihm neben den Reformplänen die Frage der Kriegsentschädigung an Frankreich, deren Abtragung von vielen für unmöglich erachtet wird.

Dezember 1807 - Auf den Antrag Schöns, dass man versuchen solle, die Verminderung der Kriegscontributionen auf die Hälfte durch Abtretung von Gebieten, namentlich einiger Teile Schlesiens, zu erlangen, reagiert Karl von Stein zum Altenstein mit großer Wärme und hebt den nationalen Gesichtspunkt vehement hervor. Es sei unvereinbar mit dem gerechten Sinn des Königs, einen Theil von Land und Leuten abzutreten, um seinen übrigen Unterthanen Erleichterung von den Auflagen des Krieges zu verschaffen. Außerdem verzichte man damit für immer auf die Zukunft Preußens: Jede Länderabtretung in Deutschland erscheint um so bedenklicher, als der Staat nur in seinem Verhältniß zu Deutschland künftig Stellung und Wiederherstellung zu hoffen haben dürfte.

25.11.1808 - Wegen Aufruhrplänen gegen die französische Dominanz muss der Reformer und Staatsminister, der gleichnamige Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein auf Drängen Napoleons sein Amt räumen, Karl von Stein zum Altenstein wird dessen Nachfolger an der Spitze der Verwaltung als Finanzminister. Altenstein kann sich jedoch nicht gegen Kräfte durchsetzen, denen die von seinem Vorgänger begonnenen Reformen zu weit gingen, weshalb er die Reformen nicht mit der gleichen Energie weiterführen wird.

Dezember 1808 - Kurz nach der Amtsübernahme beginnt der neue preußische Finanzminister Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein damit, eine Prämienanleihe aufzulegen. Diese wird nicht die erhoffte Summe, aber immerhin 900.000 Thaler einbringen.

Februar 1809 - Der Staatsminister für Finanzen Karl von Stein zum Altenstein verfügt, dass alle Einwohner des Staates ihr gesamtes Gold- und Silber dem Staate gegen sogenannte Münzscheine verkaufen oder den dritten Teil des Wertes als Sondersteuer zahlen sollen, dass ferner von allen Juwelen und echten Perlen der sechste Teil des Wertes bezahlt werden solle. Auch diese harte, sehr ungleichmäßig wirkende Maßregel ergibt viel weniger als man erwartet hat. Ihr Ertrag wird auf 1,5 Millionen Thaler geschätzt. Am meisten hofft der Minister von einer in Holland aufzunehmenden Anleihe, stößt aber auch hier auf größere Schwierigkeiten, als er vorausgesehen hatte.

März 1809 - Der Staatsminister für Finanzen Karl von Stein zum Altenstein hat trotz mancher Misserfolge eine sehr hohe Meinung von seiner Tätigkeit und seiner Kraft. Karl August von Hardenberg wendet sich mit einem längeren Schreiben an ihn. Er bedauert, die Pläne des Ministers nicht zu kennen und sei deshalb außer Stande, sie zu beurteilen. Was ihm bisher davon bekannt geworden, scheine ihm nicht dem Zwecke zu entsprechen und namentlich nicht geeignet, das öffentliche Vertrauen zu heben. Vor allem sei es erforderlich, soviel immer möglich, allgemeine große Maßregeln zu nehmen, wobei das Publicum das Ganze übersehen kann — die geben allein Vertrauen. Er verweist dann auf den großen Wert der Domänen und der geistlichen Güter. Will man denn diese nicht benutzen? Ich habe sie noch nirgend in Anschlag bringen hören. An die Domänen hat der Finanzminister allerdings bereits gedacht, war aber nicht über eine Katastrierung und Schätzungen von Objekten hinausgekommen. Für umfassende, allgemeine Maßregeln aber scheint ihm jetzt, nachdem er die Schwierigkeit, solche durchzusetzen, erkannt hat, die Zeit weniger zu sein. Im Frühjahr 1809 ist Preußen letztmalig in der Lage, die allmonatlich fälligen vier Millionen Francs der Kriegsentschädigung vollständig aufzubringen.

Februar 1810 - Der Staatsminister für Finanzen Karl von Stein zum Altenstein versucht es noch einmal mit einer Anleihe im Inland, die Geld in die Landeskasse spülen soll. Diese Aktion bringt 1,4 Millionen Thaler zusammen, also nich tviel mehr als eine Monatsrate der an Frankreich zu zahlenden Summe.

12.03.1810 - Der Staatsminister für Finanzen Karl von Stein zum Altenstein erklärt, dass die Unsicherheit der Existenz und die durch den Krieg herbeigeführte Erschöpfung der inneren Kräfte es unmöglich mache, große Aufopferungen für die Finanzen zu verlangen und bedeutende Reformen in der Organisation des Innern zu wagen. Auch eine öffentliche Darlegung der Verhältnisse hält er nicht für zweckmäßig, weil sie den Mut ganz niederschlagen und dem Ansehen der Regierung Nachteil bringen würde. Er glaubt, dass nur ein Wechsel der Verhältnisse günstigere Zustände herbeiführen könnten. Außerdem schlägt er nun dem König vor, über die Abtretung Schlesiens in Verhandlung zu treten. Allerdings unterschätzt von Stein zum Altenstein die Kraft des Staates und den Umfang der zur Verfügung stehenden Mittel. Noch wurden die Domänen und die geistlichen Güter nicht ernsthaft herangezogen. Man hat nicht einmal eine vollständige Übersicht ihres Werthes, der nach Hardenbergs Schätzung allein für die in Schlesien gelegenen den rückständigen Betrag der Kriegsentschädigung sogar übersteigt. Hier müsste vor allem angesetzt werden. Weitere Mittel sind von der Erstarkung des wirtschaftlichen Lebens und von der Hebung des inländischen Kredites zu erhoffen. Es kommt darauf an, ob dahin zielende Reformen durchgeführt werden können, was der Finanzminister trotz aller Gelehrsamkeit und Gründlichkeit bisher nicht gelungen ist.

04.06.1810 - Auf Betreiben des Staatskanzlers Karl August von Hardenbergs wird der Staatsminister für Finanzen Karl von Stein zum Altenstein von König Friedrich Wilhelm III. aus dem Amt entlassen. Von Hardenberg besteht trotz der Vermittlungsversuche Scharnhorsts auf Altensteins Entlassung, da er selbst außer der obersten Leitung aller Geschäfte auch das Finanzministerium übernehmen und völlig freie Hand haben möchte. Nach einigem Zögern willigt König Friedrich Wilhelm III. in diesem Wunsch ein. Anderthalb Jahre hatte der vom Amt entbundene Minister zum Altenstein an der Spitze der Verwaltung gestanden, aber die Hoffnungen, mit denen er in diese Stellung eingetreten war, hatten sich nicht verwirklicht. Reiche Kenntnisse und große Arbeitskraft, freundliches Eingehen auf die Ansichten Anderer, sowie seine Befähigung, die Dinge nach allgemeinen Gesichtspunkten philosophisch zu erfassen, hatten ihm Ansehen verschafft und ihm vorher ermöglicht, unter ruhigeren Verhältnissen sich auszuzeichnen und an zweiter Stelle Tüchtiges zu leisten. Selbst die Richtung zu geben, in sturmbewegter Zeit das Steuer des Staates zu führen, wie er sich zugetraut hatte, war ihm nicht gelungen.

März 1813 - Der ehemalige preußische Staatsminister für Finanzen Karl von Stein zum Altenstein wird in Breslau Zivilgouverneur von Schlesien.

2. Hälfte 1815 - Die ehemaligen preußischen Minister Wilhelm von Humboldt und Karl von Stein zum Altenstein gehen nach dem Wiener Kongress nach Frankreich, um die von Napoléon entführten Kunstschätze für Preußen zu reklamieren.

26.08.1816 - Karl von Stein zum Altenstein wird mit dem akademischen Beinamen Isokrates II. zum Mitglied (Matrikel-Nr. 1065) der Leopoldina gewählt.

1817 - Der ehemalige preußische Staatsminister für Finanzen Karl von Stein zum Altenstein bereist die neu für Preußen erworbenen rheinischen Gebiete, um die Verhältnisse und namentlich die ständischen Einrichtungen derselben kennen zu lernen und darüber an den König zu berichten.

03.11.1817 - Der sich auf einer Reise in den rheinischen Gebieten befindliche ehemalige preußische Staatsminister für Finanzen Karl von Stein zum Altenstein wird nach Berlin gerufen und übernimmt hier als Leiter des neu entstandenen Kultusministeriums wieder politische Verantwortung unter Staatskanzler von Hardenberg. Bisher hatte die Verwaltung des neuen "Ministeriums für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten" zur Verwaltung des Staatsministeriums des Innern gehört und unter der Leitung des Ministers von Schuckmann gestanden, eines sehr tüchtigen und energischen Geschäftsmannes, der die Verwaltung mit fester Hand, aber allzu bürokratisch führte. Man glaubt, dass der vielseitige, feinsinnige von Stein zum Altenstein besser im Stande sein werde, die verschiedenen Richtungen des sich kräftig entfaltenden geistigen Lebens zu würdigen und ihnen gerecht zu werden. Vornehmlich in religiöser Beziehung hat die tiefgehende, alle Schichten der Bevölkerung ergreifende Erregung des Befreiungskrieges nachhaltige Wirkung ausgeübt. Sowohl in der evangelischen wie in der römisch-katholischen Kirche zeigt sich ein erhöhtes religiöses Leben, treten aber auch die Gegensätze stärker hervor. In der evangelischen Kirche wurde diese Bewegung durch Schleiermachers mächtige Persönlichkeit vorbereitet. Seine von philosophischen Gedanken durchdrungene, tief innerliche Auffassung und sein kraftvolles Wort haben die Schlaffen aufgerüttelt und am meisten dazu beigetragen, die Herrschaft der rationalistischen Schule zu brechen. Daneben machen Orthodoxe und Pietisten sich geltend. Die kirchlichen Behörden sind meist noch mit Männern der alten Schule besetzt und wenig geneigt, das neu erwachte kirchliche Leben zu fördern. Der neue "Kultusminister" sucht über diesen sich bekämpfenden Parteien zu stehen, er betrachtet die kirchlichen Zwistigkeiten mehr vom philosophischen und politischen Standpunkte aus als vom religiösen und wird so allerdings vor der Gefahr einseitiger Parteinahme bewahrt. Andererseits aber wird ihm dadurch auch ein tieferes Erfassen der religiösen Fragen erschwert, das nur dann stattzufinden pflegt, wenn eigene Ueberzeugung ihrem Verständnis entgegenkommt. Dies scheint bei von Stein zum Altenstein nicht der Fall zu sein. Gerade in religiöser Beziehung kann er bisweilen, trotz seines Zartgefühls und seines reichen Gemütslebens, nicht recht begreifen, was Andere bewegt. Seine Tätigkeit ist vornehmlich auf die Erhaltung des Friedens gerichtet, er sucht zu vermitteln und durch vorsichtiges Laviren heftige Ausbrüche zu verhindern. Dabei muss er natürlich auf die besondere kirchliche Politik des Königs und auf die orthodoxen Neigungen des Kronprinzen Rücksicht nehmen.

1818 - Der Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein fördert die Idee eines "Humanistischen Gymnasiums" und die Gründung der Universität Bonn. Er beginnt mit der grundlegenden Reformierung des preußischen Schul- und Bildungswesens.

1819 - Mit dem verabschiedeten Unterrichtsgesetz stellt der Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein das preußische Bildungswesen auf eine einheitliche Basis und begründet das heute noch bestehende mehrgliedrige Schulsystem mit einer Grundschule und differenzierten weiterführenden Schulen.

1820 - Noch heftigeren Streit als mit den evangelischen Kirchen in Preußen erlebt der preußische Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein mit den Eiferern der römisch-katholischen Kirche, namentlich mit den Hermesianern über die Problematik der gemischten Ehen. Hermes' Lehre und Schriften fanden in der Zeit des religiösen Friedens die weiteste Verbreitung und die größte Anerkennung, ein sehr großer Teil der Professoren an den katholischen Fakultäten und an den Seminaren und Tausende von Geistlichen in den preußischen Provinzen gehören zu ihren Anhängern. Als Hermes von Münster, wo er bereits mit dem Generalvikar Clemens August von Droste-Vischering in Streit geriet, nach der neuen Universität Bonn übersiedelt, verbietet der Generalvikar allen jungen Theologen seines Bistums den Besuch dieser Universität und verlangt, dass sie nur an der Akademie in Münster studieren dürfen. Der Oberpräsident von Vincke erklärt diese Verfügung für nichtig und findet dabei von Seiten des Ministers für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein kräftige Unterstützung. Da der Generalvikar sich bei den weiteren Verhandlungen ganz unzugänglich zeigt und jedes Entgegenkommen ablehnt, wurde die theologische Fakultät in Münster vorübergehend geschlossen. Die Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit soll erst dann gestattet werde, nachdem Droste sein Amt als Generalvikar niedergelegt hat. Ein weiterer Streit entbrennt um das Turnen, das der Kultus-Minister gern erhalten und sogar dem öffentlichen Unterricht einfügen und unterordnen wollte. Allerdings kann von Stein zum Altenstein nicht verhindern, dass auf Befehl König Friedrich Wilhelms III. die Turnplätze geschlossen und das Turnen in der bisher üblichen Weise verboten wird. Seine Vorschläge für eine anderweitige Regelung des Turnwesens erhalten nicht die Billigung des Königs, eine allgemeine Ordnung wird es daher nicht geben. Soweit aber einzelne Gymnasien und Erziehungsanstalten körperliche Übungen ihrer Schüler wünschen, werden sie von dem Minister nicht daran gehindert. In einem Erlass an die Oberpräsidenten erklärt er es für unbedenklich, dieselben zu gestatten, nur nicht in dem Geiste und in der Form der untersagten Turnübungen.

1822 - Der preußische Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein wird Ehrenmitglied der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften.

1825 - Der preußische Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein lässt die Schulpflicht auf das ganze Land ausdehnen. Außerdem beginnt die Einrichtung von Provinzial-Schulcollegien für das höhere Schulwesen, das bisher unter den Konsistorien stand und nunmehr größere Gewähr fachmännischer Leitung und Beaufsichtigung erhält. Außerdem beschließt die preußische Regierung, die Religionsdeklarationen von 1803 und 1815 auf die neu erworbenen Provinzen auszudehen, was bedeutet, dass Kinder konfessionsverschiedener Eltern die Konfession des Vaters anzunehmen haben, was im Gegensatz zur Meinung des Papstes steht, dass solche Kinder stets im römisch-katholischen Glauben erzogen werden müssen. Die rheinischen Bischöfe wenden sich hierauf unter Vermittlung der preußischen Regierung an den Papst, der den Anspruch auf die katholische Erziehung aller Kinder um keinen Preis aufgeben will.

1827 - Der preußische Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein sieht sich des Vorwurfs seiner Kritiker ausgesetzt, durch die rationalen Grundlagen der Lehren an den Universitäten den christlichen Glauben zu verdrängen. In einer zornigen Cabinetsordre befiehlt König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, dass die empörenden Thatsachen sofort aufs strengste untersucht werden und fragt, ob denn für Theologen gar keine Grenzen ihrer Lehrfreiheit bestünden. Dem gegenüber verteidigt von Stein zum Altenstein in vorsichtiger und doch würdiger Art die Lehrfreiheit der Hochschulen. Der Zweck des Studiums auf der Universität, führt er in seinem Bericht an den König aus, sei nicht, dass dort erst den Studierenden der christliche Glaube beigebracht werde; es komme vielmehr darauf an, dass sie dort eine wissenschaftliche theologische Bildung, wie solche der Dienst der Kirche erheischt, erhalten. Der evangelische Glaube kann dadurch bei ihnen, ist er rechter Art, nicht leiden, da er auch gegen die Zweifel vorhalten muss, welche sich ihnen bei wissenschaftlichen Erörterungen aufdringen. Sie lernen solche abzuweisen, wenn sie sich ihrer Ausbildung nach allen Richtungen mit Ernst hingeben und ihr kirchliches Verhältniß festhalten. Der König erklärt sich im ganzen damit einverstanden, spricht aber doch den bestimmten Wunsch aus, dass in Zukunft bei der Neuanstellung von Professoren der Theologie die Anhänglichkeit an den Lehrbegriff der evangelischen Kirche mit ernstlichster Sorge berücksichtigt werde. Infolgedessen werden von nun an die frei werdenden theologischen Professuren und die wichtigeren Ämter des Kirchenregiments überwiegend mit Orthodoxen besetzt, zum Teil auf Betreiben des Kronprinzen, der unter der Hand einen stetig wachsenden Einfluss in diesen Fragen gewinnen wird. Offene Einmischung desselben duldet der König in den kirchlichen Fragen ebensowenig wie in den politischen. Aber seine Schützlinge und Freunde in hohen und niederen Ämtern sind gern bereit, auf seine Wünsche Rücksicht zu nehmen. Auch der nachgiebige von Stein zum Altenstein steht oft unter dem Banne des geistvollen und regsamen Prinzen, der in liebenswürdigen Formen und mit Schmeicheleien um seine Gunst und Unterstützung wirbt.

1829 - Der einzige Sohn Karl von Stein zum Altenstein erliegt, während er als Referendar bei der Regierung in Merseburg arbeitet, der Schwindsucht. An dieser Krankheit starb bereits dessen Mutter im Jahre 1805. Mit seinen in Berlin lebenden Verwandten steht der Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein in innigem Verkehr. Eine unverheiratete Schwester führt sein Hauswesen.

1830 - Der preußische Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein gibt den Befehl des Königs Friedrich Wilhelm III. bekannt, nachdem die Einführung der Union von lutherischen und von reformierten Christen in allen evangelischen Kirchen Preußens zu vollziehen sei. An den vorbereitenden Maßregeln hatte der Minister keinen Anteil, die ihm ausgetragene Durchführung betreibt er dennoch mit großem Eifer und geht dabei gegen die widerstrebenden Gemeinden mit einer sonst bei ihm ganz ungewöhnlichen Strenge vor. Selbst vor den härtesten polizeilichen Maßregeln schreckt er nicht zurück, obwohl der König selbst zur Milde neigt und lieber durch Überzeugung und Überredung, durch Freundlichkeit und durch Belohnungen für die Nachgiebigen sein Ziel erreichen möchte als durch Bestrafungen. Ferner wird ein "Brief" des Königs Friedrich Wilhelm III. veröffentlicht, in dem ausgeführt wird, dass bei einer konfessionsverschiedenen Eheschließung dem katholischen Priester höchstens die passive Assistenz gestattet und ihm jede kirchliche Feierlichkeit verboten sei. Die preußische Regierung ist mit dieser Mitteilung nicht zufrieden.

18.01.1831 - König Friedrich Wilhelm III. von Preußen verleiht dem Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein den Schwarzen Adlerorden, den höchsten Orden Preußens.

1832 - Im gesamten Königreich Preußen führt der Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein die Ordnung für die Abgangsprüfung der höheren Bürger- und Realschulen ein.

02.11.1833 - In einem Bericht führt der preußische Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein aus, dass der König kraft des ihm zustehenden jus liturgicum allen lutherischen und reformierten Gemeinden die Agenda vorschreiben könne, dass die Klagen über Gewissenszwang völlig unbegründet seien und deshalb alle, die der Agenda wegen aus der Landeskirche ausscheiden wollten, als gefährliche Sektierer behandelt und bestraft werden müssten. Der Justizminister von Mühler erklärt freilich diese Ansicht für irrig und von den Gerichten werden die Angeklagten meist freigesprochen werden. Die angedrohten Maßregeln können also nicht in vollem Umfange durchgeführt werden, man ist außer Stande, die Separation und die Auswanderung zu verhindern, so daß nichts übrig bleibt, als nach und nach einige Zugeständnisse zu machen. Die Verhandlungen über dieselben werden Jahre in Anspruch nehmen und auch noch die Nachfolger des Ministers beschäftigen.

1834 - Der preußische Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein führt einen verbindlichen Lehr- und Prüfungsplan für Gymnasien ein und beginnt damit eine Auseinandersetzung um eine von den Kirchen weitgehend unabhängige Schulausbildung. Im Kirchenstreit um die konfessionsverschiedenen Ehen wird eine Einigung mit dem Erzbischof Spiegel von Köln erzielt, in dem beiderseitig akzeptiert wird, dass diesen Eltern keine Erklärung mehr über die konfessionelle Erziehung ihrer Kinder abverlangt werden soll.

1835 - Der römisch-katholische Erzbischof von Köln, Spiegel, stirbt. Die Erhaltung des kirchlichen Friedens scheint davon abzuhängen, dass auch sein Nachfolger bereit ist, denselben zu fördern. Bei der Stimmung des Domkapitels könnte die Wahl eines solchen Prälaten ohne Mühe erreicht werden. Die preußische Regierung lässt sich aber durch den Kronprinzen und einflußreiche Gesinnungsgenossen desselben bewegen, dem Domkapitel die Wahl eben jenes Clemens August von Droste-Vischering vorzuschlagen, der früher in Münster wiederholt seine hierarchische Gesinnung bekundet und den Gesetzen des Staates getrotzt hatte. Die Regierung selbst setzt die Wahl dieses fanatischen Mannes und damit der ultramontanen Partei durch. Allerdings versichert Droste-Vischering ausdrücklich, dass er jene Vereinbarung zur Konfessionswahl der Kinder konfessionsverschiedener Eltern nicht angreifen, sondern nach dem Geiste der Liebe und der Friedfertigkeit anwenden werde. Später erklärt er, an diese Versicherung nicht gebunden zu sein, da er sie in der irrtümlichen Voraussetzung abgegeben habe, daß die Vereinbarung der Bischöfe mit der Meinung des Papstes übereinstimme. In allen Punkten, wo dies nicht der Fall sei, wollte er nur das Letztere gelten lassen. Auch in anderen Fragen tritt er ebenso schroff auf. Die Regierung kommt deshalb schließlich zu der Überzeugung, dass seine Entfernung vom Amt geboten sei. nothwendig sei. Der preußische Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein schreibt ihm, um ihn zur freiwilligen Niederlegung seines Amtes zu motivieren. Als der Erzbischof dies unbedingt ablehnt, wird er verhaftet und nach Minden geführt. Bei diesem Vorgehen gegen die Person des Erzbischofs findet von Stein zum Altenstein auch die Unterstützung des Kronprinzen, der über das trotzige Verhalten Drostes erzürnt ist. In der Sache aber rät der Prinz zur Nachgiebigkeit und sucht in diesem Sinne sowohl auf den König wie auf den Minister zu wirken.

1837 - Im Königreich Preußen wird das Turnen wieder in weiterem Umfang erlaubt und den Gymnasien empfohlen, in den Lehrplan einzufügen. Alle Gymnasien erteilen von jetzt an den Unterricht nach einem einheitlichen "Normallehrplan". Das hierbei für die Gymnasien erstrebte Ziel ist es, eine allseitige harmonische Ausbildung der Schüler zu erreichen. Zu diesem Zweck soll der Mathematik, der Naturwissenschaft und der Geschichte eine erhöhte Tätigkeit zugewendet werden; trotzdem aber sollen die alten Sprachen nach wie vor im Mittelpunkte des Unterrichts stehen. Lateinisch wird zwar etwas beschränkt, Griechisch aber stärker als bisher betont und für alle Schüler der Gymnasien obligatorisch gemacht. Zeit und Kraft für solche Arbeit soll durch größere Konzentration des Unterrichts, durch Ausstattung der Schulen mit den besten Unterrichtsmitteln, durch bessere Vorbildung der Lehrer und durch strengere Auswahl bei der Anstellung derselben gewonnen werden. Dies durchzuführen erfordert bedeutende Geldmittel, um die äußere Lage der Lehrer einigermaßen befriedigend zu gestalten und die nötigen Lehrmittel zu beschaffen. In dieser Beziehung ist der Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein eifrig bemüht, wenn auch nicht mit vollem Erfolg. Die erhöhten Anforderungen an die Arbeitskraft der Gymnasiasten rufen großen Widerspruch und sogar Widerstand hervor. Zunächst von seiten derer, die den Unterricht in den alten Sprachen beschränken wollen. Sie finden für diese Forderung in den höchsten Kreisen Unterstützung; auch der König spricht sich zunächst wiederholt in diesem Sinne aus, bis er sich indessen beschwichtigen lässt. Der Gefährlichste von ihnen ist Kamptz, der von 1824 bis 1832 an der Spitze der Unterrichtsabteilung stand. In seinem Kampf gegen die deutschen Ideologen würde er das Studium des Griechischen am liebsten ganz beseitigen. Außerdem ist er der Meinung, daß es weniger auf das Maß des Wissens ankomme als auf die in den Schülern zu erweckende religiöse und politische Gesinnung. Karl von Stein zum Altenstein und Johannes Schulze lassen sich aber in ihren Zielen nicht beirren. Nur kommen sie dem Verlangen nach stärkerer Betreibung der realen Wissenschaften so weit entgegen, dass den Städten erlaubt wird, auf ihre Kosten höhere Bürger- und Realschulen einzurichten, und diese nicht ganz so streng wie die Gymnasien in einheitlichen Anforderungen eingespannt werden. Die Humanisten andererseits sind unwillig, dass die Alleinherrschaft der lateinischen Sprache eingeschränkt werden soll.

1838 - Der preußische Minister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (Kultus) Karl von Stein zum Altenstein wird aus gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt entlassen. In den 23 Jahren Leitung seines Ministeriums leistete der scheidende Minister trotz ungünstiger Verhältnisse Bedeutendes. Was unter ihm für Unterricht, Kunst und Wissenschaft geschehen ist, hat er nicht durch kühnes Vorgehen nach festem Plane erreicht, sondern indem er mit Zähigkeit an seinen Zielen festhielt, wenn er auch im einzelnen Falle dem auf ihn ausgeübten Drucke nachgab und von kräftigeren Naturen leicht bestimmt und beeinflusst werden konnte. Nur durch seine Nachgiebigkeit und Vorsicht ist es ihm gelungen, sich bis zum Tode in der Gunst des Königs und im Amt zu halten. An diesem Amt hing er mit ganzer Seele. Er hatte ein starkes Gefühl seiner Würde und Bedeutung, er war zugleich stolz auf das Gute, das er wirken und fördern konnte. Mit großer Sorgfalt hielt er darauf, dass die zahlreichen Bittschriften eingehend untersucht und beantwortet wurden. Ganz besondere Freude machte es ihm, junge Talente zu fördern, wobei er oft, wenn die öffentlichen Mittel nicht ausreichten, von dem Eigenen dazu gab. Wie die Freude am Wohltun ist die Liebe zur Pflanzenwelt ihm bis ins Alter geblieben. Sich ihr zu widmen geben der Sommersitz, den er in Schöneberg bei Berlin erworben hat, und ein Weinberg bei Werder reiche Gelegenheit. Auch die weiten Räume seiner Amtswohnung sind fast wie ein Garten eingerichtet und oft von berauschendem Blumenduft erfüllt. Inmitten seltener Pflanzen und erlesener Kunstwerke lebt er von nun an den Geschäften, den Studien und seinen Liebhabereien.

28.01.1838 - Das preußische Kabinett entscheidet in der Sache der religiösen Erziehung von Kindern konfessionsverschiedener Eltern, dass die Einzelfallentscheidung in allen zweifelhaften Fällen den Bischöfen obliege.

1840 - Anlässlich des hundertjährigen Thronjubiläums des preußischen Königs Friedrichs des Großen regt der frühere preußische "Kultusminister" Karl von Stein zum Altenstein eine Veröffentlichung der Werke des Königs an, die auch umgesetzt wird.

14.05.1840 - Der frühere preußische "Kultusminister" Karl von Stein zum Altenstein stirbt in Berlin und wird auf dem Dreifaltigkeitskirchhof II. beigesetzt werden.

Karl von Stein zum Altenstein
(Königreich Preußen)
Vorgänger Amt Nachfolger
-
Staatsminister für Finanzen
1808-1810
Karl August von Hardenberg
1810-1813
-
Staatsminister für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten
1817-1838
Adalbert von Ladenberg
1838-1840